That´s not my name | Megan Lally

BUCHCOVER
That´s not my name
Kontraste machen dieses Buchcover aus. Farb- und Lichteffekte lassen eine Szene entstehen, inmitten von Bäumen, vielleicht sehen wir einen Wald, ein Haus, vielleicht Menschen hinter den beleuchteten Fenstern. Die suggerierte Stille wird durch den Splash-Effekt der Titelworte unterbrochen, angedeutet wird hier die Spannung, auf jeder Seite ist sie eine Begleiterin. Das Spiel mit den Details könnte ein Spiegelbild sein, Wasser in der Nähe, Illusion einer ruhigen Nachtwelt, verschwimmende Dimensionen zwischen oben und unten, weit und nah, sichtbar und verwischt. Auf dem Weg dorthin, wo Nichts ist, wie es zu sein scheint.
Die Infos zum Buch
Altersempfehlung: 14+
Autorin: | Megan Lally |
Verlag: | Carlsen Verlag GmbH |
Übersetzung: | Stefanie Frida Lemke |
Erschienen: | März 2025 |
Umfang: | 384 Seiten |
Preis: | €17,00 (de) |
ISBN: | 978-3-551-58596-7 |
ZIELGRUPPE
Leser:innen, die Twists als Spannungsbeschleuniger mögen, werden hier fündig. Denn Spannung ist hautnah zu spüren, sie verfolgt uns ununterbrochen, die mit der Hauptfigur des Romans fühlen, die sich nicht erinnern kann. Sie würden sie am liebsten warnen, vorsichtig zu sein, denn sie wissen es nicht, es ist nur ein Bauchgefühl, es geht ihnen wie der Protagonistin, aber irgendetwas scheint nicht zu stimmen in dieser Situation, in der sie sich nach ihrem Aufwachen ohne Erinnerung wieder findet.
„That´s not my name“ ist ein Pageturner, der auch nach der letzten Seite nicht loslässt.
Kiki’s Rezension: That´s not my name
EINLEITUNG
Ein hilfloses Mädchen, einsam in einem Niemandsland, das Schmerzen hat und wenig Hoffnung, dass Hilfe kommen wird. Keine Straßenlaternen, keine Häuser, eine verlassene Straße, ein vorbeifahrendes Auto, das nicht anhält, keine Orientierung. Und trotz allem ein Hoffnungsschimmer: bei Schmerzen und Angst setzt das Denken ein. Über die augenblickliche Situation, Fragen über Fragen machen sie wacher, beweglicher, aufmerksamer. Der Überlebensinstinkt übernimmt das Ruder und macht sie wachsam.
INHALTSANGABE
That´s not my name
Ein Mädchen wacht am Straßenrand auf. Sie ist allein, verletzt und kann sich an Nichts erinnern. Nicht an ihren Namen, nicht woher sie kommt, nicht an das, was passiert ist. Verwirrt und orientierungslos wird sie von einem vorbeifahrenden Polizisten mitgenommen, der sie zur Polizeiwache fährt. Kurz darauf taucht ein Mann dort auf, der in ihr seine Tochter Mary erkennt. Alles scheint wieder gut zu sein, auch die Überprüfung der Papiere, die der Mann dabei hat, ist lückenlos, wären da nicht diese Zweifeln.
Wieso kann sie sich nicht an diesen Mann, an das Leben mit ihm, an ihre Mutter erinnern? Wie ist hierhergekommen? Hat sie etwas angestellt? Befindet sie sich in Gefahr? Wie kann das sein, dass ihr Vater nicht weiß, wogegen sie allergisch ist? Und wieso leben sie so abgeschieden, von der Außenwelt isoliert? Wie kommt das, dass sie nicht zur Schule geht, sondern Heimunterricht hat?
Währenddessen versucht der siebzehnjährige Drew seine Freundin Lola zu finden, um zu beweisen, dass er nicht schuld an ihrem Verschwinden ist…
INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG
Der Plot begleitet die Protagonistin durch die Phasen nach ihrem Aufwachen in einem Straßengraben. Sie leidet an Amnesie, und das macht sie unsicher und fügsam. Die fehlende Erinnerung wird von Zweifeln begleitet, wie sie sich gegenüber Menschen zu verhalten hat. Insbesondere diesen Menschen, die sie kennt, wie ihr Vater. Das Vertrauen an das Sein vor ihrem Unfall ist nicht da, denn das Wissen und die Erfahrung darüber sind abhandengekommen.
