„ZÜRICH IM LAZARUS-FIEBER“
KRIMINALROMANE MIT „DOPPELTEM BODEN“.

Zürich: ein aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde, die geschiedene Carmen Singer, wird Opfer eines Mordes. Was niemand weiß, ist dass die Frau Rabbi Klein jahrelang "gestalkt" hat und dem Umfeld glauben ließ, dass er in sie vernarrt ist. Als auch noch Rabbi Kleins Ehefrau in Verdacht gerät und festgenommen wird, zögert Klein nicht. Die Suche nach dem Täter führt ihn zu einem Bündel alter Liebesbriefe an eine Tote, ein klassisches Motiv, eine Affekthandlung und einen tödlichen Zufall. Am Ende bewahrheitet sich, was Klein seiner Tochter aus den Weisheiten des Talmud zitiert: Eine gute Tat zieht weitere gute Taten nach sich, eine Gesetzesübertretung weitere Übertretungen.
 

"Das Ende vom Lied" ist der Krimikurztrip in Liebesabgründe, mit einem Geistlichen mitten im Geschehen und der malerischen Stadt Zürich mal kriminell. Auch die schweizerische Hauptstadt spielt eine Nebenrolle in "Das Ende vom Lied".

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Orthodox unorthodox den gedachten Labyrinthen zum Trotz, einen Koffer mit talmudischen Weisheiten zur Seite, in Erinnerung an die Geschichte eines Überlebenden von Theresienstadt ermittelt Rabbi Klein mit Herz und Verstand und ziemlich hinterhältig dazu, das hätte ich von einem seriösen Rabbi nicht erwartet, siehe unten.©Kyriaki Marati BUECHER-LOGBUCH 

Nachtrag/Metarezeption

Das Ende vom Lied thematisiert mit den Mitteln eines Krimis den Zwiespalt eines Geistlichen zwischen Seelsorge, der Auseinandersetzung mit Fragen rechtlicher Natur und persönlicher Verstrickung. 


Alfred Bodenheimer, DAS ENDE VOM LIEDbestellen, Ein Fall für Rabbi Klein, Roman, Nagel & Kimche Verlag 2015, 209 Seiten, ISBN: 978-3-312-00648-9 €18,90 (D), 26.90 sFr, 19.50 € (A) 

Meine Favoriten sind:

Harry Kemelman, Durch die Woche mit Rabbi SmallBESTELLEN

Unionsverlag
Unionsverlag
Eine jüdische Gemeinde in einem Vorort von Massachusetts. Rabbi David Small kümmert sich nicht nur ums geistige und seelische Wohl der Lebenden, sondern sorgt auch für Gerechtigkeit für die Toten. Als Detektiv wider Willen begibt er sich auf die Spur der Täter, hilft Unschuldigen aus der Klemme und muss sich zwischendurch selbst vom Verdacht befreien. 
7 Tage 7 Bände 7 Kriminalfälle ein Geistlicher.
  • Faye Kellerman, StalkerBESTELLEN, Thriller (wenn das eigene inzwischen erwachsene Kind gestalkt wird und trotz Vertrauensverhältnisses zu den Eltern darüber schweigt)

  • Johannes Grosschupf, echt: der Versuch, den ab und zu durch Lautsprecher mitgeteilten prekären Fall eines „Personenschadens“ aus persönlicher Perspektive nachzuerzählen,

  • Julian Barnes, Vom Ende einer Geschichte,

  • Andrea Heuser, Augustas Garten,

  • Paolo Scott, Unwirkliche Bewohner,

    Martin Suter, Montecristo,

  • Irina Teodorescu, Der Fluch des schnauzbärtigen Banditen,

  • Barbara Vine, Das Haus der Stufen

  • Joseph Conrad, Das Ende vom LiedBESTELLEN
    Fischer
    Fischer

    Alles ist anders gelaufen als erwartet. Kapitän Whalley, früher wohlhabend, erfolgreich, berühmt, ist im Alter dem finanziellen Ruin nahe. Auch von Stolz und Ehre musste er sich verabschieden. Mit unbeirrbarer Entschlossenheit, zu allem bereit, verfolgt er nur noch ein einziges Ziel: seiner Tochter in Australien Geld schicken und sie noch einmal wieder sehen zu können. Doch die Chancen stehen schlecht: Er befindet sich auf einem maroden Schiff, umgeben von skrupellosen, gewinnsüchtigen Männern. Und schlimmer noch: Da gibt es etwas, das sie auf keinen Fall wissen dürfen

