BUENOS AIRES UND ARGENTINIEN AUF KRIMISPUREN…

  • Pelusas Geschichte führt von den Höhen der Anden bis nach Buenos Aires in die Enklavenwelt der „Gated Communities“, die sich einkokonieren aus Angst vor der Angst, in:

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Juan S. Guse, Lärm und Wälder [/expand]


  • Die frühere Konferenzdolmetscherin Mara macht eine Art Sabbatical-Jahr als Saalwächterin eines Heimatkundemuseums in der argentinischen Provinz. Dabei muss sie einem Tierpräparator assistieren und Nächte im Museum als Event promoten. Mit Witz, Aufmüpfigkeit und einem Schuss Eleganz bringt sie in gut zwölf Monaten die nur scheinbar verschlafene Provinz zum Tanzen, in:

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Lasst mich da raus  [/expand]


  • Emilio verlässt das geliebte Buenos Aires für eine Stelle an einer renommierten nordamerikanischen Universität, wo er sich in eine Affäre um Liebe, Sex, Verschwörungstheorien und Mord verstrickt, in:

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Munk [/expand]


„MIT DEM REISEKNIGGE UNTERWEGS
INS LAND DER MEISTEN KLISCHEES…“
REISE.
„GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR THAILAND“

Martin Schacht, Gebrauchsanweisung für Thailand, Piper Verlag 2015
Piper Verlag BUECHER-LOGBUCH-TOPLIST REISE BUCHGESCHENK empfohlen von buecher-logbuch.de

Orte

Chalkidiki.

Kreta.

Sizilien.

Thailand.

Der Metropole Bangkok haftet das Image der „leicht verfügbaren Geliebten“, denn Klischees sterben wohl zuletzt. Kanäle und Hochhäuser, Nachtleben, die gar anstrengende, maßgeschneiderte klassische Thai-Massage, das Leben in der Grossstadt als „Ausländer“ wird erst beim zweiten Blick sichtbar, den ein längerer Aufenthalt ermöglicht. Dann weicht die lächelnde Willkommensfassade der unteren Schicht aus „Aberglaube, Religion, Konventionen, Eigenheiten, die man nicht versteht und auch nie ganz verstehen wird, selbst dann nicht, wenn man die Sprache spricht…“. Einerseits die Touristenfallen in Stadt und auf den Inseln mit ihren „gepfefferten“ Preisen in exklusiven Luxusanlagen, andererseits buddhistische Lebensweisheiten und das omnipräsente Feilschen mit den Mächten des Schicksals, Traumstrände im „Irgendwo“, die geführten Trekking-Touren in den wenig bekannten Norden, der Besuch beeindruckender Tempelanlagen und historischer Ruinen, die Begegnung mit  einem selten anzutreffenden Dschungelparasit mit orangeroter Prachtblüte, das uralte mündlich überlieferte Wissen der Elefantenführer in Chiang Saen, ergänzen das Bild Thailands und der Thais; wo Klischees zum Alltag mit Touristen gehören, das Leben lächelnd weitergeht und „Reclams verrückt“ sind…

Die Reise nach Thailand, das „Land der meisten Klischees“, bedarf der Einstimmung. Zum Beispiel mit dem ganz wichtigen praktischen Tipp:

„Auf keinen Fall sollte man sich sichtbar aufregen, wenn etwas nicht gleich funktioniert, ein Fehler, der auf Effizienz getrimmten Ausländern immer wieder unterläuft. Dann nämlich machen die Thais dicht.“

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Zweihundertsechsunddreissig Seiten später schliessen Sie Ihre Reise nach Thailand mit einem Bad im Fluss ab und wissen vielleicht, warum Elefanten glücklich machen können. DER MUST-READ FÜR AUFGEKLÄRTE THAILAND-URLAUBER.©BUECHER-LOGBUCH

Bibliographie

Martin Schacht, Gebrauchsanweisung für Thailand, ©Piper Verlag 2015, ISBN: 978-3-492-27653-5, 236 Seiten, €14,99 (D)

