The black Angel | John Connolly

1. Der trauernde Detektiv:
Die Geschichte um die Legende des „Schwarzen Engels“ bewegt sich in vier Milieus. Prostitution und Drogenmissbrauch im Stadtteil, Diebstahl eines Artefakts und Mord, Kunst- und Religionsgeschichte, Privatleben. Es verkehren nicht nur Leute aus der gesellschaftlichen Peripherie in dem Kreis aus Sucht und Prävention, Kunsthandel und Theologie, Mord und Trauma; Stadtteile verändern sich, ethnische Minderheiten lassen sich porträtieren, Beschützerpersönlichkeiten werden detailliert und zielgerichtet charakterisiert. Die Mitte der Handlung ist der Privatdetektiv Charlie Parker, der Frau und Kind durch eine Gewalttat verlor und seitdem um sie trauert, endlos, ununterbrochen, irreparabel.
2. Tanz der Schwerter:
Wie eine ätherische Figur mit Engelsflügeln den Schwerterhieb ausführt, umhüllt sie das Buch als sei sie selbst ein Panzer aus hauchdünnem Material.
3. Origen (186-255) von Alexandria:
Dieser Kriminalroman ist ein Stillleben aus Poesie, Orten und Religion. Er erzählt von der Schlacht zwischen Gut und Böse in seiner sehr persönlichen Weise, die Hinweise auf frühen Katechismus, theologische Exegese und literarische Interpretation miteinbezieht. Dabei sind das Alte Testament und die Apokalypse Elemente des Canvas. Die Illustrationen von Gustave Doré (1832-1883) ergänzen diese Szenerie.
4. John Connolly:
Jahrgang 1968. Geburtsort Dublin. John Connolly wuchs in Dublin auf, studierte Englisch am Trinity College, anschließend Journalismus an der Dublin City University. Bevor er seinen ersten Roman verfasste, übte er Aushilfsjobs und arbeitete er als Journalist für die Irish Times fünf Jahre lang. Bekanntheit beim Publikum erlangte der Autor durch die Buchfigur des Charles „Bird“ Parker, der als Privatermittler arbeitet. Der Protagonist der Buchreihe ist nach dem Jazzmusiker Charles Parker, dessen Spitzname ebenfalls „Bird“ oder „Birdman“ war. Die Nebencharaktere Louis und Angel sind eine Reminiszenz an den Psychothriller „Angel Heart“ von Alan Parker (1987) nach dem Roman „Falling Angel“ von William Hjortsberg, in dem Harry Angel und Louis Cyphre ein ähnliches Duo verkörpern.
In der Kritik wurde Connolly oft mit Stephen King verglichen, dessen Heimat Portland, Maine, die Stadt, die auch die Heimat Charlie Parkers ist.
John Connolly ist der erste britische Autor, der mit dem US Shamus Award-Best First Private Eye Novel für „Every Dead Thing“ (deutscher Titel: Das schwarze Herz) geehrt wurde.
Er schrieb 2004 eine Reihe von Gruselgeschichten für BBC Radio 4, die in der „Anthology Nocturnes“ erschienen sind. Dabei ist auch eine Novelle mit Charlie Parker, welche die zeitliche Lücke zwischen den Romanen „The White Road“ und „The Black Angel“ füllt.
John Connolly verfasste sein erstes Jugendbuch „The Book of Lost Things“, in dem ein Junge während seine Mutter im Sterben liegt im Zweiten Weltkrieg einer Fantasiewelt nahekommt.
Ausgezeichnet wurde er 2000 mit dem Shamus Award-Bester Debütroman für „Every Dead Thing“ („Das schwarze Herz“, Ullstein), 2003 mit dem Barry Award-Bester britischer Kriminalroman für „The White Road“ („Die weiße Straße“, Ullstein), 2013 mit dem Agatha Award-Bestes Sachbuch und Anthony Award für „Books to Die for: The World´s Greatest Mystery Writers on the World´s Greatest Mystery Novels (gemeinsam mit Declan Burke), 2014 mit dem Edgar Allan Poe Award-Beste Kurzgeschichte für „The Caston Private Lending Library & Book Depository“.
