Die dunklen Wasser der Seine,
der dunkle See der Online-Welten…
„Der Ball“

Paris, 1926: Familie Kampf ist neureich, das heisst sie ist durch eine Börsenspekulation zum Reichtum gekommen. Die Eltern lebten vorher in einer engen Wohnung an einer Seitengasse, die Mutter war Sekretärin eines Bankdirektors, der Vater, jüdischen Glaubens, konvertiert aber trotzdem ein „ewiger Flüchtling“ geblieben, unter seinen Börsenkollegen „Feuer“ genannt wegen seiner feurigen Augen und seinem jede Pore seiner Existenz durchdringendes Tempo, steigt vom Laufburschen in blauer Livree vor der Bank, zum Angestellten der Banque de Paris, zum Ehemann von Mademoiselle Rosine, zum Vater von Antoinette, zum Arbeitgeber eines englischen Kindermädchens und endlich zum mehr oder weniger hochgeachteten Bankier. Sein „Weib“, Madame Rosine, ist sich ihrer neuen gesellschaftlichen Position schmerzlich bewusst und möchte ihrer armen Vergangenheit den „Garaus“ machen; also schärft sie Antoinette ein, dass sie niemals weitersagen darf, wo sie vorher gewohnt haben, sie soll überhaupt nicht mit Erwachsenen reden und wenn dann höchstens um die Frage nach der ersten Heimat mit Süden, am liebsten Cannes wennmöglich Nizza beantworten, denn diese Städte haben in der lebhaften Fantasie der Mutter den Glanz einer Boulevard-Zeitschrift ohne jeglichen Bezug zur Realität. Mit anderen Worten lernt das Kind bereits in jungen Jahren das Lügen von der eigenen Mutter. Hinzu kommt, dass Madame Rosine Antoinette schlägt, sie bei jeder erdenklichen Gelegenheit beschimpft; eins gesteht die Mutter der Tochter zu, das Lernen bis zum Umfallen, denn sie soll die Beste und Bravste sein in der Schule, verschwiegen aber kämpferisch, „illuminatorisch“ besserwisserisch bis kramphaft diktatorisch, anderen Mitschülern die Lust zum Lernen beibringen, wie altklug, „Brownie Points“ beim Lehrer oder der Lehrerin abservieren für so ein vorbildliches Verhalten im Klassenverband, in der Familie, im Weiterteilen von wichtigtuerischem Tratsch, der sie überhaupt nichts angeht. Die vierzehnjährige pubertierende Antoinette macht mit, bis der „Blitz“ einschlägt in ihre erdachte neureiche Welt: die Eltern geben einen Ball, laden 200 wichtige „Gesellschaftssäulen“ ein und Antoinette darf wegen ihrer schönen Handschrift die Couverts beschriften, aber sie darf nicht am Ball teilnehmen, weil ihre Mutter es verbietet, weil sie vielleicht in das junge Mädchen, der alle Türen der Welt noch offen stehen, eine Konkurrentin sieht; wenig selbstbewusst diese Madame Rosine, aber so können Menschen halt manchmal sein.

Was danach folgt und welche Rache die gekränkte Antoinette sich ersinnt, wie sie mit Selbstmordgedanken spielt, wie sie den Spieß umdreht, und die Eltern, die verhassten Erwachsenen, einfach Alle hinterhältig bloßstellt, die an ihrem Ausschluss irgendwie auch nur entfernt in ihrer kleinen Welt ihren „Beitrag“ geleistet haben, und diejenigen in eine Verschwörung miteinbindet, mit denen sie auf Du steht, egal ob Jugendliche(r) oder junggebliebene(r) Erwachsene(r), die sie als Erwachsene ansehen, weil sie so gerne erwachsen sein will, die Kindheit ist ihr abhanden gekommen, ja, „Der Ball“ ist ein dramatisch satirisches Meisterstück fulminanter Dialoge, das einem Thriller gleicht, ein Psychogramm und eine Charakterstudie wie eine „Karawane der Köche“ sozusagen.

Geschrieben 1930 von der in Ausschwitz verstorbenen Irène Némirovsky hat „Der Ball“ nichts an Aktualität verloren, weil diese kleine Erzählung ein sehr persönliches Thema betrifft: Kinder- und Elternkonflikte, Mutter und Tochter Beziehungen, Familienkonflikte, Pubertät und Selbstbestimmung, Umgang mit Jugendlichen in Schule, untereinander, mit Lehrern, Tutoren, Schulverwaltung, und heutzutage die Bloßstellung in sozialen Netzwerken, im Internet, sozusagen „an den dunklen Wassern der Seine“, „sozusagen in Paris“, aber eigentlich hier, dort und auf der ganzen Welt.

Mein Fazit für das 21. Jahrhundert: die Daten machen eine Weltumrundung, werden von den Konzernen gespeichert, die sich immer auf neue Fallen besinnen, um Kundenbedürfnisse, die gar nicht da sind, zu erwecken, und sie werden Sie und Euch verfolgen in eurem weiteren Leben, im Beruf, im Alltag, personalisierte Datensätze sind „stärker als die Zeit“ und Bereuen werdet ihr es später nicht mehr können, die Arbeitgeber sind darauf aufmerksam geworden und werden es sich zweimal überlegen, Verschwörer und Verschwörerinnen, die anderen was Böses andichten einzustellen. Konzerne kennen keine Fahnen, sie kennen nur Wirtschaftszahlen. Konzerne setzen sich über alles hinweg, ersinnen sich jedesmal neue Allianzen, auch mit der Politik, je nachdem wie es ihnen in den Kramm passt, sie kennen keine Freunde, sie kennen nur dienliche Metropolis-Radwerke, es stört sie nicht, wenn sie sich Diener zweier Herren bedienen. Sie sind die unsichtbaren „Whites“, die sich der Kleinen bedienen, um ihre Wertschöpfungskette aufzubessern. Konzerne kennen kein Pardon, aber sie können Angst verbreiten, um die immerhin komplexe Welt wirtschaftlicher Zusammenhänge zu verschleiern; Konzerne sind Puppenspieler eurer Gefühle und eurer Erwartungen, eurer Wünsche und eurer Träume und ihr seid die Marionetten.

Einfach abschalten, die Familien- und Schulclass braucht Ferien  von den Netzwerken und dem ganzen Gedöns. Handys weg, UTube aus, umdenken, das geht gar nicht mehr.©Kyriaki Marati Buecher-Logbuch®

Bibliographie: 

Irène Némirovsky, Der Ball, ©Paul Zsolnay Verlag 2005 (Taschenbuchausgabe btb).

Als „Le Bal“ 1930 bei Grasset erschien, war Irène Némirovsky 27 Jahre alt und lebte seit über einem Jahrzehnt in Paris, wohin sie mit ihren Eltern vor der Russischen Revolution geflohen war. Im Jahr zuvor war sie mit ihrem Roman David Golder, der tragischen Geschichte eines russischen Juden in Paris, über Nacht bekannt geworden.

Die Idee zu „Der Ball“ kam der Autorin auf der Brücke Pont Alexandre III, als sie ein kleines Mädchen bemerkte, das sich über das Gelände lehnte und ins vorüberfließende Wasser schaute, während die Frau, die es begleitete und eine englische Gouvernante zu sein schien, sichtlich erregt auf jemanden wartete, der nicht kam. Der unglückliche, harte Ausdruck des Mädchens fiel Irène auf und sie stellte sich alle möglichen Geschichten vor. „Der Ball“ ist eine davon.

Die Pariser Brücke Pont Alexandre III trägt den Namen des russischen Zaren Alexander III. und versinnbildlicht mit ihren Allegorien der Seine und der Neva die Freundschaft zwischen Frankreich und Rußland. Von dieser Brücke wirft Antoinette die Einladungen zum Ball ihrer Eltern in den Fluß.

Reisebilder 2
Im Zeichen der Windrose: Venedig.

Venedig ist eine schöne Stadt, das ist unbestreitbar. Die Anreise über den Marco Polo Flughafen mit dem Boot dauert bis zur ersten Station etwa eine Stunde, bis zur Station Arsenal 1 1/2 Stunde. Unterwegs auf dem Wasser ist viel Verkehr, Wassertaxen, Motorboote, Möwen, Reiher, die vorsichtshalber auf Pfeilern oder in seichtem Wasser sitzend das alltägliche Hin und Her betrachen. Die durch Pfeiler gekennzeichnete Wasserstraße ist sorgfältig und eng definiert. Die Wasserstraße schäumt leichte Wellen, die Fähre wankt ein wenig, das Bild erinnert an Gerhard Richters Gemälde.

Die Tauben sind in der Stadt selber ein oft gesehener Besucher, ein wenig sehr zutraulich für meinen Geschmack, sie springen bis an die benachbarte Rückenlehne in Erwartung eines Leckerbissens, sie kommen einem sehr nah. Die Stadt gleicht einem Labyrinth und muss unbedingt zu Fuss erkundet werden. An der Promenade „ameisen“ sich Touristen entlang, die Vorstellung, wie es hier im Sommer aussehen könnte, jagt mir Gänsehaut und die ersten Anzeichen eines Fluchtbedürfnisses über den Rücken. Es ist eindrucksvoll, wie die grossen Kreuzer von Schleppbooten eingefahren werden, letztere sind die Lotsen, erstere werden durch ihre Größe behindert, in diesem vielbefahrenen Areal der einmaligen Lage sich selbstständig fortzubewegen. An jeder Ecke steht eine Art Kiosk geführt von meistens pakistanischen Kleinhändlern, die venezianische Souvenirs „made in China“ verkaufen. Vor dem Dogenpalast war eine endlose Schlange, ohne Vorabbuchung werden Sie dort stundenlang warten müssen.

Einmal auf der Promenade kurz vor der Seufzerbrücke gab es einen leichten Zwischenfall, der mir in Erinnerung blieb; nicht auffällig genug um eine Tendenz darin zu erkennen, dafür war der Aufenthalt sehr angenehm, und doch ein wenig verstörend, weil es um einen Menschen ging und seinem Verhalten gegenüber Veränderungen. Ich hatte Durst und wollte mich kurz im Schatten hinsetzen und den Booten zuschauen. Da die Kellner in Venedig den Gästen generell Tische zuweisen, fragte ich und bekam die Antwort, dass dieses Lokal ausschließlich für Gäste, die essen möchten, ist, nicht unfreundlich, aber auch nicht sehr freundlich, eher unverbindlich. Einen ganz kurzen Moment lang fühlte ich mich in die Stimmung von Thomas Manns Novelle „Mario und der Zauberer“ versetzt.

An den touristenverwöhnten Fassadenstrassen haben sich die internationalen Ketten angesiedelt. Kleine Läden mit handgemachten Kostbarkeiten finden sich an Seitengassen und Hinterhöfen abseits des massiven Touristenstroms. Das jüdische Viertel ist angenehm ruhig. Das koschere Gebäck war lecker.

Dem omnipräsenten Fluch des „Acqua Alta“ (Hochwasser) wird durch Schutzvorrichtungen in den Erdgeschossen Rechnung getragen.