SPANNUNGSROMANE IN BANGKOK/THAILAND UND NACHBARLÄNDERN

  • Botan, Letters from Thailand, aus dem Thailändischen in Englisch übersetzt von Susan F. Kepner, Silkworm Books. In Briefen wird das Leben einer chinesischen Familie in Bangkok, Thonburri erzählt, das Leben von Emigranten. Hinter den Briefen steht eine anonymisierte wahre Geschichte, die der offiziellen Zensur des Landes in den sechsziger Jahren fast zum Opfer gefallen wäre. „Letters from Thailand“ ist nicht der herkömmliche Krimi, doch die gemeinsame Arbeit der in Thailand viel gelesenen Autorin Botan mit der Thailand Kennerin und Übersetzerin Susan F. Kepner, auch das Geheimnis um die reelle Person hinter der Geschichte und die Umstände um die Fast-Indexierung des Buches verleihen dem Text die Spannung eines Krimis.
  • Die Kriminalromane von Christopher G. Moore spielen meistens in Bangkok und in der Welt der Exilanten, der Farangs (=Menschen mit weisser Hautfarbe, siehe Wikipedia) und Menschen am Rand der thailändischen Gesellschaft. Manchmal verschlägt es den eigensinnigen Ermittler auch nach Kambodscha oder Vietnam. Nicht alle Krimis sind in deutscher Sprache erhältlich.

    • Das Haus der Geister, Der erste Fall für Vincent Calvino
    • Stunde Null in Phnom Penh, Der dritte Fall für Vincent Calvino
    • Nana Plaza, Der sechste Fall für Vincent Calvino (Deutscher Krimipreis 2004, Kategorie International)
  • M.R. Kukrit Pramoj, Many Lives, Silkworm Books. Ein tödlicher Unfall und ein Augenzeuge, der seinen Schock in eine Geschichte über die Opfer verhüllt, und Erinnerungen an Thornton Wilders Die Brücke von San Luis Rey auftauchen lässt.
  • Die Kurzgeschichten der Autodidaktin Sri Daoruang Married to the Demon King, übersetzt von Susan F. Kepner, Silkworm Books. Sie erzählen Episoden aus dem Leben eines modernen Ehepaares in der sich verändernden Gesellschaft Bangkoks und seiner Peripherie, das trotz aller Unwägbarkeiten zusammenbleiben will. Mit Ironie, Leichtigkeit und Optimismus werden kleine und grosse Alltagskatastrophen mit Hilfe der traditionellen Erzählweise der „like“ Darstellung, als das beschrieben, was sie sind: vergänglich und last but not least
  • Markus Ebert, Wie man Italiener wird in 30 Lektionen, Droemer Knaur.

Quelle: http://buecher-logbuch.de

Empfohlener Film:

F* U Göhte
Empfohlener Kriminalroman:
Colin Cotterill, Grabgesang für Dr. Siri.

„UND DANN WAREN ES NUR NOCH…“
„COUNTDOWN AUF BARDSEY ISLAND“
THRILLER.
„DER MANIPULATOR“

England: Stuart Nicklin wird des Mehrfachmordes bezichtigt, wird verhaftet, gesteht manche Taten, er wird verurteilt. Seine lange Haft verbüßt er in einem Hochsicherheitstrakt. Die Geschichte, die hier erzählt wird, beginnt erst viel später, als der Verurteilte einen Antrag stellt auf Genehmigung, in Begleitung von Gefängniswärtern, polizeilichen Ermittlern und dem „Wunschbegleiter“ des Täters Detective Tom Thorne endlich Auskunft über die Koordinaten seiner vielen Opfer geben zu wollen. Das Dilemma von Behörde und Ermittlern ist groß, vorherrschender Gedanke sind eventuelle Sicherheitslücken, denn der Ort, wo die Ermordeten begraben liegen ist Bardsey Island, ein spärlich bewohntes Eiland vor der walisischen Küste. Die „Würfel fallen“ zu Gunsten der Aufklärung der „ungelösten Aktenzeichen“ und die ungleiche Gruppe aus Polizisten, Gefängniswärtern und zwei Mördern tritt die Fahrt von London nach Bardsey Island.

SZENERIE

Unterwegs beginnt die bereits mitgenommene Fassade zu zerbröckeln und die ersten „Störungen im Betriebsablauf“ bei der stundenlangen Fahrt mit elektronischer Fußfessel und bewaffneter Begleitung lassen nicht lange auf sich warten. Auf der Insel angekommen muss sich die zusammengewürfelte Gruppe auf Lebensbedingungen einstellen, die Entbehrungen voraussetzen. Die Enge des Orts, seine Abgeschiedenheit, als einziger Ausweg das Meer, die komplexen Beziehungskonstellationen, das Geheimnis um einen mysteriösen Vogelbeobachter, zwei Fischer und eine Familie in der Wildnis, das Katz-und-Maus-Spiel der beiden Protagonisten, des Mörders und des Polizisten, der von Legenden umgarnte Ort, sind Bausteine dieses spannenden Thrillers mit dem raffinierten „Twist“ und dem unvollendeten Abschluss…

CHARAKTERE, DYNAMIK, DER CLOU (VORSICHT SPOILER!)

