Linkslesestärke/Anja Janotta

Mira geht in eine Klasse mit wenig Mädchen. Paare entstehen unter der Minderheit. Ihr bester Freund ist Felix.  Mira sieht ihre Stärken als Schwächen und schämt sich, dass sie keine Namen merken kann. Mira hat eine Rechtsschreibschwäche. Sie sucht eine Freundin und langweilt sich oft.

Miras Stärke ist, die Leute, die sie kennt, zu definieren mit Hilfe von Merkmalen, die beschreiben was sie tun, was sie sagen, wie sie sich verhalten in den verschiedenen Situationen. Ihre Rechtschreibfehler binden die Umwelt ein, Menschen, Natur, Beziehungen, Gesellschaft, sie machen sie transparenter für Mira.

Die Protagonistin dieses Buchs ist aber auch reizbar und sie neigt zu Wutausbrüchen. Sie wird eifersüchtig und ist nachtragend. Wegen ihrer Rechtschreibschwäche wird sie in ihrer Klasse gemobbt und in der Pause gehänselt. Sie braucht Hilfe, um ihre „Linkslesestärke“ zu positionieren und ihre Wortverdrehungen zu zelebrieren, indem sie erkennt, dass ihre Schwäche das Potential verbirgt mit Worten zu jonglieren, das sie bereichsspezifisch eingesetzt werden kann, dass ihre verbale Kreativität extraordinär ist, sie ist kein Geheimnis, sie soll öffentlich sein, damit alle verstehen, warum Mira anders spricht und schreibt.

Die Schwäche des Systems – Schule, Peers, Elternhaus – ist, dass sie Miras Leistung und Doppelsorge ignorieren; das Mädchen integriert ihre Kompetenz ins Spiel mit ihrem Freund, während sie gleichzeitig einen Ausweg, den Knoten zu entknoten sucht, mehr unbewusst als bewusst. Hinzu kommt Mobbing und ein Bestechungsversuch, den sie nicht meldet, weil sie nicht daran glaubt, dass die Erwachsenen ihr Glauben schenken werden. Manchmal wirkt Mira depressiv in einer Klasse, die versucht eine Gemeinschaft zu werden und dabei lernt zum Beispiel Kinder zu unterstützen, die Angst haben. Solange die Kommunikation in der werdenden Mini-Gesellschaft verpasst positive Signale  auszusenden, könnte eine Spirale entstehen, die Aggression Groß schreibt und das Potential sich behaupten zu können, gegebenenfalls zu widersprechen, unbeachtet lässt. Das Vertrauen den Erwachsenen gegenüber schwindet mit ganz wenigen Ausnahmen, besonders wenn sie ihre Version und Interpretation gewaltfreier Kommunikation als einzig gültige verstehen und umsetzen.

Mira fühlt sich sicher in ihrer Rechtsschreibschwäche und Linkslesestärke, hat jedoch Angst in der Klassengemeinschaft, von ihrem besten Freund unterstützt bekommt sie beim Spiel doch soziales Lob. Der Ausgleich fehlt, das Gleichgewicht der Gruppe ist störanfällig. Konflikte zu entwirren ist ein Meisterwerk und das lernt sie. Körperliche Signale machen den Erwachsenen deutlich, dass es Mira nicht gut geht, wie Kopfschmerzen und Schwindelanfall. Langsam dämmert es der Umwelt, dass Mira Angst hat in einer Situation, wo Mitläufertum ankeimt.

Die Heldin dieses Buchs und ihre Umgebung lernen lesen über Mut, Hoffnung, Toleranz und „Linkslesestärke“.

Literaturhinweis: Anja Janotta, Linkslesestärke, Eine Mutmachgeschichte für Kinder mit Rechtschreibschwäche, Bassermann Verlag, 2019 München.

Schreibe uns Deinen Beitrag!

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht oder weitergegeben. Du erhälst keine Werbung von uns! Bitte respektiere die Meinung und Sicht eines anderen. (Erforderliche Felder sind mit einem * markiert)