Gold Circle Films verfilmte Connollys Kurzgeschichte „The New Daughter“ („Die neue Tochter“ in „Nocturnes“) mit Kevin Kostner als John James und Ivana Baquero als seine Tochter Louisa James. Luis Berdejo führte Regie.
John Connollys Werk nutzt romantische Dichtung, Religion und Reise beim Aufbau des Kontexts, der Charakterisierung und der Handlungsstränge ohne Trash-Elemente und Musikeinflüsse zu vergessen. Die Vielfalt ist einer der Gründe warum ich John Connolly gelesen habe und immer noch lese. Die Perspektiven der Lektüre seiner Bücher haben sich vermehrt.
5. Tatorte und Reiseziele:
New York; Mexiko; Kloster Sedletz, Kutna Hora, Tschechien; Kloster Novy Dvur bei Nymburk, Tschechien; Kloster Fontfroide, Narbonne, Frankreich; Kloster Abbey of our Lady of La Trappe; Kloster San Galgamo, bei Siena, Toskana, Italien; und Portland, Maine.
6. Inhaltsanalyse, Der Fall:
Ist mehrdeutig ausgelegt. Die Front besteht aus dem Fall der vermissten Prostituierten, die zufällig mit Charlie Parkers Freund Louis verwandt ist. Louis ist aus anderen Folgen bekannt, indem sein Auftreten durch gewaltbereite Konfrontation gegen Gewalt, Opferschutz, Verwaltung und Ausübung von Selbstjustizaktionen sich am Rande und außerhalb der Legalität bewegt, stets ohne persönliche Motivation, bis auf diesen Fall, der ihn an seine fehlenden Entscheidungen und sein Pflichtbewusstsein erinnert. Die betroffene Frau, das Opfer, das gerächt werden muss, wuchs in ärmlichen Verhältnissen, in einem Haushalt aus Gewalt und Gleichgültigkeit. Hier werden die Folgen von Hausgewalt auf Kinder und Erwachsene angesprochen. Sie entfernte sich von diesem wenig liebevollen Haus, sie hat ihre Bewährungstermine nicht wahrgenommen, versteckte die Spuren der Nutzung mit Hilfe von Vitamin E und entschied sich für die Prostitution als Finanzquelle für die Drogensucht im Rahmen der Maschinerie der Abhängigkeit von einer Zuhälterperson; indem sie das wichtigste Mordopfer in dem Buch ist, lässt sie alle anderen Opfer und ihre Tode verblassen.
Der Engelssturz:
Engel fallen vom Himmel bei den Silberminen der tschechischen Stadt Kutna Hora. Die „Schwarzen Engel“ waren Zwillinge, ihre Namen waren Ashmael und Immael. Immael wird nach einem Duell gefangengenommen von Mönchen aus dem Zisterzienserorden in einer Zelle aus Silber. Ashmael sucht seinen Zwilling. Ihm zur Seite stehen die „Believer“, deren Suche sie zum Fanatikern und Esoterikern macht. Im späten Mittelalter wird die dämonische Mythologie über Immaels Schicksal öffentlichkeitswirksam.
„Das Buch Enoch“ mit den darin enthaltenen Texten über den Fall der Engel dient als Quelle.
Dante Alighieris (1269-1321) „Göttliche Komödie“ wird zitiert. Das Inferno ist die periphere Welt, das Purgatorio sind die Gefängnisse der Seele und des Körpers und Eden ist das Paradies, der Ort, der im ganzen Buch gesucht wird.
Die Hölle von Hieronymus Bosch (1450-1516) wird zitiert.
John Milton begeht mit dem verlorenen Paradies, den Sündenfall und den Engelfall „Paradise Lost“ (1667).
