Hafentod | Henrike Jütting
BUCHCOVER
Hafentod Kriminalroman aus Münster Der Fokus ist auf die Hafenansicht, wie sie in die Schatten des Sonnenuntergangs versinkt.
Der Münsteraner Hafen ist ein ehemaliger Industriehafen. Das Bild vermittelt alte Industriekulisse. Die Ansicht gehört zum Teil des Münsteraner Hafens, der weniger urban ist. Dort gibt es alte Lager, Schienenreste, stillgelegte Baukräne und umfunktionierte Speichergebäude.
Quelle: Interview mit Henrike Jütting, KBV Verlag
Die Typographie trägt zur Stimmung, die das Cover versprüht, bei. Gleichzeitig steht sie mit ihrer auflösenden Struktur im diametralen Gegensatz zu den klaren Linien des Bildes. Zerbröckelt, zersplittert, weckt das Wort „Hafentod“ das anscheinend schlafende Bild auf. Und vergisst dabei nicht auf den Industriehafen Münster hinzuweisen.
Die Infos zum Buch
| Autor: | Henrike Jütting |
| Verlag: | KBV Verlags- und Medien GmbH |
| Übersetzung: | ./. |
| Erschienen: | 2025 |
| Umfang: | 340 Seiten |
| Preis: | € 15,00(de) |
| ISBN: | 978-3-95441-723-0 |
ZIELGRUPPE
Freunde damals, Freunde heute, und sie hüten ein Geheimnis. Sie waren dabei, als ein Mord geschah. War einer von ihnen der Täter oder die Täterin? Oder waren sie so stark alkoholisiert, dass sie nichts von der Tat mitbekommen haben, obwohl sie in Tatortnähe waren?
Die Täterin wird ermittelt, gesteht die Tat und kommt nach einer fünfzehnjährigen Haftstrafe unter Anwendung des § 57 StGB zur Bewährung frei.
Das Buch verbindet die alte mit der neuen Geschichte, wobei die Fassade der Ermittlungen von damals zerbröckelt, denn die Tat hat in Wirklichkeit jemand anders begangen. Das Spiel mit dem Whodunnit, damals und heute, macht die Suche nach dem wahren Täter spannend bis zur letzten Seite. Dabei kommt Münster zur Geltung, die dunklen wie die hellen Seiten der Stadt an der Münsterschen Aa.
Kiki’s Rezension: Hafentod
EINLEITUNG
Eine Tragödie, die sich vor fast vierzig Jahren zugetragen hat, ist traumatisch für alle Beteiligten, bis in die Gegenwart. Die Erinnerung an das traumatische Ereignis ist zum Greifen nah, denn die Menschen, die damals als Jugendliche es erlebt haben, wohnen im Erwachsenenalter nicht sehr weit voneinander entfernt.
In dem Kriminalroman „Hafentod“ ermitteln die Kommissarinnen Katharina Klein und Eva Mertens bereits zum sechsten Mal mit ihrem unnachahmlichen Gespür an Schauplätzen in Münster.
INHALTSANGABE
Hafentod
Heute: fünf Freunde treffen sich nach dem Ende der Schulzeit regelmäßig. Wenig später ist einer von ihnen tot, ermordet. Die Polizei ermittelt und stößt auf einen alten Fall. Damals: der Vater des Ermordeten wurde von seiner Frau getötet. 1986: der angesehene Münsteraner Arzt Dr. Fred Neuhaus wird erschlagen in seinem Schwimmbad aufgefunden. Seine Ehefrau hockt am Beckenrand, verstört und gesteht kurz darauf die Tat. Das Geständnis führt zu einer Haftstrafe, lebenslänglich. Nach ihrer vorzeitiger Entlassung hat sie ihrem Sohn gebeichtet, dass sie ihren Mann nicht getötet hat. Sie hat eigentlich die Schuld auf sich genommen, weil sie befürchtete, dass der gemeinsame Sohn die Tat begangen hatte.
Heute: vierzig Jahre später findet Kommissarin Katharina Klein Arndt Neuhaus, den Sohn von Fred Neuhaus, 54 Jahre alt, tot am Hafenbecken von Münster. Auch er ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Arndt Neuhaus vermutete den Verantwortlichen für den Tod seines Vaters in seinem Freundeskreis und begab sich auf der Suche nach Indizien. Kurz darauf ist er tot. Die ermittelnde Kommissarin hat alle Hände voll zu tun, denn es sind gleich zwei Fälle auf dem Tisch und ihr Vorgesetzter krankgeschrieben.
Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem alten und dem neuen Fall? Ist der Täter oder die Täterin unter den Freunden des Toten zu suchen, die damals jugendlich eine Tat beging, für die sie nicht gerade stehen wollte? Sind Eskapaden der Opfer und Eifersucht der Grund für die Taten? Kann ein übersehenes kleines Detail der Schlüssel zur Lösung sein? Was wird ein Streetworker, ehemaliger Drogenabhängiger, der einen gemeinnützigen Verein betreibt, zu sagen haben?
INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG
Eine starke Frauenfigur, die auch unter Schmerzen ihre Arbeit nicht vergisst, ist die Kripokommissarin Katharina Klein. Sie vertritt ihren kranken Chef in einem Todesfall, der an einer vergangenen Tat erinnert. Auf dem ersten Blick scheint es eine Verbindung zwischen den beiden Fällen, dem alten und dem neuen, zu geben. Das macht die Sache kompliziert, die Fäden zu entwirren, Erinnerung zurechtzurücken, Unklarheiten zu bereinigen. Dabei ist der Auftritt als Teamchefin ein wenig holprig, denn Konflikte zwischen Regeln, Disziplin und Laissez-Faire prallen aufeinander. Ihre Ungeduld einerseits schadet der Stimmung, die im Großen und Ganzen locker von statten geht. Andererseits scheint der pragmatische Stil der Kommissarin in Kombination mit dem leichtfüßigen Umgang der Teammitglieder miteinander und mit Autoritätsfiguren wie auch -strukturen den Ermittlungen zugute zu kommen. Aber auch persönliche Sympathien spielen eine Rolle für den Flow in der Fallbearbeitung.
Katharina Klein lässt nicht locker. Es ist ihre Beharrlichkeit, die sie auf die richtige Spur bringt. Das Doppel mit ihrer Freundin und Kommissarin Eva Mertens ist intuitiv und perfekt auf einander eingespielt, so dass sie niemals im Vorfeld etwas besprechen müssen. Und den Täter machen sie im Finale dingfest. Die unermüdliche Suche der Kommissarinnen nach Indizien, macht sie mit Zeugen bekannt, die etwas wichtiges gesehen haben. Die Überraschung ist perfekt! Katharina Klein besitzt die Willensstärke, sogar Enttäuschungen zu verkraften. Zur Seite steht ihr Eva Mertens. Gemeinsam erreichen sie im Laufe der Ermittlungen Geständnisse oder eine Aussage zu einem bestimmten Aspekt. Hindernisse beseitigt, Fall gelöst.
Hafentod
FAZIT
In Rückblenden in die 1980er Jahre sowie Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt der Krimi von einer Gewalttat, die im Affekt geschah und im Anschluss wohl überlegt vertuscht wurde. Das Spagat der Polizei zwischen Damals und Heute erhöht die Spannung und ermittelt zum Schluss die Täter, denn es sind zwei. Der eine Täter blieb jahrelang unentdeckt, weil eine unschuldige Person schuldig gesprochen wurde. Ein Justizirrtum!
Vor der Kulisse Münsters mit dem Nicht-Münsteraner:innen vielleicht eher unbekannten Stadthafen ist ein kriminalistischer Spaziergang für alle Tage zu lesen.
Ort der Handlung: Münster, Nordrhein-Westfalen
Stadthafen, Münster
Tatort im Kriminalroman „Hafentod“. Brachland mit Bauzaun eingefasst. Der Stadthafen liegt südöstlich der Innenstadt von Münster.
Mauritz, Stadtteil von Münster
Die fünf Freunde spielen Detektiv, aus Langeweile, dabei übersehen sie den Ernst der Lage, denn sie mischen sich in fremde Angelegenheiten ein.
Italienisches Restaurant, Münster
Stammlokal der fünf Freunde, aber auch die Kommissarin isst gerne dort. Es wird von einem der Freunde betrieben.
Eine Boutique in einer verkehrsberuhigten Gasse Münsters
Die Witwe des Opfers betreibt einen exquisiten Laden hier. Die Kommissarin will nach ihr sehen, denn sie ist nach dem Tod ihres Mannes mal apathisch mal energisch, durcheinander.
