Inhalts- und Charakteranalyse
tschick

Wolfgang Herrndorf, tschick

tschick ist die Geschichte einer Freundschaft wie keine zweite, die Grenzen wie Klamotten, Ansichten, Politik oder Elternhaus überschreitet und stärker als die Zeit ist.

Orte:

Berlin.

Hamburg.

Osnabrück.

Inhalts- und Charakteranalyse des Romans tschick.

In der sechsten Klasse fällt Maik mit einem achtseitigen Deutschaufsatz über seine Familienverhältnisse auf, in welchem er die kaputte Ehe seiner Eltern dokumentiert, den Alkoholismus seiner Mutter und die Gleichgültigkeit seines Vaters schonungslos thematisiert;
sein nicht anstrengungsbereiter Deutschlehrer steht der Wahrnehmung Maiks verständnislos gegenüber, weil sie nicht ins allgemeinverständliche Schema passt; so bemängelt er die zur Schau getragenen, privaten Inhalte und die Länge des Aufsatzes; der Schreibstil und vor Allem Maiks Mut zum Erzählen werden ausser Acht gelassen.

Als der nächste Newcomer mit der Lizenz zum Mädchenliebling auftaucht, folgt nicht anders als erwartet die Peer-Gruppe blindlings dem supercoolen, trendverheißenden Jungen, dessen Allerwelts-persönlichkeit nicht das Subjekt dieser Geschichte ist.
Maiks Spitzenleistungen im Hochsprung und Bleistiftzeichnen sind wenig populäre Randbereiche, die Gleichaltrige belächeln.

Charakterisierung Maik – Die Person Maik


Maiks in keinster Weise angeberisches Verhalten versetzt ihn in den Augen der gleichaltrigen Mehrheit in ein unsichtbares Niemandsland für „Loser“, das sind in diesem Fall nicht showgeile, unauffällige, daher für die Big Brother-Folgegeneration nichtbeachtungswürdige Zeitgenossen.
Das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein zieht die Masse der gleichaltrigen Jugendlichen, die in diesem Fall nicht-spiegelverkehrt die Erwachsenenwelt kopieren, aus öffentlichkeitswirksamen Auftritten in der Weise wie Massenmedien sie vorspielen.
In ihrem verblendeten Dauerzustand sind sie kaum in der Lage, „tschick“ zu erkennen, als er vor ihnen in anderen Klamotten und mit Sonnenbrille steht.
Wie enttäuscht ist Maik, als die erhoffte Einladung zum Geburtstag seiner Angebetenen ausbleibt. Im Zustand hilfloser Wut zerreißt er fast sein außergewöhnliches Geschenk, für das er monatelang gearbeitet hat; zum Glück aber nur fast.
An diesem Seelentiefpunkt erscheint der unwahrscheinlichste Tröster: tschick der Asi, der Asoziale. Maik behauptet sich, denkt nach und wird selbstbewusster; er bleibt am Ende der Geschichte seinem Freund „tschick“ treu.

Allein gelassen von seinen Eltern, die mit der eigenen Selbstverwirklichung beziehungsweise Therapierung beschäftigt sind, in der Schule meist unsichtbare Maik Klingenberg beginnt, sich selbst zu entdecken.

Der unauffällige und deswegen für trendbewußte, angepasste Peers nicht interessante Maik fällt unwillkürlich auf in der Geschichte und als Romanfigur.

Mit Maik Klingenberg viel gemeinsam und doch sehr verschieden. Charakter aus einem anderen Roman.

Charlie Bucktin aus Wer hat Angst vor Jasper Jones? haben viel gemeinsam und sind doch sehr verschieden.

Charakterisierung tschick


Seit der Emigration von Rostow nach Deutschland hat tschick eine bewegte Schullaufbahn hinter sich: Förderschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium. Er ist wortkarg, trägt immer dieselben Klamotten, eine Plastiktüte über der Schulter, trinkt regelmäßig Alkohol, schreibt in seinem Lesetagebuch und führt Selbstgespräche, innere Monologe. tschick fällt der Umwelt durch sein Erscheinungsbild und sein ultra-lässiges Betragen mehr auf als Maik. Seine Schulleistungen sind wechselhaft, ab und zu hat er jedoch einen denkwürdigen, literaturverdächtigen Coup im Ärmel; im Fach Deutsch zum Beispiel lässt seine Interpretation von Brechts Geschichten vom Herrn K. Klasse und Lehrer sprachlos.

