Der Bunker | Jacques Berndorf

BUCHCOVER

Der Bunker Ein Tunnel. Gegensätze zwischen Hell und Dunkel. Das Sichtbare und das Unsichtbare treffen sich im Auge der Perspektive. Was hinter der Öffnung in der Tiefe des Bildes ist, bleibt unbekannt. Raum für Spekulationen und Informationen aus einer anderen Zeit, wie es in diesem Buch gelesen werden kann. Das Jahr 1983 markiert die Bemühungen des Autors, Klarheit über den Bunker zu erreichen, weil er in diesem Jahr den Auftrag bekommt, darüber zu schreiben und sich auf den Weg macht, die Landschaft um den Bunker kennenzulernen.

Die Infos zum Buch

Autor: Jacques Berndorf
Verlag: KBV Verlags- und Mediengesellschaft mbH
Übersetzung: ./.
Erschienen: 2018
Umfang: 220 Seiten
Preis: € 11,00(de)
ISBN: 978-3-95441-413-0

ZIELGRUPPE

„Der Bunker“ ist ein Bericht über den Regierungsbunker, den es tatsächlich gegeben hat. Der Autor mutmaßt nicht, sondern befragt die Einheimischen, die nicht sehr gerne Auskunft darüber geben. Er unterhält sich mit einigen von ihnen, die bereitwillig sind, darüber zu reden und er denkt sehr viel nach. Gibt es Augenzeugen, die in dem Bunker gearbeitet haben, die wissen, wie es innerhalb des Gebäudes aussieht? Der Schwerpunkt war der Westen und der Mittelpunkt war Bonn.

Das Buch erzählt von der Stimmung während des „Kalten Krieges“ in einem Teil der BRD, der durch seine Nähe zur damaligen Hauptstadt Bonn sich betroffen fühlte und betroffen war.

Kiki’s Rezension: Der Bunker

EINLEITUNG

Es ist die Geschichte vom Regierungsbunker, der vorher eine Waffenfabrik und ein Konzentrationslager und noch früher ein Eisenbahntunnel gewesen ist. Und es geht um die Menschen, die es wissen aber nicht darüber sprechen und den Journalisten, der ein Buch darüber schreiben will und deswegen nicht locker lässt. Schüler wundern sich über ihr Dernau, in dem eine Außenstelle von Buchenwald gewesen ist, weil sie erst in der Dachauer Erinnerungsstätte darüber gelesen haben. Es sind mitunter die einzigen, die darüber sprechen.

 

INHALTSANGABE
Der Bunker

Jacques Berndorf, das ist das Pseudonym des Journalisten Michael Preute (1936-2022), bekam Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts den Auftrag, ein Buch über den Regierungsbunker zu schreiben. Er erklärt, dass die Recherche nicht auf Veranlassung des Spiegel, wie woanders zitiert, initiiert wurde. Er habe einen Kontakt beim Spiegel informiert, der sehr interessiert war, aber es ist daraus nichts geworden.

Der Autor fährt am 6. Dezember 1983 von München nach Bad Breisig, um vor Ort über den Regierungsbunker zu recherchieren. Seine Suche bringt ihn nach Marienthal an der Ahr und macht ihn mit Gerüchten und Wahrheiten bekannt. Der Regierungsbunker ist den Einheimischen ein Begriff, doch kaum einer will darüber reden.

Jacques Berndorf findet heraus, dass der Bunker existiert, es gibt mehrere Eingänge, einen Stollen soll es aber nicht geben und stellt dabei den Sinn des Gebäudekomplexes als Überlebensmaßnahme und -ort in Frage.

 

Eine geheime Sache

Im Ort schweigt man über Geschichte und Funktion des Schutzkonzeptes, kritisiert die Ausgaben für seine Realisierung als Rettungsweg für die regierende deutsche Elite im Fall eines Atomkrieges. Man redet über die Ausgaben, einen solchen Bau zu erstellen.

Ein Konzentrationslager befand sich vor Errichtung des Bunkers an der gleichen Stelle, die nach dem ersten Weltkrieg ein alter Eisenbahntunnel war. Allmählich setzen sich vereinzelt die Menschen mit der Vergangenheit ihres Ortes auseinander, vor allem die Vergangenheit im Nationalsozialismus, die älteren erinnern sich. Wobei sie von zwei KZs erzählen, eins in Marienthal und eins in Dernau. Der Journalist findet seine Quellen und sie berichten über den jüdischen Friedhof oben bei den Weinbergen, die jüdische Familie, die in Dernau gelebt hat, und den Widerwillen der Menschen, über das, was sie wissen oder meinen zu wissen, zu reden. Einiges lässt sich nicht nachweisen, da historische Dokumente fehlen.

