Am Beispiel meiner Geschichte:
Die Geschichte der Auswanderung von der Alten in die Neue Welt

Das 19. Jahrhundert begann düster für die Stadt und ihren Handel. Napoleonische Truppen hatten Hamburg besetzt, und der Verkehr auf der Elbe war durch die französische Kontinentalsperre und die englische Blockade zum Erliegen gebracht worden. Die Schiffe verrotteten im Hafen. Von ehemals 280 Segelschiffen waren 1822 nur noch 88 übrig geblieben.

Eigentlich habe ich die Geschichte der Stadt Hamburg, die bewegte Geschichte Thessalonikis, die Geschichte einer Diktatur der Information und die Geschichte der Auswanderer vom 19. bis zum 21. Jahrhundert erzählt am Beispiel meiner Lebensgeschichte und am Beispiel der Geschichte meiner Familie und meiner Freunde, die in Hamburg, in Griechenland und auf der ganzen Welt verteilt sind. Vielleicht habe ich auch die Geschichte körperlich oder psychisch kranker Menschen besprochen, die sich mir mitteilen wollen; es kommt vor, es sollte aber lieber von Mensch zu Mensch geschehen, nicht in Büchern und auf keinem Fall in sozialen Netzwerken. Sollte ich sogar die Geschichte toter Menschen nacherzählt haben, war es mir nicht bewusst, dafür gibt es Trauerreden, es ist nicht schön, im Internet sich darüber auszulassen und es sogar zu verbreiten.

Sie können das Buecher-Logbuch als die Geschichte eines Unternehmens, das Insolvenz anmeldet, lesen oder aber auch als die Geschichte eines kleines Landes, der es besonders schwer hat zwischen Großmächten, wie Griechenland oder Nepal, als die Geschichte eines Trümmerfelds oder eines indischen Slums, das über Jahrzehnte überleben kann, weil es die strukturelle Fähigkeit besitzt, sich ständig zu erneuern und den neuen Anforderungen anzupassen, aber auch weil es sich der Korruption unterwerfen muss, die die „Grossen“ oder „Etablierten“ vorschreiben.

Und last but not least erzählt das Buecher-Logbuch die Geschichte eines Stadtteils, des Stadtteils in dem ich lebe, Hamburg-Volksdorf, wo in den späten fünfziger Jahren mein Mann geboren wurde, am Ahrensburger Weg, dort wo die Bäckerei Kock ihren Laden betreibt.

Von diesem geographischen genau vermessenen Stadtteil Volksdorf, über das auch alte Karten und Alben gibt, die Sie in Museumsveranstaltungen studieren und sich informieren lassen können über Landschaftsknicks und andere besondere Merkmale Volksdorfs während der Jahrhunderte seit der Entstehung, kann die Reise in die Digitalisierung weitergehen in kleinen Schritten.

Wer sich über Kolonialisierung durch Celulloid auslässt, sollte erstmal darüber nachdenken, was visuelle Bilder bedeuten und wie junge Menschen ihnen entgegentreten können, egal aus welchem Kontinent sie kommen, Herr Christian Kracht.

Bibliographie (meine persönliche):

Νικος Καζαντζακης, Ο Χριστος ξανασταυρωνεται

Ρουλα Καραπανου, Ο κυκλος της οργης

Stephen King, In einer kleinen Stadt
Agatha Christie, Zehn kleine Negerlein

George Simenon, Pietr der Lette
Leon Sciaky, Farewell to Salonica City at the Crossroads

DE SPIEKER Jahrbuch 2016 (sowie auch alle anderen davor und die danach kommen werden, an denen Autorinnen und Autoren aus dem Stadtteil schreiben und Unternehmen Anzeigen schalten können)

Navid Kermani, Grosse Liebe

Ruth Rendell, Das Haus der Stufen

Uwe Timm, Am Beispiel meines Bruders

Uwe Timm, Die Entdeckung der Currywurst

Dharavi, Documenting Informalities.