Es mag für Maik zunächst unvorstellbar erscheinen, doch tschick versteht Maiks Seelenqualen; letzterer revidiert sein der Majoritätseinstellung angepasstes Bild über „tschick“;
Missverständnisse klären sich auf, eine Freundschaft bahnt sich an, die Odyssee mit einem geklauten Lada darf beginnen. tschick ist Maiks Begleiter, er ist der reifere und extrovertiertere der beiden. Er entpuppt sich entgegen allen über ihn vorgefassten Meinungen zu einem mehr oder weniger gekonnten Autofahrer, befähigten Rohstoffaufspürer, extrovertierten Fabulierer und Charmeur, distanzierten, gelegentlich kontaktsuchenden Abenteurer, Meister der Innere-Monologe-Führung und rätselhaften Zeitgenossen, treuen Kumpel und, wenn es darauf ankommt, verschwiegenen Weggefährten. Der ältere tschick entflieht für ein paar Tage der Ghettosiedlung trägt unwillkürlich den Stempel Jugendlicher mit „Migrantenhintergrund“; doch die Entscheidung, wie er mit derartigen Vorurteilen umgeht, liegt ganz bei ihm.
Er mag vieles verkörpern, doch er ist nicht der Prototyp des Gewalttäters.

Mit dem Menschen tschick viel gemeinsam und doch sehr verschieden hat ein Charakter aus einem anderen Roman, Jasper Jones.

Charakterisierung Horst Fricke – Die Person Horst Fricke

tschick und Maik begehen Hausfriedensbruch und werden von dem alten und einsamen Horst Fricke beschossen. Der Kriegsveteran trauert der Vergangenheit, der Jugend, der Liebe und seiner Soldatenzeit nach; die Geister vergangener Tage halten ihn fest im Griff. Das allzugegenwärtige Gewehr Frickes überzeugt die Jungs von einem kurzweiligen Aufenthalt in seiner dem physischen und seelischen Verfall geweihten Behausung. Sie werden unfreiwillige Zuhörer seiner Erinnerungen und seiner traurigen Eros-und-Pathos-Geschichte; seine Baracke ist wie ein Museum der Erinnerungen.

Die Person Horst Frickes – Gemeinsamkeiten und der Unterschied mit einem Charakter aus einem anderen Roman

Mad Jack Lionel aus dem Jugendroman „Wer hat Angst vor Jasper Jones?“ von Craig Silvey. Mit einem kleinen Unterschied; Mad Jack Lionels Gewehr ist nicht geladen.

Charakterisierung tschick und Maik – Die Personen tschick und Maik

Die zwei Jungs fahren ohne Strassenkarte in die Walachei; das Reiseziel wird schnell zur Nebensache. Unterwegs in Brandenburg werden sie von einer Mutter mit sechs Kindern und Spitzenkochkünsten zum Essen eingeladen. Eine höchstwillkommene Einladung für ihre knurrende Mägen. So dürfen sie Zeugen eines Wissenswettbewerbs um den größten Nachtisch sein, der das Prädikat sehr lecker verdient.
Bei einer sich zu einer Verfolgungsjagd entwickelnden Pantomime ziehen
tschick und Maik die Aufmerksamkeit der örtlichen Polizei auf sich. Ein Stück des Weges werden sie von der naturverbundenen, freiheitliebenden, ein wenig streng duftenden, patenten und technisch tüchtigen Isa begleitet, die Maiks neue Flamme wird. Au révoir du Klassenschöne, du hast nicht mehr das Monopol in Maiks Günsten; wie ärgerlich für Dich, der Schulqueen! tschick und Maik geniessen den Zauber ihres Abenteuers; sie haben nicht vor, ihre Spuren zu verwischen und setzen damit die Maschinerie ihres Aufspürens in Gang.