    Joseph Conrad, geboren 1857, wuchs als Waise bei seinem Onkel in Krakau auf. 1874 ging er zunächst nach Frankreich, wurde 1886 britischer Staatsbürger und machte als Seemann seine Leidenschaft zum Beruf. Als er 1890 die Seefahrt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, verarbeitete er seine Reiseerlebnisse in seinen Erzählungen. Lord Jim (1900) und Das Herz der Finsternis (1902) gehören zu seinen berühmtesten Werken. Joseph Conrad starb 1924 in England.

    Siegfried Lenz Die Sitzverteilung, in "Die Maske", Hoffmann & Campe
    ©Hoffmann und Campe Verlag

    Von maroden Schonern, die untergehen, einem Kapitän, der später in Hamburg geehrt wird, einem verschollenen Schiffsjungen, einer Versicherungsgesellschaft, die trotz lebensbedrohlicher Lage den Kapitän zum Nicht-Verlassen des Schiffes auffordert, einer Ehrung auf See und einem Journalisten, der den Kapitän im letzten Moment rettet, erzählt Siegfried Lenz in Die Sitzverteilung. (Erzählungsband: Die Maske)

    dtv
    dtv

    LenzDie MaskeBESTELLEN

  • Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein HenkerBESTELLEN,

Diogenes
Diogenes

Die Hauptthematik von Der Richter und sein Henker findet man unter anderem bei Dashiell Hammett, Rex Stout, Raymond Chandler und Georges Simenon. Grundthema: der Kampf zweier Parteien, deren eine ein einzelner Detektiv ist. Die „gute“ Partei, Inspektor Bärlach, ist todkrank, und es bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, den Verbrecher Gastmann zu überführen.

Die Rowohlt-Ausgabe ist personifiziertes Yin und Yang:

Friedrich Dürrenmatt Der Richter und sein HenkerBESTELLEN

Rowohlt
Rowohlt

Am 5. Januar 1921 kam Friedrich Dürrenmatt in Konolfingen im Kanton Bern als Sohn eines Pfarrers zur Welt. Er studierte in Zürich und Bern Theologie, Literatur, Philosophie und Naturwissenschaften. Eigentlich wollte er Maler werden, schrieb aber schon in den 40er Jahren Erzählungen. 1947 löste sein Drama Es steht geschrieben einen Theaterskandal aus. Ab 1952 lebte Dürrenmatt in Neuchâtel. Mit dem Drama Der Besuch der alten Dame (1956) hatte er einen Welterfolg. 1968 wurde er Theaterdirektor in Basel. In dieser Zeit schrieb er viele Neufassungen seiner älteren Werke. Friedrich Dürrenmatt starb am 14.12.1990 in Neuchâtel. Seine erzählerischen Werke sind oft Detektivgeschichten, und seine Dramen sind oft Tragikomödien, in denen es Elemente von Satire, Farce, und schwarzem Humor gibt. Ein zentrales Thema seiner Werke ist die Macht und die Frage der Verantwortung in einer scheinbar chaotischen Welt. 1986 wurde Friedrich Dürrenmatt mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Klassiker verjähren nicht und Orte der Handlung behalten ihre Spuren. Wie der Hamburger Rathausmarkt 1. in der Altstadt:

Vor dem Eingang zum Senatsgehege im Hamburger Rathaus wachen die beiden Statuen Gnade und Gerechtigkeit. 2001 wählte ein Fünftel der Hamburger Stimmberechtigten einen neuen Mann, der die Kastration nicht therapierbarer Sexualstraftäter und die Bestrafung von Eltern forderte, die ihre Erziehungspflicht vernachlässigten, auf der Weise dass ihre Kinder straffällig geworden waren; der selbe Kandidat versprach, die Gewaltkriminalität in der Hansestadt in den ersten 100 Tagen zu halbieren. Von solchen Versprechen überzeugt wählten 20% der Bürgerinnen und Bürger den Juristen und Rechtspopulisten Ronald Barnabas Schill, der am 31. Oktober 2001 sein Amt als Zweiter Bürgermeister und Innensenator bezog. Kaum im Amt stellte er neue Polizisten in dunkelblauer Uniform entworfen von Luigi Colani – sind wir hier in Los Angeles, Chicago, Bogota, Buenos Aires, Panama City oder Quito womöglich – und machte den Bauwagenplatzbewohnern von „Bambule“ Ärger. Der Innensenator Schill stürzte nach zwei Jahren Amtszeit über die versuchte Erpressung des ersten Bürgermeisters Ole von Beust. Koksexzesse und „Big Brother“-Auftritte folgten. Die 20% Hamburger Wähler, die ihm ihre Stimme gegeben haben, sind ein unbestreitbarer Fakt. Welche Koordinaten G-psen den derzeitigen Aufenthaltsort besagten Herren Schill, wenn schon mal Alles andere so bequem zu orten dank Apps und Co. zu überwachen ist, müsste es doch möglich sein, auch seinen Aufenthaltsort zu wissen, oder sind bereits alle Rechnungen be- und ausgeglichen?

Weiterlesen über Ronald Barnabas Schill, dessen derzeitiger Aufenthaltsort das gar nicht korruptanfällige Argentinien, ein Garten Eden für Dissidenten, Abtrünnige, Verfolgte, Steuerhinterzieher, korrupte Geschäftsmacher, sich aus wirtschaftlichen Gründen auf der Flucht befindenden Politiker und sonstiger vielversprechender Träger gesellschaftlichen Lebens, sowie andere schwarze Flecken in einem Hamburg mit „doppeltem Boden“ lesen Sie in:

Michele Avantario und Klaus Sieg

Das Schwarze Hamburg-Buch

Junius Verlag
Junius Verlag

Mord, Skandal, Gewalt und Schrecken in der schönsten Stadt der Welt mit Fotos von Thomas Henning.

Das Schwarze Hamburg-BuchBESTELLEN

Das nächste Buch ist ein Fragezeichen: vorne nebst Widmung der Autorin versehen mit den Worten: Alles erfunden. Fiktive Personen an einem irrealen Ort, Volksdorf genannt, warum nicht. Wenn Alles erfunden wäre, warum habe eine Person eine Unterlassungserklärung vom Verlag gefordert; hätten sie sich vielleicht im Buch wieder erkannt, dann sei nicht Alles erfunden, das bedeute die Autorin habe nicht die ganze Wahrheit erzählt, aber warum hätte sie es tun sollen. Wenn Alles erfunden sei, brauche man/frau sich nicht darüber aufzuregen. Wenn die „Vergewaltigung“ im Rauschzustand, um die es in dem Buch gehe, kein Gerücht bzw. Selbstwahrnehmung, keine Fiktion wäre, beruhe ihr Verschweigen auf einer Entscheidung der betroffenen Parteien – Opfer, Opferangehörige, falls das Opfer minderjährig wäre, und Täter mit Täterangehörigen, falls der Täter noch nicht volljährig wäre. Falls es eine außergerichtliche Einigung gegeben hätte, sei die Sache geregelt und je nach Zeit, die vergangen sei, höchstwahrscheinlich verjährt. Wenn das Opfer und die Familie geschwiegen hätten, läge es an dem System, das Schweigen als konform akzeptiert, aber auch nur, weil die betroffene Partei das Schweigen annimmt aus unterschiedlichen Gründen, einer wäre zum Beispiel die Sozialisation und ihre Überlieferung. Ginge es um ein Pflege- oder Adoptivkind, würde ich in bestimmten Fällen ohne die Rolle der Intuition zu vergessen, auf die neueren aber nicht unumstrittenen Fachausführungen über Verhaltensweisen von Pflege- und Adoptivkindern (u.a. Bettina Bonus) und die sich darauf aufbauende spezielle Pädagogik („Mit den Augen eines Kindes sehen lernen“, Band 1-3) hinweisen; handele es sich um ein Kind mit Migrationshintergrund läge es an so vielen unterschiedlichen Faktoren, deren Zusammenwirken eine komplexe Deutungs- und Handlungssituation ergeben würden, damit Umstände, Situation, Vorgeschichte, Fakten, Hintergründe und Gerüchte sachlich und im Sinne der Aufklärung aber auch der empathischen Auseinandersetzung mit Opfer und Angehörigen und der sinnvollen altersgemäßen Konfrontation mit dem Täter oder die Täterin.

