Der Holländer | Mathijs Deen

Der Kriminalroman Der Holländer von Mathijs Deen hat als Schauplatz das Wattenmeer.

BUCHCOVER
Der Holländer

Eng verbunden mit der Geschichte sind in der Ferne zwei Menschen zu sehen. Zwei Wattwanderer machen sich von ostfriesischem Manslagt auf dem Weg nach Borkum, weil sie das Wattenmeer bezwingen wollen. Es ist noch Ebbe, während am Horizont die Flut kommt und ein Unwetter sich im Wattenmeer anbahnt. Der Goldschimmer auf dem Watt täuscht aber. Das ist tatsächlich der in der Vormittagssonne golden schimmernde Schlick und er ist kaum begehbar. Es gilt vor allem den Moment einzufangen, bevor er vorbei ist. Was bleibt ist das Hochwasser, das den goldenen Eindruck verschwinden lassen wird. Der Moment ist rasch vorbei, das Bild bleibt danach unvollendet.

Die Infos zum Buch

Autor: Mathijs Deen
Verlag: rowohlt Verlag GmbH
Übersetzung: Andreas Ecke
Erschienen: Februar 2024
Umfang: 272 Seiten
Preis: €14,00 (de)
ISBN: 978-3-499-01167-2

ZIELGRUPPE

Klassischer Whodunnit mit Details über das Wattenmeer auch als Grenzgebiet. Die Spannung entsteht einerseits durch das vermittelte Wissen, das verstreut ist. Andererseits ist es der Charakter des Ermittlers Liewe Cupido, der ohne viele Worte den Fall aufklärt und das Potential für Fortsetzungen hat.

Kiki’s Rezension: Der Holländer

EINLEITUNG Der Holländer

Ein Wattführertrio, das bereits alle Inseln des Wattenmeers zu Fuß erreicht hat, nur nicht Borkum, ist diesmal nur zu zweit und gerät auf dem Weg nach Borkum in eine Notlage. Der eine Wattwanderer überlebt, der andere nicht. Während die Behörden beider Länder sich darüber austauschen, wer für die Untersuchung des Todesfalls zuständig ist, stellen erste Ergebnisse fest, dass es kein Unfall gewesen sein kann.

 

 

INHALTSANGABE
Der Holländer

Ein niederländisches Schiff, das im Watt patrouilliert, findet einen Toten. Im Grenzgebiet zwischen Deutschland und der Niederlande. Auf der Sandbank De Hond. Zwischen Delfzijl und Emden. Der Mann war prominenter Wattwanderer und überregional bekannt. Bademeister in Lübeck und erfahrener Schwimmer wollte vom Festland nach Borkum wandern. Das ist eine extrem schwierige Strecke, die lebensgefährlich ist.

Hinzu kommt, dass die Watttour vom Festland nach Borkum nicht erlaubt ist, denn das Gebiet steht unter Naturschutz.

 

Nicht ohne meinen Peilstock

Das Watt ist eine unwägbare Umgebung, in der die Natur das Sagen hat. Nicht mal der erfahrenste Wattwanderer kann wissen, ob das Wetter sich plötzlich umschlägt. Oder ob man physisch nicht mehr in der Lage ist durchzuhalten beziehungsweise wie tief ein Priel tatsächlich ist. Daher haben Wattwanderer ihren Peilstock immer dabei. Diese Tour endet für Klaus Smyrna tödlich und für seinen Begleiter Peter Lattewitz traumatisch, der ihm in der Not nicht helfen konnte. Peter meldet Klaus als vermisst an. Er kehrt völlig desorientiert zurück aufs Festland und leidet zusätzlich unter Halluzinationen, denn er glaubt seine verstorbene Frau mitten im Watt gesehen zu haben. Bei der informellen Befragung, die der geschickte Liewe durchführt, verheddert er sich in Zitaten von Theaterstücken und macht den Holländer stützig.

Merkwürdigerweise wurde der Peilstock des Toten woanders, genauer gesagt auf der westfriesischen Insel Schiermonnikoog, gefunden als seine Leiche.

 

Zankapfel Grenzgebiet

Die niederländische Polizei sieht den Toten auf der Sandbank liegen und bergt ihn. Fundort sichern ist nicht möglich, weil die Flut kommt. Paar Fotos machen, die Koordinaten messen und die Zeit ist schon um, bevor alles unter Wasser steht. Zum Leidwesen der deutschen Behörden, die den Todesfall als ihren Fall ansehen, waren die Niederländer als erste vor Ort.

Das Wattenmeer ist EU-Außengrenze, hier wurde ein Deutscher gefunden, es ist keine natürliche Todesart, in der Niederlande beschlagnahmt, vielleicht in der Niederlande ums Leben gekommen, vielleicht in Deutschland, darüber hinaus ist eine Straftat möglich. Außerdem ist die Sandbank niederländisch, so der Ermittlungskommandeur, der nach Vorschrift handeln will. Bei den Koordinaten gibt es einen Schreibfehler. Als dieser entdeckt wird, machen hundert Meter den Unterschied aus, in welchem Land der Tote gelegen hat.

