I can see U | Matthias Morgenroth

LITERATURANGABE:

Autor: Matthias Morgenroth
Verlag: Coppenrath Verlag
Übersetzung: ./.
Erschienen: Münster 2019
Umfang: ./.
ISBN: ./.

BUCHCOVER

Es ist ein Blick in einen Spiegel…oder einfach ein „Poker Face“. Ruhig, indifferent, forschend, emotionsarm, glatt und kalt, einfach abwartend. Sehen verbindet sich mit der Identität und tritt in die Privatsphäre ein ohne Fragen, keine Antwort warum, es ist ein Angriff, der charmant sein könnte und dabei Grenzen überschreitet. Was fehlt ist das Lächeln, diese Person wie in der Geschichte hat keinen Humor.

ZIELGRUPPE

Klassen der Mittel- und Oberstufe bzw. Leser, die außerhalb des Klassenverbands es lesen wollen. Die Eskalationen, die im Buch geschildert werden, werden nachdenklich stimmen und zur Diskussion anregen, denn eine gewaltfreie Kommunikation ist das nicht unter den Schülern und unter Lehrern.

Kiki’s Rezension: I can see U | Matthias Morgenroth

EINLEITUNG

Kiki: Lebensstile treffen einander und Wertvorstellungen prallen aufeinander.

Die Privatsphäre ist sehr eng geworden, weil jeder meint vom anderen zu wissen, worauf es ankommt. In einer Gemeinschaft wie einer Klasse ist es dekadent, die Freiheit einzuschränken, in dem man sich selber zu viele Freiheiten erlaubt.

 

INHALTSANGABE

Es ist ein Klassenbild, das der Leser wahrnimmt. Die zurückhaltende Marie fühlt sich in ihrer Schulklasse ins Abseits gerutscht, wäre nicht die Freundschaft mit der energischen temperamentvollen Elli. Als der attraktive Ben auftaucht ist Marie hin und weg. Als Ben sich einige Verhaltensausrutscher sich erlaubt, ist Marie voller Verständnis. Als manipulierte Fotos auf Handys und Nacktfotos auftauchen, ist die Welt in der Klasse nicht mehr in Ordnung und der Lehrer überfordert.

INHALTSANALYSE & CHARAKTERISIERUNG

Die Atmosphäre beginnt zu knistern als ein neuer Schüler Teil der Klasse wird: Ben. Marie, die Hauptperson in dem Buch, ist augenblicklich von dem gutaussehenden, hilfsbereiten Jungen entzückt. Maries Selbstbewusstsein begibt sich auf Klettertouren, denn Benn schwimmt im Takt ihrer Wellenlänge, er möchte ihr gefallen, indem er verbal ihre Zukunftswünsche formuliert. Auffallend dabei ist, dass Ben gleichermaßen der gesamten Klasse behilflich ist ohne sich spürbar an gemeinsamen Gruppenaktivitäten zu beteiligen. Seine Reaktionsfähigkeit ist auch ohne Handy extrem ausgeprägt, das macht die Sache mit Ben geheimnisvoll.

Kiki: Ein konfliktschwangeres Klassenbild und ein Subjekt der Begierde sind die Mittelpunkte.

Marie gefällt die Freundlichkeit des Neuen, wobei sie ihn mit den anderen nicht teilen möchte. Es entgeht ihr, dass Bens Verhalten unverbindlich, seine Höflichkeit unpersönlich ist. Seine Beobachtungsgabe interessiert sich für jeden Einzelnen der Gruppe. Er ruft Reaktionen hervor, die charakterliche Eigenschaften, Wünsche, Träume, Ziele personalisieren. In dieser Konstellation dauert es nicht lange, bis die Situation eskaliert. Als gefälschte Bilder auf Lehrerbildschirmen, Smartboards und Mobiltelefonen erscheinen, erlebt die Klassendynamik einen Kick: zum Negativen; zum Vulgären, vor allem die Sprache.

Die Unmittelbarkeit der Bilder auf den Displays lässt ihre bearbeitete Echtheit vergessen, die Frage nach der Ethik der Fälschung gerät in den Hintergrund. Die Protagonistin Marie ist eine der Betroffenen. Obwohl gleichgeschlechtliche Beziehungen in der Gesellschaft selbstverständlich sind, hat das Foto von Marie mit Elli eine Katapultwirkung; die Klasse entpuppt sich in einen Raum voller Vorurteile. Die Bilder wiegen mehr als Dementis. Das Psychogramm eines Schulverbundes in Ausnahmezustand wird sichtbar.

Es geschieht eine Verwandlung mit Marie während des Romans. Allmählich wirkt sie nervöser, misstrauischer, mutiger und vorsichtiger gleichzeitig, selektiver. Sie beginnt Ben zu verdächtigen, dass er hinter der Krise steckt; sie glaubt, dass er eine KI (künstliche Intelligenz) ist; sie hat Angst vor ihm, als sie erfährt, dass die Polizei ihm auf den Fersen ist. Sie spaziert mit ihm durch Ingolstadt, vor allem dort wo es Ruinen gibt. Auf dem Weg dorthin vertraut sie ihm sogar. Ben ist der Spiegel ihres Bedürfnisses anerkannt zu werden und er enttäuscht sie, mit anderen Worten, sie enttäuscht sich selber. Bens Sprache wird abfälliger, seinen Auftritten fehlt Empathie, er bedroht Marie und sie stellt ihm schließlich eine Falle. Sie begeht mit ihren Komplizen eine Straftat.

FAZIT

In „I can see U“ entgleist eine ganze Klasse in die Mobbing Unterwelt. Jeder sieht, was sie sehen wollen, sie entfernen sich von der Gruppe, um Verantwortung zu vermeiden, sie imitieren, sie sind egozentrisch. Digitale Wunschfabriken machen sprachlos, künstliche Intelligenzen avancieren zum Klassenthema, Handys sind in Erklärungsnot wegen der Sicherheitslücken, indifferente Freunde machen einsam und der Deutschunterricht gerät bei Romantik in eine existentielle Krise.

In „I can see U“ werden Bedürfnisse sichtbar, doch letztendlich bleiben sie bloß ein Echo.

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