Der Scheiterhaufen:
„Der Pelikan“

August Strindberg,

Der Pelikan, Kammerspiel (1907)

Der Pelikan (auch „Der Scheiterhaufen“) wurde als eins von vier Kammerspielen im Frühsommer 1907 geschrieben. Der achtundfünfzigjährige August Strindberg war gesundheitlich angeschlagen und einsam. In seinem Brief an Emil Schering spricht er von der Hoffnung, die ihm der Anschluß an das Jenseits gibt; er schreibt mit dem Gefühl, das seien seine letzten Sonaten (S.99).

Der Pelikan wurde mit wenig Verständnis aufgenommen und nur dreizehn Mal aufgeführt. Erst 1920 mit der Tournee Max Reinhardts – des Gründers der Kammerspiele im Deutschen Theater Berlin – nach Göteborg und Stockholm wurde auch das schwedische Publikum auf das Kammerspiel aufmerksam.

Die etwas andere Inhaltsangabe

Das Wohnzimmer eines Hauses. Der Hausherr ist gestorben. Seine Ehefrau geizt mit Essen und Feuer für den Kamin; sie entlässt das alte Hausmädchen. Der Sohn beklagt sich über Kälte und Hunger. Die verheiratete Tochter kehrt aus den frühzeitig abgebrochenen Flitterwochen zurück. Sie ahnt, dass zwischen ihrem frisch angetrauten Ehemann und ihrer Mutter mehr ist als bloß Sympathie. Nach dem Tod des Vaters und Mannes bricht die Fassade auseinander, die Hinterbliebenen geben einander die Schuld an die auf sie lawinenartig einbrechende Not. Jeder sucht einen anderen Ausweg: Abschied, Flucht, Bleiben, Projektion, Hass, Musik. Für die beiden alleingelassenen kindlichen Erwachsenen scheint nur das Feuer die jahrelang sehnsuchtsvoll gewünschte, von der Mutter nie gespendete, körperliche und seelische Wärme zu bringen.

Interpretation

Die herablassende Art des Emporkömmlings-Schwiegersohns öffnet der ausgenutzten Geliebten-Mutter und Witwe und der betrogenen Ehefrau-Tochter die Augen. Erstere ist gefangen zwischen Trauer und befürchteter finanzieller Not, zwischen Egoismus und einem Hauch schlechten Gewissens. Sie giert nach Aufmerksamkeit, sie hortet Holzscheite und Lebensmittel, sie weist der Kinder Bitten ab, sie ist unfähig zu lieben, Bedürfnisse zu erfüllen, im übertragenen Sinne ihr Herzensblut zu spenden wie die Pelikane. Gejagt durch Tag-Alpträume ausgelöst durch Geräusche, Schwingungen, Bewegungen und der eigenen Wahrnehmung ist ihre Antwort Panik gegen die Furcht vor rachsüchtigen Geistern. Die Tochter sucht Trost beim Bruder, in den gemeinsamen Erinnerungen an den Vater und in der wärmespendenden, doch todbringenden Macht des Feuers.

Alpträume werden zum Leben erweckt durch die Gestalt der lebenssaftsaugenden Mutter, die von ihren vernachlässigten Kindern ironisch „Pelikan“ genannt wird.

Pelikane opfern sich für ihre Kinder auf¹. (S.101)

Das Motiv des menschlichen Vampirismus durchzieht alle vier Kammerspiele (Wetterleuchten, Brandstätte, Gespenstersonate, Pelikan) und ist ein Leitmotiv im Werk Strindbergs. Am Ende steht das Feuer als läutende befreiende Macht (S. 102).©Buecher-Logbuch®

Bibliographie:

August Strindberg, Der Pelikan, in: ders. Gespenstersonate/Der Pelikan, Reclam.

Präsentiert zusammen mit Werken von Dostojewski, Jens Peter Jacobsen und Wu Cheng´en im Christianeum Hamburg-Altona am 27.03.2014 (Handout).

Dass Mutterliebe und Marienverehrung Hand in Hand gehen könnten, wenn sie das müssten, wenn sie sich „gefährdet“ fühlen, und den Schulterschluss  mit (rückwärtsgewandten) Strömungen ähnlicher Gesinnung in der Gesellschaft suchen würden, erinnert an eine Zeit, als Mütter das „leuchtende“ Symbol einer aufstrebenden Großmacht wurden – siehe Zeit des Nationalsozialismus. Ich wage zu behaupten, dass heutige „Helikoptermütter“, die über ihren Kindern glucken, als wären sie „Petruschka-Puppen“ diese längst vergangene Zeit mit den Bimmeln der „Glocken von Corneville“ ins Bewusstsein bestimmter sehr bis luxus gut situierter Gesellschaftsschichten rücken, zu meinem Bedauern.

Empfohlenes Psychogramm:

Robert Seethaler, Ein ganzes Jahr.

Empfohlener historischer Roman:

Charles Dickens, Little Dorrit.

Empfohlener zeitgeschichtlicher Krimi:

Corina C. Klengel, Todesrune, Harzkrimi, Leda Verlag¹².
¹Quedlingburg, Bad Harzburg, Osterrode, etwas weiter weg Bad Oeynhausen, unter anderem. Der Harz an sich und überhaupt, sehr schön, sehr sagenreich, sehr geheimnisvoll, sehr erotisch bei so vielen Harzer Hexen... Dort kann man sich an einem Feuer bös das Gesicht verbrennen, kann passieren, hat man nicht auf den Schirm, dort kann man auch dreimal betrogen werden von demselben Schmetterlingsfalter, auch menschlich eher weiblich, leider immer noch, hinterher nach langer Zeit sucht das Weibchen den Anschluss wieder, wieso auch immer, wahrscheinlich weil kein anderer zur Stelle war. Wer den Anschluss an die modernen Zeiten verpasst und Aktivitas wie begleitende Weiber nicht zur Demokratie, Fairness und Treue, solange man/frau zusammen ist, (um)erzieht und die Erinnerung wach hält an das, was in der "Grünen Tanne" vereinbart wurde, verliert wertvolle Mitglieder und Beziehungen, so ist das Leben auf dem Harz und in deutschen Ländern, leider auch mitten im fortschrittlich "alemannisch-hanseatischen" Hamburg. Dann gäbe es nur eine Lösung: die Auflösung der Studentenorganisationen, die allgemein als Burschenschaften (schlagend oder nicht schlagend) bekannt geworden sind.
²Hamburg-Alstertal: Mobbing in der Schule, sind die Usurpatoren Kinder oder sind es viel eher erwachsene Komplexiker, die einer Bienenschar von Konkubinen und Mätressen auf dem Schreibtisch, im Lehrerzimmer, in geheimen Dunkelkammern den Vortritt geben nach dem Motto polygamisch lehrt sich besser...

Empfohlene Krimis: 
Arne Dahl, Böses Blut. 
Åke Edwardson, Room No. 10 A Chief Inspector Erik Winter Novel. 
David Frogier de Ponlevoy, Hanoi Hospital¹². 
¹Barrierefreiheit ist kostspielig, aber notwendig. Gebäude ohne Barrierefreiheit - auch mitten im modernen Hamburg zu finden - verpassen den Anschluss an die Zukunft und die Mieter noch dazu. Wer Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer wie Menschen zweiter Klasse behandelt, indem sie ihnen den Zugang, der den "Zweibeinern" frei steht, versperrt, ist eine "Null Nummer"! In Venedigs vier Sterne Hotels sieht es schon anders aus.
²Und wenn Sie sich als Querschnittsgelähmter das Schienbein gebrochen¹ haben und an ausgeprägter Osteoporose leiden, meiden Sie das Amalie Sieveking Krankenhaus, denn dort werden Sie nur warten, dort wird Ihnen nicht geholfen, rufen Sie lieber gleich in Boberg an und vereinbaren einen Krankentransport, vorausgesetzt es gibt genügend Betten.
¹Was ich nicht begreife, ist wie dies hätte passieren können...
Henning Mankell, Die Hunde von Riga. 
Henning Mankell, Der Chinese. 
Masako Togawa, Der Kuss des Feuers. 
Minette Walters, The Cellar. 
Empfohlene Thriller: John Grisham, The Pelican Brief. 
Stephen King, Brennen muss Salem. 
Stieg Larsson, The Girl with the Dragon Tattoo. 
und mein Lieblingsstück: 
Stephen King, Needful Things :)

Von Playgirls und Playboys Penthouse-Mäusen und Claudius Dei Reales Kaufen Paybacks Thallien Härteristinnen und Lustmönchen mit der Brille Gottes.