Ist der Mörder ein Manipulator…Und wozu ist der zweite Verurteilte dabei, wo er doch fast Nichts beizutragen hat ausser seinem Schweigen…Das sind die zwei Fragen, die den Ermittler beschäftigen, ihn in Unruhe und Alarmbereitschaft versetzen. In diesem „Alarmmodus“ verheddert er sich, er verfällt der alltäglichen Betriebsblindheit, er macht mit bei einem undurchsichtigen Spiel um Macht. Der Detail mit den kleinen „Helferlein“, irgendwo da draussen, die das unheimlich Böse in der Person des Täters anhimmeln, die ihm unbedingt gefallen wollen, seine Fans ohne Skrupel, gierig das „Trittbrett fahren“ zu dürfen, während er im Gefängnis seinen Rücken „eiskalt“ absichert und auf Bardsey Island der Angst der Anderen zuschaut. Der wirkliche Manipulator sind hier die Mutmaßungen um die Person des Täters, die Klaustrophobie auf einer einsamen Insel, der Stress, die Schlaflosigkeit, die Angst, manipuliert zu werden, die sich verselbstständigt und die Handlung übernimmt.

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Mark Billingham entwirft ein Szenario komplexer Beziehungen unter Menschen in einem fragilen Macht-/Abhängigkeits-Verhältnis, das umzukippen droht, wenn das Angstzentrum im Gehirn „präsidiert“. „Der Manipulator“ vereint alle guten Dinge aus Agatha Christies „Und dann gabs keines mehr“ („And then there were none“), Dennis Lehanes „Shutter Island“ – die Bücher – und dem eigenen Plot auf einer einzigartigen Bühne. Und im Hintergrund spielt unablässig Country, zu diesem Thriller passt besonders „Devil´s Right Hand“…©BUECHER-LOGBUCH.DE

Ort

Das sagenumwobene Bardsey Island vor der walisischen Küste.

Trivia:

Willkommen auf Walisisch: Cruso.

Bibliographie

Mark Billingham, Der Manipulator, Heyne Verlag München 2015
Heyne Verlag

Mark Billingham,

Der ManipulatorBESTELLEN

Originaltitel: The Bones Beneath (Originalverlag Little, Brown),

aus dem Englischen von Irene Eisenhut

Heyne Verlag 2015,

464 Seiten,

ISBN: 978-3-453-43832-3, €12,99 (D) €13,40 (A) CHF 17,90* (* empf. VK-Preis)

 Lesen Sie auch:

Meine Seele so kalt

Der Eismann

Patrick Brosi, Der Blogger

Harlan Coben, Ich vermisse DichBESTELLEN

Angela Marsons, Silent ScreamBESTELLEN

Martin Cruz-Smith, RoseBESTELLEN.

und last but not least den zeitlosen ziemlich verstörenden doch scharf beobachtenden Roman des Autors, der einen Bart trägt, bevor viele Zeitgenossen auf die Idee gekommen sind, dass Bärte en vogue sind.

T.C. Boyle América

dtv
dtv

Es beginnt mit einem Unfall, und es ist keine Fahrerflucht. Der gut betuchte kalifornische Unfallfahrer wird das Gefühl der Schuld nie mehr los und verfolgt sein mexikanisches Opfer, der in ziemlich bescheidenen aber nicht unglücklichen Verhältnissen mit seiner Frau wohnt, den ganzen Roman lang. Der lange Arm der Vergangenheit oder die rechte Hand des Teufels ist hier das Gefühl, ein Leben lang entschädigen zu müssen, ein Krankeitssymptom der westlichen Welt. Sehr lesenswert.©Kyriaki Marati

 

BARCELONA-KRIMI:
„SAMARITER OHNE HERZ“

Alicia Gimenez-Bartlett, Samariter ohne Herz, Petra Delicados sechster Fall, BLT: dieser Krimi ist ein paar Jahre alt aber was ist schon dabei. Für die Besucher Barcelonas ist er die perfekte Einstimmung. Kurz zum Inhalt: ein Obdachloser wird Opfer eines brutalen Mordes: die Inspectora und ihre „rechte Hand“ Subinspektor Fermin Marquéz stehen vor einem Rätsel…#buecher-logbuchde

„DER WEGBEREITER.“
„Von Martin Luthers Wittenberger Thesen“

Von Martin Luthers Wittenberger Thesen, Kindermann Verlag Berlin 2015
Kindermann Verlag BUECHER-LOGBUCH-TOPLIST 2015 Kindermann Verlag