 

 

 

 

 

Quo vadis?

Endgültige Weihnachtspause und gründliches Überlegen über Kooperationen. Wer Kultursenatorin wird, oder wer gewählt wird im nächsten Jahr, oder wer mit wem sich streitet, ist nicht wichtig. Auch kleine Seiten wie meine denken erst an sich und lassen sich beraten, mit wem sie kooperieren werden.

Sie entscheiden nach dem allseits beliebten hochgradig depperten Hamburger Lions Motto „Du entscheidest, mach, auch wenn du ein Säugling bist oder ein neuer Mensch in unserer Mitte, der mehr Zeit braucht als andere, musst du doch wissen, dass du dich zu entscheiden hast, wenn du schweigst, wenn du nichts sagst, dann lassen wir dich eben links liegen, bis es nicht mehr geht und deine Eltern Nachhilfe organisieren, falls sie das Geld haben, wenn sie es nicht haben, dann geht es eben nicht, dann bleiben die Kinder auf der Strecke, verkehrte Welt aus Kunst, Kultur und Massenmedien, wenn du die paar Schritte bis zum Lehrertisch nicht machst, hast du Pech gehabt, dann gibt es eben kein Bonus für dich, dann gibt es Praktikumsplätze nur für Streber, die Leute haben nun mal ihre Bildung aus der Bild, jawohl um die können sich Lehrer ja nicht kümmern und Schulbehörden schon mal gar nicht, das müssen empörte Mütter unterm Radar machen, weil Beamten und Politik es nicht schaffen, sich um das wichtigste zu kümmern, die Zukunft, die Bildung für alle Kinder heisst!“

Aus dieser prekären Lage ziehen wir den Schluss noch weiter zu brinkmannshippen auch im Bereich Praktikumsplatz, wozu sich beeilen, damit die Senatorin Zahlen hat für ihre nächste Recherche, nein danke, erfinden Sie die Zahlen doch mal, das geht doch auch.

Schöne Weihnachten!

Ansprechpartner für Kooperationen und Vermietung von Werbeflächen¹:

¹Was zum Markenschutz dient, weil Unternehmen bei mir keine Werbeflächen mieten wollen würden, denn ich kann keine 4.000.000 Millionen und mehr Follower aufweisen.

SKW Schwarz Rechtsanwälte

Rechtsanwalt IT-Recht, Dr. Wulf

Dr. Jürgen Sparr, LLM

Ferdinandstraße 3,

20095 Hamburg,

Telefon: +49 (0)40 33 40 10

www.skwschwarz.de

Das Rätsel des Manns
mit dem Unschuldsgesicht

Im folgenden lesen Sie Ausschnitte einer Szene, die einen weltweit bekannten Antikriegsroman zitiert.

Polizei: „Können wir Ihre Papiere sehen?“

S.: „Ich habe keine. Sie sind in meinem Koffer geblieben, im Zug nach Passau. Ich bin mit dem Morgenzug gekommen, wollte, bitte schön, ein Bier trinken, und der Zug ist mir fortgefahren.“

Der Mann sprach mit deutlichem slawischem Akzent…

Und ein bisschen weiter unten:

Polizei: „Es gingen inzwischen zwei weitere Züge nach Passau ab. Warum sind Sie nicht mit diesen gefahren?“

S: „Bitte schön, Herr Wachtmeister, es ist mir unterdessen, was ich auf den nächsten Zug gewartet hab, das Malör passiert, daß ich am Tisch ein Bier nach dem anderen getrunken hab.“

Polizei: „Was sind Sie von Beruf?“

S: „Ich verkaufe Hunde. Das hab ich schon vor dem Ersten Weltkrieg gemacht. Ich wollte von einer Dame einen Pudel abholen, den Sie verschenken wollte; aber sie hat´s sich anders überlegt.“

Polizei: „Ist das Ihre Börse?“

S: „Die hab ich auf der Toilette gefunden, als ich nach dem finften Bier…nein, das war nach dem siebten. Nach dem finften war sie noch nicht da.“

Polizei: „Sie gestehen also, dass es nicht Ihre Börse ist?“

S: „Wenn Sie wünschen, Herr Wachtmeister, daß ich gesteh, so gesteh ich, mir kanns nicht schaden…“

Aus:

Gabriel Laub, „Der Mann mit dem Unschuldsgesicht„, in Gabriel Laub, Spielen Sie Detektiv! Ein literarisches Quiz für schlaue Leser, rororo. Auflösung in Block V im Buch und morgen im buecher-logbuch.de.