In dem Buch, das ich gerade lese, geht es um die Funktion der Hetären¹, Konkubinnen und Mätressen von der Antike bis zur Gegenwart. Dabei sind Aspasia, Madame Bovary, Rosemarie Nitribitt, Kristin Keeler und Domenika Niehoff.

¹Es ist ein Job, es ist ein Geschäft und es bedient eine bestimmte Kategorie von Gästen. Unter obigem Link erfahren Sie ein besonderes Beispiel für Hamburg. Das Unternehmen organisiert unter anderem eine Kieztour, es bedient wie es auf seiner Webseite steht, den amerikanischen Lifestyle; die Reeperbahn¹ ist eine besondere Meile, die erhalten bleiben sollte, auch im Wechsel der Gezeiten, festgehalten von dem ehemaligen Lastwagenfahrer Jens Eisel in seinem mit dem Open Mike prämierten Band Hafenlichter.

¹In den sechziger und siebziger Jahren, soweit ich gehört habe, hielten die damaligen Kiezeigentümer zwei Getränkekarten zur Hand, eine für den Tisch, eine für unter dem Tisch, für geschäftliche Verhandlungen ein schwieriges Unternehmen, wenn man/frau sich nicht auskennt, aber das war es wohl damals, nicht mehr heute.

Interessante Texte durchaus, wenn jemand die Historie dieser Frauen im Kontext ihrer Epoche für weitere Studien heranziehen möchte. Von diesen war eigentlich nur Aspasia, Perikles Frau, ihm ebenbürtig; Hetären im Altertum genossen mehr Ansehen als die Ehefrauen, die das Haus zu hüten hatten. Nur wenige ihrer Nachfolgerinnen waren wirklich den Männern ebenbürtig, sie standen im Schatten der Männer, sie waren von der Gunst der Männer abhängig, viele starben verarmt, nachdem die Männer sich für jüngere engagierten, die meisten waren unglücklich, der Mord Rosemarie Nitribitts ist immer noch nicht aufgeklärt, Kristin Keeler schlief in London mit Minister Profumo und einem russischen Diplomaten, ersterer wurde trotz der Affäre und nachdem ein wenig Gras darüber gewachsen war, ins Königshaus eingeladen, als wäre nichts geschehen.

Das Buch beschreibt Frauenbiographien, die symptomatisch für eine Einengung der Frauen in die Rolle einer Geliebten, oft auch einer beliebigen Geliebten, solang sie noch „frisches Fleisch“ anzubieten hat, positioniert. Besonders Lolitas oder Lolitaimitationen sind gefragt. In der heutigen Zeit passiert dies oft unter falscher Identität auf sozialen Netzwerken, viele zeigen ihr Gesicht nicht, viele profitieren von der Arbeit anderer, was sie aber nicht merken ist, dass soziale Netzwerke ihre Postings, ob mit Kapuze, schwarzer Brille, Hut, Nonnenkluft, Schleier, pinkem Overall, rosaroter Herzbrille oder Kopftuch für ihre Werbung weiternutzen, um sie zu personalisieren. Diese Daten werden an Werbeträger, die zahlenden Unternehmen dienen, weitergetragen. Es findet ein nur scheinbar platonisch, polygamischer Austausch statt, deine Daten für meine Werbung, für meinen Profit.

Die ganzen Minderjährigen, die in den sozialen Netzwerken rumtummeln mit falschen Identitäten, abgekürzten Namen oder Codebezeichnungen verbreiten einen Fluss von Gerüchten, denn es ist ein „rechtsfreier“ Raum und keiner kann belangt werden, wenn er/sie unerkannt bleibt, bis der böse Polizist kommt und ihnen einen Strich durch die Rechnung macht.

Hinzu kommt, dass die katholische und die evangelische Kirche, um bei zwei religiösen Institutionen zu bleiben, denen Mitgliederzahlen schwinden, sowie auch sogar in Vorwahlzeiten politische Parteien, die eine Chance zur Stimmengewinnung oder zum Wiedereinzug in das Parlament durch personalisierte Nutzer sich ausmalen, verdeckt und unerkannt die Netzwerke nutzen werden, um an Informationen ranzukommen, die ihnen und nur ihnen von Nutzen sein könnte. Unterhalten Sie sich, unterhaltet euch ausserhalb der Netzwerke, weil sie eure Informationen weitergeben und sich untereinander austauschen, um ihre Wertschöpfungskette auszubessern, eure Kinder machen aus sich und aus Euch einen Vamp, um die Gunst Ihres „Crowds“ zu erhalten, zu erhöhen, beliebt zu sein; sie bekommen vom versteckten Cybermobbing überhaupt nichts mit, das sie nackt auszieht, nur das geschieht nicht aus eigenem Willen wie vielleicht in einer Aktenzeichen-Klasse, sondern verdeckt und mit einem einzigen Ziel: den Profit.

Das Buchcover zeigt das Callgirl Kristin Keeler, das in den späten 50er Jahren, an einer Sex-und-Spionage-Affäre mit politischen Auswirkungen in London kurzfristige Mitspielerin eines undurchsichtigen Falls wurde, wie ihre Vorläuferin Mata Hari es bereits im frühen zwanzigsten Jahrhundert vormachte; zweite gibt es übrigens auch heute, Import aus der Schweiz mit Wikipediakonto und Millionen Follower, war das Amazon und google+, ich meine ja, was soll´s, wie es ihr gefällt, vorausgesetzt sie spioniert nicht anderen nach…

Auf dem Buchcover sitzt die junge knackige Christine Keeler auf einem Arne Jacobsen Stuhl, der mehr verbirgt als er verdeckt. Was für ein Meisterstück der Fotografie, was für eine Mariaikone für einen Claudius Dei, der seinen heiligen münchener, römischen, venezianischen, barcelonischen, dänischen, kölnischen, berlinischen, heidelbergischen, niederländischen, londinischen, schwedischen, finnischen, norwegischen, hamburgischen, volkdorfischen Standort mit Fernrohr auskundschaftet, um seine Schäfchen zu suchen wie der Ungar Kostolany mal schrieb, denn sie könnten börsenträchtig sein. Dieser Claudius Dei hat ein gewisses Problem, der hält seine Kutte die ganze Zeit fest zu, denn er möchte seine Erektion verbergen. That´s church, that´s the circle, Leute, und das auch noch online, und sie ergiessen sich an euren Daten, wie vor den Marienikonen in ihren Klöstern und Kirchen. Es ist das Erbe des Zölibats, das seine Krakenarme ausstreckt, unbefriedigte Liebe, die ein Ventil sucht in die geteilten Inhalte anderer, ihr löst bei denen einen Orgasmus aus, auch wenn er virtuell ist, wollt ihr das wirklich?

