Danger Express/Kenneth Oppel

BUCHTITEL AUTOR

Danger Express Kenneth Oppel

LITERATURANGABE

Danger Express

Verlag: Aladin

Erschienen: Hamburg 2017

Übersetzung: Anja Hansen-Schmidt

Umfang: 382 Seiten

ISBN: 978-3-8489-2087-7

BUCHCOVER

Die Teilansicht einer Dampflokomotive wird in Szene gesetzt. Mithilfe von Lichteffekten sind die technischen Details des fahrenden oder anhaltenden Zuges ein Gruß aus einer anderen Ära. Der verschwommene Blick auf Himmel und Erde lässt Tag und Nacht eins werden. Die Schatten auf dem Dach suchen das Gleichgewicht. Bereit zur Konfrontation schweben sie in Lebensgefahr. Die Natur ergänzt die Atmosphäre, die das Buchcover entstehen lässt. Wald, Eis, unberührte Landschaften, menschenleer. Im Gegensatzt zum Zug, der Fahrgäste befördert, auch solche, die sich niederlassen wollen, auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und finanziellen Horizonten. Die Fahrt kann beginnen.

ZIELGRUPPE

Leser:innen ab 10. Das Buch enthält Informationen über die Blütezeit der Dampflokomotiven und die Einwanderung in Kanada. Die Geschichte erzählt die Fahrt eines Jungen mit dem Trans-Kanada-Express, das war damals der längste Zug der Welt. Ihn hat es tatsächlich gegeben, aber seine Jungfernfahrt war nicht heute, sondern vor vielen Jahren. Hinter der Fiktion versteckt sich hier also ein Schatz an Wissen aus einer früheren Epoche, die Wahrheit über Menschen und Züge, Tiere und Legenden, Emigration und Goldrausch, Mord und Bestrafung. Es ist ein spannendes Spiel mit der Wahrnehmung und eine gefährliche Fahrt ins Ungewisse. Leser:innen machen von ihrem Allgemeinwissen Gebrauch, um die getarnte Realität zu entdecken. Enzyklopädisches Wissen inklusive.

EINLEITUNG

Die Fahrt mit dem Zug ist eine historische Reise durch die unberührte Natur Kanadas. Land und Leute, Einheimische und Zugezogene, Arbeit und Unterhaltung, Survival in der Wildnis und Erwachsenwerden unter widrigen Umständen. Talente am Rande des gesellschaftlichen Erfolgs werden sichtbar. Überleben beherrscht den Alltag und Orte sprießen aus der Erde in Nullkommanichts. Städte und Regionen verbindet der transkontinentale Zug. Er vermittelt Eisenbahn als Reiseweg und Reisemittel. Die Erinnerung an Dampflokomotiven ist ein nostalgischer Blick zurück und eine historische Reise in eine spannende Zeit des Umbruchs.

1875 begannen die Arbeiten an der Canadian Pacific Railway. Das Bauprojekt                 dauerte Jahrzehnte an. Die transkanadische Eisenbahn war damals eine der    längsten Strecken der Welt.

INHALTSANGABE

Waggon um Waggon, Tag um Tag reist der heranwachsende Will durch den langen Zug der transkontinentalen Dampfeisenbahn. Sie besteht aus Güterwaggons, aber sie befördert auch Fahrgäste. Das Geld ist knapp und es gibt viele Einwanderer, die auf der Suche nach günstigeren Lebensbedingungen sich in Kanada aufhalten. Die Suche nach Gold treibt unzählige Menschen durch das Land. Es ist ein Weg voller Hindernisse, seitdem er auf die Eisenbahn gesprungen ist. Vor dieser Reise sah der Junge seinen Vater wieder, der am Bau der Transkontinentalen arbeitet. Dann verlieren sie den Kontakt zueinander. In den Bergen lernt Will den Direktor der Werke kennen und darf den letzten Schienennagel hämmern, bevor der Zug seine Jungfernfahrt beginnt.

Die Hauptfigur hat den letzten Gleisnagel gesetzt. Sogar die historisch belegte Geschichte der zwei letzten Nagel wird in „Danger Express“ erzählt. Der erste Nagel war verbogen, daher wurde ein zweiter Nagel gesetzt, um das Gleis an dieser Stelle zu sichern.

Währendessen wird er Zeuge eines Mords und einer Entführung. Er kann den Täter identifizieren und befindet sich in Lebensgefahr. Auch der goldene Nagel erweckt Begehrlichkeiten. Es gibt Menschen, die ihn wegen seines Wertes und seiner Symbolkraft haben wollen. Sie schrecken vor Diebstahl und Mord nicht zurück. Will will bis zur Lokomotive, wo sein Vater arbeitet. Aber nur Fahrkarteninhaber der 1. Klasse haben theoretisch Zugang zur Lok. Ausnahme sind Mitglieder des Zirkus Dante, der mit Mensch und Tier zahlreiche Waggons bezieht. Die Zirkusleute geben Vorstellungen in jeder Klasse und erleichtern Will den Zugang, der vor Reisebeginn Bekanntschaft mit ihnen gemacht hat. So bewegt sich Will vom Ende zum Anfang, doch ihm auf den Fersen sind seine Verfolger…

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Will entdeckt in jungen Jahren seine Leidenschaft für die Porträtmalerei. Für ihn ist sie mehr als Zeitvertreib. Er will nach San Fransisco und studieren. Sein Vater zweifelt ob sein Sohn von dieser Arbeit leben kann. Will zeichnet sich in Bleistiftzeichnungen aus, aber er benutzt auch Farben. Zum Übermalen. Anfänglich gelingt es ihm nicht, den Übergang zwischen schwarz weiß und bunt zu finden, doch Will ist ein selbstkritischer Mensch, geprägt von dem Willen, sein Handwerk zu perfektionieren. Als er später ein ganz besonderes Porträt malen soll, gerät in ein Dilemma, denn er versucht, mit Pinselstrichen das Feuer der Verzweiflung abzubilden, das den Auftraggeber von innen verzehrt.