„Was wäre die Welt ohne
Bücher?“

Ist eine Welt ohne Bücher vorstellbar?

Für viele ist diese Vorstellung eine beunruhigende Vision, für andere kommt sie der Zukunft nahe. Printausgaben bekommen schrittweise Konkurrenz von neuen medialen Formen entweder als Ergänzung oder als Ersatz. Die jüngere Generation wird mit einem Smartphone in der Hand geboren, ein i-Pad wartet zum 2. Geburtstag, der Übergang zum Laptop erfolgt nahtlos ein wenig später, Kinder machen sich früh mit sozialen Netzwerken vertraut, 3-D Illusionen verführen das Auge in andere Wahrnehmungsebenen, und e-books sind praktische Begleiter für eine Reise.

Für Bücher gibt es da manchmal, mancherorts wenig Zeit.

Meistens Comics, vorwiegend Mangas, und Kinderbücher aufgelockert mit Skizzen sind beliebt bei Grundschulkindern und Jugendlichen. Der Geschmack und die Wahrnehmungspalette haben sich geändert, wir leben ja schließlich im 21. Jahrhundert. Der optische Wahrnehmungssinn wird separat angesprochen; die Hör- und Sprachperspektive bleiben an der Peripherie des Geschehens.

Auf die Rezeption über das Auge folgt die Reaktion, die sehr unterschiedlich ausfällt und eine Ur-Form ist, die Welt zu verstehen. Ein Tunnelblick versperrt den Horizont, und das Wissen, was das Lesen von Büchern vermitteln könnte, bleibt dem Menschen verborgen. Durch die einseitige, einen Sinn beanspruchende, Wahrnehmung, finden die absolut notwendigen Verschaltungen nicht statt. Eine Mischform aus Wissensaneignung über Bücherlesen einerseits und multimedialer Kompetenz andererseits schafft möglicherweise den Übergang zu der bücherfernen, doch hoffentlich nicht komplett bücherlosen Welt von morgen.

Am 23. April 2014 ist Welttag des Buches. Bücherlesen ist wie Verreisen, den Traum vom Abenteuer eine Zeitlang wahr werden lassen. Aber Bücher müssen auch unbequeme Themen ansprechen, wahre Geschichten erzählen und die Vergangenheit angehen, auch wenn sie schmerzhaft ist, auch wenn viele sie nicht mehr hören wollen, das ist dann Pech für sie, da müssen diese Leute, wie viele es auch sind, einfach in den sauren Apfel der Geschichte ihrer Eltern und Großeltern, ihrer Stadt, ihres Landes, beissen, sie dürfen weinen und dem Populismus, der auf dem Anmarsch ist, die kalte Schulter zeigen.©Buecher-Logbuch

Lesen Sie:

Karen Levine, Hana´s Suitcase A true story (deutsche Ausgabe, Ravensburger Buchverlag) Bestellung über BUCHHANDLUNGEN

Diesen Beitrag schrieb Kyriaki Marati, buecher-logbuch.de.

PANTOMIME.
„Das ist ein Buch!“

Der Esel sitzt an seinem Computer; der Affe liest sein Buch; die Maus versteckt sich noch.
„Was ist das?“, fragt der Esel
„Das ist ein Buch.“, antwortet der Affe.
„Wo ist die Maus?“, fragt der Esel.
Die Maus erscheint.
Der Esel möchte wissen, was das Buch alles so kann.
Der Affe antwortet jedesmal: „Das ist ein Buch.“
Der Esel wird neugierig auf dieses scrollfreie, computermausfreie Etwas mit den vielen Buchstaben, das Buch heisst…

„Das ist ein Buch!“ (Original: „It´s a book“) wurde von Lane Smith geschrieben, von Molly Leach illustriert und von Michael Krüger in Deutsch übersetzt.