Ein paar Stichworte zum Buchcover:

Kristin Christin Arne Jacobsen Dänemark Stuhl nackt Nacktfotos 50er Jahre Frisur The Danish Girl Strip-Tease Kieler Aktfotografie Snowdon Sittings (1979-1983) Christ Priester Vogel V Cars Kirche Thalia Douglas Edeka Marchiküchen wunderliche Zahnärzte Sven Regener Real Paybackpunkte Ersatzkassen, portugallische Vereine, Tierparks, die angeblich keine Daten weitergeben, haben sie die Daten weiterverkauft, hoffentlich nicht, denn das wäre eine Straftat, das ist kein Vorbild für heranwachsende Kinder, egal wie viel egal wie wenig frau hat. Und wenn Fotos eines Hauses, eines Gartens ohne Zustimmung gemacht und weitergegeben werden, durch die sozialen Netzwerke und die Chat-Gruppen wandern, sogar ins Ausland transportiert werden, ist dies, was ihr Gerechtigkeit und Bewahrung der Privatsphäre nennt? Ich nicht und ich habe es auch nie erlaubt, ihr habt mich nicht gefragt, ob ich es will, ihr habt meine Persönlichkeitssphäre verletzt, ihr seid Räuberinnen und die sozialen Netzwerke sind Schurkenstaaten wie der Götterstaat Iran¹²³.©BUECHER-LOGBUCH®

¹Erstens: ein Staat, der Konvertierte mit der Todesstrafe bedroht, denkt nicht zeitgemäß, ein Staat, der mit seinen Krakenarmen Menschen mitten in Hamburg die Luft abdreht, weil sie Angst davor haben, von ihrem Leid zu erzählen und stattdessen eine iranische App verwenden als Kommunikationsmittel, als Möglichkeit des Austausches, weil sie sich hierzulande nicht mehr sicher fühlen. Ein Staat, der Angst verbreitet, auch durch die Androhung von Repressalien und vor allem durch die Androhung von Verrat der „Ungläubigen“ und Belohnung der „Gläubigen“ nicht nur im Land sondern auch in Europa und auf der ganzen Welt, überall wo Exiliranerinnen und Exiliraner leben, ein Staat, der Andersdenkende „exekutiert“, ich würde sagen, das ist Mord unter der Vortäuschung politischer Motive, ein Staat, der Frauen bedroht, wenn sie anderer Meinung sind, ein Staat, wo Frauen zwei Gesichter haben müssen, das eine in der Öffentlichkeit, das andere in Privaträumen, sät eine Doppelmoral, die aus Lebenden Zombies macht, aus Dr. Jekyll Mrs. Hyde, ein Staat, der Literaten mit einer „Fatwa“ verurteilt und sie zu ewigen Flüchtlingen macht, ein Staat, der junge Schülerinnen wie Bräute in blauem Tüll verkleidet und sie obsessiv lernen lässt wie in alten Zeiten – die Frage ist für welchen Zweck sie lernen, auf dem Zeitungsbild sahen sie in meinen Augen wie blaue „Soldatinnen Allahs“ aus – ein Staat, der Schriftstellerinnen nicht zu Lesungen ausreisen lässt, ist eine „blaue Diktatur“ tief gehüllt in „selbstgerührter“ Depression.

²Zweitens kann Salman Rushdie sich als freier Mann bewegen oder ist sein Leben immer noch in Gefahr, weil es immer noch manche Leute gibt, die wegen seines Buchs ihm nach dem Leben trachten.

³Drittens: Geschäfte mit dem Iran werden in größerem Stil kaum abgeschlossen werden können, solange das amerikanische Embargo gilt, so mein Wissensstand. Frau/man sollte sich aber auch fragen, wie dieses Embargo zustandekam, warum es weiter besteht, und vor allem sollten sich Unternehmen im Iran und in anderen Ländern Gedanken machen, wie sie diese Situation entschärfen können.

Heute: Hetäre=Cheerleader, Fotografin, Aktmodell, Ehefrau, Mutter und Gesprächspartnerin, Sorgentelefon, Sexpartnerin, Lebensgefährtin, Bloggerin, eine Frau, die eine Schnittstelle bedient, die eine Lücke schließt oder neue Horizonte eröffnet, wie zum Beispiel meine gute Freundin Mary, „Corporate Diplomacy and EU Public Affairs“ :). Sie ist eine charmante Gesprächspartnerin, sie lässt sich von persönlichen Animositäten nicht ablenken, sie ist ein sehr klarer Kopf und sie ist eine Spitzenrhetorikerin; ihr Englisch ist ausgezeichnet.

Bibliographie:

Yrsa Sigurdardóttir, DNA: Reykjavik, wie es schacht und lebt auch nach Bobby Fischers einmaligem "Coup de Grace" eines Amerikaners gegen das Siegmonopol eines Weltklassespielers aus der damaligen Sovietunion mit einem Schwerpunkt: die überwachte staatliche Kommunikation, die Betreuung Kinderwaisen und verlorengegangene Frequenzen.

Mojgan Ataollahi, Ein leichter Tod.

Max Bronski, Sister Sox.

Agatha Christie, 16 Uhr 50 ab Paddington. 

Paulo Coelho, Die Hexe von Portobello.

Barbara Sichtermann/Ingo Rose (Hrsg.), Kurtisanen, Konkubinen & Mätressen.

Thomas Mann, Claudius Dei.

Zygmunt Miloszewski, Warschauer Verstrickungen¹: wie kann ein Autor aus Polen soviel über einen Stadtteil wie Volksdorf wissen, über vermisste Nintendo-Geräte (Stift siehe Buchcover), über abseitige Rituale, über Schulinterna, über das Dorf an sich und überhaupt; vielleicht über die sozialen Netzwerke und Chatrooms, die sich über das Leben Anderer unterhalten, weil sie mit ihrem eigenen Leben nichts anfangen können, obwohl jedes Leben wertwoll ist, so wie es ist oder vielleicht über ein Schulnetzwerk, das mit einem benachbarten konkurriert, weil Schulen zu Unternehmen mutiert worden sind statt Bildung zu vermitteln?

¹Empfohlene Filme: 
Basic Instict.
Frequency.
Ellis Peters, Das Mönchskraut, Ein mittelalterlicher Krimi.

Ruth Rendell, Die Masken der Mütter.

August Strindberg, Der Pelikan.

Tina Uebel, Last Exit Volksdorf.

Barbara Vine, Die im Dunkeln sieht man doch.

Empfohlener Film:

"Der Stellvertreter".

Empfohlene Musik:

Frank Sinatra, Strangers in the Night.
Lena, "Taken by a Stranger".

From Shooting Cats to Sounds of Silence…
„Blood against the Snows“
Fiktion meets Reality.