Mein Eindruck von Venedig ist gespalten: nach vorne hin eine sehr offene, internationale Stadt, die Kreuzfahrttouristen sind meistens aus Asien, halten sich verkrampft elegant an Handystangen, bevor sie ihre Fotos schiessen. Die Rückseite ist verschlossen, ein wenig geheimnisvoll, zugeknöpft und schlaftrunken, vielleicht aus dem Bedürfnis seine Ruhe haben zu wollen in einer Stadt, die magnetische Kräfte auf Besucher zu haben scheint. Das Licht erreicht nicht die engen Gassen. Oft sehe ich aufgespannte Wäscheleinen, die Farbe in die Dunkelheit bringen.

Am beeindruckendsten war eine Ausstellung: „Gang City“, Eintritt frei, kaum besucht, erreichbar mit einer Fähre, freie Fahrt. Die Ausstellung ist im Gelände des Marineinstitus zu sehen, ehemalig Werftgelände, und erzählt anhand von Schwarzweißbildern und Artefakten, von einer Initiative, die Geschichte, Demographie, Stadtbau, Architektur, Kunst mit dem Schwerpunkt auf die Aktivierung von Prozessen, die ausschließende Exklusivität verherrlichende parastaatliche soziale Strukturen langfristig auflösen und das Phänomen urbaner Cluster, die abseits legaler Kontrollformen existieren, in welchen eine wachsende Anzahl von gewaltbereiten parastaatlicher Akteure ihr Überleben finanzieren, untersuchen mit dem Ziel öffentliche wie private Räume und Plätze lebenswert und sicher zu gestalten. Die Ausstellung ist Teil der 15. Mostra Internazionale die Architettura, gefördert vom „Polytechnikum Turin“, der „Universitá Degli Studi di Torino“ und dem „Siti“. Der Text ist in Italienisch und in Englisch. Unter anderem dabei die süditalienischen Städte Neapel und Palermo und die nordalbanische Stadt Scutari mit ihren bis heute archaischen Riten und Strukturen, die Kindern und Jugendlichen kaum eine Chance gewähren zum Ausbrechen aus dem Zyklus von Korruption, Gewalt, Familien- und Bandestreue. Urbane parastaatliche Cluster sind ein globales Phänomen grosser Städte.©Buecher-Logbuch®

Gangcity¹ documents the phenomenon of urban clusters, void of any form of control of legality, and ruled by a growing multitude of violent non-state actors – gangs, mafias, terrorists – with the aim of activating processes for the reappropriation and securitization of public and private spaces.

„Gangcity“ ist unbedingt empfehlenswert für Mittelstufe- und Oberstufeklassen.

Nachtrag: Hamburgerinnen und Hamburger sind gerne in Venedig, zum Beispiel auf dem Regattafest „Bongalonga“ um das Pfingstwochenende; es wird unter anderem mit Achter um die Insel Murrano und Purrano gefahren. Übernachtet wird am Lido, es gibt Wohnwagen, die man/frau mieten kann, die Zahl der Teilnehmer(innen) ist zur Zeit auf 7.000 begrenzt.

¹Die Ausstellung Gangcity erklärt in wenigen doch sehr aufschlussreichen Worten die mir bis dahin noch nicht geläufige Bedeutung von Tattoos, ihre Rolle für Identifikation, für das Ich- und das Wir-Gefühl, ihre Rolle als Verbindungsmerkmal innerhalb von Subcommunities, wo eigene Regeln herrschen.

Meine Meinung zu Tattoos, besonders den Tattoos mit scheinbar religiösen Motiven: Tattoos mit religiösen Motiven haben kaum etwas mit Glauben zu tun. Glauben wird in Taten gelebt, Glauben wird nicht nach aussen gekehrt und auf Zeitungsbildern gezeigt, Glauben ist gelebte Liebe.©Kyriaki Marati Buecher-Logbuch®

Bibliographie:

Donna Leon, Venezianische Scharade, Commissario Brunettis dritter Fall, ©Donna Leon 1994, Diogenes Verlag.
Donna Leon, Vendetta, Commissario Brunettis vierter Fall, ©Donna Leon 1994, Diogenes Verlag.
Donna Leon, Ewige Liebe,©Donna Leon, Diogenes Verlag 2016.

Englisch:
Donna Leon, Death at La Fenice.

Was geschah wirklich…
Das Spiel mit Alternativen in der Spannungsliteratur.
„Geronimo“

In der Spannungsliteratur ist es wie in einer Schulküche: die Nachrichten sind da, die persönliche Wahrnehmung schaltet sich ein, die Ideen wachsen im Kopf und die Hand drängt zum Schreiben. Geht es um ein aktuelles Ereignis oder ein Ereignis, das länger zurückliegt, wie zum Beispiel den Tod des Terroristenführers Usama (Name leicht abgeändert) bin Laden, wird eine Recherche schwierig werden, weil ihr geheime Dokumente nicht zur Verfügung gestellt werden; meistens ist das, was zur Verfügung steht, ein Zeitungsarchiv. An diesem Punkt beginnt das Spiel des Autors mit den Möglichkeiten, was wirklich geschah, wie Leon de Winter es vollführt in seinem Thriller „Geronimo“. Der Leser soll unterhalten werden, ein wenig darüber nachdenken, den Plot aber nicht glauben, weil die Beweise dafür fehlen. „Geronimo“ lebt von Verschwörungstheorien und durch das Spiel mit Worten, die auch durch die Wahrnehmung über die Medien, ein eigenes „Leben“ entfaltet haben, ein Leben, das nach dem Lesen des Buchs seinem Ende entgegensieht, weil Verschwörungstheorien im 21. Jahrhundert uns nicht weiter bringen, ausser als kurzfristiger Zeitvertreib oder als Teil einer Dokumentation einer vergangenen Epoche.

Ich las „Geronimo“ als Aussenstehende, die nicht dabei war und auch nicht wissen kann, was wirklich geschah, deswegen auch als eine Mahnung davor, Verschwörer und Verschwörerinnen kritisch zu betrachten und die Verzerrungsmacht der Medien nicht zu unterschätzen, die aber nur durch unsere Augen und unser Unterbewußtsein – das ist dieser Teil unseres Selbst, das wir wahrnehmen, speichern ohne es sofort zu verarbeiten; die unmittelbare Macht der Medien und Bilder kommt zum Beispiel in dem Roman von Ian McEwan „Amsterdam“ sehr gut zur Geltung.

„Geronimo“ ist darüberhinaus eine ungewöhnliche Reise von London nach Amsterdam, von Minneapolis nach Washington D.C., von Abbottabad nach Faizabad, ins afghanische Karachi und manchmal auch zurück. Wie ein roter Faden für die Laufbahn eines Diplomaten, eines Bundeswehrangehörigen, manchmal eines Austauschschülers, eines Geschäftsreisenden, vielleicht eines Sportlers, eines Angehörigen einer Nichtregierungsorganisation, eines Kriegsberichterstatters, eines Fotografen, eines Auslandskorrespondenten, eines Kindes, einer Familie auf der Flucht, einer Mutter mit Kindern alleine unterwegs in eine sichere neue Heimat, eines Flüchtlings und manchmal leider auch eines Terroristen, aber das sind von allen Leuten, die unterwegs sind, die wenigsten, denke ich.

Die imaginäre Linie, die „Geronimo“ zeichnet, könnte mit ein wenig Fantasie auch über der syrischen Stadt Aleppo fliegen, deren Kinder seit längerem nur Krieg kennen und deren Reiche wie die Ratten schon vor langer Zeit das „sinkende Schiff“ einer geschichtsträchtigen Stadt verließen oder irgendwo residieren, wo sie sich sicher wähnen, die vor allem durchaus persönlich motivierte wirtschaftlich-politische Interessen wirtschaftlich schwer angeschlagener in die „Wechseljahre“ gekommener staatlicher Strukturen kolonialisierender Ausprägung als mittelalterlich-steinzeitliche Ideologie getarnt paramilitärischer Mechanismen und deren Werkzeuge, das sind zum Beispiel menschliche „Kampfmaschinen“, die in einem Mix von Drogen-, Alkohol-, Verschwörungstheorien, vernachlässigter Kindheit, der der Omnipräsenz von Gewalt und Korruption, von Allmachtsfantasien und laut dröhnender aggressiv machender Musik, eine Stadt wie Aleppo kaputt gemacht haben, ein Land mit jahrhundertelanger Geschichte wie Syrien dem Erdboden gleich machen, weil sie nur an das eigene Überleben denken. Es wäre möglich die Lage zu entschärfen, indem die unverbesserlichen Kolonialisten endlich auf die Illusionen von längst gestorbener „Grosser Ideen“ verzichten, weil sie längst verjährt sind und sich um die Verbannung der Korruption, ihrem Bildungssystem, die Gesundheit und das Wohlwollen ihres Volkes kümmern, auf mittelalterliche Strukturen verzichten, Täterstrukturen aufbrechen, Mörder vor Gericht stellen, das sie mit einer dem fortschrittlichen 21. Jahrhundert angepasste Strafe verurteilt. Dies gilt für die ganze Region, Aleppo steht stellvertretend für den Nahen Osten und Vorderasien. Und last but not least, wenn Sie Differenzen haben, diskutieren Sie sie aus persönlich und nicht übers Internet. Vielleicht ist der Grund für Ihre Aggressivität genau dieser, dass Sie nicht genug Zeit miteinander verbringen und schöne Augenblicke geniessen können. Virtuelle Welten werden Ihnen das Gefühl der Leere nicht ersetzen können.

Das Buchcover ist meines Erachtens die beste Werbung für die Ausbildung eines Rettungssanitäters oder einer Rettungssanitäterin, die neben einem Notarzt, Hubschraubereinsätze fliegt, Leben rettet und manchmal auch dem Tod ins Gesicht schaut. Trotz Mobbing in der Schule – diesselbe Schule über die ich mich auch bereits aufregte – trotz Neonazi-Erfahrung auf dem Hauptbahnhof, die unsichtbare Spuren hinterlassen hat, trotz der Sorge um die Mutter, hat frau den Traumjob gefunden, der Menschen hilft, sie hat es geschafft sich Respekt in einer Männerdomäne zu verschaffen, sie fühlt sich wohl auf dem Land trotz ihrer Jugend, sie hat einen festen Freund und sie hat ihre Mutter lieb. Ein solcher Mensch ist für die Rettungshilfe eine Bereicherung; ihr sollte trotz neu eingeführter Euro-Richtlinien zur Verabreichung von Medikamenten in Abwesenheit eines Arztes, Richtlinien, die Vieles durch Bürokratie erschweren, und der gewohnten Bevorteilung dienstälteren Personals der Vortritt gegeben werden, weil sie jung, dynamisch, patent und hilsbereit ist.©Buecher-Logbuch®

Bibliographie:

Leon de Winter, Geronimo, ©Leon de Winter, Diogenes Verlag 2016.

Ian McEwan, Amsterdam, ©Ian McEwan, Diogenes Verlag 1997.

Hanna Diyāb, Von Aleppo nach Paris, Die Reise eines jungen Syrers bis an den Hof Ludwigs XIV., ©Hanna Diyãb, Die Andere Bibliothek 2016.

Andrew Vachss, Kata.

Robert Galbraith, Der Seidenspinner.

Fjodor Dostojewski, Der Großinquisitor.

M.R. Kukrit Pramoj, Many Lives.

Thornton Wilder, Die Brücke von San Luis Rey.

