„UND DER MOND GEHT NIE UNTER.“
Über den Film
„Moonrise Kingdom“

Das Buecher-Logbuch™ empfiehlt den Film Moonrise Kingdom.

New Penzance, Neuengland. Suzy Bishop ist zwölf Jahre alt und langweilt sich; sie schaut durch ihr Fernglas, um sich die Zeit zu vertreiben. So erfährt Suzy vom Verhältnis ihrer Mutter mit dem Sheriff. Suzys eigene geheime Verabredung heisst Sam Sakusky; sie haben sich bei der Schulaufführung von Noahs Sintflut, wo Suzy den Raben gibt, kennengelernt. Sam verlässt heimlich das Pfadfinderlager und macht sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Suzy und Sam werden auf ihrer Flucht aufgespürt, doch es gelingt ihnen zu fliehen; ein Suchtrupp stöbert sie am nächsten Morgen auf. Suzy muß zurück zu ihren Eltern, Sam bleibt in der Obhut des Sheriffs; die beiden Verliebten fliehen auf eine abgelegene Insel. Nur eine Sturmflut kann ihre Weiterflucht verhindern. Der Strand, wo sich Suzy und Sam küssen, wird von der Sturmflut weggespült; er bekommt den Namen Moonrise Kingdom. Suzy und Sam suchen Unterschlupf in der Kirche…

Interpretation

Die in vielerlei Hinsicht begriffsstützigen Erwachsenen werden in Moonrise Kingdom vor vollendeten Tatsachen gestellt; Vorzeichen der auf sie zukommenden Ereignisse bekommen sie überhaupt nicht mit;

eingelullt von ihren Sorgen bemühen sie sich, ihre elterliche Pflicht – Suzys Eltern – oder ihre Fürsorgepflicht – Sheriff Sharp als Sams Pflegevater – nachzukommen. Die Erwachsenen erscheinen planlos hysterisch, von der neuen Situation überfordert. Sam ist Waise; er macht sich bei vielen Pflegeeltern unbeliebt, weil er immer wieder abhaut; auf der Suche nach Etwas oder Jemandem.

Die beiden Heranwachsenden nehmen den nicht immer planbaren Lauf der Geschichte gelassen hin; ihre coole Gelassenheit gepaart mit Vertrauen, Zielstrebigkeit und Teamgeist verleiht ihnen die nötige Distanz zum überlegten Handeln. Suzys und Sams Liebe ist trotz etwaiger Hindernisse echt und unerschütterlich; am Ende der Leinwandgeschichte sind sie eine Erfahrung reicher und immer noch zusammen; wie lange sie tatsächlich zusammen bleiben werden, tut der Atmosphäre keinen Abbruch.

Vor der idyllischen Einöde Neuenglands – auch wenn der Ort New Penzance fiktiv ist, ist es immer noch unverkennbar Neuengland – erkunden junge Menschen die Natur, verlieben sich, erleben ein kleines oder großes Abenteuer. Suzy und Sam schaffen mit ihrer Liebe und ihrer Flucht ein Novum; „quelle disastre“ für die alltagsgewohnten Erwachsene! Der Ausgang ist doch gefühlt vorprogrammiert; Suzy und Sam stürzen sich in ihr Verderben, und das muß verhindert werden. Die panischen Reaktionen der Erziehungsberechtigten, die vor Urzeiten aufgehört haben, miteinander zu reden, enden in eine Fast-Katastrophe, die im letzten Moment verhindert werden kann. Suzy und Sam ist das Happy-End zu gönnen. Vergänglichkeit, Romantikferne und Alltag werden sich woanders begegnen müssen.

In Suzys und Sams Königreich geht der Mond nie unter.

Notiz zur FSK Freigabe

Moonrise Kingdom schildert die Identitätssuche zweier Heranwachsender; ihre romantische Liebe begleitet sie auf ihrer Ich-Entdeckungsreise. Suzy und Sam sind von ihren Eltern verlassen; Sam ist Waise und den Pflegeeltern eine Last; Suzys im Alltagstrott dümpelnde Eltern suchen Trost in Ersatzhandlungen.

Zwölfjährige Kinder würden sich mit den beiden jugendlichen Protagonisten identifizieren, um sich nicht in Begleitung Erwachsener mit den Beziehungen in Moonrise Kingdom auseinanderzusetzen.

Moonrise Kingdom, Wes Anderson, Roman Coppola, 2012, FSK ab 12

Moonrise Kingdom erzählt Suzys und Sams Geschichte in der malerischen, oft kargen Landschaft Neuenglands entlang der amerikanischen Ostküste; ohne Benjamin Brittens Kinderoper Noahs Sintflut – Noye’s Fludde – hätten sich Suzy und Sam nie kennengelernt; der herrlich altmodische Film kommt ohne viele technischen Raffinessen aus.

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Suzy und Sam treffen sich bei einer Theateraufführung und planen den gemeinsamen Ausbruch: aus Familie, Alltag und kaputten Beziehungen. Plötzlich besorgte Eltern heften sich an ihre Fersen, und ihr Traumstrand weicht den Wasserfluten. Die beiden Jugendlichen zeigen mehr Grips als die Erwachsenen im Film.©BUECHER-LOGBUCH

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Orte

überall, wo der Mond nie untergeht, zum Beispiel in Hamburger Schulen und Medienzentren.

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Faye Kellerman, Moon Music.