 

Der Holländer

In den Küstenorten gibt es Gerüchte, deutsche und niederländische Behörden zanken sich um Zuständigkeiten und die lokale Presse wittert Ungereimtheiten. Die Bundespolizei schickt einen besonderen Ermittler: Liewe Cupido, von allen nur der Holländer genannt. Cupido ist ein schweigsamer, erfahrener Mann, der am liebsten allein arbeitet und inoffiziell ermitteln soll. Doch in diesem Fall wird er Hilfe brauchen. Er wird sich selbst der unberechenbaren Natur aussetzen müssen, die das raue Watt beherrscht. Sogar Ton- und Sandpartikel wird er mit der Hilfe eines Meeresgeologen auswerten, um den Täter zu überführen. Denn er weiß bald, wer der Täter ist.

 

Der dritte Wanderer

Später wird er den dritten Wanderer treffen, den Mann, der das Festland gar nicht erst verlassen hat, trotz der Vereinbarung alles gemeinsam mit den anderen beiden zu unternehmen. Der dritte Mann, Aron Rheinhard, der eigentlich da hätte sein sollen, wenn die Bedingungen zur Überquerung gegeben wären, befindet sich auf dem Medway bei Chatham in England und lässt Peter und Klaus im Stich. Spätere Messungen ergeben, dass der Tote auf der deutschen Seite der Sandbank gelegen hat, das glättet die Wogen zwischen den Behörden, daraufhin hat die niederländische Polizei das Nachsehen und es gibt eine feierliche Übergabe des Sargs.

 

Die Tat und das Motiv

Der Tod war kein Unfall, er ist absichtlich herbeigeführt worden, indem die sogenannte Achillesferse des Wanderers ausgenutzt wurde. Liewe Cupido sucht nach dem Motiv, die Tat mitten in der Wildnis des Wattenmeers vollbringen zu wollen und hat bald einen Verdacht. Aber die Beweise fehlen. Der Ermittler steht einem Täter gegenüber, der überzeugt ist, das Richtige getan zu haben und sich deswegen nicht aus der Ruhe bringen lässt.

 

 

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Der Holländer und der Täter

Der Vater Holländer, die Mutter Deutsche. Liewe Cupido ist wortkarg. Gespräche mit ihm zu führen, um sich über den Fall auszutauschen, ist schwierig. Sein Gespür für Stimmungen und versteckte Signale sowie für Körpersprache ist phänomenal. Wenn er eine Fährte aufnimmt, lässt er nicht locker, bis er das Ziel erreicht hat. Den Täter zu fassen ist besonders kompliziert in diesem Fall, denn dieser wähnt sich in Sicherheit, meint das perfekte Verbrechen begangen zu haben, hat kein schlechtes Gewissen und tritt auch deswegen arrogant und herablassend auf. Liewes untrügliche Intuition ist den anderen voraus, dabei paart sie sich mit seiner Hartnäckigkeit und macht den Täter letztendlich doch nervös. Er ist überrascht über Liewes Fragen, die ihn verunsichern, obwohl er überzeugt ist, dass ihn nichts aus der Fassung bringen kann.

Liewe Cupido nutzt Momente des Schweigens, um an Antworten zu kommen und ist aus diesem Grund seinem Gegner, der ihn belächelt, im Vorteil.

 

Der Holländer
FAZIT

Der erste Band in der Krimireihe um den Ermittler Liewe Cupido, dem Nachfolgebücher mit Schauplatz die Nordsee ergänzen, überzeugt mit sparsamen Dialogen, die den Nagel auf den Kopf treffen und Sachinformationen, die die unwirtliche Welt des Wattenmeers näher bringen.

Der Streit um die Zuständigkeiten zwischen den beiden Ländern verkompliziert die Sache, kurzfristig droht die Ermittlung sogar zu versanden. Als wäre sie im Wattenmeer Schlick gefangen und käme da nicht von der Stelle. Zum Glück hat die inoffizielle Ermittlung durch den Holländer in einem Wettrennen gegen die Zeit, das gemächlich dahinplätschert, als gäbe es viel Zeit, die besten Erfolgsaussichten.

Ort der Handlung: Wattenmeer, Nordsee zwischen Deutschland und Holland

Sandbank De Hond, Außenems

Die Sandbank liegt westlich des Fahrwassers der Außenems, in einem Gebiet, dessen Zugehörigkeit zu der Niederlande oder Deutschland nicht geklärt ist. De Hond ist Fundort des toten Wattwanderers.

Delfzijl

Das niederländische Patrouillenboot bringt den Toten nach Delfzijl, wo er von dem dortigen Pathologen untersucht wird, der Shakespeare zitiert, wenn er obduziert. Liewe Cupido nimmt vom Ohr des Toten eine kleine Probe Sand.

Cuxhaven

Liewe Cupido, von der Kriminalabteilung in Cuxhaven, ist gerade auf Texel, als ihn den Anruf erreicht, nach Delfzijl zu fahren, um dort inoffiziell zu ermitteln.

Grenze zwischen Bunde am Dollart und der Niederlande

Ein Polizeibeamter kauft an der niederländischen Tankstelle, die über die Fußgängerbrücke liegt, ein und findet in der Mülltonne einen Rucksack, der wichtig für den Fall ist.

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