Der Schneider von Panama | John le Carré

Der Schneider von Panama, John le Carré

LITERATURANGABE:

Der Schneider von Panama | John le Carré

Autor: John le Carré
Verlag: Ullstein Buchverlage
Übersetzung: Werner Schmitz
Erschienen: 2008
Umfang: 448 Seiten
Preis: € (de)
ISBN: ISBN: 978-3-548-60851-8

BUCHCOVER Der Schneider von Panama

John le Carré

Ein Sturm naht und es könnte ein Sand Sturm sein. Wie in einer Wüste. Doch es ist keine Wüste, sondern Panama. Es ist ein Land, in dem die Sonne endlos blenden kann. Dort wo das nahe Wasser des Kanals unsichtbar bleibt. Der Panama Kanal ist Gesprächs Stoff. Der Plan ist eine neue Rollen Verteilung bei Prominenten. Beamten. Agenten fremder Staaten. Emigranten. Und Einheimischen. Die Farben des Sonnen Untergangs täuschen Idylle vor. Trotzdem fallen die vertrockneten Gefühle einer längst vergangenen Ära wie alter Putz ab.

ZIELGRUPPE Der Schneider von Panama

John le Carré

Akribie verhüllt in diesem Buch die Fakten. Redekunst ist das A und O in diesem Kaleidoskop scheinbar exotischer Konflikte. Wer Muße hat, den Roman in jeder seiner Facetten zu lesen, entdeckt seine Zeitlosigkeit.

Kiki: Nebenbei erfährt man durch Buchfiguren, Dialoge, Beziehungen und Ereignisse viel über das Land Panama. Das Szenario ist nicht ganz unrealistisch. Es ist ein Land zwischen den Stühlen. Vor allem ist fast jeder Stuhl ein Import Produkt.

 

Kiki’s Rezension: Der Schneider von Panama |  John le Carré

EINLEITUNG

Es ist eine Fremd Ansicht Panamas. Sie entsteht, während ein Außenseiter die Einheimischen vorstellt. Es geschieht Vieles in dem sozialen Umfeld. Die Langsamkeit ist greifbar bei Verabredungen. Bei Absprachen. Und bei Untersuchungen. Sie prägt Entscheidungen.

Wie auf einer unendlichen Promenade flanieren vor dem Auge des Betrachters in Prunk und Pomp Panamaer und Zugezogene. Sie stellen ihre Rede Kunst zur Schau. Wett Spiele gehören zur Etikette. Spitzen Reiter sind um Schnelligkeit konkurrierende Wind Hunde. Die Etikette verbietet es, sich von Wett Einsätzen fernzuhalten.

 

INHALTSANGABE Der Schneider von Panama

Harry Pendel verließ seine englische Heimat, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Er baute sich eine zweite Existenz als Prominentenschneider in Panama auf. Niemand interessiert sich für die dunklen Flecken auf Harrys makellos weißer Weste. Hinter ihr verbirgt er seine Herkunft als jüdisches Waisenkind und seine Vergangenheit als Häftling.

Harry Pendel ist mit einer Amerikanerin verheiratet. Er erzieht seine Kinder katholisch. Seine Frau ist in einer gespielt strengen Art gutaussehend. Sie meistert mit Moral Predigten den Alltag. Sein elegantes Herrenschneider Geschäft Pendel & Braithwaite ist sehr beliebt. Das Prinzip des Miteinanders ist Sehen und Gesehen werden. Alle Möchtegern Einflußgrößen der Stadt Panama, sogar des ganzen Landes Panama, kehren hier ein. Sogar diese, die es in der zentralamerikanischen Republik tatsächlich weit gebracht haben, sind Gäste und Kunden zugleich. Sie lassen maß geschneidert das Selbst Bewusstsein lob preisen und Gefälligkeiten verhandeln.

Pendel ist hoch verschuldet

Pendel lebt über seine Verhältnisse. Er ist hoch verschuldet. Im fernen London sind genau die unsichtbaren, weil verblassten, Flecken auf Harrys weisser Weste aufgefallen. Sie machen den ahnungslosen Schneider für den britischen Geheimdienst interessant. Andrew Osnard wird auf ihn angesetzt. Bei ihrem ersten Treffen in Panama unterbreitet Osnard Pendel folgenden Plan. Der an mangelnder Liquidität leidende Harry soll für Großbritannien, vertreten durch Osnard, Informationen sammeln. Das muss passieren, bevor die U.S.A. den  Panamakanal am 1.12.1999 an Panama zurückgibt. Eine von Harrys Aufgaben ist, Vertrauenspersonen als Informanten zu rekrutieren. Sogar Harrys Ehefrau Louisa ist Kandidatin für einen Agentenposten.

Aus welchem Grund? Es ist nämlich so, dass Albions Geister die Ferne interessiert. Ihre koloniale Vergangenheit ist wie eine Gewohnheit. Indem sie durch Stellvertreter wie Osnard und Pendel in fernen exotischen Gesellschaften präsent sind, verlieren sie nicht ihre Anbindung an verlorengegangenen Besitztümern.