Was kann schon ein Buch, wenn es mit modernen Medien verglichen wird? es zieht bestimmt den Kürzeren, wenn es nach dem Esel in der Bilderbuchgeschichte „Das ist ein Buch!“ von Lane Smith ginge. Aber dieser notorische Nicht-Leser macht die Rechnung ohne den Affen und die Maus und vor allem ohne die eigene Neugier wissen zu wollen, was dieses Buch doch alles kann. Der Ältere von den beiden, hier das Buch, wird sich der Koexistenz mit dem jüngeren Pendant, hier das Tablett, nicht verweigern…©Buecher-Logbuch

Bibliographie

[expand title=“Open“ swaptitle=“Close“]

Lane Smith, Das ist ein Buch, Hanser Verlage 2011
Carl Hanser Verlag

Lane Smith, Das ist ein Buch!, Illustriert von Molly Leach, Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Michael Krüger, ©2010 by Lane Smith, ©für die deutsche Ausgabe 2010, 2011 Hanser Literaturverlage, ISBN 978-3-446-23937-1, Preis: €6,90(D) [/expand]

 

24 Buecher-Lichter.
Das 8. Buchlicht am
8. Dezember 2013

Bilderbuch von Thé Tjong-Khing

ohne Sprache

ab 3 Jahre

empfohlen zur frühkindlichen Sprachförderung

Die Torte ist weg! kommt ohne Worte aus und lässt den kleinen und grossen Noch-Nicht-Lesern ihre individuelle Erzählkreativität und Phantasie entfalten.

Das viel zu oft Gedankenabläufe und Erzählstränge vorschreibende geschriebene Wort erscheint hier lediglich im Titel und Untertitel.

Die Torte ist weg! wird vom Moritz Verlag zur Sprachförderung empfohlen; das Buecher-Logbuch unterstützt die Verlagsempfehlung. Warum? Weil Sie auf dieser Weise Kinder ohne Sprache, die ganz neu in Ihrem Land sind, an die Sprache¹ des Landes, in dem Sie leben, heranführen können. Und mit Spielen.

¹Sie müssen sich allerdings in manchen Fällen für eine Sprache entscheiden und auf Ihre eigene Muttersprache verzichten, wie ich es machen musste, weil das Kind mehrere Sprachbrüche hinter sich hat und ganz klein anfangen muss.

Wer mir vorgeworfen hat, und das ist leider passiert und passiert jedes Jahr aufs Neue, in Griechenland, ich hätte unserem Sohn und meinem Mann die griechische Sprache nicht beigebracht, ist ein Fantast, denn sie haben nicht erlebt, wie schwierig es ist, für ein Kind, das schon ein wenig älter ist, Fuß zu fassen in einem neuen Land. Was meinen Mann angeht, er entscheidet selber, welche Sprache er lernen will, allerdings ist er bis auf seine hervorragenden Englischkenntnisse eher nicht sprachbegabt. Erst nachdenken, dann reden.

Bibliographie

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Thé Tjong-Khing, Die Torte ist weg! Eine spannende Verfolgungsjagd, (Original in Niederländisch Waar is de taart?) © 2006 Moritz Verlag Frankfurt am Main, ISBN 978-3-89565-173-1, € 13,95. Altersempfehlung des Verlages ab 3 Jahre, Kategorie Wimmelbilderbuch. [/expand]

Unser 9. Buchlicht folgt morgen, am 9. Dezember 2013, und empfiehlt die Komödie über den Plan, einen Staat zwischen Himmel und Erde zu errichten

 