Sie genießen ihre Freiheit, lernen Menschen kennen, die ihnen nichts antun, ihr Verständnishorizont erweitert sich, Missverständnisse lassen sich aufklären, letztendlich übernehmen sie Verantwortung.
Maik gewinnt mit tschick einen Freund, übt sich in handwerklichen Fertigkeiten, in zwischenmenschlicher Kommunikation und der Kompetenz, innere Monologe zu führen.
Maik kommt mit Isa über die Vergöttlichung seiner Klassenschönen hinweg; zum ersten Mal findet ihn ein schönes Mädchen attraktiv.
Die Fahrt durch die nah gelegene aber nichtsdestoweniger fremde deutsche Ostprovinz Brandenburgs prägt sich ihm als die besten Sommerferien in seinem Leben ein. Die gemeinsame Odyssee verfestigt ihre Freundschaft und lässt ihre individuellen sexuellen Neigungen ihren Raum. Durch seine Bindung zu tschick bekommt Maik Klingenberg die Chance, seine Beziehungen zu anderen Menschen in einem neuen Licht zu sehen; die Konturen seiner Gefühle und Erlebnisse werden klarer, und sein Verhalten wird selbstbewusster. Die Freude am Erleben zieht wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte.
Die beiden Jungs machen neue Bekanntschaften mit meistens netten und auch verrückten Leuten; die reich vorhandene Situationskomik ist lebensbejahend. Ihr verabredetes Ziel, die Walachei in Rumänien, erreichen sie gewissermaßen, indem sie das brandenburgische Hinterland, eine figurative Walachei, aufspüren.

Unterwegs lernen sie viele Leute kennen, schließen neue Freundschaften, in der Person einer Sprachtherapeutin begegnet ihnen die fürsorgliche Mutterfigur, die Maik und tschick in ihr Herz schließt, ohne sie zu zerdrücken; dieser weibliche Charakter mit der Fachqualifikation im Bereich Sprache glänzt mit seiner Empathie und Verschwiegenheit, das sind die heute vielgefragten „sozialen Kompetenzen“.
Dass die Polizei die Jungs aufspürt, ist eine Frage der Zeit. Gutmeinende verantwortungsvolle Erwachsene sorgen für das filmreife Showdown.
Maiks scheinbar normabweichende Abenteuerfahrt zieht nicht überraschend die Aufmerksamkeit der Klassenschönheit auf sich; zu ihrem Frust ohne Erfolg. Maik hat Isa geküsst, und sie hat ihn zurückgeküsst; sie haben gemeinsam Berge erklommen und Seen unsicher gemacht.
Und Maik wird „tschick“ und Isa wiedersehen…
auf alle Fälle hoch und heilig geschworen und für die Ewigkeit geschnitzt am 17. Juli 2060…

Die Schlussszene ist ein Showdown im heimischen Pool.

Die Bindung zwischen Maik und seiner Mutter bleibt stark trotz „stürmischer See“; das Leben meint es mit ihnen nicht immer gut, und doch verbinden sich ihr Durchhaltevermögen und der trotz Schwierigkeiten trotzige Optimismus in der kurzweiligen Schlussszene, in der sie im gemeinsamen Einvernehmen der Ordnungsinstanz ein Spektakel bieten.

Die tragikomische Geschichte mit den wenig bekannten Schauplätzen, in der nahen Ferne und vor der eigenen Tür, spricht Jugendliche an und sollte auch Erwachsene ansprechen, weil sie vom Verschwinden guter Vorbilder und dem Streben junger Leute nach Selbständigkeit erzählt.

Die Bindungsunfähigkeit mancher Erwachsener, die Oberflächlichkeit mancher Jugendlicher, Gewalt und Ausgrenzung in Schule und Gesellschaft werden als Diskussionsansatz in weiterführenden Schulen hoffentlich Gemüter anregen.
Ebenso thematisiert Wolfgang Herrndorf in tschick die krassen Gegensätze zwischen dem Leben in der Großstadt und dem Leben in der Provinz anhand unbekannter Orte, die er anonym weiter leben lässt; er erzählt von persönlichen Schicksalen, die den Ortschaften gleich, vergessen, vernachlässigt und entfernt in Raum und Zeit anmuten.

VORBILDER, WO SEID IHR?

Vor allem aber hält tschick die Tendenz fest, die sich vor diesem und nach diesem Roman in mehreren Büchern für Heranwachsende deutlich wird, dass gute Erwachsenenvorbilder rar geworden sind. Damit spricht die Geschichte Jugendliche an, die das hautnah erleben in Familien, Schulen, Sportvereinen, Mannschaften, Nachbarschaften, Freundeskreisen, unterwegs, einfach überall und dürfte damit als der DAUERBRENNER in der deutschsprachigen Jugendliteratur gelten. Jammerschade ist nur, dass dieser feinfühlige Beobachter der Wirklichkeit in Stadt und auf dem Lande nicht mehr da ist, denn er hätte von Existenzen, die vom Verschwinden einerseits – die guten Erwachsenenvorbilder – und vom Degenerieren andererseits – die allein gelassenen Heranwachsenden – bedroht sind, weiter schreiben können und uns die Augen öffnen. Die Wirklichkeit, wie Wolfgang Herrndorf sie beschreibt, betrifft alle sozialen Schichten.#buecher-logbuch.de

