F.E.A.R. | Elisabeth Zöller

Die Infos zum Buch

Autor: Elisabeth Zöller
Verlag: Carl Hanser Verlag
Übersetzung: ./.
Erschienen: München 2015
Umfang: ./.
Preis: €./. (de)
ISBN: 978-3-446-24937-0

BUCHCOVER

Ein Tattoo als Symbolik mit Spielraum für Interpretation:

F.E.A.R. = „Angst

oder

face everything and recover

oder

f**k everything and run

Kiki: „Die Wahrnehmung, als eine Verbindung zu den Anonymen Alkoholikern, zielt nicht weit genug. Hier handelt es sich grundsätzlich um Angst als Mittel der Unterdrückung, um die Ausbreitung zerstörerischer Wut und Aggression.“

ZIELGRUPPE

„F.E.A.R“ ist ein Buch für Jugendliche ab 14 Jahre und Erwachsene, die den Einstieg eines jungen Menschen in den Rechtsradikalismus im engeren Sinne und in den Radikalismus im weiteren Sinne mithilfe eines Romans verstehen wollen, dessen Mittelpunkt eine Beziehung ist. Die Herkunft links- und rechtsextremistischer Tendenzen wird Leserinnen und Leser aus dem politischen Spektrum interessieren.

Kiki’s Rezension: F.E.A.R.

EINLEITUNG

ANGST UND GEWALT IN BEZIEHUNGEN

Die Beziehung zwischen Clara und Joonas ist die Quelle der Gewalt, obwohl sie zu Beginn scheinbar harmonisch ist. Clara hat Angst und sie weiß es nicht. Diese Angst definiert ihre Entscheidungen.

ESKALATION DER GEWALT PRIVAT-ÖFFENTLICH

Die Gewalt eskaliert in Stufen; sie beginnt ihre Kreise zu drehen beim Einzelnen, im privaten Rahmen oder im engen öffentlichen Raum und erstreckt sich auf gruppendynamische Zusammenhänge bis in die Öffentlichkeit hinein. Angst ist omnipräsent, ohne explizit zu sein.

ANGST BEI GRENZÜBERSCHREITUNGEN

Die Grenzüberschreitungen zwischen privaten und öffentlichen Bereichen sind besonders hervorzuheben. Angst entsteht an den Schnittstellen grenzüberschreitenden Handelns auch in Liebesbeziehungen.

 

INHALTSANGABE

CLARA UND JOONAS, DAS LIEBESPAAR: DIE ANNÄHERUNG

Clara und Joonas sind Einzelkinder. Sie begegnen sich in Deutschland und fühlen sich zueinander hingezogen. Clara ist 16, Joonas ist 20. Clara ist interessiert an Joonas, er ist „old school“. Joonas ist interessiert an Clara, weil er gerade jemanden braucht, der so ist wie sie.

TRENNUNG DER ELTERN, SCHULFREUNDSCHAFTEN, VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN

Clara steckt in einer Krise. Ihre Eltern trennen sich. In die Schule geht sie dennoch gern. Sie fügt sich in die Gemeinschaft ein, hat aber kaum echte Freunde; Als sie mit Joonas schläft, nimmt sie sein auffälliges Verhalten nicht wahr.

DER BEGLEITER

Joonas ist jemand, der einfach für sie da ist. Er leistet ihr bedingungslos Gesellschaft.

LIEBE MACHT BLIND

Clara schliesst die Augen vor dem Offensichtlichen, vor den Warnsignalen: Joonas ist jähzornig, gewalttätig, eifersüchtig, gehört der rechtsradikalen „Neuen Finnischen Armee“ an, er ist ein Rassist, Frauenverächter und versteckt sich, wenn es kriselt, hinter seiner Mutter, die in Helsinki Ministerin ist.

DIE GEWALT

Clara verlässt ihr Elternhaus und fährt mit Joonas nach Finnland. Sie wird Zeugin eines Mordes, den sie verschweigt. In Folge kommt sie in Polizeigewahrsam und schreibt einen Bericht über die Ereignisse.

 

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

F.E.A.R.

Clara ist gefordert durch Eindrücke, Stimuli, Wahrnehmungen, Präferenzen und Entscheidungen. Sie erkennt zu spät, dass ihre Entscheidungen den Lauf der Geschichte beeinflussen. Das Angstgefühl, das in ihr schlummert, taucht auf und wird sichtbar für andere Menschen.

CLARAS BERICHT

In einer Mischung aus Kind und erwachsener Frau erzählt Clara ihre Geschichte, die eine Liebesgeschichte hätte sein sollen, ihre Erwartung einer glücklichen Beziehung mit Joonas.