Der grosse Hafenarbeiterstreik von 1896-1897

Seit den 1880 Jahren eilte der Hamburger Hafen von einem Rekord zum anderen. Doch der Erfolg wurde zu Lasten der vielen Hafenarbeiter errungen, die für wenig Lohn schwere Arbeit leisten mussten. Im November 1896 wehrten sich die ersten Arbeiter und traten in den Streik. Andere schlossen sich an. Schließlich hatten 17.000 Hafenarbeiter und Seeleute die Arbeit niedergelegt. Arbeiterfamilien hatten es nicht leicht. Sie lebten in schlichten Wohnungen, in den Gängevierteln sogar unter katastrophalen Bedingungen. Das Geld war ständig knapp, die Mieten und Lebensmittelpreise stiegen dagegen seit Jahren. Die langen Fußwege zum Hafen kosteten viel Kraft, und bei der Arbeitssuche waren sie der Willkür der Agenten ausgeliefert. Immer wieder streikten die wenigen in Gewerkschaften organisierten Arbeiter für mehr Lohn und kürzere Arbeitszeiten. Sie waren ausgesperrt worden, und Streikbrecher hatten ihre Arbeit erledigt. Die wenigen Zugeständnisse, die die Unternehmer freiwillig konzedierten, richteten sich weniger an die Arbeiter als gegen die Gewerkschaften. Für die Schutenführer richteten Ewerführereien Arbeitsnachweise ein, in denen Gewerkschaftsmitglieder abgewiesen wurden. Und indem der staatliche Kaibetrieb einigen Kaiarbeitern Akkordlöhne, anderen dagegen Stundenlöhne zahlte, trieb er einen Keil zwischen die Arbeiterschaft. Viele Menschen resignierten, und die Gewerkschaften verloren Mitglieder.

1896 wendete sich das Blatt. Das Geschäft der Hafenbetriebe florierte, den Unternehmen ging es besser denn je, und die Arbeiter wollten ihren Anteil. Den würden sie aber, das wussten sie ohne Streik nicht erhalten. Im November legten die ersten Schauerleute und Stauer, denen eine Lohnerhöhung verweigert worden war, die Arbeit nieder. Andere Menschen schlossen sich an, Kohlen- und Kornarbeiter, Kessel- und Schiffsreiniger, Schutenführer, Kranführer und Kaiarbeiter, Kranführer, Ewerführer und Maschinisten. Streikkarten wurden verteilt und Streikposten aufgestellt, da die Arbeitgeber erfahrungsgemäß Streikbrecher beschäftigen würden.

Der Senat wollte eine Eskalation verhindern und bot seine Vermittlung an. Doch der Arbeitgeberverband lehnte ab. Hier führte der Werftbesitzer Hermann Blohm das große Wort. Blohm erklärte, es handele sich nicht um eine Lohn-, sondern um eine Machtfrage, verkündete Blohm. Gleichzeitig plante der den Bau einer Wohnsiedlung für seine Werftarbeiter als wohltätig-patriarchalische Geste.

Anfang Dezember ging der Streik los: die Streikenden verlangten eine bessere Arbeitsvermittlung, mehr Lohn, kürzere Arbeitszeiten, verlässliche Fährverbindungen im Hafen und einen besseren Arbeitsschutz. Doch die Arbeitgeber reagierten nicht, sie wollten ein Exempel statuieren. Sie setzten auf Aussperrungen und Streikbrecher, die unter Polizeischutz in den Hafen eskortiert wurden. Viele kamen von außerhalb und wurden auf Schiffen im Hafen untergebracht.

Die Hamburger Bevölkerung stand auf der Seite der Arbeiter und unterstützte sie mit Geldspenden. Aber die Streikkasse war nicht prall gefüllt, und die Gewerkschaften suchten erneut die Vermittlung des Senats, der auf die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit bestand. Anfang Februar mussten die Streikenden aufgeben. Sie mussten versichern, sich nicht mit den Streikbrechern anzulegen, die jetzt zum Heer der Hafenarbeiter gehörten.