George Gordon Byron (1788-1824), Vertreter der „schwarzen Romantik“ wurde von Poe, Nietzsche, William Turner und Alexander Puschkin gelesen. Sein Werk „Heaven and Earth“, A Mystery (1821) wird zitiert. Byron übte unter anderem auf das Werk der oben erwähnten Autoren und Künstler Einfluss.
Ein Mikrokosmos der Klein- und Großkriminellen umringt von Polizisten, Privatdetektiven, Bundesagenten, Auftragskillern findet sich auf einer Staffelei mit Kirchtürmen wieder, wo Samthandschuhe in zwischenmenschlichen Beziehungen Mangelware sind. Karikaturen des Bösen werden über die Physis personalisiert. Suggeriert wird die Wiederholbarkeit des Bösen und seiner Stellvertreter. Psychische Krankheit und Depression ist Ansichtssache und kommt den Personenbeschreibungen teils nahe.
Der Konfliktort Sedletz:
Sedletz ist ein Vorort der tschechischen Stadt Kutna Hora. 1142 Teil Böhmens, 1421 von Hussiten zerstört. Das Beinhaus befindet sich im Keller der Friedhofskapelle der Allerheiligen. Mit diesen geschichtlichen Fakten ist das Wappen eines ausgestorbenen Adelsgeschlechts verbunden; im Buch wird von einer Legende gemutmaßt, die älter ist als die Geschichte des Klosters. Das Kloster in Sedletz wurde auf den Resten von Silberminen gebaut; bei Gläubigen wurde es bekannt, weil die Erde aus dem Heiligen Land stammte.
Obsession:
Die Obsession gilt der Suche nach einem Original mythischer Herkunft; Spekulation und Aberglaube folgen seit Jahrhunderten dem Mythos des gefallenen Engels. Obskure Jäger von Reliquien, Kunst und Auktion, die sich um Okkultes befasst und die römisch-katholische Kirche, die sich im ewigen Streit gegen Widersacher befindet, begegnet die Kollision der Abneigung für Sammler esoterischer Objekte mit der Faszination des Unwissenden, der lernen will. Der Zusammenhang mit der Neigung der Nationalsozialisten zum Okkultismus wird anhand einer Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg erwähnt, durchzieht jedoch wie ein roter Faden den Kriminalroman in der Vergangenheit und in der Gegenwart.
Inhaltsangabe, Der persönliche Fall:
Charlie Parker arbeitet als Privatdetektiv; seine Auftraggeber sind oft ehemalige Sträflinge, Personen aus der sozialen Peripherie oder Leute, die sich dem Schutz und der Rehabilitation dieser Menschen gewidmet haben.
Als ein Artefakt gestohlen wird, kommen Charlie, Angel und Louis mit dem Diebstahl in Berührung und gleichzeitig kreuzen sich ihre Wege mit dem Pfad der Person, für die das Kunstobjekt so wichtig ist, dass sie es geheim hält und dass sie dafür Morde begeht.
Die Stimmen, die Charlie Parker hört, sind seine eigene, die Gedanken, die er keinem mitteilt, seine Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen, aber vor allem seine Ängste und die unverarbeitete Trauer; er ist nie über den Verlust seiner Frau und seiner Tochter hinweggekommen. Wie Mephisto rufen ihn ihre Stimmen nachts und er lässt sie nicht los, so dass jede neue Beziehung der Entfremdung nahe ist, bevor sie festen Boden betreten hat. Die Antlitze der Verstorbenen dichten „Hymnen der Nacht“ und scheinen das körperlose Jenseits zu verlassen; ihre „Novalisierung“ scheint die Macht zu haben, Lebenden Angst zu machen, sie zum Abschied zu bewegen (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, bekannt als Novalis, 2. Mai 1772-25. März 1801).
Charlie Parker ist ein guter Beobachter und hat einen sechsten Sinn. Seine Schlaflosigkeit wird von einem Chor der Albträume und Halluzinationen begleitet; dieser Zustand bleibt bestehen und es gibt in seinem Fall keine medizinische Versorgung. Er ist nicht verwirrt, doch seine Sehnsucht gilt den Toten in seinem Leben, die ihm sehr nah gestanden haben.