Gefährliche Liebschaften: Kriminal-Stories.

THIS BUECHER-LOGBUCH® POTPOURRI IS A WORK OF FICTION.

Names, characters, places, and incidents either are products of the imagination or are used fictitiously. Any resemblance to actual or recent events or locales or persons living or dead, is entirely coincidental. Review Copyright ©BUECHER-LOGBUCH®

Dr. Emil Ganz was considered one of the world´s preeminent astrophysisists before he vanished without a trace – only to reappear fifteen years later as „Father Jupiter“, charismatic leader of California´s quirky Order of the Rings of God. And now the aging cult leader is dead, his lifeless body found in bed beside an empty fifth of vodka and an empty vial of sleeping pills. The sudden disappearance of two female cult members – and the appearance of an unexpected third toxic substance in the dead guru´s stagnant bloodstream – are definite indications of foul play. Something deadly is going on within the Order, even as the FBI and SWAT Teams descend upon the cult´s sealed compound from without. L.A.P.D. Homicide Detective Peter Decker works with the help and support of his wife Rina Lazarus to find a killer or killers before many misguided lives and the helpless children they dragged along with them incinerates into an inferno.

Starring a young woman called Europa, insomniac and daydreaming of a day at a lake when she was ten years old camping alone with her father who told her fantastic stories of demons of black holes hunting the knights of Quasar with their secret destructive weapon called gravity, the knights would turn themselves invisible and escape faster than the speed of light.

Die Ermittlungen des Todes von Jupiter Jones werden von Anfang an empfindlich gestört, weil jemand den Körper in einen Schrein (Temple) bewegte, bevor die Polizei den Tatort sichern konnte. Ausserdem knistert´s in den Thriller-Walkie-Talkies wie beim Neujahrsfest-Feuerwerk, was übrigens neuerdings auf „otto-normal“ Haustelefonleitungen ebenfalls zu hören ist, weird man it´s so f* weird…Der Zweitguru der Truppe namens Bruder Pluto wacht über den Toten, weigert der Fremdeinwirkung am Tod seines „Ordensbruders“ Glauben zu schenken, stattdessen beharrt er auf die gefälschte Todesurkunde, auf der eine natürliche Todesursache steht. Die leere Alkoholflasche unter dem Bett des Toten sei ganz sicherlich deplatziert, weil er kein Trinker war.

Decker & Lazarus werden tatkräftig unterstützt durch LAPD-Urgestein Milo Sturgis, seines Zeichens bekennender Homosexueller in monogamer Beziehung mit seinem Freund Angel lebend; Milo ist knallhart und Angel ist von Beruf ein eiskalter Killer.

Die Themen Sekten, Misstrauen, Abkapselung, verdrängte Homosexualität und eigenmächtiges Handeln persönlich und unternehmerisch, das die Arbeit der Polizei verhindert, werden in „Jupiter´s Bones“ hervorgehoben.

Bibliographie: 

Faye Kellerman, Jupiter´s Bones, ©Faye Kellerman, Avon Books NYC 1999.

Katniss Everdeen has survived the Hunger Games twice, but she´s still not safe. A revolution is unfolding, and everyone, it seems, has had a hand in the carefully laid plans – everyone except Katniss. And yet Katniss must play the most vital part in the final battle, she must become the Mockingjay – the symbol of rebellion – no matter what the personal cost.

Der letzte Band der „Tribute von Panem“ von Suzanne Collins spielt an den Appalachen und in der Hauptstadt namens Capitol; der Countdown ist wie auf einer Wiese voller „Hot Spots“ seine Sehnsüchte „ergiessen“ lassen, wie in chinesischen Metropolen wie in Seattle wie überall in Asien, wie auch manchmal schon in Europa. Die Dimensionen der Instrumentalisierung von Kämpfernaturen beziehungsweise leistungsstarker, „workaholiker“ „Himmelsstürmer“, die wenig bis keine Rücksicht auf ihre Gesundheit nehmen, aus der durch Geburt prädefinierten „Unter- oder Mittelschicht“ mit den Attributen einer Amazone und Parallelen zu der Johanna von Orleans, werden in diesem letzten Buch kristallklar. Übrigens Seattle ist eine eingefleischte Stadt der Vampire in der weltweit bekannten Jugendbuchreihe „Biss“ der Mormonin Stephanie Meyer, Vorsicht sie könnten beissen, wenn es ihnen möglich wäre, die Bücher zu verlassen…in „Eclipse“ findet der finale Kampf zwischen Vampiren aus Florenz und der ganzen Welt und Bella Swans Familie statt; Werwölfe mit indianischen Wurzeln sind ebenfalls mit von der Partie.

Bibliographie:

Suzanne Collins, The Hunger Games Mockingjay, ©Suzanne Collins, Scholastic Children´s Books 2010

USA

Los Angeles oder auch kurz L.A., ist die größte Stadt im US-Bundesstaat Kalifornien. Sie liegt am Pazifischen Ozean und dem Los Angeles River. Bevölkerung: 3,884 Millionen (2013).

Seattle ist die größte Stadt im Nordwesten der Vereinigten Staaten. Sie ist der Verwaltungssitz des King County im US-Bundesstaat Washington und liegt zwischen dem Puget Sound und dem Lake Washington, etwa 155 km südlich der Grenze zu Kanada. Bevölkerung: 652.405 (2013).

ITALIEN

Florenz ist eine toskanische Großstadt mit 382.808 Einwohnern. In der Metropolregion leben 1,5 Millionen Menschen. Florenz ist Hauptstadt sowie größte Stadt der Toskana und der Metropolitanstadt Florenz. Florenz ist für seine Geschichte berühmt. Bevölkerung: 361.679 (2012)

Rom, amtlich Roma Capitale, ist die Hauptstadt Italiens. Mit etwa 2,9 Millionen Einwohnern im Stadtgebiet bzw. rund 4 Millionen Einwohnern in der Agglomeration ist sie die größte Stadt Italiens. Gegründet: 21. April 753 v. Chr. Bevölkerung: 2,627 Millionen (2012).

Jamie irrt durch Los Angeles, leidet an Gedächtnisverlust, verhält sich anders und bekommt mehrmals psychotherapeutische Behandlung; dass er Erbe eines Riesenvermögens ist, wird anfänglich verschwiegen. Ein Nebel von Gerüchten, Anfeindungen, Mobbing, Beschimpfungen, Verdrehung der Realität und Halbwahrheiten mit dem Zweck Minderjährige seelisch für die Verschleierung von Erbschleichung oder für Werbeaufträge zu missbrauchen vor dem Hintergrund einer Immobilienspekulation, die Preise hochpurzeln lässt, eine Zersetzung der Landschaft zum Ergebnis haben soll, wird hier facettenreich und spannendst erzählt. Körperliche Misshandlung und sexueller Missbrauch Minderjähriger ist eine Straftat, die hohe Strafen und nicht „läppische“ paar Monate als Konsequenz haben soll, vorausgesetzt den Richtern wird die Ressource unabhängiger Berater zur Verfügung gestellt, die rational über Wahrheit und Mythos sich über eine von Emotionen befreite Sachlage Missbrauch oder Nicht-Missbrauch entscheiden und ihre Expertise weitergeben können; seelische Manipulation Minderjähriger zwecks eigener Bereicherung sollte ebenfalls eine Straftat sein.©BUECHER-LOGBUCH®

Bibliographie:

Jonathan Kellerman, Over the Edge, ©Jonathan Kellerman.

Fortsetzung folgt…

Marie Antoinette in Hornet´s Nest: „Fatal Voyage“

THIS BUECHER-LOGBUCH® REVIEW IS A WORK OF FICTION.

Names, characters, places, and incidents either are products of the imagination or are used fictitiously. Any resemblance to actual or recent events or locales or persons living or dead, is entirely coincidental. Review Copyright ©BUECHER-LOGBUCH®

Charlotte, N.C.: Eine „psychedelische Stadt“, wo Strassen alle Paar Meter anders heissen, die Bevölkerung etwa 600.000 Menschen beträgt, Sitz einer Privatbank und eines des größten Kriminaluntersuchungslabore in den Vereinigten Staaten, in dem Thriller „Fatal Voyage“ ist dieses Labor privat finanziert und befindet sich in Konkurrenz mit anderen großen Laboren, die staatliche Förderung erhalten. Seine Chefin fällt in Ungnade, als sie bei der Untersuchung eines Flugzeugabsturzes bei Raleigh, North Carolina einen erstaunlichen Fund macht, der sie zu einem verlassenen Grundstück führt: der Grund des Rauswurfs heisst, sie habe unbefugtes Gelände betreten. Sie hat nicht einmal die Chance Position zu beziehen und das macht sie stutzig. Der Fund zwischen Trümmern ist ein Fußgelenk, und das gehört zu keinem der Passagiere…seine Nähe zur Cherokee Indian Reservation bei Bryson City an den Great Smoky Mountains macht die Suche nach der Wahrheit noch komplizierter, weil es im Reservat einen älteren Vermissten gibt.

Die vielen Konflikte:

„Fatal Voyage“ setzt sich mit Konflikten zwischen der desinteressierten Legislatur und dem insuffizienten Budget auseinander, den unterschiedlichen Bedürfnissen und Wahrnehmungen der Parteien, die sich nach einer solchen Katastrophe zusammenfinden, manche früher manche später, die ersten Schritte um die Location zu sichern – Kies gegen den Regen zu streuen – der teilweise Unwägbarkeit des Geländes und der geringen Landeplätze für Hubschrauber, die Zeitverlust bedeuten, in dem Thriller ist dieses „Team of Rivals“ der Forest Service, der Red Cross, DMORT, NTSB, FBI, ATF, FAA, TVA, die Versicherungen, die Kleinanwälte, die ihre Chance auf Geschäft wittern und unweigerlich die Presse, vor der man oder frau sich gezwungen sieht Stellung zu nehmen. Die Presse mutmaßt Vieles und müsste doch zuletzt informiert werden, denn es gilt erst mitzuteilen, wenn Gewissheit besteht, Gerüchte machen die Öffentlichkeit nur unruhig, sie machen ihr Angst, die Betriebsamkeit am Ort des Geschehens, das Entsetzen über unzusammenhängende Körperteile, deren Indentizierung verspricht mühsam zu werden und Mittel und Gelder erfordert, die erst zusammengetrommelt werden müssen, die Spurensicherung, die Betreuung der langsam eintreffenden Angehörigen, das Gefühl der letzten Schreckenssekunden der Passagiere, bevor alle Hoffnung verloren gegangen ist, quasi miterlebt zu haben, der unmittelbare Übergang von der Normalität in eine Albtraumrealität, die Effekthaschereien der obersten Köpfe der Investigation, die an politisch-lobbyistischen Fesseln hängen, die Verdrängung der Fachspezialisten an den Rand, das Aufnehmen von Panoramabildern der sicherlich beeindruckenden Landschaft zu diesem unpassendsten aller Zeitpunkte, statt der Trauer, der Effizienz, der Organisation und vor allem der Rationalität, die Alles zusammenhält, begleitet von dem schweigsamen Einsatz für die Wahrheit die Priorität anerkannt werden müsste. Der bereits komplizierte Sachverhalt wird durch die „guten Bürger“ verkompliziert, die die Medien informieren, bevor die vielen Ermittlungs-, Sicherungs- und Betreuungsabläufe sich zusammenfinden können. In „Fatal Voyage“ ist es die CNN, die an den Absturzort eintrifft und ihr Publikum mit Schreckensmeldungen füttern will, während sie die Ermittlungen stört.