Albion ist ein antiker Name für Großbritannien.

Geister sind in diesem Text politische Personen in Großbritannien.

Jackpot

Pendel ist seit langem ein geübter Erfinder und begabter Schneider. Er ist auch ein talentierter Redner. So sind seine Fabulierkünste ein „Jackpot“ für das ferne England. Diese Mischung aus schüchterner Annäherung und verwegener Risiko Bereitschaft führt ihn jedoch in Lebensgefahr.

Der Schneider von Panama | John le Carré

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Überlebenskünstler

Harry Pendel überlebt, in dem er sich unsichtbar macht. Anpassung ist sein Lebensmotto.

Kiki: Des Schneiders neue Worte

Sowohl die Kleidung ist Ausdruck der Eitelkeit des Trägers, als auch Worte sind Fundsachen. Wenn sie sorgfältig gewählt werden, könnten sie nützlich sein. Um Allianzen zu schmieden auf dem Weg durch einen Tunnel der Gerüchte. Um in Konkurs gegangene Unternehmen mit gegenseitigen Zahlungen scheinbar zu unterstützen. Kontakte aufrecht zu erhalten durch „Bezahlung vor der Lieferung“. Einen Männersalon zu unterhalten. Mit seinen Schulden. Der eine Kunde ist verschuldeter als der andere. Der Schein der Liquidität umgarnt private Angelegenheiten.

 

Vor der Kulisse Panamas

Vor der Kulisse Panamas rettet sich ein aussterbender Beruf. Es ist der Beruf des Schneiders im Gare du Panama. Das Land ist ein Beispiel zentral amerikanischer Lebensart. Es gibt ein Kabinett der Scheinheiligkeiten erzeugt durch Eloquenz. Worte sind wie Hüllen. Wie Kleider. Wie Schatullen. Der Hörer vermisst wirkliche substantielle Inhalte, wenn Pendel spricht. So ist der Hörer verwundert über die Begriffs Stützigkeit der Angesprochenen, die Leere zu erkennen, die sie umgibt. Die verwirrende Fülle der Eindrücke ist da. Das Pandämonium der guten Vorsätze zerschellt an den Wänden von Schneider Geschäft und Familien Haus.

Der Schneider und die Frauen in Panama

Die Frauen Figuren umkreisen den Schneider von Panama in einer bedingungslosen Unabhängigkeit voneinander. Ob Ehefrau Louisa oder Geliebte Marta. Ob Geliebte Marta oder Ehefrau Louisa. Auf jeden Fall wird Treue hier neu definiert. Es promenieren neben diesen Kontrahentinnen, die sich viel ähnlicher sind als sie es ahnen könnten:

Marta wohnt in einer kriegszerstörten Siedlung. Harry Pendel fühlt sich verantwortlich für ihre Verunstaltung, die auf einer Verletzung beruht.

Louisas Vorgesetzter ist Ernesto Delgado. Sie bewundert ihn. So ist es kein Wunder, dass sie ihn immerzu verteidigt, sobald ein kritisches Wort gegen ihn fällt.

Andrew Osnard ist der frisch eingeflogene Mitarbeiter der britischen Botschaft. Er rekrutiert Harry Pendel für einen Beobachtungs Posten. Mit anderen Worten wird Harry Pendel ein Spion. Aber nicht nur das, Andrew Osnard führt sogar Pendels Frau Louisa in Versuchung.

Der temperamentvolle desillusionierte Revolutionär Mickie Abraxas geht keiner sichtbaren Beschäftigung nach. Einzige Ausnahme ist, dass er als Ikone junger Widerstandskämpferinnen dient. Außerdem trifft man in dem Buch auf Wertpapier Händler. Auf Bankiers. Anwälte. Und auf Politiker aus allen Herren Ländern. Sie alle können nicht wissen, dass ihr gemeinsamer Schneider sie imitiert, in dem er versucht in ihre Haut zu schlüpfen. Währenddessen übt er sein Schneiderhandwerk aus. Dabei maßschneidert er ihnen die Herrenkleider bis ins kleinste Detail. Von den Mitgliedern der Behörde

„Britischer Geheimdienst nach dem Kalten Krieg“

ganz zu schweigen. Sie bleiben bis auf eine Ausnahme nach le Carré Stil undurchsichtig.

 

Carrés Opulente Sprache

Hinter der Opulenz der Sprache verbirgt sich Unsicherheit. Und Fassungslosigkeit. Und Ratlosigkeit. Die Hauptfigur Harry Pendel, das ist der Schneider von Panama, tritt in die Fußstapfen seines Onkels. Dieser ist von Beruf Schneider, aber vor allem ist er Händler. Nachdem er einige Turbulenzen erlebt, erfindet er sich neu. Es könnte so verstanden werden, dass er sich ungern an sein altes Leben erinnert. Dieses holt ihn trotzdem ein. Das Porträt des Schneiders von Panama ist das Porträt des Landes. Entsprechend ist die Sprache ausschweifend und üppig.

