Nachrichten aus dem Millenium
„LUNENBURG“

2000: John Taggart ist spezialisiert auf „Features“ für die britische Königsfamilie. Die Zeitung, für die er schreibt, durchlebt eine Krise, die Auflagezahlen sind zurückgegangen, die Konflikte in der Redaktionsetage vermehren sich, man sucht nach Alternativwegen. Privat pendelt John zwischen dem schottischen Ort Portpatrick (Irische See), dem Ort wo er ohne Vater aufwächst, dem Ort wo seine Mutter in der geschlossenen Psychiatrie lebt, und London, wo er sich auf einen „One Night Stand“ mit einer attraktiven Kollegin einer anderen Zeitung einlässt, den nur er als einen einmaligen „Event“ betrachtet. Seine Mitgespielin stellt ihm nach, „stalkt“ ihn, fühlt sich gedemütigt, bald darauf gesellt sich kalte Wut dazu, die sie mit einem „Coup“ auszuspielen weiss. Johns Stuhl in seiner Nische wackelt zusehends mehr, umso willkommener erscheint ihm die Abwechslung, die ostkanadische Kleinstadt Lunenburg zu erkunden um einen exklusiven Artikel über den bevorstehenden offiziellen Besuch des jungen Prinzen zu verfassen. In Halifax angekommen stolpert er buchstäblich in das Leben der Polizistin Annie Welles und in die verworrene Geschichte eines Doppelmordes hinein. Annie hat dienstlich ihre Befugnisse übertreten und sieht einem Disziplinarverfahren entgegen. Privat lebt sie von ihrem Mann getrennt, der das Sorgerecht für die beiden Söhne bekommt und mit einer anderen Frau eine Familie gründet.

SZENERIE

Die Szenerie ergänzen realistisch geschilderte, vor Ort und mit fachlicher Beratung erworbene, doch nicht reelle Ereignisse – wie der Autor selber in seinem Nachwort betont: Proteste in Halifax um die Verhaftung und Ausweisung eines Geschäftsmanns mit Beziehungen zu terroristischen Zellen, dem der neue Gouverneur Nova Scotias nahe steht, die Verhandlungen um die Ausweisung des Verhafteten in einen amerikanischen Bundesstaat mit Todesstrafe, die sein Anwalt zu verhindern sucht, die Entlassung eines verurteilten Mörders nach dreissig Jahren, der beim damaligen Prozess seinen Geschäftspartner bedrohte, die Konflikte innerhalb der Polizei zwischen Bürokraten, Karrieristen und „Strassenvolk“ sowie die mehr oder weniger subtilen Kleinkriege mit der bundesweit agierenden „königlichen kanadischen berittenen Polizei“, die den allmählich brenzlig gewordenen Fall kurzerhand übernimmt.

BUECHER-LOGBUCH-FAZIT

Keith Baker schrieb einen atmosphärisch dichten Millenium-Thriller, der zwar viel weniger bekannt als andere Vertreter dieser literarischen Gattung vor und nach dem Jahr 2000 ist. Dafür hat das Buch auch nach fünfzehn Jahren nichts von seiner Spannung eingebüßt: Haupt- und Nebenstränge kreuzen die goldene Mitte, „Splattereffekte“ werden sparsam dosiert, dramatische Augenblicke, Liebesszenen, Dialoge, regionale Lebensart fügen sich in das Gesamtbild ein, und die „rauh liebliche“, „rot in grün getauchte“ Landschaft Nova Scotias umringt von ihren Schwester-Seeprovinzen New Brunswick, Prince Edward Island, nördlich von Maine, südwestlich Neufundlands, ist nicht nur zu Weihnachtszeit einen Besuch wert. Ich las „Lunenburg“ als Thriller und als eine Liebeserklärung an diese nördlich gelegene atlantische Landschaft.#buecher-logbuchde

Bibliographie

Keith Baker, Lunenburg

Passend zu diesem Millenium-Thriller empfiehlt das #buecher-logbuchde für Individualreisende mit besonderen Ansprüchen den Reiseführer:

IWANOWSKI KANADA OSTEN

Lesen Sie auch:

  • Rudyard Kipling, ÜBER BORD, edition Büchergilde, die Geschichte eines jungen Mannes, der durch einen Fall in die kalten Atlantikgewässer vor Neufundland die Bequemlichkeit seines Zuhauses verlassen muss und sein Leben anfänglich mit Mühe und Not, später mit viel Elan meistert.