Unter den Opfern befindet sich eine ganze Soccer-Mannschaft, junge Leute am Anfang ihres Lebens; dieser Opfergruppe kommt medial mehr Aufmerksamkeit zu, diese Erwartung der öffentlichen Wahrnehmung übt Druck auf die Entscheidungsfreiheit und die Prioritäten der Untersuchung.

Die staatliche Gerichtsmedizin und die hier privat geförderte forensische Anthropologie treffen in „Fatal Voyage“ aufeinander und sie sind sich über Vorgehen und Zuständigkeiten nicht einig. Hinzu kommt das Bedürfnis den Toten einen Namen zu geben und den Angehörigen einen Körper zum Begraben, bei einer Katastrophe dieses Ausmaßes ein langwieriges Unterfangen. Ausserdem wird der Transport der organischen und anorganischen Funde zu geeigneten Stätten, wie Krankenhäusern, gerichtsmedizinischen Räumen, Bestattungsinstituten, Hangaren, Lagerhäusern oder Hallen der Nationalgarde thematisiert stets im Verhältnis zu ihrer Nähe zum Absturzort.

Polizei¹ vs. Forensische Anthropologie:

Im Buch bekommt der Unterschied zwischen der Ermittlungsarbeit der Polizei und der wissenschaftlichen Untersuchung eines Toten einen prominenten Platz, welche auf der Basis von Erlerntem, Computerschätzungen, histologischen wie mikroskopischen Untersuchungen, Verletzungsverläufen bzw. -frequenzen, Zusammenhängen und Hypothesen und der „Black Box“, die hier orangefarben ist, zusammengebaut wird. Für die Untersuchung ist die Sorge der Hauptfigur um die eigene erwachsene Tochter, die unterwegs war und sich nicht gemeldet hat, eine manchmal erhebliche und natürlich menschliche Ablenkung.

¹In dem Thriller „Fatal Voyage“ ist es das Charlotte-Mecklenburg Police Departement.

Wenn die wissenschaftlichen Untersuchungen den Zenit ihres Aufklärungpotentials erreicht haben, kommen die Hypothesen über Volkszugehörigkeit, Geschlecht und Identifizierung ins Spiel. In dem Fall, den „Fatal Voyage“ schildert, gab es einen biologischen Transport, die Vermutung von „deadheading“ (freier Flug für Airlineangehörige, der nicht gelistet wird), „Tupperware-Transporte“ und einen Gefangenen-Transport (der Gefangene sollte gegen ehemalige Bandenmitglieder einer verbrecherischen Bikergang gegen die Zusicherung mildernder Umstände aussagen).

Der grösste Konflikt bricht aus, als die Protagonistin des unbefugten Zutritts eines verlassenen Hauses¹²³ in den Bergen beschuldigt wird:

Did you pick up remains that hadn´t been logged?

Eine anonyme Beschwerde führt zum Ausschluss von den Ermittlungen, weil der Chef vor allem um die Meinung der Presse sich Sorgen macht.

¹Alte Farmhäuser in den Great Smoky Mountains enthalten oft alte Grabstellen, die nirgendwo gelistet sind.

²Paramilitärische Truppen waren, als das Buch veröffentlicht wurde, in den Bergen North Carolinas unterwegs. Ihr namhafter Anführer stand in Verdacht, Kliniken, die Geburtsabrüche durchführten, militant anzugreifen und verantwortlich für das Bombenattentat auf die Olympischen Spiele in Atlanta 1996 zu sein. Sein Name ist nordisch: ein bekannter Wikingerfürst aus Büchersagen und ein Renntier mit einer roten Nase.

³Der Chef der Untersuchung suspendiert die forensische Anthropologin. Seine ausgezeichneten Beziehungen zum Staatschef und zur Universität, die von der Legislatur gefördert wird, erzeugen Abhängigkeiten und beeinflussen sein Entscheidungsspektrum.

Was steckt hinter der Suspendierung der forensischen Anthropologin: geschieht sie ausschließlich aus Prinzip, die „Befehlskette“ respektlos behandelt zu haben oder ist es eher und viel wahrscheinlicher, dass sie der Wahrheit viel zu nah gekommen ist?

An dieser Stelle wird der Konflikt deutlich zwischen angelernter Gewohnheit, der Befehlskette in einem System immer treu zu bleiben, um die Prerogativen durchzusetzen, und dem Gefühl, eine Lücke entdeckt zu haben, die hinterfragt werden muß, um der Wahrheit willen. Verpasster Widerstand gegen korrumpierenden Druck ist gleichermaßen verwerflich.

Es wird viel gemutmaßt, inwieweit der Absturz ein Attentat gegen einen die Passagiere war, solange noch keine Gewissheit über die Ursache des Absturzes besteht.

Galt es dem Studenten aus Sri Lanka, der im Radio der Tamil Tigers auftrat und Soccer spielte?

Galt es der hoch versicherten Ehefrau, deren Witwer eine Baufirma gehört, die Autobahnen bauen lässt, ein Privatindustrieunternehmen für Konstruktion leitet, die Baustümpfen explodieren lässt und Plastik X aus Vietnamzeiten verwendet?

Galt es vielleicht dem Gefangenen, ehemaligem Mitglied der Bande „Rock Machine“ (Spitzname „The Fox“), der einen Ferrari gefahren hat?

Wo bleibt die Ehefrau des Gefangenen, die ebenfalls verschwunden ist?

Welchem Kind gehörte die Raggedy Ann, die zwischen Trümmern und Überresten gefunden wurde?

Gehört das Fußgelenk dem verschwundenen Angler, dessen Witwe eine Reise nach Las Vegas mit dem Nachbarn, ihres Mannes bestem Freund und passioniertem Angler, kurz nach dem Verschwinden ihres Mannes unternimmt?

Gibt es eine Verbindung zu dem verschollenen alten Mann, den Black Cherokee, der das nahegelegene Reservat verließ?

Wem gehört das tätowierte Schulterfragment oder das Kinnfragment mit der elaborierten Zahnspange?

Ist das penetrante Einmischen des Archäologen, der an einer alten Ausgrabungsstelle arbeitet und eine „Verunreinigung“ seines Werkes durch die Untersuchungen befürchtet, ein Zufall?

Andere Fragen tauchen auf:

Wie soll die Route der Lastwagen einer Investmentmentgesellschaft, der, wie es sich herausstellt, die verlassene Residenz gehört, zurückverfolgt werden, wenn es keine Fahrtenbücher gibt?

Was ist mit dem Transport von Körperteilen und den Boten, die diesen übernehmen, unter anderem können das je nachdem Anatomisten, Anthropologen, Podiatristen, orthopädische Chirurgen oder Händler orthopädischer Fußeinlagen sein?

Wem gehört der Fuß, dessen geschätztes Alter keinem der Passagiere passt?

Können Zahnbürsten, wenn sie nicht gebraucht oder wiederverwendet wurden, der DNA Untersuchung behilflich sein?

Warum verschwinden so viele alte Leute in der Region, wo der Absturz stattfand? Ihre Leichen werden manchmal gefunden, sie seien entweder ertrunken oder erfroren…

Ist es nicht ein wenig komisch, dass keiner in der Umgebung von diesem verlassenen Haus und seinen Eigentümern weiß, jedenfalls bewusst, obwohl die Leute jeden zweiten Tag vorbeilaufen ohne sich weiter Gedanken zu machen, doch prompt die Beschwerde über das „Trespassing“ der Anthropologin von einem anonymen „Anstifter“ eingereicht wird?

Wäre es eine Möglichkeit die Steuerbescheide zu überprüfen?

Was ist los mit dem Hund der Protagonistin, eigentlich ist es der Hund ihres Ex-Mannes, einem Anwalt, auf den sie aufpasst, der obwohl nicht als Leichenhund ausgebildet trotzdem urplötzlich Alarm schlägt, wenn er in der Nähe von Verwesung kommt?

Was ist dem Eichhörnchen mit den leeren Augenhöhlen passiert?

Viele Fragen, viele Vermutungen, Rekonstruktion ist mühsam. Die Wahrheit hinter dem Flugzeugabsturz liegt hier an der tödlichen Nachlässigkeit eines Passagiers, der zu spät war, und eine noch heisse Pfeife wie auch eine Rumflasche nebeneinander in einen Rucksack verstauchte.

Die Wahrheit über den Fußfund versteckt sich hinter einem Ritualmord und er scheint nicht der einzige zu sein, es gibt ein Muster, das über mehrere Jahrzehnte zurückverfolgt werden kann…die Spur führt nach Sonoma County, Kalifornien und zu einer verschwiegenen Männerloge mit engen Kontakten zu politischen Kreisen, die sich zur Jagd auf den Bergen trifft, die rituelle Anthropophagie nach einem mittelalterlichen Ritus betreibt – stirbt einer aus dem Kreis, übernimmt der Anwärter dessen Position, nachdem er ein Tribut gezahlt hat, einen alten Mann oder eine alte Frau ermordet, und den Oberschenkel dem Kreis zum gemeinsamen Verzehr anbietet. Grausame Fiktion, aber nicht vergessen, es ist Fiktion. Diese Investmentgesellschaft ist begrenzter Haftung, die Grenzen des Grundstücks sind nach modernen Maßstäben lose definiert.

DIE DETAILS

Die Rekonstruktion:

Die Zusammensetzung der Trümmerteile des Flugzeugs in seinem Zustand vor der Explosion ist zeit- und kostenintensiv. Das Buch spricht Prioritäten an: manchmal kommt die Rekonstruktion zum Stillstand, ihre Fortsetzung hängt von öffentlichem Interesse ab und von der Erwartung, nicht schlechter abschneiden zu wollen, weil andere Länder bereits eine Rekonstruktion abgeschlossen haben, das Beispiel aus dem Buch ist die Rekonstruktion des TWA 800, die der Rekonstruktion des Pan Am 102 folgte. (Seite 158)

Ein Grabstein, eine Beerdigung, ein altes Foto, viele Rosen:

Ein Grabstein, eine Beerdigung, ein altes Foto, zwei jüngere, beim näheren Hinschauen bekannte Gesichter: der Archäologieprofessor des Duke University, dessen Stern allmählich schwindet, steht etwas abseits von dem Rest der Trauernden zusammen mit einem Mann, der später Gouverneur des Staates wird.

Die Investmentgesellschaft:

Besteht aus einem Englischlehrer in einer Gemeindekolleg (Greenville), dem Eigentümer eines Möbeldiscounters (Rock Hill/Hilton Head), einem pensionierten Investment-Banker (Banner Elk), einem Philosophieprofessor (Wake Forest) und einem Anwalt (Fayetteville).

Sie begreifen sich als elitär und sie nennen sich „The Bohemian Club“. Ihre Ursprünge lassen sich auf die Zeiten britischer Kolonialmacht zurückführen, ihre Verbindung zu „The Knights of Saint Francis“ ist unbestritten.¹²³

¹Sie versammeln sich einmal im Jahr im kalifornischen Sonoma County, es ist ein reiner Männerclub und ihm gehörte jeder republikanische Präsident seit Calvin Coolidge.