From Shooting Cats to Sounds of Silence…

Was ist die Wahrheit hinter dem Massaker an der nepalesischen Königsfamilie im Jahr 2001 an einem Freitagabend im Monat Juni? War der Königssohn Dipendra Shah so hoffnungslos wütend liebestoll, weil er seine indischstämmige Freundin, die er in England kennen und lieben lernte und die er angeblich nicht heiraten dürfte, weil seine Mutter für ihn eine andere junge Frau ihres Gefallens aus einer ebenfalls hohen Kaste ausserwählt hatte, und deswegen seinen Vater, seine Mutter, seine Schwester und viele anderen Verwandten erschoss oder wurde er nur zum Sündenbock, der entbehrlich Bauer einer ganz anderen Intrige, die nie aufgedeckt wurde, weil Interessen von Staaten – auch ehemaligen Kolonialstaaten, die sich trotz der angebrochenen neuen Zeiten nicht gerne am Rande des Geschehens und der Macht sehen – Organisationen, Individuen, Unternehmen, Konzernen und Kollaborateuren in einem von Krisen geschüttelten Land zwischen zwei Großmächten von einer Beseitigung royaler Ausmaße profitieren würden? Die Zeitungsberichte beschrieben die Ereignisse und veröffentlichten vermeintliche Berichte von Augenzeugen. Es gab Tumulte in der Hauptstadt Kathmandu. Der designierte Attentäter und Fast-Drei-Tage-König wurde wie die Ermordeten eingeäschert, so ist es im Lande üblich. Gerüchte kursierten über seine verbotene Liebesbeziehung zu der überirdischen Schönheit Devyani Rana, sein letztes Telefonat mit ihr, ihrer gemeinsamen Zeit in England, ihren geheimen Reisen nach Fernost. Der Attentäter trug eine Maske, als er mit einer Maschinenpistole fast die gesamte Königsfamilie auslöste. Seine Verlobte verschwand aus der Bildfläche, war nicht zu erreichen, und ist inzwischen verheiratet mit einem indischen Geschäftsmann und in Nepal politisch aktiv. Wer hat die Finger im Spiel gehabt, war es nur eine Tat im Rausch und aus Liebeswut, das ist hier die Frage, und nicht nur das, es kursierten auch Gerüchte um Kinder, die sich hinter einem Sofa versteckten, als die Schiesserei begann und um ein uneheliches Kind, Frucht der Beziehung des Thronfolgers und seiner indischen Geliebten…Auf den ermordeten König Birendra folgte sein Bruder Gyanendra, dessen Sohn Paras für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt war, einen Schauspieler anfuhr und tödlich verletzte und für seine Tat nur eine Abmahnung bekam, später engagierte er sich geschäftlich im Fernen Osten, sicherlich ohne Rücksicht auf Buchhaltung, Steuern und solchen Krims Krams, dieses boom(s)ende Asien geht mir allmählich auf den Wecker!©Buecher-Logbuch®

Bibliographie

Sachbuch:

Jonathan Gregson, Blood against the Snows, The tragic Story of Nepal´s Royal Dynasty, Fourth Estate. Zeitbericht des einzigen nicht nepalesischen Autors und Journalisten, der König Birendra in den letzten elf Jahren seiner Herrschaft interviewte.
Reads like a thriller.

Thriller:

Jo Nesbø, Der Sohn.
Jo Nesbø, Blood on Snow.
Karin Kaiser, Bangalore Massala.
Margaret Murphy, Das stumme Kind (in Liverpool und überall, wo es Leute mit Scheuklappen gibt, die das sichtbar Offensichtliche, was einem Kind fehlt, nicht sehen können, und die Verantwortung an ihre boom(s)ende Stellvertreter und Stellvertrerinnen delegieren, denn es geschah am hellichten Tag, dass Kinder missbraucht wurden, weil sie nicht verstanden worden sind, was Schulbehörden nicht davon abhält, dicke Akten zusammenzustellen. Schäm dich Regierung der Hansestadt Hamburg, du bereicherst dich an den Mühen anderer, Hauptsache, du sparst an der Bildung, und schliesst unheilige Allianzen, Pfui Teipel!
Yann Martel, Life of Pi.
Elliot Pattison, Der tibetische Spion.
Avtar Singh, Nekropolis¹.

¹Dharavi, Documenting Informalities, The Royal University College of Fine Arts Academich Foundation. 

"The Master Plan - the idea to sell off the entire area - started to roll as we were editing this Dharavi chronicle. Politicians finally noticed Dharavi, but what they saw was a problem: the people living there. They also saw possibilities to get rich from the land. Dharavi and its 700.000 or so inhabitants were suddenly tossed around in big international business schemes conducted by powers far away from the dwellings of Dharavi.
Dharavi is unique in many ways, but is no exception in the wider issues of housing shortages.
As urbanization keeps on accelerating informal economies are also booming. The architecture of slums, favelas and shanty towns might, in one sense, be labelled as the dominant housing solution of contemporary urban life and are often located at the very centre of global economic systems. All over Europe there are historical examples. The Old Town in Stockholm - once a rubbish dump, later became a concentration of shacks for the poor, and now serves as the foundations to some of the most expensive real estate in Sweden. Informal settlements can and will develop - if there is a political will.
Investigating how art and architecture can contribute to social and political discussions is not merely an academic project. It´s goal is increasing knowledge about informal living in cities, to suggest more participatory and inclusive descriptions of the urban poor and to increase infrastructure in informal areas by searching out new collaborations and networks. In short - to sustain ability." (zitierte Auszüge aus dem Prolog des Buchs "Dharavi¹² - Documenting Informalities", Maria Lantz and Jonatan Habib Engqvist).

¹In Dharavi leben Generationen miteinander. Inzwischen haben Männer und auch Frauen gutbezahlte Jobs, doch sie kehren in den Slum ein, in Anzug und Grawatte und eingewickelt in wunderschönen Saris, um bei ihrer Familie zu sein. Die Familienstrukturen in dem Slum sind stärker als manche Beziehungen in westlichen Ländern.
²In Dharavi werden blaue Chemikalien-Fässer der BASF geliefert, welche die Leute mit blossen Händen saubermachen, denn es gibt keine Handschuhe. Diese Fässer werden nicht abgeholt und nach dem Saubermachen als Trinkfässer benutzt. Slums sollen aber keine Ablage für den Müll anderer sein, sondern ein Weg, die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft zu verbinden, um daraus eine kreative humane Gesellschaftsform zu entwickeln.
Reiseberichte:

Lesereise Nepal, Picus Verlag.
Sebastian Lörscher, Making Friends in Bangalore¹.

¹Bangalore is part of Karnataka State.No go-Karting there, too many maharadjas around...

Sachbuch:

"So wirst du stinkreich im boomenden Asien".

Empfohlene Musik:

Joan Baez, Come from the Shadows Prison Trilogy (Billy Rose).
Simon & Garfunkel, Sound of Silence.
Chaiyya Chaiyya Bollywood¹ Joint (Filmmusik by Terence Blanchard aus dem Film "Inside Man").

¹Mumbai-Reise: 
Harsha V. Dehejia, Mumbai Footpaths, Paths of Courage, Journeys of Hope, Vira Books.

Film:
"Slumdog Millionär".

