„Inspektor Sato, übernehmen Sie!“
KRIMI.
„YOYOGI PARK“

Andreas Neuenkirchen, Yoyogi Park, Conbook Verlag Meerbusch 2014
Conbook Medien

META-REZEPTION

Yuka Sato ist eine Ermittlerin in Nöten mit vielen Interessen. Ihre Welt ist nicht mehr mannophon.

Frühling in Tokio. Kirschblüten säumen Parkanlagen, Gewässer, Teehäuser. Eine junge Frau wird im Yoyogi Park ermordet aufgefunden. Inspektor Yuka Sato und Assistant Inspector Shun Nakashima fahnden nach dem Mörder im Dickicht von Zeugenaussagen und verborgenen Spuren.

Die Szenerie
Frühling in Tokio. Kirschblüten säumen Parkanlagen, Gewässer, Teehäuser, Strassen und Appartementkomplexe. Tatort Yoyogi Park. Eine junge Frau wird ermordet aufgefunden. Ihre Kleidung ahmt den Stil der Protagonistin einer mässig erfolgreichen Manga-Serie nach; sie imitiert die berühmte Verkörperung auf der Leinwand durch den Star mit Künstlernamen Yuka Sato – ein Allerweltsname in Japan. Die Namensvetterin der Fernsehprominenten Inspektor Yuka Sato und Assistant Inspector Shun Nakashima der „Tokyo Metropolitan Police“ fahnden nach dem Mörder im Dickicht von Zeugenaussagen und verborgenen Spuren. Ihre Ermittlungen schlängeln sich jenseits labyrinthischer Bahnhöfe und fensterloser Lagerhäuser, diesseits trendiger Szenentreffs und altmodischer Straßenmärkte, dem doppelbödigen Charme von Lolita-Boutiquen und Maid-Cafés auf der Spur. Ihren Feierabend begießen sie in Stammlokalen, Bars, Nudelrestaurants; sie besingen ihn mit Karaoke-Duellen aus „Blue Hearts“- und „U2“-Strophen; ihre halb sportlichen halb behäbigen Verfolgungsjagden im Menschenmeer der Hauptboulevards unter dem strahlenden Neonlicht grellbunter Werbeplakate, liebkost von den Tönen ohrenpeinigender Musikkulissen bleiben dem Täter dicht auf den Fersen; sie enthüllen mehr Tote, Selbstmorde, die keine sind, einen Mädchenhandelring im Schafspelz eines Diskussionsforums für junge Ausreisserinnen, Schmiergeldgeschäfte mit illegalen Telecasinos; hinter der Schein-Legalität verbirgt sich die allgegenwärtig unsichtbare mächtige Organisation, deren Schattenreich abseits des Gesetzes liegt und deren Einfluß sein Netz diesseits der Schatten spinnt.

Charakterstudie Yuka Sato
Yuka Sato, die Polizistin, durchquert die alle Sinne herausfordernde Landschaft Tokios von Yoyogi Park bis Tachikawa, von Shinjuku nach Harajuku, von Sumida nach Kabukichō; die Alleinstellungsmerkmale der Krimi-Debütantin sind der Mix aus Eigensinn, Zielstrebigkeit, weiblicher Intuition, Zungenfertigkeit und Handeln im Dienste der Ermittlungen; sie übersteht augenzwinkernd und verständnisvoll eine halb vergeigte Liebesnacht. Sie lässt im Dickicht des ersten Aktes um die Tote und den beinah tödlichen Angriff auf den Gerichtsmediziner, der den Täter beim Beseitigen verräterischer Spuren stört, die Zeugen aussagen, ihre Version der Realität erzählen. Sie folgt einer falschen Spur, sie geht anderen Verdachtsspuren nach, ohne sich mit dem erstbesten Verdächtigen zufriedenzugeben. Sie reist in das „gepflegt saubere Herz“ und in das „höchst methodische Gehirn“ der Finsternis, sie geht als Siegerin aus einem um Informationen buhlenden Kendo-Duell hervor; der besiegte „Vater aller Schattenmänner“ liefert ihr den Hinweis auf die Identität eines seiner Organisation gefährlich gewordenen Faktotums im „ehrenwerten“ Spiel um Profit; das Bauernopfer wird vollbracht und der „Maulwurf“ in den eigenen Reihen entlarvt in dem beispiellosen Countdown am Teehaus des Yoyogi Parks. Der erste Fall wird enträtselt, als die Kirschblüten fallen, und der heisse Sommer Tokios wartet auf Yuka Satos zweiten Fall.
Was verkörpert Yuka Sato?
Die eigensinnige Ermittlerin ist redegewandt, romantisch patent, respektvoll furchtlos vor Männern, Vorgesetzten und dem jahrtausendlangen Erbe des Landes; sie bedient sich des alltäglichen Catwalks der Markenprodukte, gibt sich karaoke-verliebt, freundlich unverschämt, mutig, sportlich, meistens trinkfest und kampfbereit. Sie kann das moderne Gesicht der Vollblutkriminalistin aus dem alten Edo in neuen Gewändern werden.

Das Erbe aus Fernsehen und Literatur

Bei Inspektor Satos Verbrecherjagd ist Lalo Schifrins Fernseh-Klassiker „Mission: Impossible“ – in Deutsch: „Kobra, übernehmen Sie“ – aus dem Jahr 1966 mehr als nur ein Echo und die Verbeugung vor Akutagawa Ryūnosukes Klassiker „Im Dickicht“ mehr als nur ein Knicks.

Buecher-Logbuch-Fazit

„Yoyogi Park“ ist der Auftakt der Japan-Krimis um Inspektor Yuka Sato im Rad der Jahreszeiten geprägt durch das Leben nach Tsunami, Erdbeben und Atomkatastrophe.

Inspektor Sato übernehmen Sie! Die neue Kriminalromanserie um die eigensinnig romantische, zungenfertige wie zielstrebige Kendoka und Kriminalistin geht an den Start mit ihrem ersten Einsatz zur Kirschblütenzeit.BUECHER-LOGBUCH

Bibliographie

Andreas Neuenkirchen, Yoyogi Park, ©Conbook Medien 2014, ISBN: 978-3-943176-62-9, €12,95 

Film:

The Black Swan.

 

Veröffentlicht von

Kyriaki Marati

Biographische Angaben sind in meinem Curriculum Vitae enthalten.