Was hat den Autor Wilfried Manheller inspiriert den Krimi in Mayen spielen zu lassen?
Der Autor Wilfried Manheller ist in Nitz geboren, einem kleinen Ort in der Nähe von Mayen. In seiner Kindheit war Mayen für die Menschen in der Gegend die Stadt schlechthin. In Mayen kauften sie ihre Kleidung, machten ihre Arztbesuche, besuchten den Lukasmarkt, damals noch eine Welt der Überraschungen und der Faszination für ein Kind aus der Eifel. Wilfried Manhellers persönlicher Bezug zu Mayen hat in der Kindheit angefangen und setzte sich im Berufsleben fort.
Später arbeitete der Autor als Leiter der Rauschgiftfahndung bei der Kriminalinspektion in Mayen, was ihm einen intensiven Einblick in die „Mayener Unterwelt“ bescherte.
Quelle: KBV Verlag
1977-2017: Wilfried Manhellers beruflicher Werdegang von Bad Neuenahr-Ahrweiler bis Mainz und zurück
Wilfried Manheller, geboren 1956, war seit 1977 im Polizeidienst des Landes Rheinland-Pfalz, zunächst bei der Schutzpolizei in Bad Neuenahr-Ahrweiler, später als Dienstgruppenleiter im Polizeipräsidium Mainz. Dann wurde er Leiter des K3 Kommissariats zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität in Mayen und 2006 Leiter der Kriminalpolizei in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Seit 2018: Wilfried Manheller Autor von historischen Kriminalromanen
Wilfried Manheller ist seit 2018 im Ruhestand und widmet sich unter anderem dem Schreiben historischer Romane über die Zeit der Bauernkriege.
In den dunklen Gassen von Mayen
ist sein erster historischer Kriminalroman und der Beginn einer Reihe um den Ermittler Jakob van de Molen. Das Eifelstädtchen Mayen im Jahr 1919 ist Schauplatz des Krimi-Debüts.
Mayen ist ein Paradebeispiel für die katastrophale Versorgungslage nach dem Ersten Weltkrieg. Die Menschen verdienen ihr Brot mit schwerer Arbeit in dem Schieferbergwerk (inzwischen stillgelegt) und den Basaltsteinbrüchen. Sogar das Gas für die Beleuchtung der Strassen und Gässchen fehlt. In diese Misere platzt der hochmotivierte Ermittler Jakob van de Molen hinein, ursprünglich aus Thun, frisch versetzt aus Berlin, betraut mit einem lokalen und hochbrisanten Kriminalfall.
Das Buch thematisiert Armut, Korruption in politischen Kreisen und Antisemitismus im Polizeiapparat.
Was hat den Autor Wilfried Manheller an der Zeit unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg fasziniert?
Den Autor hat stets beschäftigt,
wie sich der einzelne Mensch beziehungsweise die Gesellschaft in Zeiten, von denen man sagt, sie seien aus den Fugen geraten, verhalten hat. Das Ende des deutschen Kaiserreichs und die Geburt der Weimarer Republik waren Entwicklungen, die an Dramatik kaum zu überbieten sind. Hier den Mord an dem Dienstmädchen eines kaisertreuen Mannes aus der Stadtelite anzusiedeln fand der Autor in der Kombination spannend und im Hinblick auf die gesellschaftliche Entwicklung auch lehrreich. Die dunklen Gassen stehen sinnbildlich für die schwierigen Zeitumstände, den scheinbar undurchdringlichen Filz eines Teils der Stadtelite und die geheimnisvolle Mayener „Unterwelt“. In diesem Dickicht muß sich der Kommissar zurechtfinden und den Mord klären.
Quelle: Interview mit dem Autor, KBV Verlag
Wieviel eigene Berufs- und Praxiserfahrung, was Polizeiarbeit angeht, konnte in den Krimi einfließen?
In den vierzig Jahren seines Berufslebens war der Autor Wilfried Manheller
sehr nah am „kriminellen“ Geschehen. Das ist Fluch und Segen zugleich. Fluch deshalb, weil er im Gegensatz zu einem kriminalpolizeilichen Laien, nichts schreiben will und auch nicht sollte, was den fachlichen oder formalen Fakten und Zwängen des Berufes widerspricht, da befindet sich die Fantasie manchmal in störenden Zwängen. Segen deshalb, weil es kaum einen anderen Beruf gibt, der es ermöglicht, so tief und so intensiv in die Seele eines Menschen zu schauen, der auf furchtbare Weise straffällig geworden ist. Da spielt da auch die Frage, wann der Kriminalfall geschehen ist, nur eine untergeordnete Rolle.
Quelle: Interview mit dem Autor, KBV Verlag
Wie hat der Autor Wilfried Manheller den Alltag der Menschen in den 1920er Jahren recherchiert?
Die Kenntnis zum politischen Hintergrund hat der Autor durch die vielfältige Literatur dazu erarbeitet, z.B. „Die Schlafwandler“ von Christopher Clark, „August 1914“ von Barbara Tuchmann, „Die deutsche Revolution von 1918/1919“ von Sebastian Haffner, „1923“ von Volker Ulrich.
Zum Alltag der Menschen in Mayen zwischen 1918 bis 1939 hat er die sehr detaillierte Mayener Chronik zu Rate gezogen, die einen aussagestarken und treffenden Einblick in das Leben der Mayener dieser Zeit ermöglicht.
Darüberhinaus hat der Autor die Bücher von Frau Regina Stürickow über Ernst Gennat und die Arbeit der Berliner Kriminalpolizei zu Rate gezogen sowie seine Erkenntnisse aus seiner Chronik über sein Heimatdorf Nitz zum Alltagsleben der Menschen dieser Gegend und der betreffenden Zeit.
Quelle: Interview mit dem Autor, KBV Verlag