Die dunklen Wasser der Seine,
der dunkle See der Online-Welten…
„Der Ball“

Paris, 1926: Familie Kampf ist neureich, das heisst sie ist durch eine Börsenspekulation zum Reichtum gekommen. Die Eltern lebten vorher in einer engen Wohnung an einer Seitengasse, die Mutter war Sekretärin eines Bankdirektors, der Vater, jüdischen Glaubens, konvertiert aber trotzdem ein „ewiger Flüchtling“ geblieben, unter seinen Börsenkollegen „Feuer“ genannt wegen seiner feurigen Augen und seinem jede Pore seiner Existenz durchdringendes Tempo, steigt vom Laufburschen in blauer Livree vor der Bank, zum Angestellten der Banque de Paris, zum Ehemann von Mademoiselle Rosine, zum Vater von Antoinette, zum Arbeitgeber eines englischen Kindermädchens und endlich zum mehr oder weniger hochgeachteten Bankier. Sein „Weib“, Madame Rosine, ist sich ihrer neuen gesellschaftlichen Position schmerzlich bewusst und möchte ihrer armen Vergangenheit den „Garaus“ machen; also schärft sie Antoinette ein, dass sie niemals weitersagen darf, wo sie vorher gewohnt haben, sie soll überhaupt nicht mit Erwachsenen reden und wenn dann höchstens um die Frage nach der ersten Heimat mit Süden, am liebsten Cannes wennmöglich Nizza beantworten, denn diese Städte haben in der lebhaften Fantasie der Mutter den Glanz einer Boulevard-Zeitschrift ohne jeglichen Bezug zur Realität. Mit anderen Worten lernt das Kind bereits in jungen Jahren das Lügen von der eigenen Mutter. Hinzu kommt, dass Madame Rosine Antoinette schlägt, sie bei jeder erdenklichen Gelegenheit beschimpft; eins gesteht die Mutter der Tochter zu, das Lernen bis zum Umfallen, denn sie soll die Beste und Bravste sein in der Schule, verschwiegen aber kämpferisch, „illuminatorisch“ besserwisserisch bis kramphaft diktatorisch, anderen Mitschülern die Lust zum Lernen beibringen, wie altklug, „Brownie Points“ beim Lehrer oder der Lehrerin abservieren für so ein vorbildliches Verhalten im Klassenverband, in der Familie, im Weiterteilen von wichtigtuerischem Tratsch, der sie überhaupt nichts angeht. Die vierzehnjährige pubertierende Antoinette macht mit, bis der „Blitz“ einschlägt in ihre erdachte neureiche Welt: die Eltern geben einen Ball, laden 200 wichtige „Gesellschaftssäulen“ ein und Antoinette darf wegen ihrer schönen Handschrift die Couverts beschriften, aber sie darf nicht am Ball teilnehmen, weil ihre Mutter es verbietet, weil sie vielleicht in das junge Mädchen, der alle Türen der Welt noch offen stehen, eine Konkurrentin sieht; wenig selbstbewusst diese Madame Rosine, aber so können Menschen halt manchmal sein.

Was danach folgt und welche Rache die gekränkte Antoinette sich ersinnt, wie sie mit Selbstmordgedanken spielt, wie sie den Spieß umdreht, und die Eltern, die verhassten Erwachsenen, einfach Alle hinterhältig bloßstellt, die an ihrem Ausschluss irgendwie auch nur entfernt in ihrer kleinen Welt ihren „Beitrag“ geleistet haben, und diejenigen in eine Verschwörung miteinbindet, mit denen sie auf Du steht, egal ob Jugendliche(r) oder junggebliebene(r) Erwachsene(r), die sie als Erwachsene ansehen, weil sie so gerne erwachsen sein will, die Kindheit ist ihr abhanden gekommen, ja, „Der Ball“ ist ein dramatisch satirisches Meisterstück fulminanter Dialoge, das einem Thriller gleicht, ein Psychogramm und eine Charakterstudie wie eine „Karawane der Köche“ sozusagen.

Geschrieben 1930 von der in Ausschwitz verstorbenen Irène Némirovsky hat „Der Ball“ nichts an Aktualität verloren, weil diese kleine Erzählung ein sehr persönliches Thema betrifft: Kinder- und Elternkonflikte, Mutter und Tochter Beziehungen, Familienkonflikte, Pubertät und Selbstbestimmung, Umgang mit Jugendlichen in Schule, untereinander, mit Lehrern, Tutoren, Schulverwaltung, und heutzutage die Bloßstellung in sozialen Netzwerken, im Internet, sozusagen „an den dunklen Wassern der Seine“, „sozusagen in Paris“, aber eigentlich hier, dort und auf der ganzen Welt.

Mein Fazit für das 21. Jahrhundert: die Daten machen eine Weltumrundung, werden von den Konzernen gespeichert, die sich immer auf neue Fallen besinnen, um Kundenbedürfnisse, die gar nicht da sind, zu erwecken, und sie werden Sie und Euch verfolgen in eurem weiteren Leben, im Beruf, im Alltag, personalisierte Datensätze sind „stärker als die Zeit“ und Bereuen werdet ihr es später nicht mehr können, die Arbeitgeber sind darauf aufmerksam geworden und werden es sich zweimal überlegen, Verschwörer und Verschwörerinnen, die anderen was Böses andichten einzustellen. Konzerne kennen keine Fahnen, sie kennen nur Wirtschaftszahlen. Konzerne setzen sich über alles hinweg, ersinnen sich jedesmal neue Allianzen, auch mit der Politik, je nachdem wie es ihnen in den Kramm passt, sie kennen keine Freunde, sie kennen nur dienliche Metropolis-Radwerke, es stört sie nicht, wenn sie sich Diener zweier Herren bedienen. Sie sind die unsichtbaren „Whites“, die sich der Kleinen bedienen, um ihre Wertschöpfungskette aufzubessern. Konzerne kennen kein Pardon, aber sie können Angst verbreiten, um die immerhin komplexe Welt wirtschaftlicher Zusammenhänge zu verschleiern; Konzerne sind Puppenspieler eurer Gefühle und eurer Erwartungen, eurer Wünsche und eurer Träume und ihr seid die Marionetten.

Einfach abschalten, die Familien- und Schulclass braucht Ferien  von den Netzwerken und dem ganzen Gedöns. Handys weg, UTube aus, umdenken, das geht gar nicht mehr.©Kyriaki Marati Buecher-Logbuch®

Bibliographie: 

Irène Némirovsky, Der Ball, ©Paul Zsolnay Verlag 2005 (Taschenbuchausgabe btb).

Als „Le Bal“ 1930 bei Grasset erschien, war Irène Némirovsky 27 Jahre alt und lebte seit über einem Jahrzehnt in Paris, wohin sie mit ihren Eltern vor der Russischen Revolution geflohen war. Im Jahr zuvor war sie mit ihrem Roman David Golder, der tragischen Geschichte eines russischen Juden in Paris, über Nacht bekannt geworden.

Die Idee zu „Der Ball“ kam der Autorin auf der Brücke Pont Alexandre III, als sie ein kleines Mädchen bemerkte, das sich über das Gelände lehnte und ins vorüberfließende Wasser schaute, während die Frau, die es begleitete und eine englische Gouvernante zu sein schien, sichtlich erregt auf jemanden wartete, der nicht kam. Der unglückliche, harte Ausdruck des Mädchens fiel Irène auf und sie stellte sich alle möglichen Geschichten vor. „Der Ball“ ist eine davon.

Die Pariser Brücke Pont Alexandre III trägt den Namen des russischen Zaren Alexander III. und versinnbildlicht mit ihren Allegorien der Seine und der Neva die Freundschaft zwischen Frankreich und Rußland. Von dieser Brücke wirft Antoinette die Einladungen zum Ball ihrer Eltern in den Fluß.

Kriminalromane:

Albert Camus, L´ Etranger.

Kamel Daoud, Der Fall Meursault Eine Gegendarstellung.

Shulamit Lapid, Lokalausgabe.

Leena Lehtolainen, Alle singen im Chor, Maria Kallios ermittelt.

Kerri Sakamoto, Das Echo eines langen Tages.

Mary Roberts Rinehart, Die Wendeltreppe.

Empfohlener Film:

Die Liebenden von Pont Neuf.

0ΧΙ!!! SOLOMOS ERBE.
HEILIGE KNOCHEN.
Reisebilder 2
Im Zeichen der Windrose: Venedig.

Buchempfehlungen:

Francesca Sanna, Die Flucht¹, Förderpreis Master of Arts Design der Hochschule Luzern, NordSüd Verlag. Venezias farbenfrohe Seitengassen mit den ganzen Geschäften, die sogar Jugendlichen, die Wege zu Zielen langweilen, so motivieren, dass sie stundenlang mitmachen ohne Mobiltelefone, sind der Beweis, dass der direkte Weg oder eine Fassade nicht immer zum Ziel führen. Die "davidianische" Handtasche aus Venedig verkörpert den Spirit dieser Stadt: aussergewöhnlich, einmalig, nah am Wasser gebaut, geistreich. Aber das Cover dieses Buchs mutet nachdenklich an: eine Mutter mit zwei Kindern, Zwillingen (???), ist dies Venedig oder ist es vielleicht Nizza oder Aleppo oder Amman oder überall, wo Mütter mit zwei Kindern sitzen oder saßen auf der Flucht vor Ehemännern, einem Regime, einer Situation, die sie nicht ertragen können?
Und es gibt sogar für Autofahrer mit Campingwagen, die aus dem Norden ankommen, nah der Stadt einen Campingplatz.