Eisleben, Tours, Mansfeld, Magdeburg, Eisenach, Erfurt, Rom, Wittenberg, Augsburg, Worms, Thüringer Wald, Wartburg, Nimbschen, Gotha, alle diese Orte sind mit dem Leben des Theologen Martin Luther verbunden, der 1517 es wagt, seine damals noch nicht berühmten 95 „Thesen“ an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg zu schlagen. Er widersetzt sich damit den damaligen festgefahrenen Vorstellungen über den Auftrag der Kirche, beweist Mut und begibt sich in größte Lebensgefahr, weil Kaiser Karl V. über Martin Luther die „Reichsacht“ verhängt. Versteckt auf der Wartburg übersetzt Martin Luther das Neue Testament in gut verständliches Deutsch. In Wittenberg zurück lernt er seine spätere Frau Katharina von Bora kennen. Katharina und andere Nonnen verlassen das Kloster Marienthron in Nimbschen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit Hilfe des Fischhändlers Leonhard Koppe. Sie findet Unterschlupf in Wittenberg beim berühmten Maler Lucas Cranach und seiner Familie. Martin Luther und Katharina von Bora blieben Zeit ihres Lebens Vorbild in Worten und vor allem in ihrem täglichen Leben.

Meike Roth-Beck erzählt Martin Luthers spannendes Leben und erklärt kindgerecht einige seiner wichtigsten Thesen. Klaus Ensikat lässt die Zeit des ausklingenden Mittelalters in ihrer bahnbrechenden Ruhelosigkeit, der Angst vor Veränderungen nach langer Zwangsstagnation, dem Willen zur Befreiung von dem „Korsett“ des Aberglaubens, des Analphabetismus und der Gewohnheit überall Verschwörungen zu sehen, dem Konflikt zwischen Kirche, Adel und Bildungsbürgertum lebendig werden. Auch die unfriedlichen Zeiten nach dem Tod Luthers, teils geschürt durch Konflikte in der Auslegung seiner Thesen, teils durch schlichten Missbrauch geboren, bekommen in dem Buch ihren Platz.

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

„Von Martin Luthers Wittenberger Thesen“ ist das Kinderbuch über ein wichtiges Kapitel theologischer Geschichte, an deren Beginn die Ideen eines Visionärs mit Mut zum Widerstand gegen Feinde, Zweifler und Interessen standen. Die Reformation, die Martin Luthers 95 Wittenberger Thesen einleiteten, wurde Weltgeschichte. „Von Martin Luthers Wittenberger Thesen“ gehört in Kinderzimmern, Schulklassen und Kirchengemeinden.©Kyriaki Marati BUECHER-LOGBUCH.DE

Diese Buchbesprechung schickte ich nach persönlicher Vorstellung an die Rockenhof Gemeinde Volksdorf über E-Mail. Nach dem persönlichen Gespräch überraschte mich die fehlende Antwort. Aus der Zusammenarbeit ist leider nichts geworden, schade, ich hätte gerne für die Zeitschrift geschrieben. Deswegen verbinde ich mich auch zu keiner der Volksdorfer Kirchen. Vielleicht hat meine Familie unter anderem auch ein wenig jüdisches Blut in ihrer Vergangenheit, das ungern verzeiht, wenn die Grenzen überschritten sind, so würde ich es jedenfalls definieren, ich mag vielleicht Unrecht haben, da müsste mich ein Insinder eines Besseren belehren…

Biblio

Meike Roth-Beck, Von Martin Luthers Wittenberger Thesen, mit Bildern von Klaus Ensikat, ©Kindermann Verlag 2015, 44 Seiten, ab 8 Jahre, ISBN: 978-3-934029-62-0, € 19,90 (D)

Lesen Sie auch:

Coretta und Martin Luther King

SCM Hännsler
SCM Hännsler

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können …“ – so träumte 1963 Martin Luther King. 1968 wurde der große Bürgerrechtler erschossen. Coretta kämpfte
mit ihm gemeinsam für diesen großen Traum. Die authentische Biografie über eine starke Frau eines starken Mannes. Das Porträt eines aussergewöhnlichen Ehepaares wie Martin Luther und Katarina von Bora.

Harper Lee Wer die Nachtigall stört

Rowohlt
Rowohlt

Dies ist die Neuausgabe eines modernen Klassikers der Weltliteratur: ein packender Roman über Unrecht und Gerechtigkeit, über Rassismus und Fremdheit und ein flammendes Plädoyer für die Gleichheit aller Menschen. 1960 in den USA publiziert, wurde „Wer die Nachtigall stört…“ schnell ein Welterfolg und eroberte die Herzen von Generationen von Lesern im Sturm. Er liegt nun in einer vollständig von Nikolaus Stingl überarbeiteten und mit einem Nachwort von Felicitas von Lovenberg versehenen Übersetzung vor.

