SONNTAGS PAPIERKÜSSE MITTAGS UM ZWÖLF…
„DIE LETZTE ECHTE FRAU“

Claus Cornelius Fischer, Die letzte echte Frau, Fuchs & Fuchs Verlag Berlin 2015
Fuchs & Fuchs Verlag

Der Roman Die letzte echte Frau ist die Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien, im Rampenlicht der Öffentlichkeit und ein großes Fragezeichen über unseren Umgang damit, das sich auch prompt wie ein Bumerang an die Literatur zurückgeworfen wird und sie befragt, was sie eigentlich heutzutage sein will, Wahrheit oder Fiktion; eine Twilight-Zone zwischen Wahrheit und Fiktion kann es nicht geben; entweder bleibt die Literatur bei der Fiktion oder sie schreibt die Wahrheit über Leute, die ihre Wahrheit mit der „Öffentlichkeit“ teilen wollen; das sind zum Glück aber nicht alle.

Max Schmeling, Pseudonym des Protagonisten, betreibt im Westen der geteilten Stadt den Jazzclub „Leo´s Russian Tearoom“, als seine ehemalige Geliebte, die russische Balerina Katharina Roschenko, ihm nochmals den „Kopf verdreht“. Der desillusionierte Ex-Idealist, Ex-Drummer und Ex-Agent schwankt zwischen Vertrauen und Freundschaft mitten in einer Atmosphäre des „Sehen und Gesehen Werden“.

„Die letzte echte Frau“ ist ein Thriller aus der Zeit des „Kalten Krieges“ mit der Distanz der Gegenwart geschrieben, die Manches anders sieht und trotzdem sich durch die Spotlight-Lupe bugsiert, als wären wir im Film Bugsy, als wären wir in den dreissiger Jahren in Las Vegas, aber es ist ja auch nur Fiktion, über die man/frau sich lustig machen kann, wie es einem oder einer verlustiert, phallisch animalisch bestialisch anti-kosmopolitisch. Parallelen mit heutigen Zuständen sind nicht gewollt und absolut fiktiv.buecher-logbuchde

In diesem Kontext und in oben beschriebener psychischer Verfassung kann Humor keine Leben retten.

Bibliographie

Claus Cornelius Fischer, Die letzte echte Frau, Fuchs und Fuchs Verlag Bestellung über BUCHHANDLUNGEN

Geschrieben von Kyriaki Marati, Kontakt, Web: buecher-logbuch.de

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Lüneburg

Ines Utecht, Lüneburg entdecken Mit Lüneburger Heide und Elbtalaue, Ellert und Richter Verlag Hamburg 2014
Ellert und Richter Verlag

Die Stadt Lüneburg am Rand der Lüneburger Heide ist auf einem Salzstock gebaut. Die drei Zellen ihrer Gründung sind mons (Berg), pons (Brücke) und fons (Salz). Der Berg – mons – ist der Kalkberg, auf dem die Burg der Herzoge stand. Die Brücke – pons – über die Ilmenau hinweg verband Lüneburg mit Modestorpe. Die Salzquelle – fons – lieferte den Rohstoff, mit dem die Stadt Lüneburg im Mittelalter reich wurde. Salz war damals das einzige Produkt, mit dem Speisen haltbar gemacht werden konnten. Der Salzabbau hatte auch Schattenseiten: Der ausgehöhlte Untergrund in Verbindung mit dem eindringenden Regenwasser und natürlichen Gipseinlagerungen „gab immer wieder nach, bis heute sacken ganze Häuser.“ Die Senkung macht auch vor denkmalgeschützten Häusern nicht Halt.

Der Spaziergang durch die „Hansestadt auf dem Salz“ beginnt am Rathaus, dessen Bau über 700 Jahre dauerte. Stationen für Besucher, die Geschichte, Literatur und Kunst vor Ort erleben möchten:

  • Am Ochsenmarkt 1a, Lüneburg

1565:

Hartwig Witzendorff, Mitglied der gleichnamigen Patrizierfamilie, lässt die Grundfläche seines Domizils erweitern und ein Nebengebäude bauen. Weitere Räume und Einrichtungen folgen später im Still des Barock (1632-1669) und des Rokoko (spätes 18. Jahrhundert).

1821-1827:

Heinrich Heine weilt in Lüneburg und schreibt das „Buch der Lieder“ mit dem Lied von der „Loreley“.

1985-1992:

Restauration

Ab 1993:

Das „Heinrich-Heine-Haus“ ist Treffpunkt für Literatur- und Kunstinteressierte.

  • Die Orgel der St. Johanniskirche von den niederländischen Meistern Hendrik Niehoff und Jasper Johansen (Beginn der Bauarbeiten: 1551);
  • Das Brömsehaus mit den Wappen der Hansestädte Riga, Lübeck, Lüneburg, Danzig und der Familie Brömse;
  • Die Kirche der Schiffer St. Nikolai mit ihrer spätromantischen „Furtwängler & Hammer“-Orgel;
  • Ein Meisterwerk des Backsteinbaus, das Kloster Lüne, beherbergt den Handstein, einen gotischen Brunnen, der seit 600 Jahren fließt (die Klosterinnenräume sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen).