¹Aus der Perspektive eines Kindes erzählt "Die Flucht" vom beschwerlichen Weg einer Familie aus einem kriegsversehrten Land nach Europa. Ein sehr aktuelles Buch, immer noch, immer wieder, anders würde es aussehen, wenn die Geschichte eine Auswucherung der Fantasie wäre, wie Cees Nooteboom in seinem Nachwort zu Harry Mulisch "Das Attentat" anmerkt. Hier täte sich eventuell eine Kluft zwischen PR-Text, den Inhalten und der tatsächlich versteckten Botschaft auf. 


Jonathan Franzen, Das Krauss-Protokoll¹, Rowohlt Verlag.

¹Vorbild, weil es mich so inspiriert hat und es ist so olympisch aktuell, denn es erzählt von einer gesellschaftskritischen Zeitschrift in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts herausgegeben von Karl Krauss in Österreich, die sehr bekannte Leute so inspiriert hat, dass sie sie immer wieder lasen, bis Karl Krauss sich entschloss zu schweigen, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Ein Vorbild für eine wissenschaftliche Arbeit bei den ganzen Fußnoten. Dieser Roman inspirierte mich, durch Bücher zu springen, ein wunderbares Gesellschaftsspiel. Und der Autor war vor Jahren mit seiner Ledertasche in Hamburg, schüchtern, immer wieder nach der Muse suchend, die ihn vor der geistigen Austrocknung rettet. 

Paul Auster, The Book of Illusions².

²Vorbild, weil es von Hollywood erzählt, wie es war, eine Traumfabrik, die besonders jüngeren und Männern vorbehalten ist, weil Frauen, Homosexuelle, deutsche Schauspieler, Transvestiten, ältergewordene Mimen oder Leute, die dem gängigen Schönheitsprinzip nicht entsprachen, kaum besetzt wurden, Fieslinge spielen oder höchstens Nischenrollen annehmen mussten. Ein sehr verspieltes, sehr kritisches, sehr nachdenkliches Buch über Vorbilder und Trugbilder. Der Autor weigert sich nach Hamburg zu kommen, aber er war in Zürich, spannend. Was hat Hamburg bloß angestellt? Vielleicht lindbergsche marsianische Attitüden...

Venedig ist eine schöne Stadt, das ist unbestreitbar. Die Anreise über den Marco Polo Flughafen mit dem Boot dauert bis zur ersten Station etwa eine Stunde, bis zur Station Arsenal 1 1/2 Stunde. Unterwegs auf dem Wasser ist viel Verkehr, Wassertaxen, Motorboote, Möwen, Reiher, die vorsichtshalber auf Pfeilern oder in seichtem Wasser sitzend das alltägliche Hin und Her betrachen. Die durch Pfeiler gekennzeichnete Wasserstraße ist sorgfältig und eng definiert. Die Wasserstraße schäumt leichte Wellen, die Fähre wankt ein wenig, das Bild erinnert an Gerhard Richters Gemälde.

Die Tauben sind in der Stadt selber ein oft gesehener Besucher, ein wenig sehr zutraulich für meinen Geschmack, sie springen bis an die benachbarte Rückenlehne in Erwartung eines Leckerbissens, sie kommen einem sehr nah. Die Stadt gleicht einem Labyrinth und muss unbedingt zu Fuss erkundet werden. An der Promenade „ameisen“ sich Touristen entlang, die Vorstellung, wie es hier im Sommer aussehen könnte, jagt mir Gänsehaut und die ersten Anzeichen eines Fluchtbedürfnisses über den Rücken. Es ist eindrucksvoll, wie die grossen Kreuzer von Schleppbooten eingefahren werden, letztere sind die Lotsen, erstere werden durch ihre Größe behindert, in diesem vielbefahrenen Areal der einmaligen Lage sich selbstständig fortzubewegen. An jeder Ecke steht eine Art Kiosk geführt von meistens pakistanischen Kleinhändlern, die venezianische Souvenirs „made in China“ verkaufen. Vor dem Dogenpalast war eine endlose Schlange, ohne Vorabbuchung werden Sie dort stundenlang warten müssen.

Einmal auf der Promenade kurz vor der Seufzerbrücke gab es einen leichten Zwischenfall, der mir in Erinnerung blieb; nicht auffällig genug um eine Tendenz darin zu erkennen, dafür war der Aufenthalt sehr angenehm, und doch ein wenig verstörend, weil es um einen Menschen ging und seinem Verhalten gegenüber Veränderungen. Ich hatte Durst und wollte mich kurz im Schatten hinsetzen und den Booten zuschauen. Da die Kellner in Venedig den Gästen generell Tische zuweisen, fragte ich und bekam die Antwort, dass dieses Lokal ausschließlich für Gäste, die essen möchten, ist, nicht unfreundlich, aber auch nicht sehr freundlich, eher unverbindlich. Einen ganz kurzen Moment lang fühlte ich mich in die Stimmung von Thomas Manns Novelle „Mario und der Zauberer“ versetzt.

An den touristenverwöhnten Fassadenstrassen haben sich die internationalen Ketten angesiedelt. Kleine Läden mit handgemachten Kostbarkeiten finden sich an Seitengassen und Hinterhöfen abseits des massiven Touristenstroms. Das jüdische¹ Viertel ist angenehm ruhig. Das koschere Gebäck war lecker.

¹ghetto=Eisengiesserei oder Wagnerhof mit Senatsmitgliedern auf Hammerschlag.

Dem omnipräsenten Fluch des „Acqua Alta“ (Hochwasser) wird durch Schutzvorrichtungen in den Erdgeschossen Rechnung getragen.

Mein Eindruck von Venedig ist gespalten: nach vorne hin eine sehr offene, internationale Stadt, die Kreuzfahrttouristen sind meistens aus Asien, halten sich verkrampft elegant an Handystangen, bevor sie ihre Fotos schiessen. Die Rückseite ist verschlossen, ein wenig geheimnisvoll, zugeknöpft und schlaftrunken, vielleicht aus dem Bedürfnis seine Ruhe haben zu wollen in einer Stadt, die magnetische Kräfte auf Besucher zu haben scheint. Das Licht erreicht nicht die engen Gassen. Oft sehe ich aufgespannte Wäscheleinen, die Farbe in die Dunkelheit bringen.

Am beeindruckendsten war eine Ausstellung: „Gang City“, Eintritt frei, kaum besucht, erreichbar mit einer Fähre, freie Fahrt. Die Ausstellung ist im Gelände des Marineinstitus zu sehen, ehemalig Werftgelände, und erzählt anhand von Schwarzweißbildern und Artefakten, von einer Initiative, die Geschichte, Demographie, Stadtbau, Architektur, Kunst mit dem Schwerpunkt auf die Aktivierung von Prozessen, die ausschließende Exklusivität verherrlichende parastaatliche soziale Strukturen langfristig auflösen und das Phänomen urbaner Cluster, die abseits legaler Kontrollformen existieren, in welchen eine wachsende Anzahl von gewaltbereiten parastaatlicher Akteure ihr Überleben finanzieren, untersuchen mit dem Ziel öffentliche wie private Räume und Plätze lebenswert und sicher zu gestalten. Die Ausstellung ist Teil der 15. Mostra Internazionale die Architettura, gefördert vom „Polytechnikum Turin“, der „Universitá Degli Studi di Torino“ und dem „Siti“. Der Text ist in Italienisch und in Englisch. Unter anderem dabei die süditalienischen Städte Neapel und Palermo und die nordalbanische Stadt Scutari mit ihren bis heute archaischen Riten und Strukturen, die Kindern und Jugendlichen kaum eine Chance gewähren zum Ausbrechen aus dem Zyklus von Korruption, Gewalt, Familien- und Bandestreue. Urbane parastaatliche Cluster sind ein globales Phänomen grosser Städte.©Buecher-Logbuch®

Gangcity¹ documents the phenomenon of urban clusters, void of any form of control of legality, and ruled by a growing multitude of violent non-state actors – gangs, mafias, terrorists – with the aim of activating processes for the reappropriation and securitization of public and private spaces.

