Am Tag davor | Sorj Chalandon

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1. Die Erfindung des Todes:
Leute können sich mit ihrem Leben
nicht abgeben und fingieren einen Mythos, der Nachkommen in Traumata stürzt, weil der Organismus Familie krank geworden ist. Eine ganze Familie erfindet eine Geschichte über ein Grubenunglück und macht aus einem Täter einen Wiederholungstäter.
2. Landschaft im Dunkeln:
Angelehnt an der Grubenkatastrophe in 1974 in der Zeche Saint-Amé.
3. Übersetzung:
Wie aus einem Roman eine Kriminalgeschichte wird, ist diesem Buch zu entnehmen.
4. Sorj Chalandon:
Am 16. Mai 1952 in Tunis, Französisch-Nordafrika geboren ist er französischer Schriftsteller und Journalist. Zwischen 1973 und 2007 arbeitete
Sorj Chalandon als Journalist bei der Zeitung „Libération“; dort war er für die Berichterstattung über den Libanon, Iran, Irak, Somalia und
Afghanistan zuständig. 1988 erhielt er den Albert-Londres-Preis für seine Reportagen über Nordirland und den Klaus Barbie-Prozess. Seit 2009
ist er Redakteur der bedeutendsten satirischen Wochenzeitung Frankreichs, der Zeitung „Le Canard enchainé“. Neben seiner Tätigkeit als Journalist
veröffentlichte er bis heute 8 Romane: „Le petit Bonzi“ (2005), „Une promesse“ (2006), „Mon traitre“ (2008), „La légende de nos peres“ (2009),
„Retour a Killybegs“ (2011), „Le quatrieme mur“ (2013), „Profession du pere“ (2015) und „Le jour d´avant“ (2017). Chalandons Werk ist preis-
gekrönt; er erhielt den Prix Médicis, den Grand Prix du roman de l´Académie francaise 2011 und wurde für zwei seiner Romane für den Prix Goncourt
nominiert, 2011 für „Retour a Killybegs“ und 2013 für „Le quatrieme mur“.
Das erste Buch von Sorj Chalandon, das in die deutsche Sprache von Brigitte Große übersetzt worden ist, ist „La légende de nos peres“ (2009).
In Deutschland erschien es unter dem Titel „Die Legende unserer Väter“ im Jahr 2012. Andere ins Deutsche übersetzte Werke sind „Die vierte Wand“,
„Rückkehr nach Killybegs, „Am Tag davor“.
„Am Tag davor“ wurde in der Fernsehsendung „Das literarische Quartett“ vorgestellt, was dem Roman zum Verkaufserfolg verhalf.
Sorj Chalandon war Co-Autor dreier Episoden der 2. Staffel der TV-Serie „Reporter“ (Canal+) und arbeitete mit dem Schöpfer der Serie Olivier Kohn
an der dritten Staffel, als der Sender die Einstellung der Serie bekanntgegeben hat.