„Das Bildnis des Dorian Gray“ über einen Menschen, der Angst vor dem Altern und dem Tod hat und daher diese auf ein Porträt projizieren lässt, wird hier neu erzählt. Der Zirkusdirektor Mr. Dorian trägt den Namen des tragischen aber auch egozentrischen Helden. Es ist ein Spiel mit der Geschichte, bevor das Gemälde Dorian Grays entstand. Will muß ein Porträt von Mr. Dorian zeichnen, der Zeit hofft zu gewinnen, Zeit zum Leben.

Will hat das Ziel die Lokomotive zu erreichen, um seinen Vater wiederzusehen, aber auch um ihn vor den Verfolgern zu warnen. Sie sind bewaffnet und skrupellos. Der Wunsch den goldenen Schienennagel  zu besitzen und die Sehnsucht nach Wunscherfüllung färben die Atmosphäre. Es gibt die Träumer und es gibt die Geldjäger. Im Laufe der Fahrt verlieren sie ihr Ziel. Dabei bricht sinnlose Gewalt aus. Der Ehrgeiz, Naturkräfte zu bezwingen, verlässt die Realität, daher macht er verwundbar und verletzlicher. Das Element des Unvorhergesehenen übt Macht über Aktionen und Reaktionen.

Legenden wachen auf und treiben ihr Spiel mit dem Menschenverstand. Angst kann Flügel verleihen, aber sie kann auch Monster hervorrufen. Unheimliche Geschichten über mythische Lebenwesen können leichtgläubige, ängstliche Menschen durcheinanderbringen. Sie gefangennehmen beschwert die Auseinandersetzung mit ihnen. Wie der Sasquatch auf den Bergen und im Zug. Sein natürliches Habitat ist die Freiheit, nicht die Zurschaustellung vor einem neugierigen, sensationslüsternen Publikum.

                Sasquatch ist ein anderes Wort für Bigfoot. So ungefähr der Yeti des    nordamerikanischen Kontinents. Ein Sasquatch verliert in dieser Geschichte seine   Mutter und wird als junges Tier gefangen genommen. Sein Name ist Goliath.

Tierschutz ist ein unbekanntes Wort. Das Buch thematisiert die Gefangenschaft von Tieren, vor allem seltener Tiere, und die Zustände ihres Transports von A nach B. In der beschriebenen Klassengesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts bewegen sich die Klassen isoliert voneinander und Ausnahmen wie der Zirkus bestätigen die Regel, Unterhaltung als Dachvergnügen aller Gesellschaftsschichten zu betrachten.

Naturschutz wird zum Thema, weil das Buch mit den Schwierigkeiten, das Schienennetz auf dem Muskeg (Marschland) zu errichten, auseinandersetzt.

Vordergründig wird Wissen über die Bauweise historischer Züge, historische Eisenbahnberufe, Landschaften und Lebensweisen transportiert, auch wenn die Orte keinen Namen zu haben scheinen oder heute Geisterstädte sein könnten. Raffiniert wird dem Text sein historischer Bezug angezogen. Die Atmosphäre der Siedlerzeit entsteht. Es funktioniert wie eine Rückfahrtkarte von der fantastischen Welt des Bigfoot in die Realität des Eisenbahnbaus.

Tender ist ein Vorratsbehälter von Dampflokomotiven für Brennstoffe und Wasser. Es gibt ihn in angebauter Form oder als mitgeführtes Fahrzeug oder als eine Mischung aus beiden Formen.

Schienenräumer sind vor einem Rad angebracht und verhindern, dass kleine Fremdkörper zwischen Rad und Schiene gelangen. Sie werden verwendet, um Entgleisungen sowie Schäden am Fahrzeug durch Stöße zu verhindern. In dem Krimi „Danger Express“ ist er der vorderste Teil der Lok.

FAZIT

Es muss Absicht gewesen sein, die Zeit, in der diese Geschichte beheimatet ist, nicht zu nennen. Trotzdem werden Leser:innen neugierig, denn die zahlreichen Details reisen mit dem Zug in eine andere Epoche. Dampflokomotiven waren damals ein primäres Verkehrsmittel. Kinder und Jugendliche mussten in frühen Jahren arbeiten. Goldrausch war eine beliebte Ganztagsbeschäftigung, die unter anderem demographische Folgen gehabt hat. Waffen gehörten zum Alltag von Reisenden. Natur- und Tierschutz war ein Fremdwort.

TEXTAUSZUG

Jäger des goldenen Gleisnagels und des ewigen Lebens verfolgen den jungen Helden auf seiner Fahrt durch die kanadische Wildnis.

KATEGORIEN

Krimiseiten

Historisch

Jugend

TATORTE & REISEZIELE

Ort in der kanadischen Provinz British Columbia. Die Bauarbeiten an der transkontinentalen Eisenbahn der Canadian Pacific Railway wurden dort abgeschlossen.

  • Connaught Tunnel

Eisenbahntunnel der Canadian Pacific Railway in den kanadischen Rocky Mountains. Länge 8082 Meter. Fertiggestellt 1916. Die Entlüftung, lockeres Gestein und nasse Schienen bereiteten dem Betrieb der Anfangszeit Schwierigkeiten.

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