Offene See | Benjamin Myers

Thalassa

Robert verlässt sein nordenglisches Bergarbeiterdorf für eine Reise Richtung Meer.  Nach dem Zweiten Weltkrieg macht er sich zum Ort seiner Träume auf. In Reichweite der Nordsee lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Brenneseltee in ihr reparaturbedürftiges Cottage einlädt. Dulcie ist unverheiratet, unkonventionell, gastfreundlich und sie öffnet Robert die Tore einer ihm fremden Welt.

Literatur, Musik, Malerei. Welten, die bei ihm zu Hause nicht existiert haben.

Dulcie fördert Robert und wird seine wichtigste Bezugsperson.

Die alte Frau und der junge Mann verharren in einer Welt voller Bewegung, in der Regen und See eins werden und die Empfindungen einer pochenden Abenteuerlust gleichen.

Die Hymne an die Poesie ist wie ein herannahendes Unwetter, in dem die „Offene See“ die Rolle der Komponistin übernimmt.

Die Faszination Meer ist ein Spiel mit der Gefahr und ein Berühren der Endlosigkeit. Die Liebe zur Küche ist ein Flirten mit allen Sinnen, ein Kokon auf Zeit. Die Sehnsucht nach Ersatz treibt den jungen Wanderer aus seinem Bergarbeiterdorf hinaus in den Horizont; er trifft auf das diametrale Gegenteil seines Herkunftsortes, die Nordsee.

 

Dulcie

Dulcies Cottage ist das Fenster zur offenen See, die fernbleibt, meistens. Der Wille, sesshaft zu werden, prädominiert die Geschichte.

Die Kunst des Wartens, der Sinn des Aufenthalts und etliche Reparaturarbeiten pflegen die Beziehung und den Standort, die als das Alpha und Omega definiert werden.

 

Es ist wie ein Weg durch eine Landschaft, darin ein Haus mit vielen Torbögen und Fenstern, die der Erzähler öffnet oder offen findet oder offenlässt und so wandert er weiter durch das Leben in poetischer Verzückung der Entdeckung eines Wassers, das ist die Überraschung, vorhersehbar sind die Augenblicke des Schwimmens nicht, sie sind die Tür zur Unendlichkeit. Wie eine Reise.

 

English Gardens

Wie ein Mäander in einem Irrgarten entwickelt die Geschichte ihren Sog; sie ist durch Landschaft- und Alltagsbeschreibungen nicht offen, sondern wirkt geheimnisvoll. Das primäre Bedürfnis Überleben durch Nahrungsaufnahme ist gestillt, so dass Roberts Reise offensichtlich ihr Ziel erreicht hat. Die Reise vereint Bewegung und Stillstand.

Das Ziel ist Beziehung, entstanden durch das Angebot der Veränderung, das Zugeständnis der Verbindlichkeit, in einem Ort zwischen Ebbe und Flut.

Robert pendelt zwischen seinem Wunsch zu bleiben und seinem ursprünglichen Plan weiter zu gehen. Er wandert in seiner Nachkriegsheimat mit dem Januskopf: Land und Meer; das eine Gesicht ist nah, das andere Gesicht liegt in der Nähe, fast greifbar, und beide Gesichter sind ein Ganzes: die Natur.

Die Vergangenheit kaleidoskopiert die Gegenwart und wirft ihre Schatten in die Nacht, während sie sich am Tag mit dem Licht vermischt.

Die Macht der Träume, die Macht der Worte, die Macht fördernder Beziehungen lassen „Offene See“ funkeln wie Sterne im Meer der Insellichter.

Und es ist die Macht der Individualität, die sich weiter entwickelt in einer Allegorie auf das sich wandelnde England, nicht zuletzt in seinem Verhältnis zu Deutschland und eine Prosa dichtet die Natur an, die Gezeiten beherrscht und die Zeit überdauert.

Die Zeit wird eine Entität ohne Anfang und Ende, eine Einheit ohne Grenzen.

„Weisse Pferde“ ist ein Gedicht in „Offene See“.

Weisse Pferde sind brechende Wellen und Tinte auf Papier in einer Ewigkeit, die Veränderung sucht und findet.

 

Literaturhinweis

Benjamin Myers, Offene See, Dumont Buchverlag, ISBN: 978-3-8321-8119-2

1 Comment
  • Was mich nervt und das gilt für alle meine Texte, ist dass ich meine Arbeit nicht gerne unterbreche um einen Klatsch zu halten. Ich mag nicht aufgehalten werden und halte nicht immer Rituale und Zeiten ein. Meine Ernährungsgewohnheiten ändern sich je nach Bedarf. Gerne teilen, denn es ist wichtig zu wissen, wo Privat aufhört und Arbeit beginnt. Wo Gesundheit und Sport zusammenkommen können, allerdings immer nach der eigenen Entscheidung die richtige Variation zu kombinieren.
    Ich danke allen Buch- und Filmempfehler*innen für die Bücher, die sie mir im Laufe der Zeit geschenkt haben oder ausgeliehen haben. Das eine oder andere habe ich noch nicht gelesen oder gesehen. Die ausgeliehenen gebe ich gerne zurück. Falls ich sie nicht finde, erstatte gerne neue Exemplare. Wer zwei Briefkästen unterhält und von manchen mir bekannten Personen, die ich hier zum Schutz der Privatsphäre nicht preisgeben will, auch so angeredet wird, hat in einem impulsiven Moment, denn sie sind mir eigen, auch den zweiten Briefkasten aufzumachen.

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