Die siebte Geissel Ann Benson

LITERATURANGABE:

Autor: Ann Benson
Verlag: Goldmann Verlag
Übersetzung: Elke von Scheidt
Erschienen: München 1998
Umfang: 637 Seiten
ISBN: 3-442-37005-4

BUCHCOVER

Die Suche nach medizinischen Notizen aus früheren Zeiten fokussiert sich auf Wissen, das wertvoll sein kann, geschrieben als Buch für Fachleute, die die Entstehung alter Epidemien untersuchen und über die Geschichte ihrer Verbreitung lesen. Besondere Aufmerksamkeit wird diesem Teil der Aufzeichnungen geschenkt, die Autopsie Berichte zum Thema haben, die in alten Zeiten unter Lebensgefahr durchgeführt wurden. Diese Seiten werfen ihre Schatten auf die Epoche, in der sie geschrieben wurden, sie gehören zum Zentrum des Fachwissens, das manchmal verborgen bleiben musste und sie alarmieren über Veränderungen im Verlauf einer todbringenden Krankheit. (TB)

Buchstaben verhüllen sich hinter einem roten Vorhang, Alarmstufe Rot vor dem Tod und seinen Überresten hier in früheren Epochen der Menschheit. Wie auf einer Bühne, deren Vorhang gleich schließt oder langsam aufgeht, gibt das Wissen um die Inhalte seine Wahrheit preis. Aufklärung ist ein wichtiges Wort hier, weil den Aberglauben beseitigt und sich gegen das Unwissen positioniert (TB neu).

ZIELGRUPPE

Historisch interessierte, die rudimentäre Medizinkenntnisse besitzen, werden auf ihre Kosten kommen. Der Weg Alejandros von Spanien Richtung England mit allen seinen nicht unbedeutenden Zwischenstationen macht mit Städten bekannt, die auch andere Facetten dieser Orte vorstellen. Das Interesse ist nicht ausschließlich historisch sondern dient auch der Reise durch Lesen und Erfahren. Die Passagen über die Biosicherheitsvorschriften entwerfen das Bild eines Staates, der die Kontrolle übernommen hat in einem Nebel epidemischer Voraussicht.

 

Kiki’s Rezension: Die siebte Geißel | Ann Benson

EINLEITUNG

Es ist die Lebensgeschichte eines Mannes, der wegen seiner Religion und seiner Arbeit verfolgt wurde und durch seine Tätigkeit als Mediziner manchen Menschen das Leben gerettet hat. Seine Notizen werden 600 Jahre später gelesen und sorgen für Aufregung. Die Zeitlosigkeit medizinischer Informationen und Beobachtungen, die eine Epidemie betreffen, bedingt die Inhalte dieses Kriminalromans.

 

INHALTSANGABE

Mittelalter: Sechs hundert Jahre früher befinden wir uns im Mittelalter. Die jüdische Bevölkerung wird geduldet. In finanziellen Angelegenheiten verwalten jüdische Bürger das Geld, z.B. der Kirche. In diesem Buchkontext begeht der jüdische Mediziner Alejandro Canches das Sakrileg des Grabraubs; er will eine Autopsie durchführen. Er wird gefangengenommen, gebrandmarkt und muss um sein Leben fürchten. Verkleidet entkommt er seinen Wächtern und reitet nach Avignon. Unter falscher Identität erreicht Alejandro den päpstlichen Hof in Avignon und nimmt an den Unterrichtseinheiten des Hofarztes teil, die entgegen der Einschränkungen das Sezieren (von Pestopfern) vorsehen. Von großem Interesse ist Alejandros Buch, in diesem schreibt er seine Notizen. Seine Reise führt ihn von Avignon nach England im Hof der Plantagenets und zwar in doppelt dunklen Zeiten, im Mittelalter, als der „Schwarze Tod“ Leben dahingerafft hat. Die Reise reitet an Orte vorbei, die apokalyptische Bilder anbieten. Auf dieser Flucht nach Avignon hört Alejandro von der Beulenpest und von einem Schiff voller Tote in Marseille.

