Scheinland | Cornelia Franz

BUCHCOVER
Scheinland Nichts ist wie es scheint. Schatten verbergen sich im Hintergrund. Ein Buch über die Macht der Eindrücke, die einen jungen Mann in die Enge treiben und ihn isolieren. Die Idylle trügt in diesem Roman, der erste Eindruck täuscht. Die Wahrheit verbirgt sich hinter schönem Schein, das Gedankengut wurzelt auch in der Sprache und ihren ehemaligen bzw. überlieferten Formen. Verspiegelungen spielen hier eine wichtige Rolle, denn das Bild, das zunächst wahrgenommen wird, ist ein Schatten. Hinter dem Spiegel versteckt sich die Realität. Projektion. Verlängerung. Täuschung. Ein Land des Scheins in einem Spiel mit Illusionen.

Die Infos zum Buch

Altersempfehlung: 14+

Autor: Cornelia Franz
Verlag: Carlsen Verlag GmbH
Übersetzung: ./.
Erschienen: Februar 2026
Umfang: 192 Seiten
Preis: €14,00 (de)
ISBN: 978-3-551-58646-9

ZIELGRUPPE

Die Gefahr, die von rechtsextremen Netzwerken ausgeht, einerseits und Verschwörungstheorien andererseits sind die Hauptthemen. Wer leichtes Opfer für dubiose Ideologien sein kann, davon ist hier auch die Rede. Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.

Kiki’s Rezension: Scheinland

EINLEITUNG

Die Hauptfigur ist auf der Suche nach dem Sinn hinter Inhalten, die ihn beschäftigen, nach der Wahrheit, die er nicht kennt, und trotzdem davon überzeugt ist, dass es sie gibt. Er versteht sich als kritisch denkender Mensch und will die großen Probleme in der Welt lösen. Er nimmt Gerüchte über geheime Treffen von Eliten und Verschwörungstheorien ernst.

Der Held des Romans ist ein Charakter, der alles anzweifelt und jeden Stein umdreht.

Und dabei seine eigenen Interessen über das große Ganze vergisst.

 

 

INHALTSANGABE
Scheinland

Daniel ist nach dem Abi auf der Suche nach einem Weg. Er will keine Karriere machen. Nicht auf Kosten der Umwelt leben. Dem Mainstream bleibt er fern. Als er den Ökobauern Steffen trifft, bewundert er ihn für sein unangepasstes, naturverbundenes, alternatives Leben und die Pläne, die er hat, Selbstversorger zu werden. Obwohl er sich wohl auf dessen Hof fühlt, irritieren ihn zweifelhafte Äußerungen mit politischem Inhalt, sogar rassistische Parolen. Denn in Wahrheit verbirgt sich hinter dem vermeintlichen Landidyll ein rechtsextremes Netzwerk, das einen Staatsstreich plant. Mit Beweisen für ihre Machenschaften geht Daniel zur Polizei und gerät alsbald in Lebensgefahr.

 

 

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Daniel ist ein Mathe- und Physikgenie, Klassenbester, der gerne für sich alleine ist. Er ist von der Flut der Nachrichten im Internet überfordert und weiß nicht, was er glauben soll. Was ist Fake, was nicht? Er ist misstrauisch gegenüber den Medien, den Politikern, der Polizei, den Konzernen, einerseits. Andererseits glaubt er spontan an den Traum von Freiheit und selbstständigem Leben, der sich auftut, als er die Bekanntschaft eines Ökobauern macht.

 

Trügerische Idylle

Daniel bewundert die Idylle, die er auf dem ersten Blick sieht und vergisst jede Vorsicht. Schießübungen auf dem Hof? Vorschriften ignorieren? Hausunterricht? Ist er eigentlich in Deutschland erlaubt?

Daniel reflektiert nicht über Unterwürfigkeit und Gruppenzwang, hinterfragt nicht, was er hört, obwohl er irritiert ist.

Erwartungen verwechselt er mit der Realität. Und er verschweigt seine neuen Bekanntschaften vor seinen Freunden. Seine Sehnsucht ist eine Aufgabe zu haben, egal welche, in die er Zeit und Engagement investieren kann, etwas Sinnvolles mit sich anzufangen.