Beck
Beck

Ansonsten lese ich dieses Buch als das Porträt eines Vororts namens Volksdorf oder namens Anders, wie die Autorin es in ihrer Widmung schreibt. Wie das Buchcover andeutet, es gibt in der Wahrnehmung einer Situation zumindest immer zwei Seiten, links und rechts, oben und unten, nord und süd, ost und west, jenseits und diesseits, je nachdem wo wir gerade stehen und in welcher Gemütsverfassung wir uns befinden. Tina Uebel Last Exit VolksdorfBESTELLEN

Jan Costin Wagner, Das Licht in einem dunklen HausBESTELLEN

  • Galiani Berlin
    Galiani Berlin

    Kimmo Joentaa auf der Suche nach einer unbekannten Toten, einer namenlosen Geliebten und einem Mörder, der sympathischer ist als seine Opfer. Der Mord an einer ohnehin todgeweihten Frau stellt die Polizei im finnischen Turku gleich vor mehrere Rätsel: Wer dringt in ein Krankenhaus ein, um eine Komapatientin zu töten? Und was ist das für ein Mörder, der auf dem Bettlaken des Opfers eine einzige Spur hinterlässt – eine Substanz, die die Kriminaltechnik nach kurzem Zweifel als Tränenflüssigkeit identifiziert. Eigentlich müsste Kimmo Joentaas ganze Aufmerksamkeit dem Versuch gelten, die ungewöhnliche Tat aufzuklären – aber der junge Ermittler hat gerade eine andere, für ihn viel existentiellere Sorge: Larissa, die Frau, die unvermutet wieder Licht in sein von Trauer verschattetes Leben brachte, ist spurlos verschwunden. Während der rätselhaft souveräne Täter in verschiedenen Städten weitere Opfer findet, führt Kimmo Joentaa die beharrliche Suche schließlich in ein kleines Dorf in der tiefsten finnischen Provinz – und mitten hinein in die Dunkelheit eines lange vergangenen Sommers.

    Jan Costin Wagner, Jahrgang 1972, lebt als freier Schriftsteller und Musiker bei Frankfurt am Main und in Finnland. Seine Kriminalromane um den finnischen Kommissar Kimmo Joentaa wurden vielfach ausgezeichnet (u.a. Deutscher Krimipreis, Nominierung zum Los Angeles Times Book Prize) und in 14 Sprachen übersetzt. Der Roman "Das Schweigen" wurde 2010 fürs Kino verfilmt. Zuletzt erschien Tage des letzten Schnees (2014).

„UND DER HIMMEL STAND IN FLAMMEN…“
MYSTERIUM 2:
„DER PALAST DER ERINNERUNG“

Julian Sedgwick, MYSTERIUM Der Palast der Erinnerung, Aladin Verlag 2015
Aladin Verlag

Danny Wus zweites Abenteuer mit dem Zirkus MYSTERIUM.

„DER PALAST DER ERINNERUNG“.
SCHAUPLATZ: BARCELONA.
STATUS: LIEFERBAR.