 

Die Welt ist bunt und Erinnerungen verschwinden ins Nirvana

Die Stimmung ist barock. Ihre Last beseelt die Ereignislosigkeit der Geschichte. Wie ein Brief Beschwerer, der aus kolonialen Spuren besteht, versucht sie das Vakuum zu entzerren. Erinnerungen verschwinden ins Nirvana. Sie verfliegen. Es ist als ob nach dem Verspeisen der Lotus Frucht (in der antiken Sage) weg sind. So werden zum Beispiel ehemalige Geheimdienst Mitarbeiter Teil der Hierarchie auswärtiger Niederlassungen britischer Beziehungs Netzwerke. Keiner weiß, was sie vorher gewesen sind. Wer sie wirklich sind. Welche Rolle sie vorher gespielt haben. Sie verhalten sich so, als wären sie niemals woanders.

Prunk und Fülle

Der Prunk, die Fülle, das Überangebot, die einstudierten Auftritte der Buch Charaktere finden ihren Höhepunkt in Panamas Glanz. In der Nähe der Zivilisation lässt er Diaspora leben. In diesem Kontext gibt es kaum Berührungspunkte mit den Menschen Panamas. Das sind vor allem die Einheimischen mit Ausnahme der Prominenz.

Kiki: Die Welt ist bunt im Land bedingt durch Emigranten aus vielen Ländern. Sie schätzen Panama und seine Einwohner. Aber sie liefern gleichzeitig ein Fremd Porträt. Das hat doch viele Lücken mitten in einem globalisierten Stelldichein.

FAZIT zu Der Schneider von Panama | John le Carré

Die Zwanghaftigkeit

der Erzählung aus dem Leben elternloser Kinder und die Folgen dieses Zustands für das Überleben bestätigt sich durch die Wiederholung. Harry Pendel ist nämlich Waise, einer von vielen in der Literatur.

Die Spionage

die der Autor vorstellt, hat etwas Alltägliches. Die Sprache trägt dazu bei. Industrie Spionage ist nicht auszuschließen. Es wird ein Luft Schloss gebaut. Neuigkeiten kursieren hinter seinen Wänden. Aus nichtssagenden Geschehnissen entstehen Schlagzeilen.

Kiki: Kleider machen Agenten, sogar dann, wenn sie die Welt entdecken. Ebenso wenn sie Nachrichten erfinden, Floskeln polieren oder dem Leser vorführen, wie es in einer Botschaft nicht zugehen darf. Denn dank seiner Fantasie entwirft John le Carré ein Königreich der Worte. Sie erzählen mehr als die Wahrheit über die Krise um den Panama Kanal. Sie fabulieren über des Präsidenten Schneider, der im Exil von seinem früheren Leben eingeholt wird. Er erfindet Geschichten aus Panama und ab und zu eine Geschichte aus England.

Ist Harry Pendel deswegen ein blendender Spion?

2 Comments
    • Hallo Franziska, vielen Dank für Deinen Kommentar.

      „Ich will meine Leser:innen entspannende Texte zur Verfügung stellen. Dabei sollen diese ihre Spannung behalten und gleichzeitig ein Ruhepol vom Alltag sein. In Zusammenarbeit mit der Technik entwerfen wir Texte, die angenehm zu lesen sind. Ihre Segmentierung dient dazu, sich für Textabschnitte zu entscheiden für Zwischendurch, sie hervorzuheben oder sie später zu lesen. Highlights und Fließtext sollen verbunden werden, um sie in den gesamten Rezensionstext zu integrieren. Die ersten Zeilen sollen das Interesse der Leser:in wecken.
      Beim Buchcover lasse ich meiner Fantasie freien Lauf und beziehe mich gleichzeitig auf die Realität des Buchs. Hier verknüpfe ich Inhalt und visuelle Reize, wobei ich meinen Leser:innen Unterhaltung und Rätsel anbieten möchte.
      Kriminalromane sind Fiktion, enthalten jedoch Anteile aus der Realität. Oder realitätstüchtige Buchfiguren und Situationen. Es ist mir wichtig, diese Anteile herauszufiltern und vorzustellen. Die Details. Hinzu kommt das Land, in dem der Plot angesiedelt ist, hier ist es Panama, und das Land, das in der Ferne ist, hier ist es England. Wandern über die Stadtteile, als wären Leser:innen da, ist wie eine virtuelle Reise nicht nur in die Gegenwart sondern auch in die Vergangenheit. Und Du bildest deine eigene Meinung über Land und Leute im Buch mit seinen Buchfiguren. Das ein Autor verfasst hat, hier John le Carré, der das Buch mit autobiographischen Elementen versehen hat. Es ist wie eine kriminalistische Untersuchung, die Theorie von Krimis zu lesen. Und ein großer Spaß, diese meinen Leser:innen zu vermitteln.“

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