 

Das Angebot einer Abwechslung

Seine Priorität ist Alternativen suchen und Ersatzbefriedigung erreichen, denn das Angebot der neuen Gemeinschaft ist verlockend. Er folgt neuen Inputs, egal welche, denn sie bieten eine Abwechslung. Froh, beschäftigt zu sein, ohne viel reden zu müssen, hinterfragt er nicht, wie er es sonst immer macht. Er fühlt sich akzeptiert und ernst genommen. Wie in einem Zuhause, in einer Heimat, fühlt er sich angenommen und vergisst jede Vorsicht, auch wenn die leisen besonnenen Töne seines irgendwie charismatischen Gastgebers ihn besänftigen. Sein Selbstbewusstsein und seine Autorität schüchtern Daniel ein, zugleich ziehen sie ihn aber auch an. Nach dieser ersten konformen Phase bekommt er später Zweifeln an der Echtheit dieser schnell geschlossenen Freundschaft. Als er hinter den Kulissen zu blicken beginnt, steckt er fast schon zu tief drin. Daniel erkennt latente und sichtbare Aggression und will fliehen.

 

Fantasien eines Ruhelosen

Kann es sein, dass Daniel sich immer wieder von extremen Spinnern beeindrucken lässt, die in ihn ein leichtes, naives Opfer sehen, das jeden Befehl ausführen würde, wenn er von Idealen überzeugt wäre? Gibt es ein Entkommen, wird ihm die Auszeit helfen, seine Gedanken zu ordnen und kann ihm die Polizei dabei helfen, die Extremisten, die er kennengelernt hat, zu entlarven?

Lässt sich Daniel von seinen Fantasien um Staatsstreiche, Waffenarsenale und Zeugenschutzprogramme verleiten?

Wie ist es einen Weg zu verlassen, den man voller Hoffnung eingeschlagen hat, weil er die Zukunft versprach?

 

 

Scheinland
FAZIT

Wie Radikalisierung und Rechtsextremismus unbemerkt großen Schaden anrichten können und wie es auf Engagement auch in privaten Kreisen ankommt, um es nicht so weit kommen zu lassen ist Kernthema dieses fesselnden Spannungsromans. Doch es muss nicht immer ein abgelegener Ort sein, in dem unbemerkt verfassungswidrige Pläne geschmiedet werden.

 

Radikales Gedankengut

Denn auch in einer Menschenmenge, in urbanen Strukturen, könnte radikales und rechtsextremes Gedankengut unsichtbar seinen Weg bahnen. Der Roman schildert die plakative Schnelllebigkeit, mit der hier junge Menschen für radikale Pläne rekrutiert werden und erzählt von der Gratwanderung zwischen Verfolgungswahn und Realitätssinn. Erschreckend, mit welcher Geschwindigkeit Radikalisierung entsteht und sich festzementieren lässt. Auch zwischen rechts und links, Gut und Böse, Täter und Opfer scheint es für die Hauptfigur des Romans keine scharfen Grenzen zu geben.

 

Fiktion und Realität

Der Spagat zwischen Fiktion und Realität, den der Roman vollführt, ist ein Grundsatzthema in der Literatur und spiegelt sich in den Selbstzweifeln der Hauptfigur. Dabei trägt diese Gratwanderung zum Spannungsbogen bei.

Ort der Handlung: Deutschland mit einem Abstecher in die USA

Wiesbaden

Daniel studiert und wohnt in einem WG Zimmer mit Lu und Roberto.

Frankfurt

Daniel besucht die alte Familienwohnung, wo Mutter und Schwester wohnen, und will auf Weltreise gehen.

Hunsrück

Daniel bekommt eine E-Mail von einem Unbekannten und eine Einladung in einen Biohof, wo er eine Überraschung erlebt.

Louisiana, USA

Daniel besucht seinen Kumpel Sammy auf dessen Hausboot in den Swamps, der ähnlich wirres Zeug im Kopf hat wie er.

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