Die Traumatisierung Parkers beruht vor allem auf das Unvermögen, sich von Schuldgefühlen zu befreien, weil er für Frau und Tochter nicht zur Verfügung stand, als sie ihn am meisten brauchten. Eine Vision des Lebens nach dem Tod und der ewigen Suche nach Seelenverwandten in der Dunkelheit bekämpft psychopathologische Personen, die anderen Schmerzen zufügen, Menschen, die unter Persönlichkeitsspaltung leiden und diesen, die an den Folgen der Verweigerung von Nahrung leiden.
Diese Hauptfigur bleibt undurchsichtig; die Erwartungen des Gegenübers prallen auf ihn ab wie auf eine Wand oder einen Baum. Seine Impulsivität und die latenten Aggressionen hält er unter Kontrolle; er nutzt seine vorausschauenden Fähigkeiten.
Charlie Parker bewegt sich im „Twilight“ der Grauzone zwischen Lebenden und Toten und träumt von den Menschen, die er getötet hat. Absolution gibt es nicht, nur einmal in diesem Buch. Seine Gedanken nehmen die Form einer Existenz und machen ihn schlaflos. Die Frage ist, ob er die Welt verändern will oder seine persönlichen Bedürfnisse befriedigt. Es existiert ein Zwiespalt zwischen romantisierter Persönlichkeit und dem Egoisten, der die Vergangenheit vergöttert, während die Gegenwart von dannen zieht.
Alte Erinnerungen wirken stärker als die Gegenwart. Die Bereitschaft sich in Grenzen zu bewegen ist verweichlicht. Frauenfeindlichkeit und Verteufelung weiblicher Eigenschaften in bestimmten Milieus ist selbstverständlich, als ob manche Buchfiguren damit geboren wären, während die eine oder andere Frauenfigur die Rolle übernimmt, der Aggressionen zugeschrieben werden, entweder Autoaggressionen oder Fremdaggressionen.
Im Allgemeinen ist Personenbeschreibung in diesem Buch sehr ausführlich und das betrifft auch die Nebenfiguren der Handlung.
New York:
Der Kriminalroman schildert milieubedingt die Atmosphäre New Yorks nach 9/11.
Der Fall des Rassismus beim Militär:
Es handelt sich um eine alte Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg über die unheimliche Allianz zweier Männer, die unaussprechliches Wissen teilen über die Geschehnisse in einem Kloster. Sie verbindet stumme Komplizenschaft und vorgetäuschte Freundschaft. Die durchlässige Stelle bei der Spurensuche nach der Reliquie sitzt in diesem Kriminalroman in der Schweiz.
Kult:
Der Kult einer von der römisch-katholischen Kirche nicht anerkannten populären Heiligen vereint Bedürfnisse mit Glauben, durchdringt die Kunst der Devotionalien und kreist um die Grauzone zwischen Ländergrenzen und Grenzen der Legalität. „The Black Angel“ ist gesellschaftskritisch. Menschen, die Hoffnung verlieren und Städte, die im Schatten anderer vegetiert haben und eine Konfrontation mit der Korruption anstreben. Menschenverachtende Lebensstile wohnen den Beschreibungen verbaler und nicht-verbaler Handlungsweisen inne.
Im Reliquienmarkt wird Kunst restauriert, ihr junges Alter, das durch die Nutzung bestimmter Methoden erhöht erscheint, festgestellt.
Konfliktpunkt Mexiko:
Trotz seines fiktiven Anspruchs wird „The Black Angel“ an mehreren Stellen von Elementen folgender Non-Fiktion untermauert: Sandro Benini, Drogen, Krieg, Mexiko, Der gefährlichste Ort der Welt, Echtzeit Verlag, 2013 Basel. 60.000 Menschen ermordet, 25.000 sind spurlos verschwunden, in Mexiko.
7. Hinweis auf Wirtschaft:
Tourismus
8. Literaturhinweis: John Connolly, The Black Angel, Hodder & Stoughton London 2005.

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