Es war eine wirklich verwirrende Zeit und erst heute komme ich dazu, einiges zu sortieren. Verstehst du mich? Du erinnerst dich an Dinge, die du damals vergessen hast. Du bildest dir viele Jahre lang ein, du hättest sie vergessen. (S. 61)

 

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Der Schriftsteller und Journalist verbindet autobiographische Elemente, indem er schildert, wie seine frühe Bekanntschaft mit Bunkern als Spielplatz sein späteres Interesse über den Regierungsbunker zu schreiben anfeuert. Er versuche, nicht objektiv zu sein – nur ehrlich.

 

Die eigenen Erfahrungen

Der Autor erlebte den Krieg mit seinen Eltern in Osnabrück, wobei seine Erinnerungen mit keiner Angst verbunden sind. Der Weg zum Bunker war ihm später noch klar. Die Kindheit war eng mit dem Betonklotz verbunden, darin kam die erste Liebe vor gepaart mit einem Geruch von Bewunderung und Gefahr, über die Zeit vor und in dem Bunker, den Mut Schmerzen zu ertragen, auch bei Schikanen. Die reibungslose Fürsorge der Eltern, vor allem der Mutter, beschützt den kleinen Jungen und hält die Angst von ihm fern, bis sie erste Risse bekommt, als eines Abends die Eltern die Luftangriffssirenen verschlafen und mit ihren Kindern im allerletzten Augenblick den rettenden Bunker erreichen. Auf dem Weg dorthin, nimmt das Kind einerseits seine aufgelösten Eltern wahr, andererseits die Geschehnisse auf der Straße. Die Realität erreichte plötzlich die Kindheit, als die Augen das Ausmaß der Zerstörung wahrnahmen und Menschen, die man gekannt und gemocht hat, ihr Leben verloren. Das Kind berichtet und bleibt noch in seiner schützenden Blase, er hat die Angst erfahren, steht jedoch auf Distanz zu ihr, während er sie gleichzeitig allmählich in sein Leben integriert.

Wir hockten zu allen möglichen Zeiten aller möglichen Tage und Nächte in dem Bunker.

Der Bunker bedeutete erregende Betriebsamkeit, hier traf ich meine Spielkameraden.

Jahrelang bin ich als kleiner Junge durch die Ruinen der Musikschule an der Rolandsmauer in Osnabrück getobt, durch den offenliegenden, verrotteten Bunker darunter geschlichen. Nie habe ich die Angst verloren, hinter irgendeiner finsterer Biegung auf ein Skelett zu treffen – jene alten, nicht fassbaren Träume von Gewalt und Tod Wirklichkeit werden zu sehen.

 

Als Kinder in Bunkern spielen

Die Bunker haben Kinder nach dem Krieg spontan umfunktioniert, indem sie einen Ort der Angst und der Flüstertöne unter Erwachsenen in einen Abenteuerspielplatz verwandelten. Erst nachher wurden diese Bauten geschleift oder zu Nothäusern umgebaut, in denen jene schlafen und essen durften, die nach ihrer langen Wanderung aus dem Osten obdachlos waren.

 

Die Sinnhaftigkeit von Bunkern

Der erwachsene Erzähler erkennt den Sinn hinter dem Unsinn von Bunkerbauten und erlebt, dass es kaum eine Zeit ohne Bunker gegeben hat. Überall, in anderen Ländern, trotz seiner Zweifeln wegen ihrer Nützlichkeit sind ihm Bunker ein Begriff. Nichtsdestotrotz ist er überrascht, als er über den Regierungsbunker an der Ahr schreiben soll. Eigentlich ist alles über diesen Bunker geschrieben, denkt er und entdeckt dabei, dass nichts darüber geschrieben wurde, weil niemand etwas wissen will und deshalb niemand etwas weiß. Das Motiv des Autors das Buch über den Bunker zu schreiben ist, die Bevölkerung zu informieren, wie diese Stadt unter den Weinbergen aussieht, weil der Bunker mit Geldmitteln aus der Bevölkerung gebaut worden sei.