Amnesie und Selbstvertrauen
Es scheint eine vorübergehende Amnesie zu sein, die das kurzfristige Gedächtnis betrifft, denn langsam kehrt die Erinnerung zurück. Gegen alle Erwartungen verschwinden nicht die Zweifeln, die sie an ihrer nach dem Unfall erinnerten Identität pflegt. Ihre Wahrnehmung wird schärfer, ihr Bewusstsein ist in Alarmbereitschaft, sie ist drauf und dran zu fliehen, hätte sie die Möglichkeit und doch ist sie sich nicht sicher, ob ihre Gefühle sie nicht vielleicht verleiten, einen Schritt in die falsche Richtung zu machen. Ob ihre Instinkte ihr eine Falle stellen.
Das Bewusstsein der Identität
Die Einsamkeit und die Isolation halten das Mädchen gefangen, beinah gefesselt an den Mann, der ihr Vater ist, der kleckerweise Informationen über ihr Leben preisgibt, dadurch entsteht vor ihren Augen eine Identität. Ihre Identität als Mary. Einerseits gibt dieses Muster an Merkmalen Sicherheit, andererseits fühlt sie nichts bei der Aufzählung dessen, was sie mag, kann oder hasst. Zum Beispiel die Stadt, in deren Nähe sie wohnt. Die Nahrung, die sie verträgt. Die Farbe, die sie favorisiert. Die Menschen, die sie gerne hat. Sie verspürt einfach den Willen gegen diese Identität anzugehen, denn nichts davon passt zu ihr, nichts hält stand, in dem Augenblick der Wahrnehmung, im Hier und Jetzt, das von der Amnesie nicht betroffen ist. Die Identität ist wie ein Fremdkörper. Auch wenn anfänglich die Kenntnis der Vergangenheit fehlt.
Als Erinnerungsfetzen auftauchen und die Lücken beginnen sich zu schließen, wird der Konflikt zwischen dem Wissen aus Hörensagen und der Selbstwahrnehmung auf der Basis eigener Erfahrungen intensiver.
Mary verlässt sich oft und notgedrungen auf die Gegenwart und begreift endlich das Unvorstellbare, das ihr widerfahren ist.
That´s not my name
FAZIT
Ein sich allmählich eskalierender Kriminalroman, bei dem ein Minderjähriger seine vermisste Freundin sucht, um seine Unschuld zu beweisen. Mittlerweile tötet ein Serientäter nach einem bestimmten Muster, überschreitet die Grenzen mehrerer Bundesstaaten, bleibt eine ganze Weile unerkannt, dabei bevorzugt er wechselnde Wohnorte.
Leser:innen bekommen eine Ahnung, wie die Suche Drews mit Marys Amnesie zusammenhängen könnte, aber das Buch lässt sie im Dunkeln. Bis kurz vor Schluss.
Der Kriminalroman macht von zwei Erzählsträngen Gebrauch, wie Gegenpole, die langsam aufeinander zurasen. Hoffnung überwiegt, zieht am Ende den Kürzeren, spendet schließlich Trost in der Trauer.
Das Gleichgewicht zwischen Optimismus und schonungsloser Realitätsdarstellung zeichnet mit eigener Intensität die Geschichte der mutigen, waghalsigen, lebensgefährlichen, beinah fruchtlosen Jagd nach einem gesichtslosen Verbrecher aus.
Ort der Handlung: Irgendwo in Oregon, U.S.A.
Polizeiwache einer Kleinstadt
Das verängstigte Mädchen kommt langsam wieder zu sich und bekommt einen Becher heiße Schokolade. Marys Vater ist erleichtert, dass sie gefunden wurde und zeigt ihr Fotos aus ihrem bisherigen Leben, an die sie sich nicht erinnern kann.
Hütte an den Bergen
Mary lebt mit ihrem Vater eine Viertel Stunde von der Stadt entfernt. Sie isst Eier zum Frühstück, dabei erinnert sie sich nicht, dass sie keine Eier verträgt.
Küstenort
Anderthalb Stunden von ihrem Zuhause entfernt kaufen Mary und ihr Vater Klamotten für Mary ein. Mary trinkt einen Erdbeer-Smoothie, dabei erinnert sie sich nicht, dass sie keine Erdbeeren verträgt.
Bootsanleger, Willamette Fluss
Drews Freundin Lola wurde nach einem Streit mit ihm dort zuletzt gesehen.