 

„Intermission Riff und die haligonische Reise“
Der Thriller „LUNENBURG“

…“Aus der Nähe war es so schön wie es aus der Ferne anmutete. Die Stadt wurde 1753 gegründet aber die Architektur war größtenteils viktorianisch, jedes Gebäude ein individuelles Meisterwerk, manche zeigten sich pompös und erhoben sich stolz, andere waren kleiner und schauten wie aus Pfefferkuchen gebacken zu sein.“ bis hier übersetzt von admin buecher-logbuch.de

Und etwas weiter unten:

…“A single trawler stood at anchor and several small yachts were tied up, covered with tarpaulins on which snow lay like a crust. The harbour had that universal smell, the oily, fishly, seaweed tang that he knew so well from growing up in Portpatrick.“…

aus:

Keith Baker, Lunenburg, Headline Book Publishing 2000

Der Kontext: während der schottische Journalist John die Landschaft Nova Scotias bewundert, stolpert er in die Ermittlungen an einem Doppelmord hinein und verliebt sich in die Polizistin Annie.

Die Überschrift: Neben dem Pianisten Bill Evans findet auch das Jazz-Stück „Intermission Riff“ von Stan Kenton in „Lunenburg“ Erwähnung. „Haligonisch“ ist eine Anspielung auf die Bewohner von Halifax, wie sie von Buchfiguren in „Lunenburg“ genannt werden, nämlich „Haligonians“.

#BUECHER-LOGBUCHDE meint:

„Lunenburg“ ist einer von diesen wenig bekannten Millenium-Thrillern, die neben einer lesenswerten Handlung mit vielen Nebensträngen die Landschaft Nova Scotias mit ihren Inseln, Kaps und Buchten, ihre sehenswerte Hauptstadt Halifax und die pittoreske Kleinstadt Lunenburg in den Vordergrund rücken lässt und dazu noch eine Brücke über dem Atlantik in das schottische Fischerdorf Portpatrick schlägt. Fünfzehn Jahre später ist dieses Buch genauso spannend wie damals.#BUECHER-LOGBUCH.DE

PRETORIA KRUGER NATIONALPARK
VICTORIAFÄLLE KAPSTADT LUXUSZÜGE UNTERWEGS

Der südafrikanische „Blaue Zug“ (Blue Train) ist ein Luxuszug, der die Hauptstadt des Landes Pretoria im Norden mit Kapstadt im Süden verbindet. Gelegentliche Verbindungen gibt es zum Hoedspruit am Kruger Nationalpark und den Victoriafällen in Simbabwe und nach Namibia. Der Blue Train wurde im Jahr 1923 zwischen Johannesburg und Kapstadt eingesetzt, um den Anschluss an die Luxus-Schiffe nach England zu gewährleisten. Seinen heutigen Namen trägt er seit 1939.

 

Denkmäler an eine Romanfigur…
Nuancen einer Lebenshaltung?
Ost-Europas Verbeugung vor Švejk…

Nach 13 Švejk-Denkmälern, unter anderem in der Slowakei, der Ukraine, Polen und Russland, wurde Ende August 2014 die erste Statue in Tschechien enthüllt. Diese Statue steht in der Gemeinde Putim, sechs Kilometer südwestlich von Pisek, am rechten Ufer der Blanice, wo Schwejk auf dem Weg nach Budweis als „russischer Spion“ verhaftet und verhört wird. Jaroslav Hašeks Mutter Kateřina, geborene Jarešová, stammte aus Krč und wuchs im Teichwächterhaus am nahegelegenen Ražický rybník auf.

Die Errichtung einer weiteren Statue ist für 2015 in Kralupy geplant.

Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Der_brave_Soldat_Schwejk
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Putim