Harper Lee beschwört darin den Zauber und die versponnene Poesie einer Kindheit tief im Süden der Vereinigten Staaten in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Geschwister Scout und Jem Finch wachsen in einer äußerlich idyllischen Welt heran, erzogen von ihrem Vater Atticus, einem menschenfreundlichen Anwalt. Auf den weiten Rasenflächen des fiktiven Örtchens Maycomb, Alabama, auf denen weiße Villen und tropische Bäume stehen, erfahren sie die Freuden und Geheimnisse des Heranwachsens. Doch durch die alte Gesellschaft des Südens ziehen sich tiefe Risse: zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Arm und Reich. Als Scouts Vater, der Anwalt, die Verteidigung eines schwarzen Landarbeiters übernimmt, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat, erfährt die Achtjährige staunend, dass die Welt viel komplizierter ist, als sie angenommen hat. Tapfer versucht sie, die demokratischen Gerechtigkeitsideale ihres Vaters gegen alle Anfechtungen hochzuhalten, und gerät selbst in Gefahr …

Menschliche Güte und stiller Humor, aber auch ein scharfer Blick auf die Welt durch Kinderaugen zeichnen diesen Roman aus, und vor allem: eine zeitlose, unverminderte Aktualität.

Aktuell war er auch schon zur Zeit seiner Entstehung. Er spielt zwar in den dreißiger Jahren, aber erschien 1960 mitten hinein in die Rassenunruhen im amerikanischen Süden, die infolge des Montgomery Bus Boycotts 1957 ausgebrochen waren. Eine Schwarze hatte sich auf einen Weißen vorbehaltenen Sitz gesetzt und sich geweigert, wieder aufzustehen. Sie wurde festgenommen, und ein Aufstand brach los. Diese Episode markiert den Beginn der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, in deren Verlauf die afroamerikanische Bevölkerung mit der National Association for the Advancement of Coloured People (NAACP), aus der später so bekannte Vertreter wie Martin Luther King und Malcolm X hervorgingen, zum ersten Mal eine ernstzunehmende eigene politische Interessenvertretung bekam. In den zehn folgenden Jahren wurde sozusagen der amerikanische Bürgerkrieg endgültig zugunsten des Nordens und der Gleichheit aller US-Amerikaner entschieden. Man kann mit Fug und Recht sagen, dieses Buch habe hinter den Kulissen, auf eine Weise, wie Bücher es im Glücksfall können, einiges dazu beigetragen. Ohne es wäre, zugespitzt formuliert, ein farbiger Präsident Obama heute nicht möglich. Es öffnete vielen Lesern in den USA die Augen über die Rassenungerechtigkeit und wurde schnell ikonisch, auch anderswo auf der Welt feierte es riesige Erfolge, wie auch der nach ihm gedrehte Film (1962) mit Gregory Peck in der Hauptrolle des weißen Anwalts, der drei Oscars einheimste.

In Deutschland war es ebenfalls ein wichtiges Buch, weil die schuldbeladene, nach demokratischen Vorbildern lechzende Kriegs- und Nachkriegsgeneration es als Allegorie auf ihre eigene Situation lesen und darin die Verheißung einer wahrhaft ideologiefreien, nur dem Recht verpflichteten Gesellschaft finden konnte. Es gehört laut einer Umfrage zu den zehn meistgelesenen und bekanntesten Büchern in Deutschland; auch wer es nicht kennt, weiß oft mit dem Titel etwas anzufangen, der sich ins kollektive Bewusstsein gebrannt hat. In Zeiten von Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit liest es sich unvermindert modern und als ein Buch am Puls der Zeit.

Wer die Nachtigall stört porträtiert in eindrucksvoller Weise, wie Hautfarbe das Verständnis vieler Leute prägt und einer Schuldzuweisung gleicht; die Gefahr, sich voreingenommen zu verhalten und ebenso zu urteilen ist daher groß, weil die verblendete Wahrnehmung dem rationalen Verständnis einen Maulkorb verpasst, ein leider oft auftretendes aber nicht unumkehrbares Phänomen; auch Justiz kann anfällig sein, wenn sie im Prozess Gerechtigkeit walten zu lassen, ihren Maß für Menschen und Dinge vergisst.©Kyriaki Marati BUECHER-LOGBUCH®