²Die wenigen Journalisten, die um ein Interview baten, wurden unfreundlich des Platzes verwiesen und ihre Geschichten sahen nie das Licht des Tages.

³Die Mitglieder des Bohemian Club taten höchst geheimnisvoll, benutzten die Hintertür und hatten kaum schriftliche Erzeugnisse.

Der Grundgedanke des Ritus der Eingeweihten und der „ewige“ Konflikt:

lässt sich im Buch auf den wortwörtlich verstandenen Satz des Papstes Innocent III aus dem 4. Lateran Konzil 1215 A.D. zurückführen; ein subtiler Wink über die Kluft zwischen Religion, wie sie in ihrer trügerisch „ewige Liebe“ und Sicherheit versprechende Unveränderbarkeit von vielen begriffen wird – weniger abhängig von gesellschaftlichem Status, mehr abhängig von der Erziehung in einem Familiensystem – und der zukunftsorientierten hinterfragenden der stetigen Veränderung sich verschreibenden Wissenschaft bemerkbar.

Sie glaubten, dass manche Menschen wertvoller waren als andere und verloren ihren Blick für die Wirklichkeit. Sie standen in Verdacht, jungen Frauen vergewaltigt zu haben, die aus Angst vor Repressalien und dem Bedürfnis zu vergessen, geschwiegen haben. Sie glaubten, ihre spirituelle Erfahrung erhöhen zu können, indem sie ihre Opfer aus verschiedenen Völkergruppen und beiden Geschlechtern wie „Rosinen“ pickten. Ihr Glaubenssatz ist: „Fay ce que voudras“ nach Rabelais („Do what you like“). Ihr Tun folgte hedonistisch-sadomasochistischen Fantasien, siehe auch „Die Geschichte von O“.

Ein aktuelles Mitglied der Investmentgruppe wird in seinem Haus tot aufgefunden. Es wird von Selbstmord ausgegangen, aber die hohe Trifluoperazine-Konzentration im Blut lässt den Gerichtsmediziner nachdenklich werden. Trifluoperazine ist ein hochdosiertes Medikament gegen agitative Depression und bestimmte Psychosen. Der Tote hatte aber kein ärztliches Rezept für Stelazine – gewöhnlicher Name für Trifluoperazine – und sein Arzt hatte die Notwendigkeit einer Medikation nicht diagnostiziert. Gleichzeitig scheint es für einen einflussreichen Mann wie ihn auch andere Mittel und Wege zu geben, um an das Medikament zu kommen…

Der Zusammenhang:

Die Namen verstorbener Mitglieder einer Investmentgesellschaft tauchen in einer Liste auf; ihr Todestag liegt unmittelbar vor dem Verschwinden der Senioren in der Nachbarschaft. Der Todesanzeige folgte zeitnah eine Liste kodierter Namen. Jedesmal verschwand der Name eines Stammmitglieds und wurde von einem Newcomer ersetzt.

Der Fund:

Der Fuß gehört zu einer eingemauerten Leiche, die restlichen Toten finden sich in einem altertümlichen Kellergewölbe voller alter Weine.

Die Hypothesen:

Kommen ins Spiel, um Möglichkeiten gegeneinander auszutesten, immer unter der Voraussetzung, dass Wissenschaft nach Fakten sucht. Hypothesen helfen der Fantasie auf die Sprünge, wenn die Untersuchung neue Anregungen benötigt; Madenkokons dienen als Lotsen zu einem verwesenden Körper, nach dem Fund ist das Stadium eines Verwesungsprozesses zu bestimmen unter anderem anhand von Körperfetten, die temperaturabhängig sind. Wenn der Körper fehlt, wird die Schätzung für den TSD (time since death) auf der Basis der Annahme eines Standardkörpergewichts von 150 Pfund und der anschließenden Verwendung einer Korrekturkomponente vorgenommen; das war jedenfalls der Stand vor 15 Jahren, als das Buch auf den Markt kam.

Stadtentwicklung/(Prä)historische Stätten:

Die Abhängigkeit der Stadtentwicklung von Staats- und Bundesgeldern und von den Gutachtenergebnissen, die sich auf die eventuelle Bedrohung prähistorischer oder historischer Stätten durch die zukünftigen Bauvorhaben, wird thematisiert. Die Verwaltungsbehörde, die damit beauftragt ist, erstellt Gutachten für Autobahnen, Flughäfen, Abflusssysteme, ihr Fazit trägt maßgeblich zur Entscheidung bei.

Das Messgerät:

Ein Gaschromatograph wird in forensischen Untersuchungen benutzt. Er ist Bestandteil des Chemieunterrichts in Schulen und ein Produkt mittelständischer Unternehmen. Die Qualität und der Preis variieren.

Meine persönliche Überzeugung teile ich mit der Autorin.

Verbrechen verlangen Aufklärung. Das bringt die Toten nicht zurück, aber unsere Suche nach Antworten und unsere Suche nach Tätern oder Täterinnen, hat das Ziel, dass sie die Verantwortung für ihre Taten übernehmen. Die Lebenden brauchen unsere Unterstützung, wenn der Tod eines Anderen ihr Leben verändert. Sie haben ein Recht auf Information und Aufklärung und sie sollen erfahren, dass die Verantwortlichen die Konsequenzen für ihre Taten tragen, egal wie mächtig sie sind.©Buecher-Logbuch®

Bibliographie:
Kathy Reichs, Fatal Voyage, ©Temperance Brennan, Scribner NYC 2001.

Charlotte ist die größte Stadt des US-Bundesstaates North Carolina und die sechzehntgrößte Stadt in den Vereinigten Staaten. Die Stadt befindet sich an der Grenze zu South Carolina zentral im Mecklenburg County, dessen Verwaltungssitz sie auch ist. Bevölkerung: 792.862 (2013).

New York City ist eine Weltstadt an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Sie liegt im Bundesstaat New York und ist mit mehr als acht Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt der Vereinigten Staaten. Bevölkerung: 8,406 Millionen (2013).

„Windows of the World“ („Wow“) hiess das Restaurant auf dem Oberdeck der „Twin Towers“ in New York City, die bei einem Flugzeug-Selbstmordanschlag mit primär wirtschaftlichen sekundär ideologischen Motiven mit Tausenden Toten am 9. September 2001 die amerikanische Metropole und die Welt erschütterte; ob „Mr. and Mrs. Smith´“ Pools and Sheherazaden da oben gedreht haben, ist nicht überliefert…

Raleigh ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates North Carolina sowie die zweitgrößte Stadt North Carolinas nach Charlotte. Mit den Städten Chapel Hill und Durham bildet Raleigh ein Dreieck. Bevölkerung: 423.179 (Stand: 2012).

 

 

 

Aguas Vivas oder Stadt der Engel…
„Sunstroke“

THIS BUECHER-LOGBUCH® REVIEW IS A WORK OF FICTION.

Names, characters, places, and incidents either are products of the imagination or are used fictitiously. Any resemblance to actual or recent events or locales or persons living or dead, is entirely coincidental. Review Copyright ©BUECHER-LOGBUCH®

Nach einem Erdbeben in der Stadt der Engel. Während alle anderen sich mit der Beseitigung der Schäden beschäftigen, sorgt sich die „Froschkönigin“ – einen Spitznamen, den sie seit der Schule mit sich herumschleppt, weil das sonst unauffällige Mädchen sich in der Biologiestunde durch das akkurate Sezieren von Fröschen einen Namen machte – um ihren verschollenen Chef; sie sucht die Wahrheit über seine Person, der bei einem Autounfall in der mexikanischen Wüste unweit der Grenze zu Kalifornien ums Leben gekommen sein soll…sie ruft im Konsulat von Tijuana an, sie fährt in die Geisterstadt Aguas Vivas und findet einen Gesetzesvertreter, der mehr trinkt als ermittelt in einer Polizeistation im ehemaligen Lichtspielhaus des Ortes…Die Protagonistin ist ein Nervenbündel und lässt bei ihrer Recherche nicht locker. Sie stand ihrem Chef platonisch nahe und unterhielt zu ihm ein enges Verhältnis. Sie war seine beste „Bürohälfte“. Sein „Goofology“-Geschäft mit Fun-Artikeln, „dong-dongs“, Masken, Monstern, Cartoon-Helden, Jesusfiguren und Marilyn Monroes, Spiderman und Bush, Magic Johnson und Vampiren beim „Zungen-Hockey“, Plastik-Spielzeug, Snick-Snack, Cellophan-Nippes und viel viel grünem Schleim erledigte er über Computer und Telefon in der ganzen Welt, drahtlos und über das Festnetz.

Diese Gloria Mendez ist vom Schicksal ihres verstorbenen Chefs Carl Perreira absolut besessen; sie fragt nach, sie beginnt in seinem Haus und auf seinem Bett zu schlafen, sie fantasiert über zurückgebliebene Gerüche, die errichtet eine Art „Museum der Erinnerung“; sie besinnt sich auf glücklichere Tage, als Carl seine Spaßartikel ihr vorführte und Behälter mit falschem Blut für eine Horror-Show sich in einem der Lagerräume stapelten. Obwohl Gloria vom Gesetz her nicht befugt ist, sich um seine Hinterlassenschaft zu kümmern, findet sie ein Schlupfloch, um bei der Testamentseröffnung, dabei sein zu können, man könnte sagen, sie stalkt ihm bis über den Tod hinaus. Und immer wieder taucht der Name „Teniente“ auf, obwohl dieser nie auftaucht, als wäre er omnipräsent, als würde er die ganze Welt regieren…Grabstein und Blumen für die Toten sind in Spanisch die „ewige Zugabe“…Von mit dem Fall „betrauten“ mexikanischen Polizisten erfährt Gloria, dass der Tote bereits eingeäschert worden ist, denn man ginge davon aus, er hätte keine Hinterbliebenen. Ausserdem wäre die Todesurkunde unterwegs per Email und unverschlüsselt an seine Büroadresse gegangen. Sie darf seine Urne in Form eines pinkfarbenen Balls mitnehmen.

