Mein letztes Wort vor dem Neubeginn

Buchbesprechungen erklären nicht die Welt, sondern ein Buch. Bücher beschreiben nicht die Wirklichkeit, sondern erzählen eine fantastische Geschichte. Diesen Geschichten dürfen Sie nicht glauben, sie sind dazu da, um sie zu unterhalten, als Zeitvertreib, als nachdenklicher Moment, für Erwachsene, die auf Kinder noch wachen, weil sie ihnen etwas wert sind, ob leiblich oder adoptiert, das Herz entscheidet.

Bei uns in der Nachbarschaft ist es üblich, dass Sie vorbei kommen, Guten Tag sagen, sich vorstellen, nicht mit Büchern, Rauchzeichen oder sozialen Netzwerken, sondern einfach als Nachbarn, sonst wissen wir nicht, wer Sie sind. Versteckspiele und Verschwörungen mag ich nicht, in Büchern ja, aber nicht in der Wirklichkeit. Wie Sie leben, ist Ihnen überlassen. Wie Sie mit uns umgehen, ist eine Sache der gesellschaftlichen Etikette. Ich hoffe, endlich Frieden gestiftet zu haben. Auf das neue Jahr 2017.

A family story:
DIE BALTIMORES

Dieser Roman erzählt von zwei Klassengesellschaften, wie sie sich begreifen, wie sie sich begegnen, wie sie aufeinander zugehen, wie sie kommunizieren, wer arm und wer reich ist, wer immer arm und wer immer reich bleibt, auch wenn er reich geworden ist, weil er von ärmlichen Verhältnissen stammt, unabhängig von seinem Bildungsweg. Er kann überall platziert werden, in Baltimore, in Hamburg-Langenhorn, Hamburg-Buchenkamp und HamburgHeiderosenweg, in Hamburg-Volksdorf und Hamburg-St. Pauli, in den Elbvororten oder in Dresden, in Thüringen oder in Frankfurt, auf der ganzen Welt, in Thessaloniki oder in dem kleinen Chalkidiki-Dorf Nea Potidea, in Dänemark. Es geht auch um Adoptivkinder, um Geheimnisse und viel Schweigen. Und es erzählt von den Narben, die bleiben, weil das Zwischenmenschliche nicht die Kraft hatte, sie zu übermalen. Von den Mauern, die in Köpfen entstehen, von Entscheidungen und von Unterlassungen und von dem was entsteht, wenn zu viel Schweigen seinen Weg in unsere Herzen bahnt. Es ist ein Buch, das Literaturhäuser nicht ausverkaufen lässt, aber es kann in den besten Familien passieren, auch in unserer, dass manche mehr und andere weniger beachtet werden oder sich beachtet fühlen, weil das jüngste Kind bevorzugt wird oder weil manche ärmer sind oder Streit haben in der Familie und eine alte Fehde verschwiegen wird. Es geht auch ums Älterwerden und wie Kinder auf ihre älter werdenden Eltern zugehen und mit ihnen umgehen, wenn sie nicht mehr können, wie sie es früher taten. Ich empfehle „Die Geschichte der Baltimores“, weil es mir nahe ging.