„Gangcity“ ist unbedingt empfehlenswert für Mittelstufe- und Oberstufeklassen¹.

¹Eine gute Kamera mitnehmen, Mobiltelefon nur für Notfälle benutzen.

Nachtrag: Hamburgerinnen und Hamburger sind gerne in Venedig, zum Beispiel auf dem Regattafest „Bongalonga“ um das Pfingstwochenende; es wird unter anderem mit Achter um die Insel Murano und Purano gefahren. Übernachtet wird am Lido, es gibt Wohnwagen, die man/frau mieten kann, die Zahl der Teilnehmer(innen) ist zur Zeit auf 7.000 begrenzt.

¹Die Ausstellung Gangcity erklärt in wenigen doch sehr aufschlussreichen Worten die mir bis dahin noch nicht geläufige Bedeutung von Tattoos, ihre Rolle für Identifikation, für das Ich- und das Wir-Gefühl, ihre Rolle als Verbindungsmerkmal innerhalb von Subcommunities, wo eigene Regeln herrschen.

Meine Meinung zu Tattoos, besonders den Tattoos mit scheinbar religiösen Motiven: Tattoos mit religiösen Motiven haben kaum etwas mit Glauben zu tun. Glauben wird in Taten gelebt, Glauben wird nicht nach aussen gekehrt und auf Zeitungsbildern gezeigt, Glauben ist gelebte Liebe.©Kyriaki Marati Buecher-Logbuch®

NEIN ZUM KAUFMANN VON VENEDIG UND SEIN UNHEILIGE ALLIANZ MIT ZUGEFLÜSTERTEM SPARMÄUSEKONTO UND  BAUFINANZIERUNG!

WOHER KOMMEN DIESE GANZEN INFORMATIONEN HER, DIE PUBLIK GEMACHT WERDEN. ICH WERDE MIT DEM KOOPERIEREN, DER SAUBER IST. SAUBER IST NUR DER, DER NICHT RUMSCHNÜFFELT. SCHNÜFFLER SIND DAMIT AB SOFORT AUSGESCHLOSSEN. MEIN BLOG SAGT ALLES, WAS MAN WISSEN MUSS. NOCH FRAGEN? UND DA ICH VIEL ZEIT HABE, WERDE ICH JETZT EINE WINTER-PAUSE MACHEN. A BIENTôT.

Bibliographie:

Amanda Cross, Albertas Schatten.
Donna Leon, Venezianische Scharade, Commissario Brunettis dritter Fall, ©Donna Leon 1994, Diogenes Verlag.
Donna Leon, Vendetta, Commissario Brunettis vierter Fall, ©Donna Leon 1994, Diogenes Verlag.
Donna Leon, Ewige Liebe,©Donna Leon, Diogenes Verlag 2016.
Westmacott/Christie, Das unvollendete Porträt.

Englisch:
Donna Leon, Death at La Fenice¹.
¹Als mein Vater nach einem zweiten Schlaganfall² starb, beim ersten Schlaganfall lag er acht Stunden lang ohne Hilfe zu Hause, denn seine zweite Frau soll es nicht bemerkt haben, reiste mein Mann, der sich geschäftlich in Phoenix, Arizona aufhielt nach Thessaloniki, um mir zur Seite zu stehen. Er kam kurz, bevor die Beerdigungszeremonie anfing. Dabei war ein Kapitän mit seiner damaligen Frau, dessen Vater Nachbar in dem Dorf Nea Potidea war, Beerdigungen werden in Griechenland zu Großveranstaltungen, die insgesamt zwei Stunden dauern. 

²In der Rehabilitationsklinik Αναγεννηση.
Die zweite Frau meines Vaters war auch dabei mit ihrem Bruder und seiner Frau. Sie war wie ich sie oft erlebt habe, eine Frau ohne Vergangenheit, ohne Regung, ohne eigenen Willen, anfangs neugierig über meine Mutter, eifersüchtig auf sie, weil mein Vater immer noch an sie dachte und sie verehrte, mit ganz vielen Ressentiments gegenüber anderen Menschen, eine Frau so weiß wie der Schnee. Ich weiss nicht, was vorgefallen ist zwischen den beiden, aber das letzte Mal, als ich meinen Vater vor seinem Schlaganfall sah - er hatte schon Parkinson im fortgeschrittenen Stadium - sagte sie mir, dass sein Tod eine Erleichterung wäre. Sie konnte nicht mehr. Gute Zeiten wollte sie haben, schlechte nicht, das ist mein Urteil.

Ich kam mit ihr gut zu recht, dachte ich, aber nicht nach dem Tod meines Vaters. Wir sahen uns nach der Beerdigung nie wieder. Sie verbringt ihre Zeit dank der Rente meines Vaters im Edel-Pflegeheim Myrtia bei Thermi in Thessaloniki. 

Hier in meiner Nachbarschaft erlebe ich es ganz anderes, wie die Menschen sich um ihre Eheleute kümmern. 
Eiskalte Verachtung gibt es nicht im Norden, hier habe ich es anders erlebt. Wärme gibt es hier, der Süden, wie ich ihn erlebt habe, versprüht eiskalte Verachtung gegen seine eigenen Kinder, die das Land verließen, gegen deutsche Ehemänner oder Ehefrauen, sie steckt sie in Schubladen politischer Natur und lässt mich nicht Urlaub machen ohne die Geister der Vergangenheit, ohne vom Unglück zu erzählen, das Deutschland und die anderen über Griechenland gebracht haben. Die ganze Zeit ist eine Patina der Trauer und der angelernten Hilflosigkeit über diesem Land und seinen Frauen, das es nicht schafft, sich von der Korruption zu befreien, weil es so sehr daran gewohnt ist, darin zu leben, dass es zu bequem wird, die Stimme zu erheben und statt auf Opportunistinnen achtzugeben und sich zerreden zu lassen, die Sache alleine anpackt ohne die Hilfe von aussen. 

Mein Mann musste auf dem Flug von Phoenix nach Thessaloniki mehrmals umsteigen. Uns zur Seite stand seine Sekretärin, die Alles organisierte, damit wir drei rechtzeitig die Stadt erreichen konnten; Verstorbene in Griechenland werden höchstens 24 Stunden aufgebahrt, denn "Eiskryptas" gibt es nicht. In Städten werden die Toten aufgrund Platzmangels nach drei, maximal vier Jahren, exhumiert, ihre Überreste kommen ins Gebeinehaus, mit einer Nummer, einem Namen, einem Bild in einer Kiste. Es wächst fast nichts auf diesen Gräbern. Es gibt einen Bereich auf dem Friedhof, der Luxusgräber beherbergt, die bleiben wohl länger bestehen, wahrscheinlich wird dort kräftig geschmiert. Wenn Sie etwas hinstellen, wird es geklaut, Bilder, Vasen, Streichhölzer, Plastikblumen. Wenn die Leute Geld brauchen, würden sie ihre eigenen Kinder verkaufen, auf alle Fälle Bilder von Toten, die von Gräbern oder Gebeinehäusern gegen Bestechungsgeld kaufen. Und wenn Sie ohne Vorurteile sind, sind Sie hier auf dem komplett falschen Dampfer. Viel Zeit zum Trauern haben Sie nicht, denn drei vier Jahre sind eine kurze Zeitspanne, wenn Sie weit weg wohnen, wie ich, vergeht die Zeit im Nu. Zurück bleibt eine Kiste voller Knochen, die weniger kostet als ein Grab. 