Buecher-Logbuch-Fazit

„Lüneburg entdecken Mit Lüneburger Heide und Elbtalaue“ lotst Besucher  durch die Stadt, informiert über Geschichte, Kultur und Architektur, führt zu manchen weniger illustren aber stadtgeschichtlich interessanten Orten. Stadtführer, Navigator und Info-Quelle zugleich.#buecher-logbuchde

Bibliographie

Ines Utecht, Lüneburg entdecken Mit Lüneburger Heide und Elbtalaue, Ellert und Richter Reiseführer, ©Ellert und Richter Verlag Hamburg 2015, 150 Seiten, ISBN: 978-3-8319-0552-2, €12,95

LÜNEBURG-KRIMI

K. Hanke/C. Kröger, Blutheide, Gmeiner Verlag 

Quelle: buecher-logbuch.de

 

DER RUFMORD.
LÜNEBURG-KRIMI.
„BLUTHEIDE“

¹Kaminkassetten sind ein hochspezialisiertes mittelständisches Produkt, Sie finden sie an der Lüneburger Heide bei einem Unternehmen, das klug war, seine Markenrechte zu schützen, bevor es in wilden Aktionismus verfiel.

Die Behauptung des Sprecherduos der Frankfurter Buchmesse (siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung, Oktober 2016), dass es eine Konsolidierung gäbe, Verlage wären entweder grösstenteils konzernabhängig, die Mitte wäre geschrumpft - was sehr wohl sein könnte - hat wohl die Verlage wie Gmeiner oder emons ausser Acht gelassen, die ihre ortsgebundenen Unternehmen mit einem spannenden Kriminalroman, der nachdenklich macht, unterstützen. Hut ab!

„Blutheide“ in dem ansonsten beschaulichen Lüneburg spannt den sicherlich oft aufgespannten Bogen um das (Un)-Gleichgewicht zwischen Täter und Opfer in der öffentlichen Rezeption und Aufarbeitung; und führt vor Augen, wie Gewalttaten einen kleinen Ort treffen, der vom Tourismus lebt, „es komme fast einem Rufmord gleich“. Es ist vielleicht kein Zufall, dass in Erwartung eines einigermaßen unkomplizierten Verlaufs, die Täterperson in diesem Krimi die Antwort auf das Dilemma zwischen dem Zwang der breiten Öffentlichkeit einerseits, eine zeitnahe Lösung zu finden, wie dieser Zwang sich in der eigenen Wahrnehmung als „soziales Wesen“ manifestiert,  und einer unabhängig rationalen Vorgehensweise andererseits, in den Händen bereit hält.buecher-logbuchde

Lüneburg im Mai. Katharina von Hagemann sitzt zwischen Umzugskartons und dem Gefühl noch nicht angekommen zu sein. Der erste Abend in der neuen Umgebung endet amourös. Der nächste Morgen in der neuen Dienststelle beginnt fast desaströs: auf die verschlafene Profilerin warten gleich ein Mordfall und ein Dejá-Vu: vor ihr steht ihr Liebespartner von gestern und verhält sich seltsam; er tut so als ob er sie nicht erkennen würde, als ob nichts gewesen wäre…erst später am Tag klärt sich das Mißverständnis; Benjamin Rehder hat einen Zwillingsbruder…und dieser leider einen Schatten, der sich an ihm rächen will…

CHARAKTERE/SZENERIE

Die Charaktere und Beziehungen des Trios um Polizeichef Benjamin Rehder, seinen Bruder Ben und Psychologin und Profilerin Katharina von Hagemann zwischen Beruf- und Privatleben werden von der Persönlichkeit des Täters überschattet; sie dominiert die Handlung. Ein wenig „Bates“, ein wenig „Lecter“, ein wenig literaturbesessener Pedant und Zitate-Jäger-und-Sammler, geschüttelt von fiebrigen Anfällen vereint dieser Charakter viele „Täterklischees“ in einer Person, inszeniert Verbrechen nach, tötet aus Verachtung, versteckt seine Opfer in einer Gartenlaube ohne Betonfundamente. Die kleinen Details wie der Mangel an Handschuhen bei der Kripo, dem verpackte Duschhauben kurzfristig zur Hilfe kommen oder das Archiv der Regionalpresse, das angeblich mehr private Details enthält als Polizeiberichte, werden mit Bedacht platziert und „würzen“ die Handlungs-Nebenstränge.