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„ALLTAG MIT TOURETTE“.
SZENEN AUS GLASGOW
„Jetzt spricht Dylan Mint und
Mr Dog hält die Klappe“

Bryan Conaghan, Jetzt spricht Dylan Mint und Mr Dog hält die Klappe, Arche Verlag Hamburg 2014
Arche Verlag

Glasgow nach den Sommerferien. Der sechszehnjährige Dylan Mint hat Tourette und besucht eine Sonderschule. Er schreibt Briefe an seinen Vater und bekommt einen einzigen zurück. Sein bester Freund Amir kommt aus Pakistan und wird des öfteren gehänselt. Dylan würde gerne mit Michelle ausgehen, doch seine zwanghafte Koprolalie *Tic-Störung beim Tourette-Syndrom* verringert seine Chancen um ein Date. Die zwei Freunde besuchen eine Sonderschule Glasgows mit anderen mehr oder weniger irgendwie auffälligen Jugendlichen. Dylan nennt sein Tourette Mr Dog und bemüht sich um Kontrolle, was ihm nicht immer gelingt. Am lautesten ist Mr Dog, wenn Dylan Angst hat.
Dylans Alltag wird schlagartig anders, als er einem Gespräch zwischen seiner Mutter und dem behandelnden Arzt lauscht. Fortan bemüht er sich, seine Checkliste der Dinge, die man unbedingt machen muss, bevor man abkratzt, zu erledigen. Denn Dylan meint gehört zu haben, dass er nur noch ein paar Monate zu leben hat. Am Ende kommt alles anders als erwartet, und das Schuljahr hält ein Überraschungspaket für den jungen Mann bereit.
Dylan „chillt“ gerne, hängt mit seinem besten Freund rum, himmelt seine Angebetene an, die von ihm am Anfang nichts wissen will, raucht nicht, trinkt nicht, vermisst seinen Vater und geht Jungs, die sich prügeln wollen, lieber aus dem Weg. Er ist ein ganz normaler Jugendliche, wäre da nicht sein Tourette, das er Mr Dog nennt. Mr Dog ist seine andere Seite. Meistens ist dieser ruhig und geht an die Leine. Aber Dylan hat oft Stress und Angst, dann reisst Mr Dog aus; er knurrt, er bellt, er schimpft, er spricht Dylans Gefühle aus. Nur wenige Menschen können damit umgehen, seine Mutter, ihr neuer Freund, den Dylan nicht mag, der Arzt, sein bester Freund Amir. Die anderen Menschen schrecken zurück, werden wütend, lachen Dylan aus, schikanieren, ignorieren ihn. Die Macke des Romanhelden ist hier der Mittelpunkt; sie bedingt fast Alles, weil es kein Entkommen zu geben scheint. Mr Dog, alias *Koprolalie*, durchdringt die Oberfläche, wenn der Junge unter Druck steht; er sagt, was ihm gerade durch den Kopf geht, er sprudelt nur so vor Fäkalienvokabeln. Dylan, sein „Wirt“, hat absolut keinen Einfluss auf den Verlauf des Anfalls, was ihm den Alltag nicht erleichtert trotz seines sympathischen Auftretens. Bis er vom Verrat des Vaters erfährt, in das etwas andere erste Rendezvous mit Michelle hineinstolpert und den Vorschlag einer Therapeutin annimmt, seinem Mr Dog Leinenzwang zu verordnen.

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Mit und ohne Vater, mit Freundin und Freundeskreis, mit und ohne Angst, stellt Dylan die Weichen für sein neues Leben, weil er ab jetzt bestimmt, ob Mr Dog das Sagen hat. Die ungewöhnliche Erzählperspektive macht Dylans Entdeckung und Mr Dogs Zähmung um so eindrucksvoller in einer Geschichte, in der die Hoffnung auf gute erwachsene Vorbilder nicht ganz erlischt.Buecher-Logbuch

Bibliographie

Brian Conaghan, Jetzt spricht Dylan Mint und Mr. Dog hält die Klappe, Arche Literaturverlag 2014 Bestellung über BUCHHANDLUNGEN IN DEUTSCHLAND

Lesen Sie auch:

Back Up, Nautilus Verlag.