GEWALT, ANGST, SCHWEIGEN

Clara versucht Joonas zu verteidigen, zum Beispiel wenn er ausfallend wird, auch ihr gegenüber, oder wenn andere Menschen Kritik an ihm üben. Joonas vibriert im ganzen Körper von einer expliziten latenten Aggression und von einer subtilen Frauenfeindlichkeit sadomasochistischer Ausmaße, die explosive Züge trägt, zum Beispiel wenn er sich abgelehnt fühlt, wenn jemand anderer Meinung ist, wenn er nicht das Zentrum der Aufmerksamkeit sein kann, oder wenn seine hoch gesteckten Ziele angezweifelt werden. Claras Beobachtungen diesbezüglich machen ihr Angst. Joonas wird ihr unheimlich. Die Folge ist Schweigen in der Beziehung, Verschweigen der Wahrheit und letztendlich Mitläufertum.

PERSONEN UM DEN EINZELTÄTER

Das Buch entwirft das Profil eines Einzeltäters, der nicht alleine ist. Er wird von Menschen umgeben, die ihn unterstützen, aber auch von solchen, die ihm widersprechen und gegen ihn Widerstand leisten: Die Schülerin und Joonas Freundin Clara Sommerhage, Claras Mutter Michaela Sommerhage, der Lehrer für Geschichte und Deutsch Torsten Meyer, der Schießausbilder und Dozent für Polizeitaktik Artur Kekkonen, die Wirtin Seita Laakso, der Webseitenbetreiber Hanno Maturi, der Bauer Harald Johanson, den Polizeichef Tapio Aulanka, der Krankenpfleger Heikki Korhonen, der Journalist Lutz Wagner, Joonas Mutter die Ministerin Hanna Turunen, der junge Mann und Claras Freund Joonas Turunen. Einer von diesen Leuten ist der Täter.

CLARA, DIE MITLÄUFERIN

Es geht bei dieser Einzeltat um die Liebe zwischen Clara und Joonas und um die Konsequenzen dieser Beziehung für alle Beteiligten und für die Taten, die folgen. Bei der Eskalation der Gewalt ist die Polizei nicht schnell genug vor Ort, weil ihr entscheidende Informationen fehlen. Die Person Claras trägt zur Eskalation bei; Clara gefällt nicht alles, was Joonas sagt und macht, doch sie fügt sich der neuen Situation seine Freundin zu sein und offiziell als seine Verlobte aufzutreten und demonstriert eine fatalistische Einstellung. Ihr unentschlossener Widerstand hat dem Mörder die Türen zu seinen Taten geöffnet. Die Berichte, die Clara für die finnische Polizei schreibt, offenbaren Selbstzweifel. Existenzängste, mangelndes Verantwortungsgefühl, Unsicherheit im Pflichtgefühl, Zweifel an den eigenen Gefühlen, Schuldkomplexe, Enttäuschungen, Verzweiflung und Ängste den gegebenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Am liebsten möchte sie den Text mit Lücken versehen, bestimmte Ereignisse nicht erwähnen.

MINDERJÄHRIGE IN POLIZEIGEWAHRSAM?

Die finnische Polizei hält Clara fest und befragt sie. Es ist fraglich, ob eine Minderjährige länger in Gewahrsam bleiben darf in Abwesenheit ihrer Eltern wie in Claras Fall, ich bin jedoch nicht mit dem finnischen Rechtssystem vertraut, das sich vom deutschen unterscheiden könnte.

FLUCHT VOR DER VERANTWORTUNG

Claras Geschichte ist Joonas Geschichte. Es ist eine Liebesmär und die Geschichte einer Radikalisierung. Je weiter sie fortschreitet, desto dichter wird der Nebel um Wahrheit, Fanatismus und Identität eines anonymen Täters und seines Umfelds und um eine junge Frau auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, die eines besonders gut beherrscht: Flucht vor der Verantwortung.

ENTFERNUNG UND BINDUNG

Je größer die räumliche Entfernung, desto explosiver die emotionale Bindung zwischen dem Mädchen und dem Jungen, zwischen Clara und Joonas.

EINZELTATEN UND INTERAKTION – ANSTIFTUNG ZUR GEWALT

Claras und Joonas Beziehung setzt eine Maschinerie der Gewalt in Gang, die sich vom gesunden Menschenverstand verabschiedet. Wir und Ich vermengen sich und die Einzeltaten wären ohne die Interaktion mit dem Umfeld, ohne die Liebesbeziehung nicht möglich. Die Wurzeln des Hasses liegen vor dieser etwas anderen Liebesbeziehung, doch letztere fungiert als Anlaß und als Motiv, als Anstiftung zur Gewalt.

FAZIT

EIN MENSCH WIE DU UND ICH

„F.E.A.R.“ stimmt nicht nur nachdenklich, es mobilisiert zur Recherche über die Ursprünge des Radikalismus, weil seine Geschichte jedem hätte passieren können. Es beschreibt nicht einen pathologischen Einzelfall, sondern einen Menschen wie du und ich.

Ort der Handlung:

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