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Auch hier gibt es Lebensgefahr und atemberaubende Stunts, und es wird einem beim Lesen sogar manchmal schwindlig, doch der Autor spannt den Erzählbogen so weit, dass sogar Kinder ab 10 die Übertreibung erkennen und einfach ein Abenteuer in der katalanischen Stadt lesen. Wahrscheinlich bekommen Erwachsene mehr Angst beim Lesen als ihre Kinder…Am allerwichtigsten aber in „Der Palast der Erinnerung“ ist die Balance zwischen Drinnen und Draussen, die diese Stadt und alle anderen Städte und Orte, zu dem macht, was sie sind, Orte zum Leben in der Mitte der Welt, den Bestrebungen manch´ (Literatur)aktionen zum Trotz, die „Reisen ins Ich“ zu krönen, als wären sie das Alpha und das Omega, so den Orten ihre Seele stehlen, sie zu „Geisterstädten“ herabstufen, denn die Beschäftigung nur mit dem Selbst macht blind für die Umgebung und die Menschen drumherum.BUECHER-LOGBUCH.DE

Bibliographie

Julian Sedgwick, MYSTERIUM 2, Der Palast der Erinnerung, ©Aladin Verlag Mai 2015, Übersetzt von Henning Ahrens, 336 Seiten, ISBN: 978-3-8489-2039-6, 14,90 EUR / 15,40 EUR, Ab 10 Jahre 

Dannys erstes Abenteuer: „Der schwarze Drache

Dannys drittes Abenteuer: „Auf Messers Schneide

 

 

 

„MONA UND LISA AUF DEN ZWUTSCH.“
Nachrichten aus JENFELD.
„MOGEL“

Nils Mohl, Mogel, Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg
BUECHER-LOGBUCH-TOPLIST
ROWOHLT VERLAG

Teil vom Alltag in einer Hamburger Vorstadtsiedlung. Ein kunterbuntes Quartett von fünfzehnjährigen hat Zeitvertreib im Kopf. Plötzlich steht die Welt still: Miguel der Gastgeber schummelt für den Sieg, sagen seine Freunde. Die Würfel fallen und zeigen auf Faschingszwutsch. Die Stimmung ist im Keller, seine Kumpels fackeln nicht lange: Miguel muss sich verkleiden und durch die Häuser ziehen; bis er einen Kuss bekommt, das ist der Deal. Auf Miguel wartet ein unvergesslicher Abend, er macht aus der Not dann schließlich eine Tugend. Er erlebt, wie andere ihn sehen, wenn er sich anders gibt als bislang. Er kommt seiner Traumfrau näher und einem Möchtegernkameramann auf der Spur. Und er bleibt ein fantastisch sympathischer Vorstadtritter. Wo ein berühmtes Bild wie Mona Lisa ein andere Bedeutung erhält, eine persönliche, eine aus dem Stadtrand, eine, die das Mona Lisa anders überleben lässt.

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

  1. „MOGEL“ erzählt vom Alltag Jugendlicher in der Vorstadt zwischen Stadtrand und Großstadt, dem Zeitvertreib, der sie antreibt, wie sie spielen, streiten, feiern, trauern, lieben, träumen und sich verkleiden, wie sie große kleine Schurken auf ihrer Art vertreiben. Zwischen Ananas und Kaugummi, Pfeffer92 und Diskokugeln, Sex und Liebe und Kopeiken, machen Kleider manchmal Leute, und Lolas gehen auf den Zwutsch in Hamburg-Jenfeld¹ und hinaus in die grosse weite Welt. Und werden ein Stück erwachsen. Im Abenteuer, das Alltag heisst.