Max Bronski, Mad Dog Boogie, Bestellung über BUCHHANDLUNGEN IN DEUTSCHLAND

Roman Ehrlich, Das kalte Jahr, Bestellung über BUCHHANDLUNGEN IN DEUTSCHLAND

Tatjana Gofman, Sewastopologia, Bestellung über BUCHHANDLUNGEN IN DEUTSCHLAND

Wolfgang Herrndorf, tschick, Bestellung über BUCHHANDLUNGEN IN DEUTSCHLAND

Craig Silvey, Wer hat Angst vor Jasper Jones?, Bestellung über BUCHHANDLUNGEN IN DEUTSCHLAND

sofioksanen, Fegefeuer, Bestellung über BUCHHANDLUNGEN IN DEUTSCHLAND

Diese Buchempfehlung schrieb Kyriaki Marati, Kontakt, Web: buecher-logbuch.de

Orte:

Hamburg

Koblenz

Mainz.

Zwickau.

 

„IM BANN DER FUNKELNDEN BERGE“.
„Gebrauchsanweisung
für die Alpen“

Bene Benedikt, Gebrauchsanweisung für die Alpen, Piper Verlag München 2014
Piper Verlag

Du sollst das Böcklein nicht kochen in der Milch seiner Mutter.

Die Geschichte der „Gebrauchsanweisung für die Alpen“ beginnt vor über 50 Jahren in der Stadt Füssen im Allgäu, der Heimat des Autors; unterwegs auf dem Hausberg, mit der Familie auf Klettertour, mit den Freunden beim Rodeln, auf wackelnden Sesselliften und beim Skifahren. Die Welt der Alpen stellt sich in diesem Buch vor in all ihrem Glanz und ihren Widersprüchen.

Die GEBRAUCHSANWEISUNG für die ALPEN erzählt von der vielseitigen Acht-Länder-Landschaft der Alpen mit ihrem geschäftigen Alltag, ihren „kleinen Fluchten“ in weniger berühmten Skigebieten, ihren märchenhaften Schlössern vor unverwechselbarer Kulisse, von eiskalten Bergseen und den Almhütten für Gourmets, von geschäftstüchtigen vorausschauenden Ordensschwestern, Kinderbuchautoren und Stararchitekten, von der Sehnsucht nach Projekten, von Visionen, Museen und einer Herde Yaks in ihrer zweiten Heimat, Biwaksuperlativen, Thermen unter Denkmalschutz und Museen für die Nachwelt, von Stalagmiten- und Stalaktitenwelten für Fortgeschrittene, von den „Konzertsälen der Natur“, von den heimischen Steinböcken und Murmeltieren auf Augenhöhe mit menschlichen „Bergziegen“ und von Lawinenwarnstufen, die man oder frau ernst nehmen sollte.

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Bene Benedikt, selbst ein Sohn aus Alpenländern, nimmt uns auf die Reise durch die höchsten Berge Europas, wo Sommerfrische und Winterflucht, Kunst und Kommerz ihre Erfüllung suchen. Dabei flüstert er uns allerhand Nützliches zu, gepfeffert mit hin und wieder stundenfüllendem Prominententalk für alpine Feste. Er thematisiert aber auch die inflationäre Inszenierung von Erlebnissen und den Hochseilakt von Menschen in der Natur, in dem die guten und vor allem die bösen Überraschungen der Natur vorbehalten bleiben. Sein Buch ist die „Gebrauchsanweisung“ für transalpine Wanderer, wenig bergerprobte Alpentouristen und Überseebesucher auf ihrer Tour der Abwechslung im Schnee errötender Berglandschaften, auf der Jagd nach dem ultimativen Bad der Höhepunkte oder unterwegs in klimabewusster Mission.©Buecher-Logbuch

Bibliographie

Bene Benedikt, Gebrauchsanweisung für die Alpen, ©Piper Verlag 2014, 224 Seiten, ISBN: 978-3-492-27647-4, € 14,99 [D] 

Auf den Tuxer Alpen wandern Vater und Sohn in dem Roman:

Heinrich Steinfest, Der Allesforscher.

Ich habe als Kleinkind ein Zicklein als Spielkameraden gehabt. Es starb sehr jung, und ich glaube, dass ich sehr traurig war; hoffentlich habe ich ihm nichts falsches zu fressen gegeben, denn Ziegen wie ich jetzt weiß, sind Wiederkäuer und vertragen nicht jedes Futter. Als Erinnerung blieb mir ein gemeinsames Foto.

Reiseorte:

Bayerische Alpen

Kalkalpen

Steinbock.

Südtirol

Der Himalaya.

Widder.