Yersinia Pestis. Kann ein Bakterium Jahrhunderte lang überleben und durch eine chemische Reaktion seinen Schlummerstatus gegen eine aktive Phase tauschen?

Postmoderne: Janie Crowe hat Mann und Tochter durch eine Epidemie verloren. Als forensische Anthropologin untersucht sie einen alten Fund in London und kommt auf diesem Weg zu den Aufzeichnungen des jüdischen Mediziners Alejandro Canches, der auf der Flucht vor einer Verurteilung, weil er die Autopsie eines Pestopfers durchführte, Europa in Pestzeiten erlebt und seine Erkenntnisse festhält. Janie steht vor einer Krisensituation, als ein Pestbakterium mutiert und die Krankheit in London ausbricht…Eine der größten Gefahren sind die Menschen, die nichts ahnend ansteckend sein könnten und ihren Alltag weiterhin leben. In der Gegenwart verschwinden nämlich zwei hochinfektiöse Proben, die Destination wird gesucht in Leeds und in Manchester, wo sich Lagerungsdepots des Unternehmens befinden.

Identität: Der Text wartet mit einer Überraschung auf in Bezug auf Janies Beichte über ihre wahre Namensidentität.

 

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Die Atmosphäre des Abenteuers verknotet Realität und Fiktion auf mehr als 600 Seiten, fast so viel wie Jahre Alejandros und Janies Auftrag verbinden. Was versöhnt ist die Quintessenz, nämlich die Love-Storys damals und heute.

Die Reise zwischen Großbritannien und den U.S.A findet 2005 statt. Das Vereinigte Königreich hat sich gegen alle gesundheitlichen Eventualitäten gewappnet, die Sicherheitsmaßnahmen sind drakonisch, die Flughäfen sind Festungen, die neuen Gesetze werden mit „Biocops“ durchgesetzt, „Bodyprinting“ dient der Identifizierung, wobei alte Seuchen diesem medizinischen Hochsicherheitssystem einen Strich durch die Rechnung machen können, zumindest in diesem historischen Kriminalroman. Der Schutz der Privatsphäre muss vor den Gesundheitsvorkehrungen zum Schutz des Allgemeinwohls weichen.

Einst Chirurgin beschäftigt sich Janie Crowe aktuell mit forensischer Archäologie auf der Suche nach neuen Herausforderungen beruflich und auf dem Weg sich mit ihrer Trauer um Mann und Kind privat zu versöhnen. Für ihre Doktorarbeit macht sie sogar Gebrauch von unlauteren Methoden, zum Beispiel entwendet sie eine Bodenprobe, die ein wichtiges Element der Dissertation sein wird, nach der Verweigerung des Eigentümers des Lands, aus dem die Probe stammt, sie zur Verfügung zu stellen. Der in der Gegenwart aufgetauchte Fund stammt aus dem 14. Jahrhundert, und enthält auf dem ersten Blick im Labor ein totes, auf dem zweiten Blick ein lebendiges Enterobakterium. Keiner ahnt zu Beginn, wie lebensgefährlich diese Entdeckung von Yersinia Pestis durch visuelle Identifizierung sein wird.

Janies Leben wird mit Alejandros Leben verbunden und forensische Archäologie mit Gerichtsmedizin und Medizin im Allgemeinen verknüpft, als diese Disziplinen noch nicht gegründet waren und ihre Vorläufer verboten waren. Die Zunahme der Signifikanz von Medizin, Chemie und Biologie wird manifestiert in diesem historisch forensischen Kriminalroman, als das Bewusstsein über biogefährliches Material in den Kinderschuhen gesteckt hat. In der Gegenwart beschäftigen sich die Buchfiguren mit der Frage, welche Verhaltensmaßnahmen wohl angebracht wären, wenn eine altertümliche Epidemie bzw. eine Epidemie, die gewissermaßen ausgestorben ist, ausbrechen würde. Damals bestand der einzige Schutz vor Ansteckung durch Isolierung; es war der solitäre Weg, Menschengruppen in städtischen Gemäuern vor der Ansteckung zu schützen.

