Die Toten/Christian Kracht

  1. „Moderne Zeiten“:

Eine historische Abhandlung über den Film im Westen und im Osten, als er im Zenit seiner Wirkung stand und Strömungen einen Totentanz geführt haben.

  1. Umschlagmotiv:

Hasui Kawase, Nächtlicher Regen auf der Shin Ohashi Brücke (1926).

  1. Übersetzung:

Die dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts sind das Zentrum des Romans.

  1. Kristian Kracht:

1966 in der Schweiz geboren schrieb „Faserland“, „Imperium“ unter anderem; Preisträger Wilhelm-Raabe-Preis.

  1. Traumreiseziele:

Los Angeles; Kalifornien; U.S.A.; Tokio;  Japan; Oerlikon; Zürich; Schweiz; Berlin; Deutschland.

  1. Wiedergeburten:

Der Fatalismus ist spürbar auch ohne Sonnenuhr.

Jemand, der lieber alleine ist in einer Lebensstruktur mit anderen, die beiderseits sich unerträglich finden, bei Wir-Gesellschaften beinah Suizid, weil die wenigsten es im Geiste verpuffen lassen.

Noch nie in letzter Zeit habe ich derart poetische Spannung gelesen wie in diesem Buch.

Atmosphärisch dicht wie in einem s/w Film von Akira Kurosawa.

Nichts mehr als Tod, schön wird er gefärbt in diesem Roman, das Dahinscheiden wie in einem Gemälde von Caspar David Friedrich im Irrlicht einer Camera Obscura hinter einem Peephole, ewige Lichter, die warten auf diese, die nicht mehr Nahrung zu sich nehmen können, weil das Notwerkzeug vermisst wird.

Zwischen Bern und Berlin herrscht vielschichtige Betriebsamkeit.

Die Wiedergabe von Dingen, die nicht abgebildet werden dürfen, nicht vervielfältigt werden dürfen, auszuschließen bedeutet die Wahrnehmung der Nachkommenschaft zu blockieren in allen Bereichen, dem visuellen, dem verbalen, dem schriftlichen, Verfilmungen von Selbstmorden und Morden kann keiner stoppen, sie zu verbreiten ist verboten.

Das Bild des japanischen Mannes präsentiert sich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts als Frauen verachtend. Hatte die Schweiz ein anderes Verhältnis zur Religion als Deutschland? Obwohl die Kirchenvertreter literarisch anwesend sind, weht ein Hauch von Abstinenz. Es kitzelt der Leserin guten Geschmack, deren Anständigkeit, die im Roman untergegangene Tischkultur Pariser Stils und lässt sie zur explosiven Mischung mutieren wegen der immerwährenden Wiederholungstaten.

In diesem Buch wird viel gereist, das Hauptverkehrsmittel ist die Eisenbahn.

Der Plot ist wie ein Brief, der auf Antwort wartet, viele Briefe bauen ein Nest. Wir lernen uns kennen über die Briefe im Buch und wir treffen uns.

Die Egozentrierung ist dysfunktional, als gäbe es etwas Unbegreifliches, Latentes, Unterschwelliges, dass nicht loslässt. Das Drama des begabten Kindes wird zwischen Zeilen Wirklichkeit, das Heranwachsen eine einsame Qual. So darf der Fischer sich nicht von seiner Seele trennen, die Widernatürlichkeit der Distanz macht traurig und unglücklich.

Die Verschönerung des Todes erhebt Einspruch auf Allmachtphantasien, deren Bestandteil sexuelle Befriedigung ist. Wie in einem Buch der Illusionen, als Dampfmaschinen die Welt eroberten, fingen sich Bruchstücke eines Lebens aus Erinnerungen, Erzählungen und Nacherzählungen, als Globen Kinderzimmer beleuchteten. Steril ist dieser Roman nicht. Aus der Sicht eines Junggebliebenen wird die Geschichte des Dokumentarfilms erzählt.

Eine ereignislose kleinbürgerliche Kindheit schrumpft durch die Macht der Worte und den Zauber der Fantasie zu einem ganzen Jahr aus es war einmal in unserer kleinen Stadt.

Der Junge wird misshandelt, für die damalige Zeit laut Berichten eher die Regel. Seine Reaktion ist Flucht in die Phase vor der Geburt, in die wärmende ummantelnde Gruft des Mutterleibs. Flucht ist in diesem Kontext deckungsgleich, Flucht aus Angst könnte das Profil ergänzen.

  1. Wirtschaft:

Tourismus; Filmkultur.

  1. Literaturhinweis: Christian Kracht, Die Toten, Kiepenheuer & Witsch Köln 2016.

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„Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde“.

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