Wo es auch eine Schulküche gibt und wir einige sehr aufregende Monate in der Kita Jenfelder Allee erlebten, als unser Sohn zum dritten Mal den Kindergarten wechseln sollte, eine 1 zu 1 Betreuung bekam, eine Empfehlung für eine stationäre Behandlung ins Werner-Otto-Institut in die geschlossene Psychiatrie, der wir nicht folgten und am Ende wurde alles gut, für unseren Sohn, für uns und hoffentlich auch für die Kita, weil sie als einzige trotz der Zweifeln mit sich reden ließ, uns nicht wegschickte wie die in Volksdorf und es mit ihm und mit uns ausgehalten hat. Wir hatten nach den zwei Rausschmissen etwa sechs Monate pausiert, das zuständige Amt in Wandsbek empfahl uns die Kita Jenfelder Allee, deren Kindergärtnerin Barbara (?) eine Ausbildung in basaler Stimulation machte, um unserem Sohn gerecht zu werden (?), als ich eines Tages ankam, lag er verstimmt in ihren Armen und schaute mich traurig an. Sie sagte mir, er würde diese körperliche Wärme brauchen bei seiner Vorgeschichte und das Trauma, das er mit sich trug, welches auch immer, aber Trauma ist ein Modewort geworden. Tage später erzählte sie mir, unser Sohn hätte sexualisiertes Verhalten an den Tag gelegt, damit kann sie nicht umgehen, die Kindergartenpsychologin, die mich ans Wilhelmstift verwies, mit der ich mehrere Gespräche hatte, befürwortete ebenfalls eine Überweisung¹ in die geschlossene Psychiatrie des Werner-Otto-Instituts, der wir nicht folgten.

¹Eine Mutter mit ihrem Kind in eine Überwachungssituation zu schicken, weil ihnen defizitäre Interaktion angelastet wurde, aufgrund von Mutmaßungen, Gerüchten und Halbwahrheiten, ähnelt einem rassistisch-frauenfeindlichen-kindesfeindlichem Verbrechen.

Unser Sohn hat zwischendurch gebissen und bekam beleidigte Reaktionen, in der Kita Ahrensburger Weg, in der Kita des Walddörfer Gymnasiums, in ersterer wälzte er sich auf dem Boden, wobei die damalige Leitung ihm ihre Schlüssel vor die Augen bimmelte (der arme Kerl, ich war auch ziemlich hilflos), im Walddörfer Gymnasium musste er „Hoppe Hoppe Reiter“, Fäkalienschmierer, aggressive Kanadier, insgesamt eine blasierte Volksdorfer Kindergruppe über sich ergehen lassen. Am Ahrensburger Weg saß ich drei Wochen lang vor der Tür, bis sie mir sagten, sie können mit so einem „peripherischen“ Fall nicht umgehen. Am Ahrensburger Weg bei der 4 1/2 jährigen Untersuchung empfahl mir die stellvertretende Leitung den Besuch der Paracelsus Schule, einer Schule für „Geistigretardierte“, weil unser Sohn bei der Untersuchung „bockte“. Ich lehnte dankend ab.

Die einzigen Personen, die mit Bissen umgehen konnten, sind die jungen Frauen aus dem Erlenbusch gewesen. Sie verhielten sich so: Begrüssung, das Kind kam auf den Schoss, er schaute sie an, er biss. Ihr Verhalten: sie schauten ihm fest in die Augen, sie sagten „So nicht“, sie schoben ihn sanft aber bestimmt vom Schoss. Und sieh einer an, er hat diese Frauen nie wieder gebissen, warum bloß??? Wie wäre es mit einer ganz einfachen Erklärung, er hat ihnen einfach eine kleine „Mausefalle“ gestellt, weil er damals noch ohne Sprache sich auf die non-verbale Seite der Kommunikation konzentriert hat, neu war, eine neue Situation erlebte und einfach als gescheites Kerlchen, das er war und ist, sein Gegenüber testen wollte, um sie einzuschätzen. Keine Verschwörungen, sondern Klarheit.

  1. „MOGEL“ ist für JUNGS AB 14 in allen Lebenslagen und Stadtteileskapaden der „Must-Read“ für Sommer und Zeitvertreib.Kyriaki Marati BUECHER-LOGBUCH 

Bibliographie

Nils Mohl, MOGELBESTELLEN, Roman, ©Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg, rororo rotfuchs, €9,99, 978-3-4-99-21357-7

Lesen Sie auch:

Nils Mohl, Es war einmal Indianerland,

Max Bronski, Mad Dog Boogie,

Wolfgang Herrndorf, tschick,

Brian Conaghan, Jetzt spricht Dylan Mint und Mr. Dog hält die Klappe,

Craig Silvey, Wer hat Angst vor Jasper Jones?,