Zurück in Los Angeles taucht ein neuer Name auf, der des Teilhabers an einer Hypothek, die Kontoauszüge finden sich auf dem Boden einer Thermoskanne und sie weisen einen Bestand von zehn Millionen sechs hundert tausend vierhundert achtundfünzig Dollar und dreiunddreissig Cent…es handelt sich um ein Konto bei der United Service Postal Service Culver City. Dort fährt Gloria hin, findet Kundenschlangen und leere Service-Counter, und schafft es mit gutem Zureden sich vorzudrängeln und der Backoffice-Mitarbeiterin Vera vorgestellt zu werden. Ihr Gespräch wird durch einen wütenden Kunden unterbrochen, der eine grössere Ladung Nagellackentferner nach Connecticut verschiffen will, wobei sich die sehr bemühte Ex-Sekretärin Gloria, die sich über Gott und die Welt den „Kopf zerbricht“, überlegt, warum dieser Kunde nicht eher zu FedEx geht, denn dort ist schnelles „Shipping“ garantiert; die Annahme läge nahe, dass der Auftraggeber für seine Ladung bewusst eine niedrigpreisigere Variante sucht, um Kontrollprozesse zu umgehen; womit dieser Anzugträger konfrontiert wird ist, dass seine Tochter ganz dringend für ihr Wohlgefühl und die Aufrechterhaltung ihres schulischen Leistungsniveaus 40x Nagellackentferner benötigt, um weiterhin auf Neuem und jeden Tag frisch „genagellackte“ Spitzenschülerin sein zu wollen in dem europäisch-traditionsbewussten U.S. Bundesstaat Connecticut. Des Papas Reaktion ist eine Schimpftirade und körperliche Gewalt gegenüber der Postmitarbeiterin, die bewusstlos auf den Boden landet und von Gloria mit allen Regeln der Kunst inklusive Eiswürfeln reanimiert wird. Kurioserweise verschafft sich gleich darauf die brave Gloria Zugang zum Computer der Postmitarbeiterin, freundet sich mit dessen Datenbank an und erfährt die Adresse des Hypothek-Partners des eingeäscherten Carl Perreira. Die Spur führt zu einer Bank in Tarzana¹, deren Manager in seinem Allerweltsbüro mit Emeralden²-Teppich, einen Kalender mit Strandaussichten und eine Schreibtisch-Uhr mit unechten Bronze-Händen nach kurzem Zureden eine Email-Adresse des Gesuchten preisgibt und die Information, dass dieser Mr. Joseph Charles Gerusha lange Jahre ein Golden State Tresorfach mit „Venice“ (?) unterhielt.

²Emeralde, Esmeralda könnten Abwandlungen des Wortes Smaragd sein: der Smaragd ist ein grüner Edelstein unter anderem in Sambia und im Internet bei ebay zu finden. Auf dem äusserst aufschlußreichen Buchcover des Bilderbuchs „Sindbad“ (NordSüd Verlag, Zürich) ist besagte(r) Sindbad mit einem Smaragden in der vorgehaltenen Hand zu sehen. Sindbad war aber ein Seefahrer und kein Smaragden-Schenker, nes pas? Mein Fazit: Kunst neueren Datums oder neu entdeckte alte Kunst auf Buchcovern ist sinnbeladen und manipulativ und sollte im Web nicht gezeigt werden, nicht privat und auch nicht öffentlich.

Gloria gibt sich zu Beginn der Geschichte noch als die Sekretärin des verstorbenen Carl aus, während der Thriller an Fahrt nimmt, wechselt sie ins Ehefrauen-Fach, denn diese „Masche“ wirkt bei den meisten Männern im Buch Wunder. Ihre Werkzeuge: das Telefonbuch, nur einmal das Internet, das die Adresse eines Armeeveteranen preisgibt, der sie als Vermittlerin zwischen ihm und dem Staat einsetzen will, weil der seine Ansprüche auf Arztrezepturen kürzte. Nach Telefonaten in Krankenhäusern, einer umgefallenen Popcorn-Schale und bei der Gerichtsmedizin, erfährt sie, dass Joseph Charles Gerusha eine Woche vor Carls Verschwinden starb.

In die Gerichtsmedizin verschafft sich die selbsternannte Rechercheurin Zutritt durch den Anruf eines Freundes; deren „ausserordentliche“ Gerüche wehen bis vor die Türe, dort trifft sie auf einen weissen beziehungsweise als es sich später herausstellt einen jungen Mann, der die Grenzen zwischen schwarz und weiß bereits überschritten hat – genetisch, affektiv, rational – und lieber schwarz sein möchte, jedenfalls, was den Musikgeschmack betrifft. Er tanzt im Rapper-Hip-Hop-Rhythmus und trägt ein grünfarbenes Tattoo: eine Kette aus Totenköpfen um seinen Arm; oberhalb der Kette steht geschnitzt in Grossbuchstaben „Doa“. Nach einem mehr oder weniger amüsanten Gesprächswechsel und der Suche nach der richtigen Leiche in der überfüllten „Krypta“ der Gerichtsmedizin sieht Gloria den Toten, dessen Leiche ohne Papiere eingeliefert, später anhand der Kopie einer Geburtsurkunde identifiziert wurde – die Namen der Eltern sind ausgeblichen, das Datum ist der 17. Dezember 1946; der Verblichene sieht wie eine „Landschaft im Schimmel“ aus, seine „Identifiziererin“ erkennt mit Erschrecken, dass Joseph Charles Gerusha kein geringerer ist als der obdachlose Buck aus der Hinterhofallee ihres Zuhauses.

¹Tarzana ist ein Stadtteil von Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien. Das wohlhabende Viertel mit 37.778 Einwohnern verfügt über einen hohen weißen Bevölkerungsanteil.

Währenddessen ist auch noch ein Privatdetektiv der Marke „laissez faire“ namens Waxbone unterwegs um die Bewegungen hinter den Bankkonten (hier CalFed) zu erschließen. Erster Treffpunkt mit Gloria: Little Armenia an der Ostseite des Hollywood Boulevard. Die Ergebnisse verblüffen: es gibt Einweisungen höherer Summen, zum Beispiel 20.000 Dollar, danach gibt es Schenkungen, der Bankkontoinhaber fährt nach Mexiko, wo er stirbt, und dann hebt er als Toter noch eine Summe Geldes ab, formidable! Der Detektiv konsultiert den Bankmanager Hicks: das Transaktionsdatum ist nicht manuell; der Rechner übernimmt den Stempelvorgang, wenn der Kunde die Bankkarte rüberzieht. Der Manager vermutet einen Error und nennt diesen „hiccup“, auf gut Deutsch Schluckauf. Die Videoaufnahmen werden nur drei bis vier Monate aufbewahrt, also sie könnten noch da sein. Das Rätsel bleibt: wer hat die PIN eingegeben um Zugang zur Bank zu verschaffen?

Zusammen kommen Waxbone und Mendez auf die Idee die Urne zu öffnen. Gloria hat nicht einmal in Erwägung gezogen, den Inhalt zu überprüfen, weil sie sich vor dem Anblick scheut. Hinaus kommt Instantkaffee der nicht allerbesten Sorte, „playing for the ashes“¹ ist zunächst schachpatt. Bei der Unterhaltung um den Inhalt der Urne lesen Sie, dass menschliche Asche sich insofern vom Kaffee unterscheidet, weil sie sich im Wasser nicht löst.

¹Krimi von Elisabeth George, wo es auch um die ALS-Krankheit geht.

Beim Besuch des doppeltgesicherten Safe-Deposits, das bereits vom Schlüsseldienst geöffnet wurde, finden die zufällig zusammengewürfelten Ermittler das Original der Geburtsurkunde, stock certificates, treasury bonds, corporate bonds, Originale der Malle-Vurdham Versicherungspapiere, alte Fotos von einer Frau mit indischen Gesichtszügen, einem Mann, einem Säugling und einem Führerschein. Beim Anblick des Fotos hält Gloria inne: das ist ja der gute alte Carl, ihr Chef, nach dem sie schon so lange hinterhertrauert. Dieser Carl Perreira, alias Joseph Gerusha, ist russischstämmig und sein Nachname hat eine Connection zu Birnen. Aber auch diese Geschichte ist nur halb richtig, weil bald ein Besucher vor Glorias Tür steht und sich als Carl Perreira vorstellt; Joseph Gerusha war sein Vater, geboren in San Diego. Die Mutter, vierzehn Jahre alt, starb bei einem Autounfall, sein Vater beging Fahrerflucht, das Baby überlebte durch seinen Platz im Auto wie in einer „Buddelflasche“ von äusseren Einwirkungen geschützt; der echte Carl wuchs in einem Waisenheim auf, wo er sich in den ersten Tagen nach seiner Entdeckung sich Rheuma einfing, später lebte er mit seiner Grossmutter in Hermosillo. Er arbeitet als Konstrukteur in der maroden korrupten mexikanischen Bauwirtschaft, vor allem in Mexico City. Sein Chef Eddie Polaczek, Kind von Immigranten, die ihren Namen behielten, avancierte zu einem mächtigen Mann in Mexiko und bewahrte in seinem Bürotresor eine Liste mit den Namen der Leute, die er besticht.

Gloria freundet sich mit Carlos an. Er erzählt ihr von seiner Kindheit ohne Eltern mit der Grossmutter, die ihn pflichtbewußt großzieht und von einem alten Foto, das aus dem einzigen Buch im Haushalt rausfällt; das Foto zeigt seinen Vater und seine schwangere Mutter, sie trägt eine für ihre ärmliche Herkunft kostspielig aussehende Perlenkette. Carlos erzählt Gloria, dass er das Foto in seine Bibel versteckte, denn in den Zeiten seiner Jugend gab es kaum Privatsphäre und jemand, der das Bedürfnis danach verspürte, wurde schief angeschaut. Gleichzeitig beginnt er Fragen zu stellen über seine Eltern, über seine Herkunft, die Großmutter blockt und erzählt Versionen eines Schicksals, die immer anders sind, mal ist sein Vater ein Mörder, mal gab es Vater und Mutter gar nicht, sie kontrolliert die Vergangenheit, in dem sie sie jedesmal anders inszeniert. Als Carlos insistiert, beginnt sie zu schreien, setzt ihr Bett unter Feuer, bewirft ihn mit Streichhölzern.

Glorias Bild von ihrem verstorbenen Chef wandelt sich nach den Gesprächen mit seinem Sohn, weil sie begreift, warum er so viel gespendet hat, an Kinderorganisationen, an Schwangerschaftsabbruchkliniken, an Elterninitiativen; auch warum er oft den Hörer auflegte, warum er nach Mexiko fuhr, warum er in Aguas Vivas gewesen ist, warum er nie geheiratet hat, warum er resilient war, warum er alleine gearbeitet hat, warum er keine Kinder haben wollte, warum er an die Erzdiözese Los Angeles gespendet hat an einem 4. Juli. Das Gespenst eines vierzehnjährigen toten Mädchens hat ihn verfolgt die ganzen Jahre lang. Als sein Sohn ein Treffen platzen lässt, beschließt er beide seiner Identitäten auszuschalten. Carl Perreira hat Joseph Gerusha „weißgewaschen“, seine Ausschaltung wird einfach sein. Der siebzehnjährige Joseph Gerusha kann Selbstmord begehen, ohne dass jemand Verdacht schöpft; er war vierzig Jahre lang vegetativ, seine Lebenserhaltungssysteme waren eine Sozialversicherungnummer und eine Steuernummer. Dann fährt Carl Joseph  nach Aguas Vivas, um seinem Leben ein Ende zu setzen.

Der Sohn Carlos und die Sekretärin des alten Carlos, Gloria, unterhalten sich weiter in einem Diner am Venice Boulevard. Der griechische Bauernsalat, den Gloria bestellt, ähnelt faulem Gemüse: nekrotisches Grün, toxische Scheiben von roter Zwiebel, verschrumpfte Oliven und obendrauf eine Feta-Imitation. Carlos bestellt ein leichtes Bier, Gloria bezahlt die Rechnung. Ihr Sport ist Bowling, weil sie ihn auch alleine spielen und keiner sie so besiegen kann, sie spielen ein paar Runden auf der Bowlingbahn.

Gloria macht sich nocheinmal nach Aguas Vivas auf, dabei hat sie ein Schweizermesser und ihre Polaroid, den Film holt sie sich an einer Rite Aid Drogerie, die 24 Stunden lang auf hat und in der Nähe eines Norm Supermarktes liegt, dessen Parkplatz die Volvos der Jugend aus Beverly Hills stolz präsentiert.