Andere mussten aus der Gewerkschaft austreten und die meisten mussten sich mit geringeren Löhnen als vor dem Streik zufriedengeben.

Die Arbeitgeber boten die Einstellung eines Hafeninspekteurs an, der die Arbeitsbedingungen kontrollieren sollte. Sie sahen auch in den Tagelöhnern die radikalste Gruppe unter den Streikenden ausgemacht. Eine Senatskommission empfahl, die Arbeitsverhältnisse zu festigen, da Arbeiter in einer gesicherten Stellung zögernder in einen Streik eintreten würden. Doch die Gelegenheitsarbeiter lehnten das Angebot einhellig ab. Andere Tagelöhner wollten ihre Freiheit nicht aufgeben. Sie hatten sich an ein Leben mit ein paar Tagen Müßiggang, wenn ihnen danach war, gewöhnt. Diese Freiheit wollten sie nicht gegen eine Sechstagewoche tauschen.

Morgen und Abend und Licht

Wie ist es wenn ein geliebter Mensch eine tiefe Depression durchlebt oder Jahrzehnte lang im Bett gefesselt durch einen ärztlichen Fehler Lebenszeichen sendet, die nicht gehört werden können oder langsam in der Demenzgrube verschwindet oder so sehr krank ist, dass sie das Haus nie verlassen können oder trotz Krankheit weiter arbeitet – was ich übrigens sehr begrüsse, denn das zeigt Lebensmut und Durchhaltungsvermögen – oder höchstens zwischen Krankenhaus und Wohnung oder Haus pendeln kann; wie ist es wenn ein Kind zur Welt kommt, das einen Herzfehler hat oder eine Behinderung – körperliche oder geistige – und besonderer Betreuung bedarf, was ist wenn ein Kind eine neue Familie findet und sich in seiner Haut nicht wohlfühlt? Es muss einer klaren Kopf bewahren, arbeiten, weiter in der Realität leben, den Haushalt machen, den Alltag organisieren, für das Kind die maßgeschneiderte Betreuung finden, kochen, ab und zu auch an sich und an die eigenen Bedürfnisse denken. Während der andere Mensch, jung oder alt, körperlich oder geistig den langen oder kurzen Abschied angetreten hat, das kann man vorher nie wissen, unabhängig davon, was die Ärzte sagen mögen, während das Kind sich zu einem Jugendlichen entwickelt, bleibt man oder frau am Ball, einer muss den Weg des Zugpferdes gehen, um Menschen und Kutschengefährte voranzutreiben.

Bibliographie:

Lena Gorelik, Heute bin ich taub
Paul Auster, Im Land der letzten Dinge¹.
¹Das Buch ist düster, aber für Fachkräfte, die Menschen betreuen, die aus Angst um ihre Nächsten oder Trauer um verstorbene Kinder, die plötzlich mitten aus dem Leben gerissen wurden, selber in eine Depression fallen oder ganz dunkle Gedanken bekommen, eine Hilfe, um Gedankengänge eines Verzweifelten, der es auf Papier bringen muss, nachzuvollziehen und trotzdem Distanz bewahren zu können.

Von der Elb- zur Köhlbrandbrücke

Bis hierhin und nicht weiter, galt für Seeschiffe, die für den Holthusen- oder Kirchenpauerkai bestimmt waren. Unter den Elbbrücken kamen nur noch Binnenschiffe durch. Wäre man in den 1860er Jahren dem Rat des Ingenieurs William Lindley gefolgt, wäre die Brücke auf Höhe der St. Pauli Landungsbrücken gebaut worden. Der Hamburger Hafen hätte anders ausgesehen, viele Hafenbecken wären nie angelegt worden.

