Vermisst | Dror Mishani

LITERATURANGABE:

Autor: Dror Mishani
Verlag: Paul Zsolnay Verlag
Übersetzung: ./.
Erschienen: Wien 2013
Umfang: ./.
Preis: € 17,90(de)
ISBN: 978-3-552-05645-9

BUCHCOVER

Unter einem Blattkleid ist der Rucksack versteckt (HC). Die Suche nach dem Vermissten ist wegen der spärlichen Hinweise, die vorliegen, wie Tasten im Dunkeln. Sein Schatten gleitet jedes Mal fort und mit ihm der Schatten des Täters. Licht ins Dunkel der Ermittlungen bringt Konzentration auf das Wesentliche. Das könnte eine Fläche von wenigen qm befassen. Wie ein Fenster zur Strasse.(TB)

ZIELGRUPPE

Jeder Leser und jede Leserin, die Neues suchen, das sie noch nicht gelesen haben, bedingt durch den Bekanntheitsgrad eines Autors, wird eine sehr angenehme Überraschung erleben. Darüber hinaus liest sich Vermisst wie ein klassischer whodunnit Krimi, der mehr als ein Zeitvertreib ist. Vermisste Kinder werden auch in der Realität gesucht und die Frage nach dem Täter ist ein deja vu, nur dass man es noch nicht weiß während des Lesens. Der Autor gibt nicht all zu früh das Geheimnis um die Tat preis.

Kiki’s Rezension: Vermisst

EINLEITUNG

Die Mutter und der Inspektor

Es geht um eine Suche, die keinesfalls verspricht, dass der gesuchte Junge schnell gefunden wird. Der Leser kann buchstäblich die Enttäuschung des Inspektors fühlen, der sich in diesem Fall festgebissen hat. Er dreht jeden Stein um und erwartet Feedback. Seine Überzeugung die Aufklärung voranzutreiben hängt wahrscheinlich auch mit dem stillen Appell der Mutter des verschwundenen Jungen zusammen, die ihn aus eigenen Stücken aufsucht.

 

INHALTSANGABE

Gibt es eine Vermisstenanzeige?

Alltag in der Polizeistation von Cholon. Abends im Frühsommer. Inspektor Avi Avraham hat Bereitschaftsdienst. Eine Mutter sucht Inspektor Avraham auf, um das Verschwinden ihres sechzehnjährigen Sohnes zu melden. Der Inspektor hat ein ungutes Gefühl und glaubt trotzdem nicht an ein Verbrechen. Ein Rucksack liefert den Hinweis. Die Suche nach dem jungen Ofer bleibt ergebnislos; hat er die Briefe an seine Eltern tatsächlich geschrieben? Und warum findet sich sein Rucksack in Tel Aviv?
Ist dies ein echter Fall?
Das Ermittlerteam steht vor einem Rätsel und gerät allmählich in Erklärungsnot. Inspektor Avraham muß erkennen, daß die Wahrheit zum Hören nah war, nur er war nicht bereit, sie wahrzunehmen.

 

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Die gefakten Briefe

Literatur wird in Vermisst oft zitiert; vom nicht alltäglichen Nachbarn, der Werke über unvollendete Beziehungen liest und seine Wahrheit über den verschwundenen Jungen in einen Briefroman dichtet, den er stückchenweise als Brief den Eltern des Jungen zukommen lässt, Sophokles Antigone im gefundenen Rucksack bis zum lesenden Inspektor Avraham, dem lesenden Vertreter der Exekutive, der Ermittlungsfehler in Kriminalromanen aufspürt und dabei den eigenen Fehler fast übersieht.

 

Vermisst ist wie unsichtbar

Der unsichtbare Junge bleibt im Dunkeln. Nicht mal seine Mutter vermag ihn als Menschen in Worte zu fassen. Die Ermittlung konzentriert sich auf sein Verschwinden. Durch seine Unsichtbarkeit ist auch der Täter im Schatten.
Avi Avrahams Polizeialltag ist reich an Fällen, die sich aufklären lassen;
es geht oft um die kleinen Sorgen von Eltern, die ihre Kinder wiedersehen oder um Täter, die schnell und unkompliziert ermittelt werden.

Die Hoffnung den Jungen lebend zu finden

Für Avi Avraham ist Ofer Sharabi wie die anderen Kinder nur kurz weg und bald wieder zu Hause. Der Polizist sieht ihn nicht als Opfer, weil er ihn nicht als Opfer vorstellen will.
Der vorhersehbare Alltag ist nicht Stoff für Kriminalromane.
Aber Ofer bleibt unsichtbar; er hinterlässt keine Spuren, viele Fragezeichen, Wunden, die nicht schließen und sich Gehör verschaffen wollen. Ofers Person wird Fahndungssubjekt,
Albtraumerscheinung, sie erreicht sogar den Status einer Romanfigur; sein spurloses Verschwinden mutiert zum erklärungsbedürftigen Rätsel; die verborgene Gewalttat habe er sich selber zuzuschreiben;

Gibt es einen Täter in diesem Fall?

Er müsse der Täter sein, und sein Tod eine gerechte Strafe.
Ohne Stimme vermag er sich nicht verteidigen zu können.

Das Opfer führt zum Täter.
Inspektor Avraham und sein Team glauben, was sie sehen und ziehen voreilig Schlüsse.
Der wahre Täter verbirgt sich womöglich hinter einer raffiniert aufgebauten Verteidigungsstrategie, die nur ein Unbeteiligter entschlüsseln kann.

 

FAZIT

Sprachlosigkeit begleitet die Ermittlungsarbeit, die am Ende den Fall des vermissten Ofer aufklären wird. Es steckt viel Trauer in diesem Buch und die Kraft ihr zur Seite zu stehen, wobei das Gleichgewicht zwischen Verständnis und Gerechtigkeit nur temporär ins Schwanken kommt. Der Mensch, der neben dem verschwundenen Ofer eine wichtige Rolle spielt ist seine Mutter Hannah, obwohl sie meistens schweigt.

Die Wahrheit ist verborgen, wie der verschwundene Junge. Gibt es eine Frist, nach deren Ablauf eine Vermisstenanzeige offiziell eingereicht werden kann und die Suche nach Vermissten beginnt?

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