Die Maria-und-Jesus-Figurinen:

Das Multitalent Gloria hatte vor ihrem Abenteuer mit „Sunstroke“ auch Miniatüren gebastelt und sich ein wenig Geld damit verdient, Maria und Jesus in inniger Umarmung. Damals gab es einen alten Mann, der ihr viele Figuren abnahm, obwohl sie ahnte, dass sie ihm nur leid tat, doch er war diskret genug es nicht zu offenbaren.

Die Buchfigur des „Teniente“:

Der „Teniente“ ist der mexikanische Polizist in Aguas Vivas: er benimmt sich fast immer daneben, versucht Gloria „anzugrabschen“, erzählt seine Version des Unfalls, an dem Glorias Chef starb ohne den Tathergang weiter zu recherchieren, er läuft fast immer in Unterhemd und legerer Hose rum auch wenn er bei der Arbeit ist, es gibt keinen Unterschied zwischen Arbeits- und Privatzeiten, er ist aufbrausend und gewalttätig. Sein Haus gleicht eher einer Hütte, vor einem Mausloch steht ein einziger Herrenschuh gefüllt mit Sand, seine Frau ist schlechtgelaunt, ein großes Zimmer steckt voll mit Second Hand Spielsachen, wo ein kleines Mädchen namens Adela unter ohrenbetäubenden Telenovelageräuschen spielt; als das Kind protestieren will, schlägt ihm die Mutter die Lippe blutig. Auf dem Weg durch das Haus in den Garten, wo der Teniente auf einer Liege zwischen leeren Budweiserflaschen schläft, hören sie die Stimme eines Jungen, sie treffen auf ein zweites Kind, ein Mädchen, das an einer Sauerstoffflasche hängt. Am Ende verfolgt der uneinsichtige „Teniente“ Gloria und Carlos Sohn, zerschmettert den Spiegel der Beifahrerseite, wobei sie aufs Gaspedal treten und eiligst sein Haus verlassen; sein Verhalten macht Gloria misstrauisch und veranlasst sie zu weiteren Recherchen.

Der Beischlaf:

Angekettet mit einer Handschelle an der Holzliege schleppt sich Carlos Junior blutend mit Gloria in Sicherheit; sie verartztet ihn, sie schlafen miteinander. Als sie schlaflos nach dem Beischlaf ihn fotografieren will, wacht er auf und wird einen kurzen Augenblick ganz anders, als er sich sonst gibt, einen Tick unfreundlicher, bis dieser Moment vorbei ist; seine Erklärung, warum er kein Foto will, es hätte mit seinem Selbstrespekt zu tun begreift sie nicht, fragt aber nicht weiter. Ihre nächsten Ziele sind: eine Werkstatt, um eine Säge zu holen, mit der sie die Handschellen absägen können, und eine Klinik, in der kein Doktor aber sehr viele Patienten rumsitzen, einer kuriert sich sogar selber mit Aspirin. Die Ärztin chinesisch-spanischer Abstammung führt Gloria in das Gemeinschaftsbüro, einen sechseckigen Raum mit Duschköpfen und Fliesen von oben bis unten, das eine Squash-Halle gewesen war, eine Parodie eines Dritte-Welt-Gesundheitszentrums, das durch zwei brandneue Errungenschaften hervorsticht: einen glänzenden Defibrillator und einen Sauerstofftank mit einer „nonrebreather mask“. Dort erfährt Gloria, warum Carlos Senior eingeäschert wurde; das Gesetz in Mexiko schreibe eine Einäscherung oder einen Transport in die Gerichtsmedizin vor, wenn keiner den Verstorbenen innerhalb von 48 Stunden abholt. Einäscherung ist die mehrheitliche Entscheidung, weil man davon ausgeht, dass die Toten nicht abgeholt werden. Der Staat unterstütze die Einäscherung mit 300 Pesos, ein Transporter kommt vorbei und bringt die Urne zurück, die Klinik bekommt 150 Pesos, die andere Hälfte steht nur auf dem Papier, denn die Ärzte beziehungsweise die Verwaltung bekommen sie nicht ausser sie können beweisen, dass sie sie ausgeben. Etwas später allerdings gibt die Ärztin zu, dass sie die restlichen 150 Pesos steuerlich anmeldet, als ob sie Ausgaben für 300 Pesos gehabt hätten und den Rest für Bevorratung ausgegeben hätten. In dem Einäscherungsfall hat sie das verbliebene Geld für die Notverartzung einer Fraktur eines Jugendlichen, die der Bruder seiner Freundin mit einer Schaufel verpasste.

Carlos wird durch eine spektakuläre Aktion mit einem Fallbeil von den Handschellen befreit, dabei wird das Fallbeil beschädigt.

„Sunstroke“ thematisiert ein Detail, das mich besonders fasziniert hat: es geht um ein jahrzehntealtes Verbrechen, der Täter, die Täterin, die Täter kamen ungeschoren davon, sie wurden wohlhabend, aber sie vergaßen nicht. Irgendwo im tiefen Inneren schlummert schlechtes Gewissen über die Opfer; diesem versuchen sie entgegenzuwirken, indem sie in der Gegenwart anderen Leuten reichlich geben in Worten und in Taten, nicht ohne den Hintergedanken etwas dafür zu bekommen, eine „Win-Win-Situation“; solche Täter(innen) oder „Tätergemeinschaften“ würden sich an aus verschiedenen Gründen schwachen oder abgeschwächten Menschen und an deren Kindern ranmachen, um ihre Ziele zu erreichen, ein Ziel, das Aufrechterhaltung jahrhundertealter Muster heisst, ein Gebaren, das Veränderungen ablehnt.©BUECHER-LOGBUCH®

Bibliographie:

Jesse Kellerman, Sunstroke, ©Jesse Kellerman 2006, Time Warner Books.

MEXIKO:

Mexiko-Stadt ist die Hauptstadt von Mexiko. Sie gehört zu keinem Bundesstaat, sondern bildet einen bundesunmittelbaren Hauptstadtbezirk, in dem 8,8 Millionen Menschen leben. Bevölkerung: 8,851 Millionen (2010).

Hermosillo ist die Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Sonora und des Municipio Hermosillo und hat 715.061 Einwohner. Bevölkerung: 641.791 (2007). Das Haus des „Department of Recreation“ hat die Form eines Adlers und ist ein lokaler Sightseeing-Spot.

Tijuana ist eine Stadt im Nordwesten von Mexiko im Bundesstaat Baja California. Die Bevölkerung belief sich 2007 auf eine geschätzte Zahl von etwa 1.490.000 Menschen.

USA:

Los Angeles oder auch kurz L.A., ist die größte Stadt im US-Bundesstaat Kalifornien. Sie liegt am Pazifischen Ozean und dem Los Angeles River. Bevölkerung: 3,884 Millionen (2013). Eine private Führung in die Hollywood-Studios müsste bei einer Gruppe von 13 Personen gesplittet werden, denn die Nummer 13 galt als Unglückszahl.

Culver City ist eine Stadt mit 38.883 Einwohnern im Los Angeles County im US-Bundesstaat Kalifornien. Bevölkerung: 39.428 (2013)

Gegenüberstellung Deutschland:

Ein schwarzer Urbayer und erfolgreicher Musik-Entertainer, eine soziale Immobilienfirma, ein rheinländischer Lockenkopf des Typus süßer Teddybär, dem Frauen gerne mal die Brustwolle kraulen und sein erstes Geld wohl auf Kaffeefahrten verdient hatte, wo Rheumadecken, Gemüsehobel, westfälischer Rauchschinken und Landleberwurst in Dosen an das Publikum gebracht werden mussten sowie ein lukratives Geschäft für den vielbewanderten Antiquitätenhändler Gossec ist die Gewürzmischung des neuen Krimis von Max Bronski.

Kann das gut gehen? Natürlich nicht.

Diese soziale Immobilienfirma namens MCB kauft Immobilien in der Regel bei Zwangsversteigerungen. Sie ist gut vernetzt und hat einen hervorragenden Zugang zu wichtigen Informationen. Sie stellen für die gekauften Immobilien Gutachter ein; der Schätzwert liegt immer deutlich über dem Kaufpreis und dieses Plus wird als Gewinn in die Bücher geschrieben. Mit den Zahlenspielen kann man Kredite aufnehmen oder über Fondsanteile Geld einwerben. Bei der Buchprüfung stehen zertifizierte Vermögenswerte da drinnen, die sich scheinbar gut zu Liquidität machen lassen. An manchen Jahren geht es schief, wenn sie zum Beispiel Schrott kaufen, der sich nicht schönen ließ. An diese Stelle kommt die Levitas AG und mein Lieblingsabsatz in diesem witzigen Kriminalroman ins Spiel:

Die Levitas ist eine Fondsgesellschaft, die mit dem eingeworbenen Geld Anteile an mittelständischen Firmen übernimmt. Die Levitas hat gleich nach dem Besitzwechsel der Mutterfirma Immobilien zu überhöhten Preisen abgekauft und mit ihren Fondsgeldern Anteile an der MCB erworben. So unterstützen sie sich selbst mit dem Geld der Anleger.

Mit anderen Worten das Geld fährt im Kreis herum, bis niemand mehr kapiert, dass einer schuldenmäßig den „Schwarzen Peter“ gezogen hat, eine Art Schneeballsystem…

Der Krimi thematisiert die Zersetzung der Landschaft durch die Positionierung von Dritte-Welt-Häusern und dem Angebot bezahlbaren Wohnraumes an Gruppen, die traditionell aus jeder Gemeinschaft ausgeschlossen werden, jedenfalls in großen Mengen, im Buch werden Sinti, Roma, Muslime, Afrikaner, Araber erwähnt. An diesem Punkt wird der Begriff „Entmietung“ angesprochen, die Einsetzung fremder Gruppen in ein funktionierendes Wohnviertel, die Unterbringung von zehn Leuten in eine Wohnung, die beruflich und sozial keine Chance haben, sowie auch die begrenzte Laufzeit eines Dritte-Welt-Hauses, bis die angestammten Mieter sich entscheiden zu gehen; anschließend kann luxussaniert und teuer verkauft werden.

Gossecs Schauplatz ist die bayerische Hauptstadt München¹.

¹München ist die Landeshauptstadt des Freistaates Bayern. Sie ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die einwohnerstärkste und flächengrößte Stadt Bayerns.

Bibliographie:

Max Bronski, Der Pygmäe von Obergiesing, Ein neuer Fall für Gossec, ©Max Bronski, Kunstmann 2016.

Fortsetzung folgt…

Verbrechen Kollaboration:
Tatort: Thessaloniki 1943:
„Ελληνες εναντιον Ελληνων“

Die Studie „Ελληνες εναντιον Ελληνων“ von Stratos N. Dordanas thematisiert die Kollaboration griechischer Freiwilliger mit der deutschen Besatzungsmacht ab 1943 in der Stadt Thessaloniki.