Empfohlen: Hanna Arendt, Ich selbst, auch ich tanze¹. ¹Meine Mutter hat sehr gerne getanzt. Sie starb mit 55 Jahren an einem Gehirntumor, einem Myom, der nicht operiert werden konnte. Die Pflege im Krankenhaus "Achepa" war mässig. 
In früheren Jahren gab es Gerichtsverhandlungen wegen eines Grundstücks, viele böse Worte zwischen meiner Mutter und dem zweiten Anteilseigner, ihrem Onkel, der Anwalt versuchte meinen Bruder von der neu errichteten Platte des Hauses, das meine Eltern bauen wollten, runterzustossen, begleitet von dem Sohn des Gegners und unserem Cousin. Meine Mutter wurde verflucht von der Frau des Onkels. Als ich etwa 12 Jahre alt war, wohnten wir in dem Haus der Uroma¹, das nicht mehr existiert. 
¹An meine Uroma erinnere ich mich dunkel als eine Präsenz wie ein Schatten, die mit mir spazieren geht. Ich wollte immer unterwegs sein und mein erstes Wort war nicht Mama oder Papa sondern "ata", das ist Wort für gehen in Babysprache. 
Eines Abends weckten uns laute Schreie auf. Der Priester des Dorfes, besagter Onkel - Gymnasiallehrer von Beruf - und einer ihrer Bruder beschimpften uns als Räuber, als Hurensöhne, als Staatenlose und forderten, dass wir sofort das Haus verlassen. Manche Nachbarn haben sich eingemischt und die Situation entschärft. Ich erinnere mich an das Gefühl, ungewollt zu sein, ohne zu wissen, warum. Das Haus, das gegenüber dem Friedhof auf einem Hügel stand, verfiel später in eine Ruine. Meine Mutter besuchte das Nachtgymnasium und lernte dort meinen Vater kennen. Sie arbeitete ab dem 14. Lebensjahr bei einem konservativen Politiker als Sekretärin. Sie wäre gerne Kindergärtnerin geworden, aber aufgrund der kommunistischen Vergangenheit ihres Vaters, der Bäcker war und laut seinen Erzählungen zehn Jahre auf Makronisos verbracht hatte, wurde ihr das verwehrt. Meine Mutter erzählte mir einmal folgende Geschichte: als der Onkel, mit dem sie später in Streit lag, noch Student war, wohnte er bei ihrer Mutter, die damals alleine war, weil ihr Mann verbannt oder auf dem Berg war. Dieser Mensch soll einer Nacht versucht haben, Mutter, Tochter, Schwester und Sohn zu vergewaltigen. Meine Mutter erzählte, dass sie als junges Mädchen auf dem Weg von Ipiros nach Thessaloniki - aus dem Ort Plaisia kam mein Grossvater, der den Nachnamen Tsapas trug - nach Thessaloniki einen Busunfall gab mit vielen Toten, sie hat überlebt. Ich persönlich hatte, als ich etwa vier Jahre alt war, einen Unfall im Bus. Ich fiel mit dem Kopf gegen die Stoßstange. Meine Wunde wurde genäht im Roten Kreuz Krankenhaus, die Narbe blieb zurück. Auf dem Weg von Thessaloniki nach Athen, wo mein Vater eine zweijährige Fortbildung absolvieren wollte, verschluckte ich mich fast an einem Stück Fleisch. Ich hatte grosse Schwierigkeiten als Kleinkind und junger Mensch, weil meine Mandeln hypertrophisch waren.
Ich begann sehr früh die Strassenschilder zu lesen auf dem Weg mit dem Bus in den Urlaub nach Kassandra. Mein Vater erzählte mir später, er hätte Angst, die Fahrkartenkollekteure würden mich älter einschätzen als ich es war, weil ich schon lesen konnte. Bis in die späten sechziger Jahre gab es noch keine Brücke, die zwei Landesseiten wurden mit einer handgesteuerten Einweg-Fähre bedient. 
Die ersten sechs Jahre meines Lebens verbrachte ich als Einzelkind, ich war oft in Familienfeiern und saß mit einem Buch erst verkehrt rum mitten unter den Erwachsenen. 
Mein Vater nahm mich mit in die Dorfschule, die vormittags und nachmittags arbeitete. In Athen besaß ich leihweise ein Schaukelpferd und wohnte im Stadtteil Kallithea. Einmal gab es eine Riesenflut, vorbei schwammen Stühle, Fässer, Schwemmholz. Ein anderes Mal erinnere ich mich fuhr eine blaue Kutsche vorbei, das war um 1967. In der Grundschule gab es blaue Uniformen, ich besaß nur eine. Als meine Mutter sie waschen wollte, bin ich ein einziges Mal ohne Uniform zur Schule gegangen; ich habe den ganzen Tag an der Ecke stehen müssen deswegen. Die alte Frau, die sich Lehrerin nannte, hieß Paris, aber sie war eher eine "Schreckschraube". Ich war Bettnässerin und sehr kurzsichtig. Meine Grossmutter väterlicherseits starb sehr jung, ich habe sie nie kennengelernt. Sie war musikalisch und aus guter Familie, wurde mir gesagt. Zusammen hatten sie drei Jungs. Mein Grossvater heiratete ein zweites Mal eine Krankenschwester aus Pontos. Sein Name war Dimaroglu, den er später in Marasis änderte, das behagte meinen Vater nicht, weil "marasi" auch Leid, Pein heisst, daher beantragte eine Veränderung von "marasis" auf "maratis". Er starb kurz darauf, seine Frau kümmerte sich um die Jungs; sie sprach Griechisch und Türkisch. Der ältere Junge zog aus und machte seinen Weg im Ort Irakleia. Mein Vater und sein Bruder verkauften Süssigkeiten und Zigaretten auf der Straße in Thessaloniki. Mein Vater besuchte das Nachtgymnasium, wo er meine Mutter kennenlernte. Ihr "best man" war der ehemalige Chef meiner Mutter. Nach den ersten zwei Grundschuljahren wohnten wir an der Amalias Strasse, Thessaloniki. Ich besuchte die Grundschule "Agias Triadas".
Sie hatten nicht viel, aber sie hatten sich und später uns. Es ist schwer als "ewige Zweite" sich anzuschließen, besonders wenn frau viel Bestätigung braucht und das Kind der toten Rivalin verstößt. 
Trauer kann man nicht so einfach überspringen, sie braucht Zeit und viel Verständnis. Es kann kein Verständnis geben, wenn du es nicht gelernt hast und immer zu kurz gekommen bist, unter anderem wenn du aus dem archaischen Albanien stammst und es nicht zugeben möchtest. Du musst zu deiner Geschichte stehen, weil es Deine Geschichte ist. 

Jugendbücher:

Das Museum der Erinnerung.
Night School.

Liebesroman:
Anna Cavalda, Zusammen ist man weniger allein.
Historischer Spannungsroman:

Louis de Berniéres, Corellis Mandoline.
Louis de Berniéres, Traum aus Stein und Federn.
Michael Peinkofer, Die Flamme von Pharos.

Soundtracks:

Rembetiko und
Country Musik.