Empfohlener Film:
"Männer, die auf Ziegen starren."
BUECHER-LOGBUCH.DE
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Informationstitanen und Wissenslilliputaner.
Zum Vortrag von Peter Burke
in Hamburg.

Peter Burke, Die Explosion des Wissens, Von der Encyclopédie bis Wikipedia, Verlag Klaus Wagenbach Berlin 2014
Verlag Klaus Wagenbach

Der Kultur- und Medienhistoriker Peter Burke hielt seinen Vortrag Information giants and knowledge dwarfs. The change of the knowledge society über die GESCHICHTE DES WISSENS VON DER ENCYCLOPÉDIE BIS WIKIPEDIA im Lesesaal des kunsthistorischen Seminars der Universität Hamburg im Warburg Haus. 

Der Vortrag Peter Burkes thematisierte die Explosion des Wissens seit 1990 in ihrer Doppelfunktion als einerseits Expansion andererseits Zersplitterung des Wissens. Das Jahr 1990 markiere den Beginn der Ära der Reflexivität und die rasante Entwicklung von Wissenssystemen im Kontext politisch-gesellschaftlicher Veränderungen und bahnbrechender technologischer Innovationen.

Peter Burke zog Parallelen zwischen der Epoche des späten 15. Jahrhunderts und dem jetzigen frühen 21. Jahrhundert; damals koexistierte das Wissen aus handschriftlichen Manuskripten mit dem Wissen auf gedruckten Bucherzeugnissen, heute ließe sich Wissen aus Büchern auf Papier gewinnen und gleichermaßen auf elektronischen Datenlagern speichern und nutzen.

Quelle: buecher-logbuch.de

 

 

BUECHER des Monats November 2014

Das Buecher-Logbuch™ setzt seine Reihe Sehr empfehlenswerte Bücher fort. Die Bücher des Monats November sind:

Orhan Pamuk SCHNEE Hanser Literaturverlage

Orhan Pamuk, Schnee, Hanser Literaturverlage 2005
Orhan Pamuk
Hanser Verlage

Ein Dichter reist im Auftrag eines Magazins in die Ferne, die seine ehemalige Heimat ihm geworden ist. Die Anreise durch eine verschneite Einöde und die Ankunft in der schneeverhangenen Stadt fern der Großstädte des Landes, setzen das Rad der Geschichte in Bewegung. Bereits auf der ersten Seite wird sein Dilemma deutlich: sein journalistischer Auftrag drängt ihn ins Zentrum politischer Konflikte, seine Suche nach literarischer Inspiration, die ihn seit langem in Stich lässt, sucht Abgeschiedenheit, Gefühle, Motive. Der Literat bleibt begriffstütziger Zuschauer der episodenhaften Entladung unterschwelliger Konflikte, denen Opportunismus und Größenwahnsinn zugrunde liegen. Die Muse besucht ihn während dieser Zeit und zeichnet sich verantwortlich für einen lyrischen Zyklus, der unvollendet bleibt. Nach drei Tagen Aufenthalt am Rand der Konflikte und im Bann einer befristeten Liebe verlässt er alleine die Stadt, die zur Tagesordnung zurückkehrt, als ob nichts passiert wäre. „Schnee“ ist sehr lesenswert und aktuell geblieben.

Wolfgang Herrndorf tschick Rowohlt Verlag

Wolfgang Herrndorf tschick Rowohlt Verlag
Rowohlt Verlag

Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow, alias „tschick“, haben nicht viel gemeinsam, jedenfalls auf dem ersten Blick. Maiks Eltern wohnen in einer Villa. Andrejs Familie wohnt in einer Hochhaussiedlung. Ab dieser Stelle beginnen die Gemeinsamkeiten: Maiks Mutter ist alkoholabhängig, Andrej ist oft betrunken; Maiks Vater geht fremd, Andrej klaut; Maik ist Aussenseiter, Andrej auch. Die gemeinsame Fahrt in die Walachei endet kurz vor den Toren Berlins in Brandenburg jenseits touristischen Glanzes. „tschick“ trifft auch fünf Jahre nach seiner Erscheinung dem heutigen Zeitgeist auf den Nerv. ©Buecher-Logbuch

SEHR EMPFEHLENSWERTES BUCH DES OKTOBER 2014

Jaron Lanier WEM GEHÖRT DIE ZUKUNFT? Hoffmann & Campe Verlag

SEHR EMPFEHLENSWERTES BUCH DES DEZEMBER 2014

Konrad Paul Liessmann GEISTERSTUNDE Die Praxis der Unbildung Paul Zsolnay Verlag