Chalandons Werke wurden ausgezeichnet:
„Le petit Bonzi“ (2005, Grasset) mit dem „Prix du premier roman de l´Université d´Artois“ 2006, dem Prix de l´Ecole Normale Supérieure de Cachan 2006,
dem „Prix du premier roman du Touquet“ 2006; „Une promesse“ (2006, Grasset) mit dem „Prix Médicis“ 2006; „Mon traitre“ (2008, Grasset) mit dem
„Prix Jean-Freustié“ 2008, dem „Prix Joseph-Kessel“ 2008, dem „Prix Marguerite Puhl-Demange“ 2008, dem „Prix littéraire de la ville des Sables
d´Olonne-Festival Simenon“ 2008, dem „Prix Ouest du Printemps due Livre“ 2010 und dem „Prix Biennale du livre d´Histoire“ 2010; „Retour a
Killybegs“ (2011, Grasset, „Rückkehr nach Killybegs“, aus dem Französischen von Brigitte Große, München 2013, dtv) mit dem „Grand Prix du Roman
de l´Académie francaise“ 2011 und nominiert für den „Prix Goncourt“ 2011 und dem „Prix Interallié“ 2011, auf der „Liste Concourt/Le Choix de
Pologne“ 2011 und auf der „Liste Goncourt/Le Choix de la Serbie“ 2012; „Le quatrieme mur“ (2013, Grasset, in Deutsch erschienen „Die vierte
Wand“, aus dem Französischen von Brigitte Große, München 2015, dtv), nominiert für den „Prix Goncourt“ 2013, ausgezeichnet mit dem „Prix Goncourt
de lycéens“ 2013, in der „Liste Goncourt/Le Choix de l´Orient“ 2013, in der „Liste Goncourt/Le Choix de la Roumanie“ 2013,
mit dem „Prix des lecteurs Escale du Livre“ 2014 (Bordeaux), mit dem „Prix des écrivains croyants“ 2014 und dem „Prix des Libraires de Québec“ 2014;
„Profession du pere“ (2015, Grasset, in Deutsch erschienen „Mein fremder Vater“, aus dem Französischen von Brigitte Große, München 2017, dtv) mit dem
„Prix du Style“ 2015; „Le Jour d´avant“ (Paris 2017, Grasset, in Deutsch „Am Tag davor“, aus dem Französischen von Brigitte Große, München 2019, dtv)
mit dem „Prix Libraires en Seine“ 2018; „Une joie féroce“ (2019, Grasset, Paris, in Deutsch „Wilde Freude“, aus dem Französischen von Brigitte Große,
München 2020, dtv).
5. Tatort und Reiseziel:
Lievin; Frankreich.
6. Die Krise:
Die Familie im Roman stürzt in eine Krise, als der älteste Sohn bei
einem Moped Unfall schwer verletzt wird. Er wird ins Krankenhaus eingeliefert,
komatös, und stirbt nach einem oder zwei Monaten. Das Moped fährt der jüngere
Bruder, den der ältere bei einer Nachtfahrt ranlässt auf einer eisigen Piste
nah der Zeche Saint-Amé, in der der ältere arbeitet.
Die Familienzusammenstellung ist krankhaft, das zeigt sich deutlich an
der fehlenden Verarbeitung des Unfalls. Sie konstruieren eine Lüge, dass
der Patient bei dem Grubenunglück am nächsten Tag in der Mine gewesen ist
und nicht im Krankenhaus. Sie verschweigen den Unfall mit dem Moped, vielleicht um ans Geld zu kommen, Schadensersatz, sofern es ihn gegeben hat,
weil die Geschichte in den siebziger Jahren sich ereignet. Oder sie
verschweigen es, weil sie versuchen, es verarbeiten zu können auf einer
sehr ungesunden Art durch erfundene Notlügen.
Später fährt der Verursacher, das ist der jüngere Bruder einen Scania Laster, womit er auch sein Geld verdient, und sucht gefangen in einem
Überlebenskonstrukt, der anderen die Schuld gibt, nach einem Täter aus der damaligen Zeit und
zwar einen, der die Verantwortung trug, das ist der ehemalige Direktor der Grube St. Anne, beobachtet ihn, nimmt ihn gefangen,
stülpt ihm eine Plastiktüte über den Kopf und wacht an seiner Seite auf das
Ableben in Qualen. Das Opfer stirbt nicht, es gibt einen Prozess und es verhält sich
gegenüber dem Angeklagten sogar großzügig.
Der Angeklagte ist ablehnend und verschlechtert mit seinem Auftritt seine Chancen auf gemilderte Umstände
trotz der Bemühungen seiner Anwältin. Im Gerichtsprozess wird er für schuldig gesprochen nach langen Verhandlungen.
Was ihn erwartet ist die Dunkelheit der Gefängniszelle auch bei Tag.
Der Roman arbeitet mit den Werkzeugen der Kriminalliteratur und bietet uns einen Einblick in den Strafgerichtsalltag
einer französischen Kleinstadt, der durch einen außergewöhnlichen Fall neue Impulse bekommen könnte.
7. Hinweis auf Wirtschaft:
Tourismus.
8. Literaturhinweis: Sorj Chalandon, Am Tag davor, dtv Verlag, ISBN: 978-3-423-28169-0, München 2019.

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