Keine besonderen Auffälligkeiten | Sophie Sumburane

BUCHCOVER
Keine besonderen Auffälligkeiten Mitten im Grünen. Hinter geschlossenen Gardinen. Das Buchcover spielt mit dem ersten Eindruck. Eine Frage der Perspektive. Und es hebt den Buchtitel hervor, der sich auf keine besonderen Auffälligkeiten fokussiert. Zu einem späteren Zeitpunkt stellt es sich heraus, was damit gemeint ist. Wie die Szene aus einem Wald irgendwo in Deutschland oder die Opfer des Serientäters in dem Kriminalroman, die nichts gemeinsames hatten. Mit Ausnahme ihrer fehlenden Auffälligkeit. Im Auftreten, im Aussehen, im Leben.

Die Infos zum Buch

Autorin: Sophie Sumburane
Verlag: Edition Nautilus GmbH
Übersetzung: ./.
Erschienen: März 2026
Umfang: 296 Seiten
Preis: €20,00 (de)
ISBN: 978-3-96054-478-4

ZIELGRUPPE

„Keine besonderen Auffälligkeiten“ ist ein packender Kriminalroman nach einem wahren Fall, der etwa 34 Jahre zurückliegt. Parallel zum Erscheinen des Buches wurde die dreiteilige Dokumentation „Rosa Riese“ in der ARD-Serie „Crime Time“ gezeigt, die Sophie Sumburane bei ihren Recherchen und bei Interviews vor Ort begleitet hat. Mit Quellenverzeichnis. In diesem Buch kommen Menschen vor, die es tatsächlich gegeben hat und andere, die es nie gegeben hat. Eine ausgewogen dosierte Mischung zwischen Fiktion und Wirklichkeit entsteht.

Es ist der Versuch, die Stimmung von damals in Worte zu fassen einerseits und der Wunsch realer Personen, nicht im Mittelpunkt von etwas zu stehen, das sie gern vergessen würden.

Die Autorin spricht von einer Scham, die Dörfer und Orte, die mit den Taten verknüpft sind, eine kollektive Scham empfinden, die den Opfern von Gewalttaten allzu oft eigen ist. Eine Wunde, die der Boulevard aufgerissen hat, die die Autorin versucht ans Licht zu holen.

Wie berichten wir damals wie heute über Morde an Frauen? Wie weit darf die Sensationslust gehen? 

Quelle:

Sophie Sumburane, Keine besonderen Auffälligkeiten, Edition Nautilus, Nachwort

Kiki’s Rezension: Keine besonderen Auffälligkeiten

EINLEITUNG

Nach dem wahren Fall des letzten Serienmörders der DDR. Die Autorin Sophie Sumburane porträtiert eine Gesellschaft in Angst in der Übergangsstimmung der Wendezeit. Mit dem Kriminalroman „Keine besonderen Auffälligkeiten“ hinterfragt die Autorin Sophie Sumburane die Mechanismen des Genres True Crime, vor allem in seiner Verbindung mit der Boulevardpresse und den Mitteln, die sie einsetzt.

 

INHALTSANGABE
Keine besonderen Auffälligkeiten

Oktober 1989, Deetz, ein Dorf in Brandenburg. Während fünfzig Kilometer weiter die Mauer fällt, wird eine Frau in einer Kleingartenanlage überfallen und getötet. Der Mörder kann entkommen. In den nächsten Monaten bringt er vier weitere Frauen und ein Baby um. Die Polizei ist sich einerseits sicher, dass es sich um denselben Täter handelt, weil er seine persönliche Handschrift an den Tatorten hinterlässt. Andererseits sind die Ermittlungsbehörden nicht in der Lage, den Täter dingfest zu machen. Die Polizei ist damals unterbesetzt und überfordert, dezimiert durch Abwanderung nach Westen und aufgeflogene Stasimitarbeiter. Stets ist der Täter ihnen einen Schritt voraus.

 

Das Schweigen der Augenzeuginnen

Keiner verdächtigt den Spanner, der die jungen Frauen Hedi und Gabi beim Baden in den Erdelöchern beobachtet. Während Hedis Verlobter sie zu Hause isoliert, zu ihrem eigenen Schutz, so seine Worte, nimmt Gabi die Sache selbst in die Hand. Sie bewirbt sich als Reporterin bei der Bild-Zeitung und erhält einen Einblick in die Ermittlungen.

Angst und Verdächtigungen erschüttern die Dorfgemeinschaft. Die Sensationspresse setzt Gerüchte ein, um zu beeindrucken und scheint einen Draht zu polizeilichen Quellen zu haben. Die Zeit drängt, denn der Täter wird immer dreister. Keiner ahnt, wer er ist. Wann begeht er den Fehler, der seine Identität preisgeben und zu seiner Verhaftung führen wird? 