Die Fähre, die zwischen dem Großen und dem Kleinen Grasbrook verkehrte, und die Fähren, die über den Köhlbrand nach Harburg fuhren, ermöglichten zwar einen bescheidenen Personen- und Warenverkehr. Aber nur über eine Eisenbahnbrücke konnten die Güter, die im neuen Hafen umgeschlagen wurden, schnell in den Süden gelangen. Die Bahnverbindung nach Berlin hatte den Wert dieses Verkehrsmittels unter Beweis gestellt. Doch das Königreich Hannover und Harburger Fuhrunternehmer verzögerten den Bau einer Elbbrücke – beide in der Überzeugung damit dem Harburger Hafen etwas Gutes zu tun.

1872 rollten die ersten Züge über die Brücke. Die Fuhrunternehmer mussten 15 weitere Jahre warten, bis auch sie die Elbe ohne Fähre überqueren konnten. 1887 wurden die neuen Elbbrücken mit ihren dekorativen, stadttorähnlichen Kopfbauten als Straßenbrücke eingeweiht. Die Pläne der Nazionalsozialisten, die Elbe auf Höhe von Altona mit einer gigantischen Hochbrücke zu überqueren, wurden nie verwirklicht.

Im Hafen selbst wurden deshalb Hubbrücken gebaut. Als Hamburg 1908 im Dritten Köhlbrandvertrag Flächen westlich des Köhlbrands zugesprochen bekam, um hier neue Hafenbecken anzulegen, stellte sich sofort die Frage nach einem Eisenbahnanschluss, der aber nicht zustande kam. Das Provisorium, ab 1910 Eisenbahnwaggons und Fuhrwerke einzeln mit einer Fähre ans andere Ufer befördert werden mussten, wurde unhaltbar, als in den 1960er Jahren auf Waltershof der neue Container-Terminal Burchardkai gebaut werden sollte. An die 6.000 Fahrzeuge wurden täglich über den 325 Meter breiten Köhlbrand übergesetzt – für den Hafenbetrieb zu wenig, für die Fähre zu viel.

Die Köhlbrandbrücke wurde 1974 eingeweiht. Die Durchfahrt der Schrägseilbrücke betrug 54 Meter bei Niedrigwasser, ausreichend auch für die größten Schiffe, wie man damals befand. Tatsächlich krachte es nur einmal. 1998 rammte der Ausleger des Schwimmkrans „Rotterdam“ die Brücke. Womit die Erbauer nicht gerechnet hatten: Der Schwerlastverkehr nimmt zu und belastet die Brücke zusehends. Täglich fahren rund 30.000 Fahrzeuge über den Köhlbrand. Messungen der HPA (Hamburger Port Authority) im April bis Juni 2011 haben ergeben, dass in dieser Zeit insgesamt 13 Millionen Tonnen Gewicht über die Brücke rollten.

Bibliographie: 

SZENE Hamburg¹, GESCHICHTE, Der Hamburger Hafen, Von 1820 bis heute, Brücken, von der Elb- zur Köhlbrandbrücke, Seite 74.

¹Bei einem Ju(u)l-Club bekommen, das ist ein zeitloses Geschenk für Jugendliche und Erwachsene, die an Hamburger Geschichte interessiert sind.

Wiedergutmachung

Eine Wiedergutmachung ist eine Reihe von Handlungen, die ein altes Verbrechen versuchen zu tilgen, mit einem Gebäude, mit einer Anlage, mit einem Geschenk. An eine Untat, zum Beispiel die Bombardierung einer Stadt wie Hamburg 1943 wird mit der Errichtung eines Monuments wie das St. Nikolai Mahnmal erinnert. Das ist schlicht, es wird von einer Ausstellung begleitet, es liegt zentral und es ist zugänglich. Menschenleben bekommt man nicht zurück, Sie gedenken sich ihnen, in Ruhe und Abgeschiedenheit oder im Freien mitten in der Hamburger City.

Ich bin etwas skeptisch, wenn nach der Errichtung eines exklusiven architektonischen Werkes der Kauf einer Reederei stattfindet, vielleicht haben die beiden Vorgänge miteinander nichts gemeinsam, oder es gibt verdeckte Zusammenhänge, die wir mit blossem Auge nicht erkennen können.