Kiki: Barfuß im Delirium durch Tetrazyklin?

Die Überdosis von Beruhigungsmitteln im Buch kann tödlich sein. Es passiert, weil die betroffene Buchfigur schon krank ist und das Etikett nicht liest.

Alejandro Canches und Janie Crowe sind die primären Charaktere in diesem Roman. Ihre Verbindung über die Jahrhunderte ist fast spirituell und basiert auf Alejandros Tagebuch und Janies Suche nach Zusammenhängen, die den Ausbruch der Pest in der heutigen Zeit erklären können. Die anderen Charaktere stärken dieses Band: Robert Sarin, der seine Mutter betrauert und das Buch Alejandros bewacht; Caroline Porter, Janies Assistentin, auf die ein gutaussehender Brite ein Auge geworfen hat; Bischof Johann von Aragon; Avram Canches, Alejandros Vater; Hernandez, der Wegbegleiter Alejandros; Papst Clemens; Ted Cummings, der erste Kranke, der versucht seine Krankheit selber zu heilen und vor der Außenwelt zu verbergen; König Edward III.; die Prinzesinnen Isabella und Catherine, Kosename Kate; ihre Hofdame Adele; Mutter Sarah die Heilerin; der Biocop Lieutenant Michael Rosow.

 

FAZIT

„Die siebte Geißel“ ist eine vorerst dystopische Geschichte, die sich unter anderem mit der Verteilung der Ärzte in Fachgebiete und den Ausgleich von Überschüssen bei einem Epidemie Ausbruch befasst; nicht zuletzt geht es auch um Mittel für die Gesundheitsvorsorge, Gemeinschaftsklagen und Umschulung nach Aufgabe der Praxis.

Kiki: Im Heute wachen auf und schlafen eine Kranke und Gesunde in den Fängen einer Diktatur der Biosicherheitsvorschriften.
Die Vorschriften lenken die Wahrnehmung von dem Ausbruch einer Epidemie ab. Eine „dickensianische“ Atmosphäre verhüllt wie ein Schleier, wie eine zweite Haut, die Geschehnisse des Gestern und des Heute, als das Morgen die Dämmerung färbte und das Überleben nach Infizierung mit der archaischen Form des Bakteriums seine Wahrscheinlichkeiten einbüßte.

Laborvorgänge. Die Geburt eines neuen Bakteriums durch Teilung des genetischen Materials, eine Art Verschmelzung verhilft der Reproduktion durch Teilung. Es folgen toxischer Notfall durch fehlende Ordnung, Vergesslichkeit, Proben außerhalb des Gefrierschranks. Die Koinzidenzen von Begegnungen und Ereignissen werden an die Spitze getrieben. Aufeinanderfolgende Fehler, die die vorhandene Kontaminierung bestärken können zur Katastrophe führen. Fahrlässigkeit in Forschungseinrichtungen, die Sicherheitsmaßnahmen verletzt, ist ein Gedanke, der oft geäußert wird. In der Vergangenheit verbreitete sich die Epidemie nicht zuletzt wegen der mangelnden Hygiene und der nah lebenden Ratten.

Zwei Zeitebenen fließen in den Textkorpus. Der Erzählfluss zwischen den zwei Zeitlevels integriert sich im Text ohne das Hilfsmittel der Überschrift oder der Kapitelnummerierung und erzeugt den Eindruck der Nahtlosigkeit.

2 Comments
    • Hi Neil, thanks for your Comment on
      „Kiki´s Krimiseiten“ at (BLOG) buecher-logbuch.de

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      Kisses Kiki…

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