 

 

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Die Opfer und der Täter

Im Vordergrund der Ermittlungen steht der Täter. Die Opfer geraten nach der Zeit der Schlagzeilen ins Abseits und werden Jahre später vergessen. Denn sie haben keine Gemeinsamkeiten, die ihren Opferstatus bestätigen könnten, sondern sind einfach nicht besonders auffällig. Die Persönlichkeit des Täters ist trotz ihrer abweichenden Besonderheiten, die festgestellt werden, für den Fortschritt der Ermittlungen keine große Hilfe. Aus diesem Grund droht die Suche nach dem Mörder zu versanden.

 

Ein Profil wie Patchwork

Die Polizei konzentriert sich auf einen Wäschefetischisten, ohne Erfolg. Merkmale, die die Fahndung unterstützen sollten, um des Täters habhaft zu werden, häufen sich. Ein Exhibitionist, der Frauen ohne besondere Auffälligkeiten überfällt, ein Zufallstäter, ein Spanner (?), ein Mann, der sich verkleidet und die Opfer ebenfalls verkleidet, jemand, der sich an Müllbergen bedient, auf der Jagd nach weggeschmissener Kleidung und Frauenunterwäsche, ein Zufallstäter.

 

Wer ist er?

Ein ganz normaler Mann, der einfach da gestanden hat und Frauen beim Baden zuschaute? Das Bedürfnis nach einer Doppelrolle befriedigen wollte? Verkleidet und bekleidet. Auf der Suche nach dem ultimativen Rollentausch. Die Polizei tappt trotz der vielen Hinweise aus der Bevölkerung, der ambivalenten Unterstützung der Boulevardpresse und dem Profil des Täters im Dunkeln. Der Täter wähnt sich derweil in Sicherheit und treibt sich herum, greift Frauen an, bei missglückten Versuchen probiert er es an einer anderen Frau. Er  begeht Taten häufig und fühlt sich unangreifbar, weil andere Männer stattdessen verdächtigt werden.

 

Von der Gemeinsamkeit zum Motiv

Die einzige Gemeinsamkeit der Opfer ist, dass sie Frauen sind. Mordet er aus einem Zwang heraus? Ist es eine Obsession, die ihn treibt? Ein Triebtäter? Der eifersüchtige Verlobte? Oder der Nachbar von nebenan? Der nette Freund, den keiner verdächtigt, der keiner Frau etwas zu Leide tun würde? Ein Monster? Die Verdachtsmomente nehmen zu und Menschen fühlen sich nicht mehr sicher.

Die Veränderungen, die die Wende mit sich bringt, haben Priorität und scheinen die Suche nach dem Täter zu verdrängen. So sehen viele Männer aus, so wie der Mann, der die Frauen beim Baden beobachtet hat. Außerdem ist ja nichts passiert, wozu also melden? Inmitten dieser Verunsicherung und lückenhaften Information treibt der Täter sein Unwesen weiter.

 

Ein Zufallstreffer?

Die Unsicherheit in der Bevölkerung wächst und die emotionsgeladenen Berichte wie Überschriften in der Boulevardpresse tragen dazu bei. Frauen, die den Täter sehen, trauen sich nicht, davon zu erzählen, denn ihre Angst begreifen sie letztendlich als unbegründet, es kann nicht sein, dass in ihrem kleinen Ort ein Mörder lauert. Die Öffentlichkeit, vor allem die ortsnahe Öffentlichkeit, verspürt das Bedürfnis nach Aufklärung, am besten sofort. Nur ein Zufallsfehler und die aufmerksamen Blicke von Passanten werden den Täter zum Fall und die Polizei auf die richtige Spur bringen.

 

 

 

Keine besonderen Auffälligkeiten
FAZIT

„Keine besonderen Auffälligkeiten“ ist ein Kriminalroman, der sich mit einem wahren Kriminalfall auseinandersetzt aus der Zeit, in der große Veränderungen in Deutschland die Aufmerksamkeit für sich beanspruchten. Trotz allem im Mittelpunkt wird aus einem ersten Phantombild ein echter Serientäter sichtbar, der auch dreißig Jahre später in allen Köpfen herumgeistert. Viele schweigen, andere reden. Sophie Sumburane beschreibt glaubhaft die Wunde, die die Taten aufgerissen haben, die Menschen und Orte betroffen machen.

Ort der Handlung: Land Brandenburg

Deetz, irgendwo in Brandenburg

Ein Spanner stört zwei junge Frauen beim Baden, bevor sie ihn zur Flucht zwingen

Beelitz-Heilstätten, Ortsteil von Beelitz, Brandenburg

In der Nähe von Beelitz-Heilstätten befindet sich einer der Tatorte.

Potsdam

Im Verhörzimmer der Morduntersuchungskommission Potsdam wird der Ehemann der vermissten Frau befragt, warum er seine Frau nicht früher als vermisst gemeldet hat.

Fichtenwalde, Ortsteil von Beelitz, Brandenburg

In Fichtenwalde befindet sich einer der Tatorte.

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