Der Autor unterscheidet die Sicherheitsbataillons in Vorgehensweise, Kommunikationsstruktur, Auslandsreisen (zum Beispiel nach Wien) und Ausstattung. Die „sichtbaren“ Corps organisierten selbsternannte „Führer“, die sich in einem Kreis von Gleichgesinnten einen Namen machten; sie waren bewaffnet und unterhielten Beziehungen zu der Kommandatur. Die „unsichtbaren“ Corps gründeten nationalsozialistisch gesinnte Griechen, die oft Pseudonyme trugen; sie waren unbewaffnet. Letztere betrieben antisemitische Propaganda, haben die Enteignung jüdischer Geschäftsinhaber sowie die Deportation der jüdischen Bevölkerung vorangetrieben.

Die Herkunft der Anführer war oft auf den Balkanraum und das Schwarze Meer zurückzuführen; in dem Fall des Corps aus dem Dorf Koukos und dessen Anführer „Kissa Batziak“ waren es fast aussließlich türkisch sprechende pontische Flüchtlinge. Ihr Lebenslauf weist fast ausnahmsweise „schwarze Löcher“ auf, bis sie aus der Namenlosigkeit auftauchen, um die Sicherheitsbataillons zu gründen oder sich denen anzuschließen.

Kapitel 8 behandelt die unbewaffnete Kollaboration in Thessaloniki, die meistens hinter den Kulissen ihre ausgezeichneten Beziehungen zur deutschen Verwaltung nutzte. Es werden viele Kollaborateure genannt, zwei Namen werden unter anderem namentlich hervorgehoben, denen die Flucht vor der Lynchjustiz oder dem Gesetz, sofern es Anwendung fand, gelungen ist: Laskaris Papanaoum, Sohn eines Lehrers aus Bitola (heute Republik Mazedonien) – griechisch: Monastiri – zwischen den Kriegen in Hamburg als Händler und Lieferant tätig, angestellt bei einer jüdischen Familie, der eine große Ledermanufaktur angehörte. Nach der Heirat mit Luise kehrte Papanaoum nach Thessaloniki zurück, wo er die Leitung der Niederlassung einer serbischen Rohleder vertreibenden Firma übernahm; er machte ausserdem Schwarzmarktgeschäfte mit Olivenöl aus Lesbos.

Papanaoum baute ein Informantennetz über ganz Nordgriechenland auf, führte das „Ausländerbüro“ der Polizei, war „Zensurenoffizier“ der Korrespondenz im Pressebüro (1938-1939) und öffnete manchen Griechen die Türen zu den Etagen der deutschen Besatzung, während deutsche Offiziere von Schwarzmarkt profitierten. Er denunzierte Beamten in Katerini, einen französischen Bürger, befahl die Erstürmung eines Friseurladens und die Verhaftung mit darauffolgender Exekution von drei Personen.

Laskaris Papanaoum setzte sich vor dem Rückzug der deutschen Besatzer mit einem „neuen“ Paß aus Griechenland ab und entkam den an Anführern und Mitgliedern der Sicherheitsbataillons verübten Vergeltungsakten der kommunistisch gesinnten Befreiungsarmee ΕΛΑΣ und der sich ihnen anschließenden Teile der Bevölkerung. Sein Reiseziel blieb unbekannt.

Der zweite namhafte Kollaborateur hieß Konstantinos Tsimbas aus der ionischen Insel Kefallonia; er diente als Freiwilliger der britischen Armee im Nahen Osten. Verhaftet wegen Drogenhandels, Erpressungen und Betrugs, Exil in Ägypten, Rückkehr, Fotoreporter bei den Zeitungen „Vradyni“ und „Asyrmatos“, Auslandskorrespondent, Heirat mit Angeliki Kotsali, agierte Tsimbas als Verhörer, Folterer und Killer. Kurz vor der deutschen Kapitulation bekam er einen deutschen Paß und einen neuen Auftrag: Reise in die Türkei, vermutlich nach Syrien.

Eine kurze Erwähnung findet der Name Periklis Nikolaidis, über den Grenzen Griechenlands bekannter Agent, in dessen Auftrag Tsimbas wohl unterwegs war.

Die Studie enthält Namenslisten und porträtiert, soweit bekannt, die „Anführer“ der Sicherheitsbataillons, ihre Herkunft, ihre möglichen Beweggründe, ihre ideologische, politische oder auch oft persönlich motivierte Haltung im Kontext der Linie der deutschen Besatzungsmacht und derer befreundeten Regierungen, der Haltung der Widerstandsgruppen, der besatzungsfreundlichen Regimes in der Region, der griechischen Exilregierung sowie der Strategie alliierter Mächte gegen die Netzwerke der Kollaborateure.

Geschrieben in der stilistisch eloquenten aber nicht jedem zugänglichen Katharevousa liegen der Schrift zahlreiche Quellennachweise aus dem Efeteio Thessaloniki, Zeitungsartikel und Sachliteratur über die Kollaboration in verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen, die bis in die Vorlesungs- und Verwaltungsräume der Universität Thessaloniki hineinreichen, dem Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg, dem The National Archive London unter anderem. Das Buch veröffentlicht eine Liste der in Thessaloniki enteigneten jüdischen Geschäftsinhaber, von Ledergerbereien bis Schmuckgeschäften – die Art und Größe des Betriebs waren zweitrangig, es ging den Interessenten vornehmlich um eine Einnahmequelle -, die Zwangs- und Interimsübernahme durch Kollaborateure oder ihre Angehörige und Freunde und die spätere Weitergabe an die Stadtverwaltung von Thessaloniki (Δημος Θεσσαλονικης), als die „Nutznießer“ die Seiten wechselten oder die Flucht ergriffen.

Vom Autor, der gemäß dem Klappentext sich besonders mit den deutsch-griechischen Beziehungen im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf das Jahrzehnt 1940-1950, die deutsche Besatzungszeit und den griechischen Bürgerkrieg befasst, liegt ebenfalls ein zweiter Band vor, der sich mit den gesellschaftlichen – aus heutiger Sicht auch historischen – Auswirkungen der Kollaboration nach dem Auflösen der Sicherheitsbataillons, dem Anschluss mancher Anführer an die regierungsnahe „antikommunistische“ ΕΔΕΣ, der Flucht oder dem Lynchtod ihrer Angehöriger, der Niederlage in Kilkis, dem Überleben unter falschem Namen und dem Verschweigen von Herkunft und Taten vor den eventuell neu gegründeten Familien.km

Bibliographie:

Στρατος Ν. Δορδανας, Ελληνες εναντιον Ελληνων, Ο κοσμος των Ταγματων Ασφαλειας στην κατοχικη Θεσσαλονικη, 1941-1944, Εκδοσεις Επικεντρο.

Im lesenswerten historischen Roman von Isidoros Zourgos, Στην Σκια της Πεταλουδας (wortwörtlich übersetzt „Im Schatten des Schmetterlings“, der Autor erklärt im Nachwort die figurative Bedeutung der Phrase), einem Porträt Thessalonikis im zwanzigsten Jahrhundert, wird Bezug auf die Kollaboration genommen und ein weiterer Name gesellt sich zu fiktiven und reellen Akteuren: der eines jüdischen Kollaborateurs, der in Thessaloniki lebte: Χουσ(σ)ον.

 

 

Daphnes Mnemosyne Scoobys Sexmaschine:
Warum bekommt das Bilderbuch „Lindbergh“
in NRW den Preis und nicht in Hamburg…

Torben Kuhlmanns mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis prämiertes Bilderbuch „Lindbergh“ wird vom Lande Nordrhein-Westphalen geehrt; haben wir hier mit dem Ei des Kolumbus zu tun vielleicht…Warum bekommt dieses Buch über die Atlantiküberquerung einer kleinen Maus¹ im frühen zwanzigsten Jahrhundert², die einen großen Flieger namens Lindbergh zu ähnlichen Taten inspirierte, keinen Preis im weltoffenen „Tor zur Welt“ namens Hamburg, wo doch die exklusive dänische Marke Lindbergh „by appointment to the danish court“ in namhaften Brillengeschäften residiert und von vielen illustren Senatsmitgliedern, Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit „pro- und kontra-ceta-ttip-weiß-der-kuckuck-was-ansichten“, die alle auf einmal beginnen philosophisch zu werden und sich aber auch nur eventuell ein ganz klein wenig profilieren möchten, denn sie tragen ein erhabenes Gestell, nicht wahr, und haben vielleicht sogar dem dänischen Kronprinzenpaar sowie den anderen Kronprinzenpaaren Europas inklusive der 101 karlottinischen Dalmatiner in Hannover zugejubelt.

¹Lassen Sie zukünftig die Finger von Industriespionage, persönliche und auf Unternehmensebene; sie ist eine Straftat.

²Mir geistert wieder mal der Artikel von Shoshana Zuboff über Googles Intentionen (siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung), die man/frau im neunzehnten Jahrhundert suchen sollte, durch den Kopf, ich weiß nicht warum.

Mein Fazit: Nordrhein-Westphalen hat Hamburg hier den Bilderbuch-Brocken weggeschnappt. Torben Kuhlmann darf sich trotzdem freuen. Such is life im Hause Dänemark und seinen mehr oder weniger unmittelbaren geo-politisch-stadtteil-konzernabhängig-graphischen Nachbarn!©BUECHER-LOGBUCH®

Bibliographie: 
Torben Kuhlmann, Lindbergh, ©Torben Kuhlmann, NordSüd Verlag.

Φοβου τους Δαναους και δωρα φεροντας…
Danaer, Ionier, Indigonier und der
ganze Sex-after-Crime-Mumpiz

Diese Rezension bespricht Fiktion.Jede Ähnlichkeiten mit Personen, Vorfällen, Orten oder Beziehungen aus dem realen Leben ist nicht beabsichtigt und rein zufällig.

Η βιβλιοκριτικη που ακολουθει αφορα ενα εργο φαντασιας. Οποιαδηποτε ομοιοτητα με τιτλους, οργανωσεις, ομαδες, συνελευσεις, προσωπα, γεγονοτα, πλαισια, τοπολογιες και ανθρωπινες σχεσεις ειναι προïον συγκυριας.

Meine aktuelle Lektüre ist wieder ein neuer Kriminalroman in griechischer Sprache. Der Autor, dessen Name mir gerade entfällt, ist Philosoph und Architekt. Dieser noirisierende Krimi ereignet sich im Nobelvillenort Vourvourou auf der Chalkidiki-Halbinsel Sithonia; es wimmelt von russischen Oligarchen mit junger ultrahübscher Begleitung, ein Schwimmer spioniert einer Villenimmobilie nach, ein Mord geschieht. Der Krimi „schwimmt“ philosophisch in einsamen toronäischen Gewässern, wo Materie, Organisches und Anorganisches fließt wie Herodots Lippenbekenntnis, das er vor Jahrhunderten aus komplett anderen Gründen aussprach ohne zu ahnen, welche semantische Verkörperung es heutzutage erfahren würde von zelebrierten Übermenschen der Marke „Ego mei mihi me a me“.

Der Kriminalroman heisst  "συρριζα" und beschäftigt sich mit Grenzerfahrungen, Schnittstellen, Seiltänzereien, Narreteien und kunstvollen kamasutrischen Akrobatiken, Sex und Mord. Das Wort ist den Gebildeten als Adverbium bekannt; es bedeutet: knapp, peripherisch, beinah oder knapp vorbei ist auch daneben.©Buecher-Logbuch®