 

Ankunft

Nach seiner Ankunft in der Region, die ihm persönlich nahe steht, weil sein Großvater dort gelebt hat und sein Vater immer noch dort lebt, richtet er sein Hotelzimmer so ein, so dass er sich heimisch fühlen kann und seine Umgebung die Atmosphäre bekommt, die eng mit Nachdenken und Schreiben zusammenhängt. Voreingenommen blickt er um sich herum und assoziiert mit dem Bunker, wenn er Gebäude an Straßen mit hohen Toren am Eingang sieht.

Jacques Berndorf und seine Gesprächspartner zweifeln an der Logik ihrer Überlegungen über Planung und Bau der Traumstadt unter den Bergen in Zeiten eines längst vergangenen konventionellen Schlagabtausches, über den Verkauf von Weinbergen, den Hausherrn in dem Bunker (Innenministerium, Verteidigungsministerium, Wirtschaftsministerium), Umfang, Standort und Eingänge des Baus, Neonröhren und Leitungsverkleidungen, Erreichbarkeit, Informationsstand, die Rolle von BRD und DDR im Ernstfall, die Verbindung zur Hauptstadt, einen zweiten Bunker und Beweise.

 

Der Bunker
FAZIT

Inmitten von Weinbergen ereignet sich ein Stück deutsche Geschichte, deren Fokus die frühen achtziger Jahre sind, als Bonn das Zentrum gewesen ist. Es ist die Suche nach einem Gebäude, von dem die wenigsten wissen oder nicht darüber reden. Es ist alles gesagt worden und es scheint nicht wichtig zu sein. Dem Sinn eines Bunkers liegt ein Schutzmechanismus zugrunde. Zwischen Dernau und Marienthal finden sie den Regierungsbunker und erfahren mehr über die Geschichte der Gegend, die ihnen in ihrer Romantik inklusive selbstverständlicher „Betonbunkerburg“ unscheinbar vorkommt.

Das Tal wurde schmaler, die Straße hatte Mühe, Platz zu finden, alles wurde romantischer. Es gab bizarre Felsformationen…(S.34)

 

Die Quellen

Mehr als 40 Besuche im Ahrtal runden die Suche Berndorfs ab, die unter anderem Archive, Staatsanwaltschaft, Einwohnermeldeämter, Militärarchive als Quellen zu Rate zieht. Die Route beschäftigt sich nicht zuletzt mit der Nachrichtenlage über den Bunker und seine Alltäglichkeit. Die vergessenen Konzentrationslager werden unterwegs zum Teil der Recherche.

 

Fakten zum Regierungsbunker

Der Regierungsbunker entstand unter großer Geheimhaltung in den Jahren 1960 bis 1972. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die Anlage in den späten neunziger Jahren aus Kostengründen stillgelegt. Sie wurde leergeräumt und versiegelt (16 Millionen € Kosten). Die Abrissarbeiten wurden 2006 abgeschlossen. Übrig geblieben ist die nackte, mit Beton ausgekleidete Tunnelröhre (das Buchcover…). Die Eingangsbauwerke oberhalb des Weinberges Kloster Marienthal bestehen noch; ihre Tore sind aber verschweißt.

Orte der Handlung: Osnabrück und Ahr

Klöcknerstraße, Osnabrück

Der mehrstöckige Betonbunker lag auf einem sehr großen unbebauten Gelände an einer Seitenstraße der Klöcknerstraße, wo der Autor mit seinen Eltern entlanglief, bevor sie auf ihrem Fluchtweg zum Bunker abgebogen sind. (S.7)

Parkplatz Swisttal

Kurz von der Autobahnabfahrt Bonn, Meckenheim/Altenahr. Die Schnellstraße Gelsdorfer Straße endet dort. Straßenbelag Beton. Breite gepflasterte Rampe. Herausnehmbare Leitplanken in der Mitte. Nicht freigegeben worden für den Verkehr. Nur wenige Meter vom Bunker entfernt. Gerüchte über Bunker, Parkplatz. Militärische Manöver. (S. 25)

Marienthal

Jacques und seine Begleiter erfahren am Schilderhäuschen des Parkplatzes, dass sie den Rotwein-Wanderweg hochgehen können, aber sie dürfen hier nicht parken, weil das der Platz vor dem Bunkereingang ist. Der Ort ist sehr klein und besteht hauptsächlich aus Lokalen. (S. 29)

Rech, Mayschoß, Laach, Reimerzhoven, Altenahr/Ahr

Die Ahr war in diesen Tagen ein schmaler, unauffälliger Fluss und sie hatte hauchdünne Eisschollen an den Ufern. Im Sommer und Herbst war hier sehr viel los. (S. 34)

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