Bibliographie

K. Hanke, C. Kröger, Blutheide, 2013 Gmeiner Verlag Meßkirch
Blutheide von K. Hanke/C. Kröger ISBN: 978-3-8392-1426-8, €9,99

Kathrin Hanke/Claudia Kröger,

Blutheide Ein Lüneburg-KrimiBESTELLEN,

Gmeiner¹ Verlag Meßkirch

5. Auflage 2014,

ISBN: 978-3-8392-1426-8,

€9,99 (D)

Reiseführer:

Lüneburg entdecken

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„IN DEN SPLITTERN LIEGT DIE WAHRHEIT…“.
HAITI-KRIMI.
„SORO“

Gary Victor, Soro, litradukt Literatureditionen Trier 2015
litradukt Literatureditionen

Erdbeben auf Haiti. Trümmer, Leichen, Chaos, Verwirrung. Inspektor Dieuswalwe Azémar findet sich mitten in einer äusserst prekären Situation. Sein „Schäferstündchen“ mit der Ehefrau seines  Chefs hat ein jähes Ende. Seine Gespielin stirbt beim Erdbeben und begräbt den schmächtigen Liebhaber unter ihre Leibeshülle. Dieuswalwe erholt sich nur langsam von dem Schock und der am „Soro“ bedingten Vernebelung seines Bewußtseins. Der aromatisierte Zuckerrohrschnaps ist oft mehr als nur der einzige „Helfer in der Not“, seine Entscheidung zu bleiben nicht zu widerrufen, das marodierende System seines Landes zu ertragen. Sein neuer „Gefährter“ wird das schlechte Gewissen, seinen hoch geschätzten Vorgesetzten Oberinspektor Solon, hintergangen zu haben; letzterer vergeht in Trauer und dem Verlangen nach Genugtuung, an dem Mann, der seine Frau überlebte, persönliche Rache zu üben. Dieuswalwes Dilemma zwischen Wahrheit und Selbsterhaltungstrieb wächst mit jeder Stunde weiter, denn Solon beauftragt ihn mit der Suche nach dem einzigen Überlebenden des „Seitensprungs“. Zur gleichen Zeit bekommt der mittel bis schwer „ätherisierte“ Ermittler mit den ungewöhnlichen Handlungsmethoden einen zweiten Fall: seine ehemalige Geliebte Marie-Marthe bittet ihn um Hilfe: ihr aktueller Liebhaber, ein Künstler, wird tot unter den Trümmern seines Ateliers gefunden; aber etwas stimmt nicht mit der Uhrzeit des Todes. Der Bruder des Toten und seine Frau sind felsenfest davon überzeugt, er starb in der Nacht des Erdbebens; doch Marie-Marthe ist da sicher: Jacques Philostène war diese Nacht bei ihr…sie bekommt große Angst, denn nur Zombies schaffen es, an zwei Orten gleichzeitig zu erscheinen…aber nicht nur das, die angeblich wertlosen Gemälde des Künstlers werden vermisst…

CHARAKTERE/SZENERIE

Zwischen Trümmern, Leichen, unter „eilig ausgebreiteten Planen“, „hastig aufgerichteten Wänden aus Holz, Pappe oder Blech“, dem Lärm von Hubschraubermotoren aus dem Nachbarland, das seine Bürger ausfliegt aber die Grenzen für humanitäre Konvois und medizinische Versorgung offen lässt, zwischen Angst vor Hunger und Krankheit, vor einem neuen Beben und der Bedrohung aus dem Meer, dem wachsenden Unmut gegen Regierung, Vereinte Nationen und NGOs, einem restlos überfordertem medizinischen Personal, mit der Hoffnung auf regenfreie Tage, „auf der Hut“ vor „Trittbrettfahrern“ und Opportunisten, die Angst verbreiten um sich selber zu bereichern, wandelt der „gute schlechte Polizist“ auf „schlaftrunkenen“ Pfaden durch eine Stadt in Auflösung, ein „lebender Zombie“, ein Mann der zu allem bereit ist, zutiefst verstört, gefangen in „inneren Monologen“, im „Dschungel“ von „polymererzeugten“ Halluzinationen, bereit seine Untreue zu vertuschen, seine „Schuld“ begraben zu lassen, einen Mord im Sinn, eine Allianz mit dem omnipräsenten „chamäleonisch begabten“ Übernatürlichen in Sicht, in einem Archiv zu Besuch, der offiziell nie stattfand, in einem Staat im letzten Untergeschoss der Korruption, vor sich einen Polizeichef, der Straftäter ausbilden soll, die den Wahlgewinn garantieren, einem mörderischen Duo dicht auf den Fersen, welches seine Tat im derangierten Dickicht der Umgebung nach einer Katastrophe zu vertuschen, die Spuren des naheliegenden Mordmotivs zu verwischen sucht: Habgier. Mitten in diesem Drama um Liebe, Freundschaft, Loyalität und Ehrlichkeit taucht der rote Faden zu einem „gepanschten“ Getränk und seinen weltweiten „Connections“ auf…

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Wiedersehen mit Inspektor Dieuswalwe Azémar. Die „Schweinezeiten“ sind Alltag in der haitianischen Hauptstadt, in „Soro“ nimmt sich Gary Victor Zeit für einen Seitenblick auf die dominikanische Realität der „Insel mit den zwei Gesichtern“.

Bibliographie

Gary Victor, SoroBESTELLEN Ein Voodoo-Krimi, ©2015 Litradukt Literatureditionen, aus dem Französischen von Peter Trier, Umschlagabbildung: Étienne Bienvenue, ISBN: 978-3-940435-14-9, €11,90

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©Kyriaki Marati BUECHER-LOGBUCH

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